KOMISCHE HEILIGE . . .
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"FIGHTING FOR PEACE IS LIKE
FUCKING FOR VIRGINITY."

[Einstein, Gandhi, Suttner - 
Gemälde von Werner Horvath, 2002]

Kurzbiografien großer "Friedenskämpfer"
und anderer vermeintlicher Wohltäter
der Menschheit im 20. Jahrhundert
gesammelt von Nikolas Dikigoros

[Engel mit dem Flammenschwert - oder komischer Heiliger, 
für den Frieden kämpfend]

Nun hat Dikigoros so viel über (vermeintlich) große Politiker und (vermeintlich) große Kriegshelden geschrieben, daß er als kleinen Ausgleich auch denen eine Seite widmen will, die weder aktiv in die Politik gegangen sind, noch militärische Heldentaten vollbracht, sondern genau das Gegenteil getan haben: den (vermeintlich) großen Kämpfern für den Frieden, die sich durch Nobelpreise oder Seligsprechungen auszeichnen, die als Korifäen der Wissenschaft oder als Tugendbolzen an Humanität gelten, kurzum als Wohltäter der Menschheit, denen so selten auf den - meist hohlen - Zahn gefühlt wird, weil es schon fast als Sakrileg gilt, ihren Heiligenschein in Frage zu stellen. Heiligenschein? Ja, denn es sind die "zivilen" Heiligen unserer Zeit, die zwar (noch) nicht offiziell von der Kirche heilig gesprochen worden sind (denn heilig sprechen kann man nach geltendem Kirchenrecht nur Tote), aber doch schon zu Lebzeiten vergöttert wurden, als habe sie der Himmel persönlich auf die Erde gesandt, als Boten (griechisch "Angeloi" - daraus entstand unser Wort "Engel") einer besseren Welt.

Was sollte man auch im Ernst vorbringen gegen Menschen, die uns mit ihren großartigen wissenschaftlichen Forschungen beglückt haben, die für den Frieden gekämpft, die Armen gekleidet und die Hungernden gespeist, die ganz dem Worte Goethes - oder war es Schillers? - gelebt haben: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Nun, auf diese Frage könnte man eine Menge antworten. Zum Beispiel, daß die Erfinder des Feuerzeugs, des Vergrößerungsglases und des Kühlschranks der Menschheit viel größere Dienste erwiesen haben als die Erfinder der Weltraumrakete, der Atombombe und des Düsenflugzeugs; oder daß viel mehr dazu gehört, persönlich im Alltag etwas für seine Mitmenschen zu tun, als sich von anderen Millionen spenden zu lassen, um diese dann großzügig und nach dem Gießkannenprinzip an Dritte weiter zu verteilen, und daß Nächstenliebe zuhause viel wichtiger wäre als Fernstenliebe irgendwo in Rußland, Indien und Schwarzafrika; oder - um das Zitat aus der Überschrift noch etwas auszuweiten -, daß man den "Frieden" nicht um jeden Preis zum Selbstzweck erheben sollte, weil ein fauler Friede oft eine bloße Friedhofsruhe ist, für die einzutreten nicht gerade von Menschenfreundlichkeit zeugt. (Und bei "Peacemaker [Friedensmacher]" - ein Schlagwort, das u.a. vom zwielichtigen My Hero Project gebraucht wird - denkt Dikigoros ohnehin immer zuerst an den gleichnamigen Revolver aus den Fabriken des großen Erfinders Samuel Colt - der den Frieden, der damit geschaffen wurde, freilich nicht mehr miterlebt hat.)

