FIDEL  CASTRO

[Fidel Alejandro Castro Ruz]

"El máximo líder"

(1926-2016)

[Fidel Castro - gezeichnet von Bubec]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1926*
13. August: Fidel Ruz wird als drittes von sechs (nach anderen Quellen: fünf) unehelichen Kindern des aus Galizien eingewanderten Großgrundbesitzers und Zuckerspekulanten Ángel Castro y Argiz und des Dienstmädchens Lina Ruz Gonzáles in Birán geboren. Er besucht Jesuitenschulen, zuerst in Santiago, dann (seit 1942) in La Habana.

1943
Ángel Castro - der zwei Jahre zuvor Lina Ruz geheiratet hat - erkennt Fidel offiziell als seinen Sohn an; seitdem trägt dieser den Namen Fidel Castro.


1945
Fidel beginnt ein Jura-Studium an der Universität La Habana. Am Ende des Zweiten Weltkriegs ist Kuba - seit 1898 ein de-facto-Protektorat der USA - das reichste Land Mittelamerikas, obwohl es praktisch keine Bodenschätze hat. Sein Wohlstand rührt vom Tourismus (einschließlich Prostitution und Glücksspiel) und der Produktion von Suchtmitteln (Rum aus Zuckerrohr, Tabakerzeugnisse) her.


1947
Fidel tritt der neu gegründeten "Orthodoxen Kubanischen Volkspartei [PPCO]" des US-kritischen Politikers Eduardo Chibás bei.


Fidel beteiligt sich an dem fehl geschlagenen Versuch, Rafael Trujillo, den Präsidenten der Dominikanischen Republik, gewaltsam zu stürzen.

1948
Die PPCO verliert die Wahlen gegen die regierende PRCA. Die Präsidentschaft geht von deren Vorsitzendem Ramón Grau San Martín auf dessen Stellvertreter Carlos Prío Socarrás über.
Fidel nimmt in Bogotá (Kolumbien) an einer Konferenz lateinamerikanischer Studenten teil, die offiziell als Kontrastprogramm zur gleichzeitig statt findenden Pan-America-Konferenz gedacht ist. Tatsächlich handelt es sich lediglich um eine Tarnung für radikale Elemente, die einen kommunistischen Putsch versuchen. Nach der Ermordung von Jorge Eliecer Gaitán versinkt das Land in einem jahrelangen Bürgerkrieg.
Fidel, der als einer der Rädelsführer steckbrieflich gesucht wird, kehrt zurück nach Kuba und heiratet die Millionärstochter Mirta Díaz Balart. Aus der Ehe geht ein Sohn (Fidel[ito], *1949) hervor; sie wird 1955 geschieden.

1950
Fidel beendet sein Jura-Studium und wird Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei in La Habana.

1951
Chibás kandidiert erneut für die Präsidentschaft. Bei einer Wahlkampfrede wird er durch einen Schuß aus seiner eigenen Pistole getötet. (Die PPCO spricht von einem "Unfall", ihre politischen Gegner von einem "Selbstmord" - nur die nächst liegende dritte Möglichkeit wird, soweit ersichtlich, nirgends offen vertreten :-) Fidel, der direkt neben ihm stand, tritt sein politisches Erbe an.

1952
März: Noch vor Abschluß der Stimmen-Auszählung - bei der die PPCO angeblich vorne liegt - putscht das Militär und macht General a.D. Fulgencio Batista zum neuen Präsidenten.
Fidel verläßt La Habana und geht mit einigen Freunden in den Untergrund.

1953
26. Juli: Castro versucht mit nur 135 Genossen einen stümperhaften Aufstand gegen das Batista-Regime. Nachdem die Hälfte der Möchtegern-Revolutionäre gefallen ist, flieht er in die Sierra Maestra. Er wird jedoch gefaßt und im Oktober zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.


