MAO TSE-TUNG

(1893 - 1976)

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1893
26. Dezember: Mao Tse-tung wird als ältester von drei Söhnen des Gutsherrn, Getreidegroßhändlers und Grundstücksspekulanten Mao Jen-schen und seiner Ehefrau Wen Tschi-mei, der Tochter eines Großgrundbesitzers, in Schaoschan Tschung (Hunan) geboren.
(Die Vaterschaft darf nicht, muß aber angezweifelt werden: Schen war klein, dünn, bienenfleißig und kränkelnd - er starb mit Ende 40, vermutlich an den Folgen einer Sifilis-Infektion; Tung war dagegen groß, fett, stinkendfaul und bis an sein Lebensende kerngesund. Das Verhältnis zu seinem angeblichen Vater ist zeitlebens gespannt.)
Tung wächst bei seinen wohlhabenden Großeltern mütterlicherseits auf.
(Daß er vom 6. Lebensjahr an auf den Feldern seines Vaters arbeiten mußte, wie es Edgar Snow in "Roter Stern über China" kolportiert hat, ist ein Märchen; Mao Tse-tung mußte nie körperlich arbeiten. Er mußte auch nie Hunger leiden, obwohl er E.S. erzählte, daß es zuhause nur "wenig" Reis zu essen gab, nämlich pro Kopf 7 tan p.a. Ein Tan sind 60,5 kg, das ergibt gut 1,1 kg Reis pro Tag und Kopf! Man rechnete damals in China und Indien - heute auch im dekolonisierten Indochina und Indonesien - mit ca. 100 gr Reis pro Tag und Kopf als für die Ernährung ausreichend. Tung - der zeitlebens ein ausgesprochener Vielfraß war - hatte also mehr als das elffache zur Verfügung und damit noch nicht genug!)

1901
Tung kehrt nach Schaoschan zurück, um die Schule zu besuchen, wird jedoch von vier Schulen wegen Aufsässigkeit relegiert. Aus dieser Zeit rührt sein lebenslanger, abgrundtiefer Haß auf alle Lehrer, Professoren und gebildete Personen überhaupt.
Tung lernt gleichwohl etwas Lesen und Schreiben; seine Lieblingslektüre ist der historische Roman "Die Räuber vom Liang Schau-Moor", der ihn so fasziniert, daß er beschließt, Räuber und Rebell zu werden.

1908
Tung wird mit seiner Cousine Luo verheiratet, die zwei Jahre später stirbt.

1910
Nach dem Tod seiner Frau besucht Tung eine teure Eliteschule für Sprößlinge reicher Familien in Hsiang-Hsiang, die schon einer seiner Vettern mütterlicherseits absolviert hat. (Daß er diese Schule ausnahmsweise als "armer Bauernsohn und Landarbeiter" besuchen durfte, ist ein Märchen. Das Schulgeld betrug 300 Cäsh p.m. - das Jahreseinkommen eines einfachen Arbeiter oder Bauern.)

1911
Tung wird trotz ungenügender schulischer Leistungen an einer anderen Eliteschule in Tschangscha (der Hauptstadt von Hunan) aufgenommen.
Dort gerät er in Kontakt mit "revolutionären" Kreisen.

1912
Februar: Pu yi - später als "der letzte Kaiser von China" bezeichnet, eine sechsjährige Marionette der Hof-Eunuchen -, wird von General Yüan Shih-kai und Sūn Yat-sen zur Abdankung gezwungen.
August: Die Nationale Volkspartei (Kuomintang) wird gegründet.

1913
Februar: Bei Parlamentswahlen gewinnt die Kuomintang die Mehrheit. Präsident wird Yüan Schih-kai.
Die neue Regierung erkennt - auf ausländischen Druck - die Autonomie der Äußeren Mongolei und Tibets an.
Tung besucht die Oberschule in Changscha.
November: Yüan Schih-kai löst das Parlament und die Kuomintang auf und macht sich zum Präsidenten auf Lebenszeit. Daraufhin beginnen bürgerkriegsähnliche Aufstände lokaler Machthaber ("War Lords").