Aber das sind nur allgemeine Überlegungen, die kritischen Lesern vielleicht zu abstrakt sind. Recht haben sie, werden wir also ganz konkret: Die Leute, die Euch Dikigoros hier vorstellen will, haben nichts erfunden, das irgendeinen wissenschaftlichen Wert hätte - sie haben also kein Wissen geschaffen, sondern nur Unwissen oder bestenfalls Halbwissen -, sie haben nichts zu einem wie auch immer gearteten Frieden beigetragen, sondern [Bürger-]Kriege geschürt oder bereits geführte Kriege noch verschlimmert, und sie haben Armut und Hunger in der Welt nicht gelindert, sondern vielmehr bewußt aufrecht erhalten oder gar verschlimmert. Sie, die sich als Friedensaktivisten, Pazifisten, Bürger- und Menschenrechtler, Philanthropen und Wohltäter ausgaben, entpuppen sich bei näherem Hinsehen allesamt mehr oder weniger als Lügner, Betrüger oder Verbrecher - obwohl sie von interessierter Seite, wie z.B. der zwielichtigenStuttgarter "Gesellschaft für Wissensvermittlung über neue Medien und politische Bildung" (welch ein Name :-) noch heute als "Vorbilder" ausgegeben werden. Das Perfide daran ist, daß man sie oft in einen Zusammenhang stellt mit solchen Persönlichkeiten, die wirklich unsere Hochachtung verdienen und sich im Grab umdrehen würden, wenn sie wüßten, mit wem sie da in einen Topf geworfen werden - oder was soll man davon halten, wenn ein gewisser David Lehnort als die sechs größten "Helfer der Menschheit" im 20. Jahrhundert Robert Koch, Wilhelm Conrad Röntgen, Alexander Fleming, Martin Luther King, Mutter Teresa und Nelson Mandela in einem Atemzug nennt - und Marie Curie in einem Atemzug mit Sissi, Marlene Dietrich und Elizabeth II von England unter dem Stichwort "am meisten bewunderte Frauen" sowie Ludwig van Beethoven mit Madonna und Michael Jackson unter "bedeutendste Musiker"? (Die Frage beantwortet sich, wenn man weiß, daß er für die sechs "bedeutendsten Staatsmänner" des 19. und 20. Jahrhunderts Otto v. Bismarck, Lenin, Konrad Adenauer, Fidel Castro, Helmut Kohl und Bill Clinton hält und zu den "größten Missetätern" der letzten zwei Jahrhunderte so armselige Würstchen und Kleinkriminelle wie Saddām Ħusäin und Usamā bin Lādin zählt, nicht aber millionenfache Massenmörder wie Winston Churchill - der schon 60 Jahre vor Saddam mehr Kurden im Irak vergasen ließ als der schnauzbärtige Westentaschen-Diktator -, F. D. Roosevelt - der mehr New Yorker in den "Heldentod" geschickt hat als bei den muslimischen Kamikaze-Anschlägen vom 11. September 2001 umgekommen sind - oder Mao Tse-tung - der mehr seiner Landsleute ermordet hat als im Zweiten Weltkrieg gegen Japan gefallen sind. Dafür zählt Lehnort zu den "imponierendsten Persönlichkeiten" des 20. Jahrhunderts Paul v. Hindenburg, John F. Kennedy und Mikhail Gorbatschow. Und, um auf Dikigoros' eigene Auswahl zurück zu kommen: Die beiden Alberts - Einstein und Schweitzer - sortiert er unter "größte Denker" des 19. und 20. Jahrhunderts" ein, zwischen Immanuel Kant und Sigmund Freud einerseits sowie Jean-Paul Sartre und Joseph Ratzinger andererseits. Daß Kant im 18. Jahrhundert lebte und daß es im 19. Jahrhundert Denker wie Darwin, Marx und Nietzsche gab, ist ihm offenbar entgangen; auf manche Leute trifft halt der Satz zu: Denken ist Glückssache :-)

Nicht einmal der Ausdruck "Helfer der Menschheit" ist auf dem eigenen Mist jenes jungen Mannes gewachsen - nur daß er früher nicht mit der gleichen Leichtfertigkeit verwendet wurde. Ältere Briefmarkensammler erinnern sich vielleicht noch an die erste Sondermarkenserie dieses Titels, die nach Gründung der BRD begonnen und bis in die späten 1950er Jahre fortgesetzt wurde. Damals wäre niemand im Ernst auf die Idee gekommen, Bertha v. Suttner, Albert Schweitzer oder Mutter Teresa in dieser Form zu ehren - schließlich kannte man damals noch Menschen, die diese Bezeichnung tatsächlich verdienten, wie Elsa Brändström (die nicht gegen den Krieg schwafelte, sondern sich um dessen Opfer kümmerte), Johann Friedrich Oberlin (der sich nicht um die von den Franzosen unterdrückten Negerlein in Afrika kümmerte, sondern um seine Landsleute, die von den Franzosen unterdrückten Elsässer) und Florence Nightingale (wenngleich man nicht mehr so genau wußte, wie sie sich schrieb :-). Von den hier vorgestellten komischen Heiligen nahm man nur Fridtjof Nansen in jene Serie auf; und man leistete sich nur einen einzigen 100%igen Fehlgriff - mit Käthe Kollwitz, die der Menschheit dadurch "helfen" wollte, daß sie die Ermordung ungeborener Kinder propagierte.