1955
Mai: Im Rahmen einer von Batista verfügten General-Amnestie wird Castro begnadigt.
Juli: Castro geht nach Mexiko. Dort trifft er den Argentinier Ernesto "Ché" Guevara, der gerade mit einem Putschversuch gegen den Präsidenten von Guatemala gescheitert ist, und tut sich mit ihm zusammen


1956
November: Castro segelt mit 80 "Revolutionären" nach Kuba, um einen Guerillakrieg zu beginnen.
Dezember: Der kleine Haufen wird von Batistas Truppen fast vollständig aufgerieben. Castro flieht mit 20 Überlebenden - u.a. sein Bruder Raúl, Ché Guevara und Camilo Cienfuegos [Hundertwasser Hundertfeuer] - erneut in die Sierra Maestra. Von dort startet er eine internationale Propaganda-Kampagne gegen Batista, die vor allem bei jüdischen US-Medien gut ankommt. Der kommunistische Reporter Herbert Matthews ("The Man Who Invented Castro [Der Mann, der Castro erfand]") von der New York Times stilisiert ihn zu einem romantischen Helden à la Robin Hood hoch. Er und seine Mitstreiter erhalten wegen ihres Äußeren den liebevollen Beinamen "los Barbudos [die Bärtigen]".


Abgehalfterte Alkoholiker wie der KindermörderSchriftsteller Ernest Hemingway und der Schauspieler Errol Flynn - beide bereits Möchtegern-Veteranen des Spanischen Bürgerkriegs - bekunden Castro ihre Sympathie.


1958
Mai: Batistas Versuch, Castros kleine Gruppe militärisch zu zerschlagen, scheitert. Castro gewinnt vielmehr neuen Zulauf durch zahlreiche Deserteurte.
Dezember: Nachdem Cienfuegos Yaguajay, Huber Matos Santiago und Guevara Santa Clara erobert haben, tritt Castro zum Marsch auf La Habana an; Batista flieht überstürzt in die Dominikanische Republik.


1959
Januar: Castro zieht mit 500 seiner in Genossen La Habana ein - über 10.000 Mann Regierungstruppen haben kampflos kapituliert.
Castro macht sich selber zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt eine Marionetten-Regierung, die sofort von den USA anerkannt wird.**
Februar: Castro macht sich selber zum Premierminister; inoffiziell wird er jedoch "máximo líder [GröFaZ]" betitelt. Sein Wahlspruch lautet zunächst: "patria o muerte [Vaterland oder Tod]".


April: Castro macht eine good-will-tour durch die USA; Präsident Eisenhower weigert sich jedoch, ihn zu empfangen (nicht so sein Vize Nixon).
Mai: Castro beginnt mit der Enteignung des kubanischen Großgrundbesitzes. Auf den enteigneten Ländereien soll ein Siedlungsprogramm durchgeführt werden.
Juli: Castro macht den aus dem mexikanischen Exil nach Kuba zurück gekehrten Advokaten und Playboy Osvaldo Dorticós, der ihm zunächst kurz als Justiz-Minister gedient hatte, zum Staatspräsidenten; zugleich dient er sich über dessen Kontakte zu KGB-Agenten in Mexiko der Sowjet-Union an.
Oktober: Castro entledigt sich seiner SU-kritischen Genossen Matos (der wegen "Hochverrats" zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt wird) und Cienfuegos (dessen Flugzeug im Bermuda-Dreieck über der Karibik "verschwindet").
November: Castro macht den BockChé Guevara zum GärtnerDirektor der Nationalbank von Kuba.


1960
Castro trifft mit dem Sowjet-Führer Chruschtschëw zusammen.
Nach sowjetischem Vorbild überzieht Castro ganz Kuba mit einem Netz von Spitzeln, die in so genannten "Komités zur Verteidigung der Revolution [Comités de la defensa de la revolución]" (CDR) organisiert sind.


[Bei Castros Tod sind drei Viertel der Kubaner - also praktisch alle Erwachsenen - CDR-Mitglieder, so daß am Ende jeder jeden bespitzelt und ausschnüffelt, ähnlich wie in der DDR die Stasi mit ihren "Inoffiziellen Mitarbeitern" (IM)]