1918
Tung verläßt die Schule mit einem formellen Abschlußzeugnis.

1919
04. Mai: Auf dem "Platz am Tor des himmlischen Friedens [Tian-an-men]" in Peking kommt es zu Massen-Demonstrationen von Studenten ("Bewegung vom 4. Mai") gegen die Regierung, die den Vertrag von Versailles akzeptiert hat, wonach die deutsche Musterkolonie Kiao-tschau statt zurück an China an Japan fällt.
Tung wird Hilfsbibliothekar an der Universität Peking. Angeblich erkennt er schon damals, daß die Ausrichtung des Marxismus-Leninismus auf das Industrie-Proletariat in den Städten für China in eine Ausrichtung auf die armen Bauern auf dem Lande umgewandelt werden muß.
Oktober: Die Kuomintang wird neu gegründet und gewinnt vor allem in Süd-China schnell Zulauf.

1920
Mao Tse-tung wird Volksschullehrer in Tschangscha. Nebenbei versucht er, Erwachsenen etwas Lesen und Schreiben beizubringen. Er gründet eine kommunistische Gruppe.

1921
Juli: Mao ist einer von 13 Teilnehmern des ersten "National-Kongresses" der KPC (die bis dahin nur 57 Mitglieder hat und hauptsächlich von Subsidien der UdSSR lebt) in Schanghai. Er wird zum "Generalsekretär" für die Provinz Hunan ernannt.
Nach seiner Rückkehr beginnt er "Gewerkschaften" und Streiks zu organisieren.
Mao heiratet Jang Kai-hui, eine Lehrertochter und Kommunistin. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor, die zur Erziehung nach Moskau geschickt werden.

1922
Die UdSSR beschließt, sowohl die Kuomintang als auch die KPC zu unterstützen und nötigt diese zu einem Zweckbündnis. Mao wird Mitglied des gemeinsamen "Exekekutiv-Komitees" der Parteien in Schanghai.

1923
Während Tschiang Kai-schek zur militärischen und politischen Schulung nach Moskau geht, bleibt Mao im Lande und organisiert Arbeiter- und Bauern-Gewerkschaften.
Juni: Auf dem 3. Nationalen Kongreß der KPC wird Mao ins Zentral-Komitee gewählt.

1925
Oktober: Mao wird Chef der Propagandaabteilung der Kuomintang, deren neuer Vorsitzender Tschiang Kai-schek wird.
Trotz militärischer Erfolge gegen einige "Warlords" in Nordchina bleibt das Zweckbündnis zwischen Kuomintang und KPC brüchig.

1927
Juli: Tschiang Kai-schek wendet sich gegen die KPC und läßt einige ihrer Anführer hinrichten.
Oktober: Die Kommunisten beginnen mit den "Herbstaufständen". Mao ist ihr Anführer in der Provinz Ho-nan; er entwickelt seine Theorie vom Bauern-Kommunismus (im Gegensatz zum Sowjet-Kommunismus, der in erster Linie eine Arbeiter-Bewegung ist). Seine Guerilla-Truppen - aus denen sich später die "Rote Armee" entwickeln soll - zählen angeblich an die 10.000 Mann.
Dezember: Mao wird von Kuomintang-Truppen gefangen genommen, kann jedoch fliehen.

1928
Tschiang, der China einigermaßen befriedet hat, macht Nanking (heute meist als "Nánjīng" transkribiert) zur neuen Hauptstadt.
Juni: Japanische Truppen liefern sich vereinzelte Gefechte mit chinesischen Einheiten; die Regierungen lassen es jedoch - noch - nicht zum offenen Krieg kommen.
Die KPC zählt bei Jahresende angeblich 40.000 Mitglieder.

1930
Yang Kai-hui wird als Terroristin hingerichet. Mao heiratet daraufhin in dritter Ehe seine Lebensgefährtin (seit 1928) He Zi-chen. Aus der Verbindung gehen fünf Kinder hervor.
November: Mao führt Säuberungen durch, bei denen er ca. 3.000 Rotarmisten erschießen läßt.