1959, als Dikigoros noch ein Kind war, gab ein gewisser Heinz Vonhoff einen Sammelband heraus mit dem Titel "Im Dienste des Menschen". Die Mehrzahl der Kapitel darin war Personen gewidmet, die in früheren Jahrhunderten lebten; aber seine Auswahl des 20. Jahrhundert zeigt doch, wie schnell auch der Ruhm dieser Art von "Helden" verblassen kann. Gewiß, die "Unvermeidlichen" - Bertha von Suttner, Fridtjof Nansen, Albert Schweitzer und der Abbé Pierre - waren schon bzw. noch dabei; aber einige andere - wie Brändström und Oberlin - hatte er bereits vergessen (bzw. mit einem kurzen Nebensatz abgespeist, was eigentlich noch schlimmer ist, da es von Mißachtung zeugt statt von bloßer Vergeßlichkeit), und viele von ihm nicht vergessene sind es heute. Warum? Was haben sie verbrochen, daß man sie "aussortiert" hat? (Übrigens nicht nur im Westen: Wie viele Japaner kennen heute noch Toyohiko Kagawa und wie viele Inder noch Winyak Bhawe?) Dikigoros vermutet mal, daß die Gründe ähnlich gelagert sind: Friedrich v. Bodelschwingh half in den Armenvierteln von Paris auch den Kindern von deutschen Gastarbeitern (ja, die gab es dort vor dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 noch) - pfui! Helen Keller beging das Verbrechen, deutscher Abstammung zu sein und gegen den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg zu sein; Walter Robert Conti half nach dem Zweiten Weltkrieg auch deutschen Kindern - und das geht natürlich nicht, denn das waren doch Nazi-Kinder! Aber wie Dikigoros auch auf seinen anderen Webseiten mit Biografien stets wiederholt: Es geht nicht darum, wen er persönlich für einen "Helfer der Menschheit" o.ä. hält, sondern wenn die Mediengewaltigen dazu ernennen oder auch nicht. (Dieser Status mag zwar nicht so offiziell sein wie der des "Weltkulturerbes" der UNESCO, aber er ist ebenso inflationierbar und ebenso aberkennbar wie jener :-)

Der geneigte Leser wird hier womöglich noch einige andere Namen vermissen; aber das hat seinen guten Grund: Entweder hat Dikigoros über sie schon an anderer Stelle geschrieben, so daß er hier nicht zu entscheiden braucht, ob z.B. Gāndhī eher ein Politiker war (wie Nelson Mandela) oder ein "Zivilheiliger" (wie Martin Luther King) oder nicht oder doch. Oder aber es handelt sich um berufsmäßige Heilige, die neuerdings ebenfalls zu Friedensaposteln hochstilisiert werden, wie Tentsin Gyatsu, den 14. Linsenmönch (Dālaī Lāmā) der Tibbäter. Das schließt nicht aus, daß einige der hier Vorgestellten gelernte Priester oder Nonnen waren - sie sind nicht als solche berühmt geworden, sondern entweder durch ihr karitatives oder durch ihr politisches Engagement (aber, was wesentlich ist, ohne ein politisches Spitzenamt erlangt zu haben). Geschriftstellert haben sie alle, mal mehr, mal weniger gut - aber (fast) immer irgendwie erfolgreich. Und auch wenn sie weder Wissenschaftler noch Helfer der Armen noch sonst etwas waren, eines hatten sie allemal gemeinsam: ihr Eintreten für "den" Frieden.