1961
Castro liiert sich mit Dalia Soto del Valle. (Aus der Verbindung - die angeblich 1980 in eine Ehe mündet - gehen fünf Söhne hervor.)
Castro macht Ché Guevara zum Industrie-Minister. Dieser löst die Wirtschaft Kubas aus der Verflechtung mit westlichen Ländern und sucht verstärkt die Einbindung in den Ostblock. Alle US-Vermögenswerte in Kuba werden entschädigungslos enteignet. Kuba bekommt alsbald ernsthafte wirtschaftliche Probleme.
April: US-Präsident John F. Kennedy läßt die von seinem Vorgänger Eisenhower initiierte Invasion kubanischer Exilanten in der "Schweinebucht" im Stich, die daraufhin scheitert. Als er seinen Fehler verspätet einsieht, verhängt er einen Wirtschaftsboykott gegen Kuba, an dem auch seine Nachfolger weitgehend festhalten und der Castro als Dauerausrede für den wirtschaftlichen Niedergang der Insel dient - obwohl Nahrungsmittel und Medikamente davon ausgenommen sind. Tatsächlich verliert Kuba durch diesen Boykott fast nichts. Nicht nur die Sowjet-Union und die DDR springen in die Bresche, sondern auch westliche Länder unterlaufen den Boykott, z.B. Großbritannien - wo 1964-70 der Sozialist Harold Wilson regiert*** - und Kanada - wo 1968-84 der Politverbrecher Pierre Trudeau herrscht, während dessen Amtszeit sich der Außenhandel Kanadas mit Kuba verdreifacht.

[Trudeau verteilt Zigarren] [Castro applaudiert seinem gelehrigen Schüler Trudeau]
Wes Brot ich ess' Zigarren ich rauch', des Lied ich sing'! "Stinkefinger" Trudeau versucht, Reporter zu bestechen überzeugen

1962
Castro schickt Ché Guevara nach Moskau, um Waffen und andere Güter zu erbetteln. Die Sowjets verlangen im Gegenzug Stützpunkte auf Kuba.
September: Die Stationierung sowjetischer Raketenabschußrampen führt zur "Kuba-Krise".
Oktober: Auf Druck der USA zieht die Sowjet-Union ihre Raketen aus Kuba ab.

1963
Januar: Castro - der das kirchliche Schulsystem ruiniert und den Weihbischof von La Habana ausgewiesen hat - wird von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert.
November: Kennedy wird erschossen - bis heute halten sich ebenso hartnäckige wie unglaubhafte Gerüchte, daß dies im Auftrag Castros geschah.

1964
Die UdSSR-Führung nötigt Castro, seine Industrialisierungspläne auf Eis zu legen und statt dessen wieder die Zucker-Monokultur einzuführen, die sie ihm jedoch durch Abnahme-Garantien weit über dem Weltmarktpreis versüßt.
Nach dem Sturz Chruschtschëws versucht Ché Guevara, Kuba näher auf Maos China auszurichten; dies führt zum - nach außen verheimlichten - Zerwürfnis mit Castro, der gleichwohl nach rotchinesischem Vorbild Zwangsarbeitslager einrichten läßt.

1965
Oktober: Fidel Castro verliest einen "Abschiedsbrief" Ché Guevaras, in dem dieser "freiwillig" auf alle Ämter und die kubanische Staatsangehörigkeit verzichtet, um sich wieder dem "Kampf gegen den Imperialismus" zu widmen. Ché geht nach Bolivien.

1967
Oktober: Ché Guevara wird in Bolivien getötet; er wird zur Martyrer-Ikone der "68er", die nicht wahr haben wollen, daß es in Kuba - das längst von der Substanz zehrt - langsam aber sicher bergab geht.
Dezember: Der Altkommunist Annibal Escalante versucht - angeblich mit Unterstützung Moskaus - Castro zu stürzen.

1968
Castro läßt Escalante verhaften und hinrichten; dennoch stellt er sich voll und ganz hinter die Politik der Sowjet-Union, als diese den "Prager Frühling" in der Tschecho-Slowakei nieder schlägt; an seiner Linientreue gegenüber Moskau ist nun nicht mehr zu zweifeln.

1971
Castro macht seinen ersten Staatsbesuch in Südamerika. In Santiago de Chile wird er von Volksfront-Präsident Salvador Allende empfangen, der in Chile mit kubanischer Hilfe eine sozialistische Diktatur errichten will.


(Allende wird zwei Jahre später vom chilenischen Parlament abgewählt und, da er mit Gewalt an der Macht zu bleiben versucht, von verfassungstreuen Militärs gestürzt; er begeht Selbstmord.)

1972
Juni: Castro reist in die DDR und besichtigt die dortigen Errungenschaften, u.a. den anti-fascistischen Schutzwall in Berlin.