1931
September: Nach dem "Mukden-Zwischenfall" marschiert die japanische Armee in der Mandschurei ein.

1932
Januar: Japanische Truppen greifen Schanghai an.
März: Japaner und Chinesen schließen einen Waffenstillstand. Die Mandschurei wird ein formell unabhängiges, tatsächlich jedoch unter japanischem Protektorat stehendes Reich unter Pu-yi, dem letzten chinesischen Kaiser der Mandschu-Dynastie.
Zwischen der Kuomintang und kommunistischen Guerilleros beginnt ein Kleinkrieg. Mao ruft in Ruijin eine "Chinesische Sowjet-Republik" aus mit sich selber als "Vorsitzendem". Er zerschlägt den Großgrundbesitz, was ihn bei den Kleinbauern populär macht. Dennoch wird er vom Zentralkommitee der KPC aller seiner Ämter enthoben, als diese später im Jahr ihr Hauptquartier von Schanghai nach Ruijin verlegt.

1934
15. Oktober: Mao zieht sich mit den ihm verbliebenen Anhängern - angeblich 80.000 Mann - vor neuerlichen Angriffen der Kuomintang-Truppen von Jiang-shi nach Schan-hsi zurück. Dieser Rückzug wird später zur Heldenlegende des "langen Marsches" aufgebauscht.

1935
Oktober: Maos "langer Marsch" endet nach angeblich 7.000 km mit gerade mal 8.000 Überlebenden. Mao strickt fleißig an seiner Heldenlegende.

1936
Dezember: Tschiang Kai-shek wird von seinen eigenen Truppen gezwungen, die Kämpfe gegen die KPC einzustellen und sich statt dessen gegen die Japaner zu wenden.

1937
07. Juli: Nach dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke vor Peking beginnt der "zweite" chinesisch-japanische Krieg.
28. Juli: Die chinesischen Truppen geben Peking auf.
30. Juli: Die Japaner erobern Tianjin.
13. August: Die Japaner beginnen mit der Belagerung von Shanghai, das nach drei Monaten fällt.
10.-13. Dezember: Die Japaner erobern Nanking. (Angebliche Ausschreitungen der Besatzungtruppen werden später von der chinesischen Propaganda zum "Nanking-Massaker" aufgebauscht.*)
Dezember: Auf Veranlassung der UdSSR schließt sich die KPC erneut der Kuomintang an. Mao sieht das Bündnis als Gelegenheit, den Kampf gegen Japan der letzteren zu überlassen, sich unterdessen dem Ausbau der KP zu widmen und in der Propaganda genau das Gegenteil zu behaupten.

1938
"Red Star Over China [Roter Stern über China]" von Edgar Snow, eine Hommage auf Mao, erscheint.
Mao läßt sich von He Zi-chen scheiden.

1939
Mao heiratet in vierter Ehe die Schauspielerin Lan Ping alias Tschiang Tsching.

seit 1940
Mao hat vor allem in den nicht von den Japanern besetzten Gebieten erheblichen Zulauf. (Die Mitgliederzahl der KPC steigt 1937-1945 von ca. 100.000 auf ca. 1,2 Millionen; auch die Größe der "Roten Armee" wächst gewaltig an.)

1942
Mao beginnt eine Kampagne zur ideologischen "Reinigung" innerhalb der Partei. Neue Mitglieder müssen sein "Rotes Buch" (im Westen "Mao-Bibel" genannt) lesen, eine Zitatensammlung, die Mao überwiegend bei anderen abgeschrieben hat, aber als seine eigenen Gedanken ausgibt; der Personenkult um Mao beginnt.

1943
Mao wird zum Vorsitzenden des Zentral-Kommitees und des Politbüros der KPC gewählt.

1945
April: Die "Mao-Bibel" wird von der KPC offiziell zum Parteiprogramm erhoben.
August: Nach dem Abwurf amerikanischer Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki kapituliert Japan; damit ist der Zweite Weltkrieg offiziell beendet. Über die Zahl der chinesischen Opfer gehen die Schätzungen weit auseinander. Die KPC behauptet, bei den chinesisch-japanischen Auseinandersetzungen seien 30-35 Millionen Chinesen getötet worden.
Die Kämpfe zwischen Nationalchinesen und Kommunisten leben wieder auf. Den Kommunisten gelingt es, die bis dahin von japanischen Truppen besetzten Gebiete in ihre Gewalt zu bekommen und sich das japanische Kriegsmaterial anzueignen; hinzu kommen Hilfslieferungen aus der UdSSR. Die "Rote Armee" zählt angeblich eine Million Männer und Frauen.
Die Kuomintang gerät wirtschaftlich, politisch und militärisch ins Hintertreffen, da die USA sie nur halbherzig unterstützen und statt dessen versuchen, sie zu einer Einigung mit Mao zu nötigen.