Dabei haben die meisten dieser "Heiligen" gar nicht kapiert (Dikigoros gebraucht dieses Wort, das vom lateinischen "caput [Haupt]" kommt, lieber als das deutsche Wort "begreifen", weil das, was gemeint ist, eine Sache des Kopfes ist, nicht der Hände), daß Krieg nicht gleich Krieg, Frieden nicht gleich Frieden und Gewalt[losigkeit] nicht gleich Gewalt[losigkeit] ist. Das gilt innen- wie außenpolitisch gleichermaßen. Außenpolitisch ist der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wie mal ein Politiker gesagt hat, und dieses Mittel wird - wie alle Mittel - durch den Zweck geheiligt - oder auch nicht. Es gibt "gerechte" Kriege und "ungerechte" Kriege, und die Grenze ist oftmals fließend - jedenfalls verläuft sie nicht zwischen den so genannten "Verteidigungskriegen" und den so genannten "Angriffskriegen" (wenn sich diese denn überhaupt immer so klar unterscheiden lassen). Und innenpolitisch verläuft sie nicht zwischen so genannten "friedlichen" und "unfriedlichen" Demonstrationen - zumal auch die friedlichste Veranstaltung nur allzu schnell in Gewalttätigkeit umschlagen kann. Aber was besagt das schon? Ist "Gewalt" denn nur fysische Gewalt? Oder gibt es nicht auch andere Druckmittel? Eine Wirtschaftsblockade z.B., oder schon die bloße Drohung mit einer solchen (oder mit "fysischer Gewalt")? Und sie haben auch nicht kapiert, daß es auf Dauer nichts hilft, Kleidung, Nahrung und andere Ressourcen ans andere Ende der Welt zu schicken und umzuverteilen, um dort Hunger und Armut zu bekämpfen, wie dies Nansen, Schweitzer oder "Mutter Teresa" getan haben, daß solche Transfers keine "Transfairs" sind, sondern oft ganz im Gegenteil die einheimische Produktion (und sei es die - oft sehr segensreiche - "Kinderarbeit") abwürgen, die allein dauerhaft Abhilfe schaffen könnte. (Das gilt übrigens generell für die so genannte Entwicklungs-"Hilfe", wie sie heute sowohl von staatlichen als auch von nicht-staatlichen Gebern praktiziert wird; sie verdient oft eher den Namen "Entwicklungshemmung"; und auch das, was man neuerdings als "Hilfe zur Selbsthilfe" etikettiert, erweist sich bei näherem Hinsehen meist als Mogelpackung.) Und schließlich gibt es noch solche, die das alles zwar kapiert haben, aber dennoch mit unverfrorenem Cynismus weiter machen - das sind die schlimmsten.

[Exkurs. Nun muß man nicht unbedingt ein Cyniker sein, um ganz ernsthaft zu fragen: "Was geht uns die Entwicklung in den Ländern der "Dritten Welt" überhaupt an? Sollte man die nicht in ihrem eigenen Saft schmoren lassen? Hat Dikigoros nicht selber an anderer Stelle geschrieben, welche beiden Alternativen es bei Wirtschafts- und Entwicklungshilfe überhaupt nur geben kann: Entweder sie hilft den Empfängern tatsächlich, dann werden sie uns über kurz oder lang Konkurrenz machen und das Wasser abgraben, d.h. wir sägen uns den Ast, auf dem wir zur Zeit noch sitzen, selber ab; oder aber sie hilft nicht, dann sind die Kredite und "Investitionen" futsch. Aber so einfach ist es ja nicht: Natürlich ist es ein Irrsinn, z.B. die südkoreanische Werftindustrie solange mit Geld und Know-how aufzupäppeln, bis sie unsere eigenen Werften von den Weltmärkten verdrängt und in den Ruin getrieben hat, so daß unsere eigenen Werftarbeiter jetzt arbeitslos sind. Und natürlich ist es Irrsinn, den korrupten Negerhäuptlingen in Afrika Milliarden und Abermilliarden an Entwicklungshilfe zu schenken (bzw. auf die Rückzahlung der so genannten "Kredite" später qua "Schuldenerlaß" zu verzichten), von denen kein Pfifferling an die wirklich Bedürftigen durchsickert. Und die letzteren können uns eben nicht egal sein; denn wenn sie zuhause kein Auskommen mehr finden und nichts mehr zu verlieren haben, dann kommen sie zu uns, um sich ein Stückchen vom immer kleiner werdenden Kuchen abzuschneiden. Und wenn wir sie nicht freiwillig schneiden lassen, dann werden sie ihre Messer eben erstmal zu etwas anderem gebrauchen. Wenn das so weiter geht, dann werden wir eines Tages Krieg führen müssen, "Nord" gegen "Süd", und für den Norden wird es Notwehr sein, die Verteidigung, nein, nicht seines Wohlstandes - der geht auch so allmählich den Bach runter -, sondern seiner Kultur, seiner Lebensformen, wozu zählt, daß man abends sein Auto abstellen kann, ohne daß es am nächsten Morgen gestohlen oder demoliert ist, daß man nachts auf die Straße gehen kann, ohne überfallen und ausgeraubt - oder ermordet - zu werden, daß man morgens nicht vom Muezzin mit Allahu-akbar-Rufen aus dem Schlaf gerissen wird, kurzum, daß man nicht leben muß wie in gewissen Vororten und Stadtteilen von Paris, Marseille, London, Birmingham, Berlin, Hamburg und neuerdings auch Madrid. Da hilft es nichts, irgendwelche Zäune zu bauen, auf "Deeskalation" oder "Integration" zu setzen (und was der schönen Fremdwörter mehr sind), sondern nur, die Leute dorthin zurück zu schaffen, wo sie herkommen und hingehören und dafür Sorge zu tragen, daß der Versuch, zu uns zu kommen, für sie so unattraktiv wie möglich wird - und das wird er für die meisten schon, wenn sie zuhause ihr Auskommen oder wenigstens eine Perspektive haben, es irgendwann zu erreichen. Das - und nur das - kann der Sinn einer richtig verstandenen "Entwicklungshilfe" sein. Exkurs Ende.]