1974
Castro empfängt den Präsidenten von Tanzania, Julius Nyerere zum Staatsbesuch in La Habana und verleiht ihm den José-Martí-Orden.


Castro empfängt auch den stellvertretenden SPD-Vorsitzenden und neuen Kanzler der BRD, Genossen Helmut Schmidt, zum Staatsbesuch in La Habana. (Der bekommt allerdings keinen José-Martí-Orden, sondern nur ein paar Küßchen :-)


1975
Castro schickt kubanische Truppen in die rohstoffreichen Länder Angola und Mozambique, um in die dortigen "Befreiungskriege" einzugreifen. (Tatsächlich geht es nicht mehr um Befreiung - Portugal hat seine Ex-Kolonien bereits freiwillig in die Unabhängigkeit entlassen -, sondern um innere Machtkämpfe zwischen verschiedenen Völkern und Stämmen.) Die daraus resultierenden Bürgerkriege dauern Jahrzehnte an und fordern Millionen Opfer.


1976
Dezember: Castro setzt Dorticós ab und ernennt sich selber zum Staatspräsidenten. (Dorticós begeht einige Jahre später Selbstmord.)

1977-79
Castro schickt kubanische Truppen nach Äthiopien, um dessen marxistische Regierung im Kampf gegen Somalia (um Ogaden) zu unterstützen, und nach Nicaragua, um die "Sandinisten" beim Sturz Somozas zu unterstützen. Auch die daraus resultieren Kriege dauern Jahrzehnte an und fordern Millionen Opfer.

1980
Januar: Castro schiebt 25.000 kriminelle Kubaner in die USA ab, deren Präsident, sein Freund und Bewunderer Jimmy ('Peanuts') Carter, sie den Amerikanern in seiner letzten Amtshandlung als "frei gelassene politische Gefangene" verkauft. Die "Befreiten" bauen in den USA alsbald eine Mafia auf, gegen die alles, was italienische Immigranten in den 1930er und 1940er Jahren aufgebaut hatten, harmlos war.
Mai: Castro empfängt den SED-Vorsitzenden und Staatsratsvorsitzenden der DDR, Genossen Erich Honecker, zum Staatsbesuch in La Habana. Auch ihm verleiht er den José-Martí-Orden.


Nach DDR-Vorbild baut Cuba ein umfangreiches Doping-System für Leistungssportler auf, das sich schnell auszahlt.


Bei den Olympischen Sommerspielen in Moskau zählt der Castro-Staat - für Außenstehende überraschend - erstmals zu den erfolgreichsten Teilnehmern: Kubaner[innen] gewinnen Gold-Medaillen im Gewichtheben, Speerwerfen und Boxen (gleich in 6 Gewichtsklassen) sowie zahlreiche Silber und Bronze-Medaillen in weiteren leichtathletischen und Kampf-Sportarten.



1982
Um zu verhindern, daß die Altstadt von La Habana - wie bereits alle anderen alten Städte Kubas - vollständig zu Ruinen verfällt, erklärt die UNO sie zum "Weltkulturerbe" und beginnt, sie auf Kosten vornehmlich der bundesdeutschen Steuerzahler umfangreich zu sanieren. (Castro steckt das eingesparte Geld in die Rüstung.)


1987
November: Castro wird zum 70. Jahrestag der "Oktober"-Revolution vom Generalsekretär der KPdSU, Genossen Michail Gorbatschow in Moskau empfangen.
Da Gorbatschow im Zuge des Umbaus ("Perestrojka") seiner Politik - und angesichts leerer Kassen - die Unterstützung der marxistischen Parteien in den Bürgerkriegen Afrikas einstellt, stockt Castro im Gegenzug die kubanischen Streitkräfte in Angola auf insgesamt 55.000 Mann auf, um endlich eine Entscheidung im Bürgerkrieg zugunsten der MPLA zu erzwingen.

1988
Kubanische Truppen besetzen die angolanische Hauptstadt Luanda und installieren die MPLA als Regierungspartei; es gelingt ihnen jedoch nicht, auch das von südafrikanischen Truppen verteidigte Südwestafrika ("Namibia") zu erobern.