1946
Der Bürgerkrieg zwischen Maos "Roter Armee" und den "national-chinesischen" Truppen Tschiang Kai-sheks bricht offen aus. Nachdem die USA auf Veranlassung von General Stilwell ihre Hilfe für den letzteren weitgehend einstellen, laufen immer mehr seiner Kommandeure mitsamt ihren Einheiten zu Mao über.

1949
Maos Truppen marschieren kampflos in Peking ein und dehnen ihre Herrschaft über ganz China aus, nachdem die letzten Truppen Tschiangs nach Taiwan geflohen sind.
01. Oktober: Mao verkündet die Gründung der "Volksrepublik China". Mao ist als Vorsitzender der KPC - die angeblich 4,5 Millionen Mitglieder zählt, davon 90% Bauern - der starke Mann im Staat, obwohl er die Regierung formell Zhou En-lai als Premierminister überläßt.
Mao versucht, Industrie, Landwirtschaft und Staatsfinanzen zu "reformieren", wobei er das seit Jahren herrschende Chaos nur noch vergrößert.
Dezember: Mao nimmt in Moskau an den Feierlichkeiten zu Stalins 70. Geburtstag teil; er bittet die Sowjet-Union um Militär- und Wirtschaftshilfe - die ihm bereitwillig gewährt wird.


1950
Mai: Mao und der nordkoreanische Führer Kim Il-Sŏng verabreden die Eroberung Südkoreas.
25. Juni: Nordkoreanische Truppen marschieren in Südkorea ein. Als sie den von den USA geführten UN-Truppen, die Südkorea zu Hilfe eilen, zu unterliegen drohen, stellt Mao ihnen chinesische "Freiwillige" zur Verfügung.
Oktober: Mao läßt die Rote Armee in Tibet einmarschieren.

1951
Die UNO verurteilt Maos Eingreifen in den Koreakrieg und verhängt ein Handelsembargo gegen Rotchina.
Mao entfacht eine Kampagne gegen "innere Staatsfeinde": Ausländer, insbesondere christliche Missionare, werden als "Spione" verfolgt. "Großgrundbesitzer" und wohlhabende Bauern, Geschäftsleute und Industrielle werden enteignet. Nichtkommunistische Intellektuelle, Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller werden zur öffentlichen Selbstkritik gezwungen. Nichtkommunistische Staatsbedienstete werden entlassen. "Bürgerliche" stehen unter Generalverdacht; ca. 3 Millionen werden ermordet.


1953
Januar: Maos erster "Fünfjahresplan" tritt in Kraft, der Chinas "Übergang zum Sozialismus" bewirken soll. Landwirtschaft, Banken, Industrie und Handel werden verstaatlicht; mit Hilfe sowjet-russischer "Berater" sollen vor allem Schwerindustrie und Rüstung angekurbelt werden.
Nach offiziellen Angaben wird der Fünfjahresplan ein voller Erfolg; man erzielt auf dem Papier ein durchschnittliches Jahreswachstum von 8,9%; tatsächlich geht es mit der rotchinesischen Wirtschaft steil bergab. Dieser Niedergang ermöglicht das so genannte "Wirtschaftswunder" und den Aufstieg Deutschlands und Japans zu weltweit führenden Export-Nationen.**

[Mao beklatscht das von ihm ermöglichte deutsche Wirtschaftswunder]

Juli: Der Koreakrieg endet Dank Maos hartnäckigem Bluff und der Schwäche der US-Regierung mit einem Patt. Er hat über eine Million Tote gekostet, einschließlich 440.000 chinesischer "Freiwilliger".