Nun gab und gibt es solche halbseidenen Typen nicht erst seit dem 20. Jahrhundert, sondern schon spätestens seit Beginn der Neuzeit. Man denke nur an Erasmus von Rotterdam, jenen Möchtegern-Wissenschaftler, der glaubte - und mittels des Propaganda-Apparats der spanischen Habsburger ganz Europa glauben machte -, daß er die antike griechisch-römische Kultur wiederentdeckt oder gar wiederbelebt, ihr also zur Wiedergeburt ("Renaissaince") verholfen habe und damit wie kein anderer zu ihrem Mißverstehen beitrug. (Speziell die Deutschen "verdanken" ihm, daß sie bis heute grundsätzlich alle griechischen Fremdwörter falsch aussprechen.) Oder an den Menschenfreund Bartolomé de las Casas, der dafür kämpfte, daß die armen Indios in der Karibik nicht länger der harten körperlichen Arbeit auf den Encomiendas ausgesetzt wurden und statt dessen Negersklaven aus Afrika einführen ließ. Er erreichte dadurch, daß die ersteren durch die letzteren mehr und mehr verdrängt und schließlich ganz ausgerottet wurden. [Merke: Menschen und Tiere, die nicht mehr gebraucht werden, weil sie sich nicht mehr durch Arbeit nützlich machen können, sterben aus.] Und nicht nur die Indios waren und sind betroffen: Heute gibt es in der Karibik nicht nur keine Indios mehr, sondern auch kaum noch Weiße; es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch sie dort restlos verschwunden sein werden. Oder an Jean-Jacques Rousseau, jenen selbsternannten "Pädagogen", der anderen vor-schreiben wollte, wie sie ihre Kinder zu erziehen hätten, aber seine eigenen ins Heim abschob. Und doch wirkte deren falsches Bild nur auf eine relativ kleine Schicht von "Gebildeten" und halb Gebildeten; es wurde vornehmlich über Bücher verbreitet - und wer las die schon? Erst im 20. Jahrhundert ermöglichte die Zunahme der Medienmacht, die praktisch alle Lebensbereiche auch des Normalverbrauchers immer mehr durchdrang, jeden x-beliebigen Charlatán zum "Heiligen" und "Wohltäter der Menschheit" hochzujubeln, und ganze Generationen von Schülern mit den schwachsinnigen Ergüssen der Einstein, Teilhard, Chomsky, Hawking u.a. zu verblöden, als seien sie der Weisheit letzter Schluß. [Daß viele mit dem "Friedens"-Nobelpreis ausgezeichnete Individuen von Rechts wegen als Kriegsverbrecher hätten verurteilt werden müssen, ist fast schon ein Gemeinplatz, deshalb tauchen hier nur ein paar aus ihren Reihen auf, von denen sich das noch nicht ganz so weit herum gesprochen hat.] Daher hat Dikigoros sich auf die unmittelbare Vergangenheit - und Gegenwart - beschränkt.