1989
Castro beruft seinen Oberbefehlshaber, General Ochoa, aus Angola ab und läßt ihn nach einem Schauprozeß hingerichten.****
Auch seinen Innenminister Arantes, der es gewagt hat, in einer Rede die "Perestrojka" zu loben, setzt Castro ab und läßt ihn im Gefängnis ermorden; er stirbt im Gefängnis an plötzlichem Herzversagen.
Der polnische Jude US-amerikanische Lokal-Politiker Barnabas Gitman ("Bernie Sanders") reist zum StaatsbesuchStadtbesuch nach Santiago de Cuba. Er ist vom Castro-Regime derart beeindruckt, daß er beschließt, Präsident zu werden, um auch die USA in ein sozialistisches Freiheitsparadies à la Cuba 2.0 zu verwandeln. Besonders gut findet er nach eigenem Bekunden, wenn die Masse der Untertanen nach Grundnahrungsmitteln u.a. Bedürfnissen des täglichen Lebens Schlange stehen muß und wenn die Auswahl nicht "unnötig groß" ist.

[Castro-fan 'Bernie Sanders']

1990-91
Mit der Auflösung des Ostblocks und des RGW verliert Kuba seine wichtigsten militärischen, politischen und wirtschaftlichen Partner. Um den völligen Zusammenbruch Kubas zu verhindern, öffnet Castro das Land dem Valuta-Tourismus und erlaubt vorübergehend sogar der Besitz von Devisen. Kuba entwickelt sich wieder zu dem, was es vor 1959 war: einem Paradies für ABC-Touristen, die im Urlaub vornehmlich nach Alkohol, Bordellen und Casinos suchen. Es löst in dieser Rolle die Dominikanische Republik ab, die wegen steigender Preise und zunehmender Kriminalität zunehmend gemieden wird; Castro läßt "seine" Ausländer gegen solche Gefahren weitgehend abschirmen. Die Situation der Kubaner ist allerdings infolge der allgemeinen Verarmung wesentlich schlechter als damals; Kubanerinnen verkaufenvermieten sich in der Regel schon für wenige Dollar; die sinkende Qualität der Zigarren und des Rums (die Familie Bacardi ist längst nach Mexiko emigriert) drückt auf die Erlöse. Wer hinter die Kulissen blickt, merkt bald, daß die meisten von der kubanischen Propaganda gefeierten "Errungenschaften der Revolution" nur auf dem Papier stehen: Das "freie Bildungswesen" dient nur der kommunistischen Indoktrination; das "freie Gesundheitswesen" ist noch erbärmlicher als im Ostblock; lediglich für reiche Valuta-Patienten stehen - aus dem Ausland eingeflogene - Spezialisten und Medikamente auf "Weltniveau" zur Verfügung. In Kuba hat sich - wie überall im Kommunismus - eine Zweiklassen-Gesellschaft entwickelt: Oben eine kleine Schicht Parteibonzen, die ihre Privilegien genießen, unten ihre verarmten Untertanen ("das Volk"). Der Tourismus ruiniert das soziale Gefüge vollends, da nun Prostituierte, Taxifahrer und Kellner mehr verdienen als Angehörige "ordentlicher" Berufe.

1995
Castro besucht den Collaborateur a.D. Kinderschänder und Bigamisten Staatspräsidenten der französischen Republik, Genossen François Mitterrand, in Paris; er gibt ihm wertvolle Tips für den Aufbau des Sozialismus.


1997
Castro läßt das in Bolivien entdeckte (angebliche) Skelett Ché Guevaras nach Kuba überführen und in einem - bereits in den 1980er Jahren errichteten - Mausoleum in Santa Clara beisetzen, dessen Äußeres ein überlebensgroßes Denkmal Chés ziert. Im Inneren des angrenzenden Museum befindet sich überdies ein Denkmal auf die gemeinsamen Kämpfer Ché, Fidel und Cienfuegos.
Zur Touristen-Attraktion Nr. 1 wird jedoch der "Rincón de los cretinos [Winkel der Bekloppten]", wo Karikaturen auf Batista und die US-Präsidenten Reagan und Bush zu bewundern sind.