Es wird so oft beklagt, daß "die Jugend von heute" keine Ideale und keine Leitbilder mehr habe. Mag sein - doch das liegt in erster Linie daran, daß man ihnen die falschen Vorbilder präsentiert, mit denen sie nichts anfangen können. (Wenn sich mal jemand an einer Fortsetzung dieser Sammlung versuchen will und nach passenden Kandidaten sucht, empfiehlt Dikigoros einen Blick auf die Träger des 2008 gestifteten "Deutschen Nachhaltigkeitspreises, insbesondere die Liste der "Ehrenpreisträger", von Larry Hagman - der besonders nachhaltig in "Bezaubernde Jeannie" herum kasperte -, über Yusuf Islam (vormals "Cat Stevens"), der besonders nachhaltig zum Islam übertrat, und "Die Fantastischen Vier", die besonder nachhaltig hip-hopten, bis zu Joschka Fischer.) Beim "Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten" 2009 wurden Schulkinder animiert, über "stille Helden und Wohltäter" zu schreiben, die "verehrt - verkannt - vergessen" sind. Prämiert wurden u.a. Arbeiten über so herausragende Persönlichkeiten wie die "Frauenrechtlerin" Berta Lungstras, die "Friedensaktivistin" Klärchen Fassbinder und den "Widerstandskämpfer" Paul Langen. (Dessen "Heldentat" hatte darin bestanden, während des Krieges Feindsender zu hören - was ihm bei den Alliierten die Todesstrafe eingetragen hätte, im "Dritten Reich" dagegen nur einen Aufenthalt im Siegburger Gefängnis, das er jedoch - anders als manche Insassen unserer Tage - unbeschadet überlebte; es muß doch einen Unterschied geben zwischen Demokratie und Diktatur :-)

Hans-Christian Andersen, der große dänische Reisende durch die Wirklichkeit, dessen Werke heute leider weitgehend aus den Kinder- und Wohnzimmern verschwunden sind, hat in einer seiner "Märchen" genannten Parabeln "des Kaisers neue Kleider" beschrieben, die man ebenso wenig sehen konnte wie die gekrümmte Raumzeit, die strahlenden schwarzen Löcher oder die Tiefenstruktur der Universal-Grammatik, und zwar aus einem ganz einfachen Grunde: Es gab die ersteren ebensowenig wie die letzteren. Und dennoch glaubten all die Narren an sie und all die, die sich nicht trauten, den Autoritäten zu widersprechen. Auch die Jugend von heute traut sich nicht, solange man sie mundtot macht und gleich zu "Antisemiten", "Rechtsradikalen" und "Gedankenverbrechern" abzustempeln droht, wenn sie es etwa wagen sollte, an den Lehren der Einstein & Co. zu zweifeln, nachzudenken, nachzufragen oder gar nachzurechnen. (Aber was heißt schon "die Jugend von heute" - selbst der sonst so mutige und von Dikigoros darob bewunderte gute alte Joachim Fernau wagte in diesem Punkt nicht, aufzumucken: Als er 1972 "Die Genies der Deutschen" schrieb, wählte er als einzigen Kandidaten des 20. Jahrhunderts ausgerechnet den jüdischen Jahrhundert-Charlatán Einstein aus - wenngleich man dem lieblos zusammen geschmierten Mini-Kapitel irgendwie schon anmerkt, daß es ihm damit nicht ganz ernst war :-) Wenn wir daran etwas ändern wollen, dann müssen wir also dort beginnen, wo gesündigt worden ist, d.h. wir müssen den falschen Heiligen ihre Masken vom Gesicht reißen, auch auf die Gefahr hin, daß wir dann bei gewissen Gutmenschen nicht mehr als "politisch korrekt" gelten - aber das tut Dikigoros ohnehin nicht, deshalb braucht er darauf keine Rücksicht zu nehmen.

Die folgenden Lebensläufe sind chronologisch geordnet, nach dem Geburtsdatum der "Heiligen", nicht nach ihrer - vermeintlichen - Bedeutung, Wirkung oder Herkunft. Die bekanntesten von ihnen stammen aus Europa; aber das ist eher Zufall; gewirkt haben sie überwiegend weltweit, und sei es nur durch ihre Schriften, insbesondere wenn diese durch die Verleihung irgendeines Nobelpreises international bekannt wurden. Ja, irgendeines - es kommt nicht darauf an, ob es der für Fysik, Literatur oder Frieden war. Wenn es gar keinen dieser begehrten Preise gab, wurde es etwas schwieriger; aber auch "Zivilheilige" aus der zweiten Reihe, wie Pastor Niemöller, Pablo Neruda, der Abbé Pierre und Shrī Aurobindo, dürften über die Grenzen Deutschlands, Chiles, Frankreichs und Indiens hinaus bekannt sein. Im übrigen hat sich Dikigoros wie immer nicht nur um eine halbwegs ausgewogene geografische Verteilung (sieben Mitteleuropäer, vier Lateinamerikaner, zwei Nordamerikaner, zwei Briten, ein Skandinavier, ein Inder und eine Albanerin) bemüht, sondern auch die so genannten "Minderheiten" (drei Frauen, zwei Juden und den unvermeidlichen Neger :-) angemessen berücksichtigt. Aber wer meint, daß noch jemand fehlt, darf Dikigoros gerne mailen - nur bitte nicht mit Vorschlägen aus der dritten Reihe, wie Alva Myrdal oder Desmond Tutu (es muß ja hier nicht jeder fast schon vergessene Charlatán abgehandelt werden, bloß weil er weiblich oder schwarz ist :-) und auch nicht mit Typen wie Oscar Schindler - seit der unter die "Gerechten" aufgenommen ist, riskiert jemand, der seinen wahren Lebenslauf verbreitet oder auch nur zur Kenntnis nimmt, Strafverfolgung. (Wer dieses Risiko eingehen will, kann ja mal ein wenig unter "Swindler's List" googeln.) Eine Seite über das "Napalm Girl" Kim FuckKim Phuc ist in Vorbereitung; aber Dikigoros' Informant - dessen Identität sich aus derselben unschwer erraten ließe - hat ihn ausdrücklich gebeten, mit der Veröffentlichung zu warten, bis er das Zeitliche gesegnet hat; und solche Wünsche sind zu respektieren, wenngleich Dikigoros leichte Zweifel hegt, daß er ihn überleben wird; einstweilen schreibt er über jenes fast schon zur Heiligen aufgestiegene arme Opfer an anderer Stelle - wen der Anfang der Seite nicht interessiert (obwohl auch dessen Thema sehr interesssant ist) kann ja bis etwa zur Mitte herunter scrollen und den Rest "genießen".

[Nobelpreisträger - Suttner, King, Dalai Lama]



DIE WAFFEN NIEDER!

Bertha v. Suttner (1843-1914)


[in Bearbeitung]


DER GROßE POTLATSCH

Fridtjof Nansen (1861-1931)


[in Bearbeitung]


KOMM IN MEINEN ASHRAM

Shrī Aurobindo (1872-1950)



DER PARADOXE ATOMIST

Bertrand Russell (1872-1970)



DER URWALD-DOKTOR

Albert Schweitzer (1875-1965)



ALLES IST RELATIV . . .

Albert Einstein (1879-1955)



DER MYSTIKER DER EVOLUTION

Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955)



Selbstdarsteller auf der Weltbühne

Carl von Ossietzky (1889-1938)



GEGEN ALLE FLAGGEN

Martin Niemöller (1892-1984)



Bis zum Sieg des Volkes . . .

Pablo Neruda (1904-1973)



Der Todesengel von Kålkattā

Mutter Teresa (1910-1997)



Unter den Brücken von Paris

L'Abbé Pierre (1912-2007)



Befreiung wessen wovon wozu?

Óscar A. Romero (1917-1980)



Priesterpoet und Politgangster

Ernesto Cardenal (1925-2020)



DER AUS DER TIEFE KAM

Noam Chomsky (1928-202?)



DER FALSCHE FRIEDENS-DOKTOR

Martin Luther King, jr. (1929-1968)



Zeitreisender ins Schwarze Loch

Stephen Hawking (1942-2018)



DIE ERFUNDENE AUTOBIOGRAFIE

Rigoberta Menchú Tum (1959-20??)

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[Petrus is not amused]


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