(Im 21. Jahrhundert wird diese Galerie umgestellt - aber nicht etwa auf Ché, Cienfuegos und die Gebrüder Castro, sondern auf Batista, Reagan sowie Vater und Sohn Bush :-)


1998
Januar: Der schon etwas verkalkte Papst Johannes Paul II entblödet sich nicht, nach Kuba zu "pilgern" und Castros Exkommunizierung aufzuheben. Sie kommen überein, die gleichzeitige Mitgliedschaft in der Katholischen Kirche und der Kommunistischen Partei zuzulassen und nach fast 30 Jahren Weihnachten wieder zu einem kubanischen Staatsfeiertag zu machen.

[Castro + J.P. II]

Ansonsten lassen sich bei Castro nur noch Politverbrecher wie Nelson Mandela, Hugo Chávez, Evo Morales (die Venezuela und Bolivien auf kubanisches Niveau herunter wirtschaften wollen) und Jimmy Carter (dem dafür - als drittem US-Amerikaner nach den Kriegstreibern Teddy Roosevelt und Woodrow Wilson - der "Friedensnobelpreis" verliehen wird) und drogensüchtige Ex-Fußballer wie Ché Guevaras Landsmann Diego Maradona bei ihm blicken.

[Castro u. Mandela] [Politverbrecher]
[Castro u. Carter] [Castro u. Maradona]

Castro wird der Gaddafi-Preis für Menschenrechte verliehen, die ihm bekanntlich ein ebenso großes Anliegen sind wie dem Stifter und Namensgeber jener Auszeichnung, dem libyschen Revolutionsführer Mu'ammar al-Gaddafi. Er reiht sich würdig ein in die Liste der Empfänger vor und nach ihm.*****


2003
Mai: In Brasilien ('Lula' da Silva) und Argentinien (Néstor Kirchner) gelingt überraschend die Machtergreifung kommunistischer Demagogen, die sich als "Links-Nationalisten" bezeichnen (um den Ausdruck "National-Sozialisten" zu vermeiden) und in Castro erklärtermaßen ihr politisches Vorbild sehen. Sie beginnen sofort, Milliarden "Investitionen" nach Kuba zu pumpen, was es Castro ermöglicht, die Beziehungen zur EU (deren "humanitäre Hilfe" in den letzten Jahren Millionen Kubaner vor dem Hungertod bewahrt hat) einzufrieren.

2004
Mai: Castro bricht die Beziehungen zu Kubas langjährigem Verbündeten Mexiko ab, das sich unter dem konservativen Präsidenten Fox zunehmend an den USA und Kanada orientiert.
Oktober: In Uruguay kommt der KommunistLinks-Nationalist Tabaré Vásquez an die Macht.
Wenige Tage später erleidet Castro - der an Parkinson erkrankt ist - bei einem Treppensturz schwere Verletzungen, von denen er sich nicht mehr vollständig erholt.

2005
Das Magazin Forbes zählt Castro zu den reichsten Männern der Welt, mit einem Privatvermögen von 550 bis 900 Millionen US-$; hinzu sollen Milliardenwerte im Ausland kommen, die er beiseite geschafft habe.

2006
Januar: In Bolivien kommt der KommunistLinks-Nationalist Evo Morales an die Macht.
März: In Chile kommt die KommunistinLinks-Nationalistin und Honecker-Freundin Michelle Bachelet an die Macht.
31. Juli: Castro läßt seine Ämter zugunsten seines Halbbruders Raúl (*1931) ruhen, was einem Rücktritt gleich kommt. Außenpolitisch hat er auf der ganzen Linie triumfiert - zumal im Ausland kaum jemand mitbekommt, daß er Kuba völlig ruiniert hat -, innenpolitisch steht er allerdings immer mehr im Schatten Ché Guevaras, dem die Gnade des frühen Martyrer-Todes die Verantwortung für die Folgen seiner Politik abgenommen hat.

[Castro im Schatten Ché Guevaras]

Der Renegat Norberto Fuentes veröffentlicht die - vernichtende - "Autobiografie Fidel Castros", die freilich kaum jemand zur Kenntnis nimmt.


2007
Januar: In Ecuador kommt der KommunistLinks-Nationalist Rafael Correa an die Macht.

2008
Januar: Die Renegatin Zoé Valdés veröffentlicht den - nicht weniger vernichtenden, aber ebenso ungelesenen - Essay "La ficción Fidel".


Januar: In der BRDDR eröffnet die kommunistische "Linkspartei" (Nachfolge-Organisation der SED) ihren Landtagswahlkampf in Niedersachsen mit einem Bekenntnis zum politischen Erbe von Bert Brecht, Rosa Luxemburg und Ché Guevara.
April: In Paraguay kommt der KommunistLinks-Nationalist Fernando Lugo y Trugo an die Macht.
Damit sind in Südamerika nur Kolumbien und Perú noch nicht auf Castros und Guevaras Linie.
(Allein im Sonderheft "Kuba" des deutschen Reise-Magazins "Geo" fantasiert ein gewisser Kolle Rebbe noch davon, daß Kuba nach Castros Tod zum Kapitalismus zurück finden, zum "karibischen Tiger" oder gar zum "Dubai der Karibik" werden könnte, dessen Glücksspiel-Casinos denen von Las Vegas den Rang ablaufen und in das alle kubanische Emigranten aus dem krisen-geschüttelten Florida heimkehren werden. Es darf freilich bezweifelt werden, ob das ganz ernst gemeint ist - es werden auch andere, weniger rosige "Visionen" diskutiert :-)


2009
September: Da nun so viele "Staatsmänner" mit Castro solidarisch sind, ernennt ihn die UNO zum "Welthelden der Solidarität [World Hero of Solidarity]"******.

2013
März: Der Castro-Freund Jorge Mario Bergoglio wird unter dem Namen "Franciscus" Papst. Damit ist auch die - in Lateinamerika noch immer sehr einflußreiche - katholische Kirche für den Kommunismus gewonnen.

2014
Juan Reinaldo Sánchez, Castros langjähriger Leibwächter, veröffentlicht nach seiner Flucht in die USA "La vida oculta de Fidel Castro [Das verborgene Leben des Fidel Castro]" - eine Abrechnung mit dem Diktator und seinem politischen System. Das Buch wird in alle Weltsprachen übersetzt; nach einigem Zögern der Zensurbehörden und schließlicher Genehmigung durch den Zentralrat der Juden darf auch eine deutsche Übersetzung erscheinen.
(Dem Leser fällt auf, daß der Península-Verlag das gleiche Titelbild verwendet, das auf der deutschen Ausgabe der Fuentes-"Autobiografie" zu sehen ist :-)


Oktober: Castro wird der Konfuzius-Friedenspreis verliehen - das rot-chinesische Gegentück zum Friedensnobelpreis und wie dieser nur an besonders üble Politverbrecher auserwählte Gutmenschen vergeben.

[Der Konfuzius-Friedenspreis]

2016
26. November: Fidel Castro stirbt im Alter von 90 Jahren. Er hinterläßt - laut nunmehr nach oben korrigierten Schätzungen von Forbes - ein Privatvermögen von 900 Millionen US-$.*******
Prominentester Trauergast ist Justin Trudeau, der von seinem Vater zu einem glühenden Bewunderer Castros erzogen wurde und inzwischen in Kanada die Macht ergriffen hat. Anders als sein Vater steht er allerdings weniger auf Tabak als auf Cannabis - dessen Konsum er als eine seiner ersten Amtshandlungen frei gegeben hat.

[Cannabis o muerte!]


*nach anderen Quellen: 1927

**Es ist viel herum gerätselt worden, wieso die USA ihren getreuen Vasallen Batista so plötzlich fallen ließen und statt dessen den zwielichtigen Revoluzzer Castro unterstützten - wobei "die USA" nicht nur die Regierung meint, sondern auch und vor allem die Medien und die [Schatten-]Wirtschaft, die in den Jahren zuvor ganz erheblich in Kuba investiert hatte. Manche meinen, Batista habe sich Meyer Lansky, den Kopf der "Koscher nostra" und führenden US-Mafioso auf Kuba, mit einer Steuererhöhung für Gewinne aus dem Hotel-business zum Feind gemacht; dieser habe daraufhin beschlossen, statt seiner den Juden Castro zu unterstützen. Für diese These gibt es indes keine belastbaren Beweise. Wenn sie zuträfe, hätte sich Lansky völlig verspekuliert; denn Castro machte bei seinen Enteignungen keine Ausnahme für Juden. Ein zweites Mal hätte sich Lansky dann verspekuliert, als er Kennedy an die Macht brachte in der Hoffnung, daß dieser ihm Kuba zurück erobern würde - daß ausgerechnet Kennedy es war, der den Exil-Kubanern beim Kampf gegen Castro in den Rücken fiel, wäre dann ein Treppenwitz der Geschichte gewesen. Daß auch Castro sich verspekulierte und mit der Zerschlagung von Laskys Finanz-Imperium das Huhn schlachtete, das bis dahin goldene Eiern nicht nur, aber auch für Kuba gelegt hatte, steht auf einem anderen Blatt.

***Wilsons erste Amtshandlung nach seiner Machtübernahme im Oktober 1964 war der Verkauf von 400 Leyland-Bussen an das Castro-Regime. Der Transport bereitete allerdings gewisse Schwierigkeiten. Den zunächst dafür vorgesehenen DDR-Frachter Magdeburg ließ die C.I.A. in der Themse-Mündung mit Hilfe des japanischen Handelsschiffes Yamashiro Maru "verunfallen"; erst als die Briten dazu übergingen, eigene Frachtschiffe einzusetzen, gelangten die Lieferungen ans Ziel.

****Castros Krieg in Angola zählt zu den undurchsichtigsten Kapiteln der neueren Kriegsgeschichte. Er selber ließ 2005 die offizielle Darstellung verbreiten, daß seine Truppen den Bürgerkrieg 1988 für die MPLA "gewonnen" und damit auch maßgeblich dazu beigetragen hätten, daß Südwestafrika 1990 an die marxistische SWAPO fiel; Ochoa sei nicht wegen Unfähigkeit oder Erfolglosigkeit zum Tode verurteilt worden, sondern weil er hinter seinem Rücken Drogengeschäfte in die eigene Tasche gemacht habe. Richtig ist, daß die Kubaner 1988 einige größere Schlachten in Angola gewannen und die MPLA dadurch den größten Teil des Landes unter ihre Kontrolle brachte; der Bürgerkrieg war damit aber noch längst nicht beendet, sondern setzte sich bis ins 21. Jahrhundert fort. Auch daß "Namibia" an die SWAPO fiel war wohl weniger ein "Verdienst" Kubas als vielmehr Folge des politischen und wirtschaftlichen Drucks der westlichen Regimes auf Südafrika. Es mag sein, daß Ochoa mit Rauschgift handelte; aber das schließt nicht aus, daß Castro auch mit seinen militärischen "Erfolgen" nicht so zufrieden war wie er es nach außen darstellte: Kuba hatte nicht nur eine beträchtliche Zahl von Soldaten, sondern auch den größten Teil seiner Luftwaffe, seiner Artillerie und seiner Panzer in Angola eingesetzt, was eine erhebliche Belastung für den ohnehin maroden Staatshaushalt darstellte; dies zu einem Zeitpunkt, als sich die UdSSR vornehm aus der Finanzierung solcher Abenteuer zurück zog. Unter dem Strich dürfte Castro in Angola wirtschaftlich eher Verlust als Gewinn gemacht haben, da der lukrative Handel mit Rohstoffen - vor allem Diamanten (die riesigen Erdöl-Vorkommen vor der Küste waren noch nicht entdeckt) - im Grenzgebiet überwiegend in Händen der anti-marxistischen UNITA-"Rebellen" blieb. Für eine Liquidierung Ochoas wegen militärischen Versagens spricht auch die gleichzeitige Hinrichtung dreier weiterer hoher kubanischer Militärs.

*****Zu den Trägern des Gaddafi-Preises zählen neben Castro so illustre Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Ahmäd bin Bälla, Louis Farrakhan, Evo Morales, Hugo Chávez, Dom Mintoff, Daniel Ortega und Recep Tayyip Erdoğan.

******Neben Castro werden auch dessen Freunde Evo Morales und Julius Nyerere - letzterer posthum - zu "Welthelden" ernannt.

*******Da auch Privatüberweisungen von in den USA lebenden Exilkubanern an ihre daheim gebliebenen Freunde und Verwandte vom Boykott ausgenommen sind, fließen von dort jährlich ca. 1 Milliarde US-$ nach Kuba und werden dort ausgegeben. Wenn nur ein Teil davon jeweils bei Castro "kleben" blieb, konnte sein Privatvermögen durchaus diese Dimensionen erreichen.


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