Für Nordkorea bedeutet er auf Jahrzehnte hinaus ein Leben in Armut und Elend, für Japan und Deutschland eine Lockerung der brutalen Besatzungspolitik durch die Alliierten, die erkannt haben, daß sie die beiden Verlierer des Weltkriegs demnächst wieder als Kanonenfutter brauchen könnten, weshalb sie deren Wiederbewaffnung betreiben.

1954
Der "Nationale Volkskongreß" verkündet eine neue Verfassung und wählt Mao zum Vorsitzenden der Volksrepublik China.
Die KPC bemüht sich verstärkt um den Beitritt von "Intellektuellen", deren Anteil an den Mitglieder in den folgenden zwei Jahren auf 12% ansteigt. (Der Anteil der Bauern fällt unter 70%.) Die KPC hat nun knapp 11 Millionen Mitglieder.

1956
Mao inszeniert die Kampagne "Laßt 100 Blumen blühen", die zur konstruktiven Kritik an der Politik der KPC ermuntern soll. Millionen, die auf diesen Trick hereinfallen, werden als "bürgerliche Rechtsabweichler" liquidiert.

1957
November: Mao reist zum zweiten Mal nach Moskau. Seine Eindrücke von der sowjetischen Wirtschaft bestärken ihn in dem Vorhaben, China auf einen "eigenen Weg" zu bringen.
Mao erklärt, einen Atomkrieg nicht zu fürchten; ein solcher werde zur Zerstörung des Kapitalismus und zur Weltherrschaft des Sozialismus führen; die Bevölkerungsverluste würden zumal in China bald wieder ausgeglichen.

1958
Mao inszeniert den "Großen Sprung vorwärts", der die wirtschaftliche Entwicklung auf allen Gebieten (Schwerindustrie, Kleinindustrie, Landwirtschaft) gleichzeitig beschleunigen soll ("ein Hochofen in jedem Kleingarten"). Zu diesem Zweck werden im ganzen Land zwangsweise "Volkskommunen" eingerichtet, in denen auch Städter u.a. Nichtbauern arbeiten müssen.


Das Experiment mißlingt; sowohl die industrielle als auch die landwirtschaftliche Produktion brechen zusammen. Der daraus resultierenden Hungersnot - Mao exportiert die ohnehin knappe Ernte (7 Millionen Tonnen Getreide) in den Ostblock, um dafür Waffen einzukaufen, die China ebenfalls nicht mehr selber herstellen kann - fallen ca. 40 Millionen Chinesen zum Opfer; die Geburtenrate sinkt um weitere 23 Millionen.
Mao hetzt gegen Taiwan und die USA und kritisiert auch die Politik der UdSSR, die er als "revisionistisch" bezeichnet.

1959
April: Nach dem katastrofalen Scheitern des "Großen Sprungs vorwärts" tritt Mao vorübergehend von seinem Amt als Vorsitzender der VRC zurück; er bleibt jedoch Vorsitzender der KPC. Seine Nachfolger Liu Schao-tschi and Teng Hsiao-ping versuchen, die chinesische Wirtschaft halbwegs zu sanieren.

1960
Die UdSSR zieht ihre technischen und militärischen Berater aus Rotchina ab und streicht die Wirtschaftshilfe; die Hungersnot verschärft sich in den folgenden Jahren weiter, wird aber nach außen aus Angst vor Gesichtsverlust verschwiegen.


1962
Mao taucht wieder auf und hetzt zur Säuberung der KPC von "Kapitalisten" und "Konterrevolutionären". Er versucht, die Armee ganz auf sich einzuschwören, ebenso die Schüler.

1964
China wird Atommacht.

1965
Januar: Die Illustrierte Stern erklärt Mao zum "Mann des Jahres" (nach dem Vorbild des US-Magazins TIME, das alljährlich einen besonders üblen Politverbrecher zum "Man of the Year" erklärt).


Mao erreicht, daß sein partei-interner Kritiker Teng Hsiao-ping all seiner Ämter enthoben wird.

1966
August: Mao hetzt Millionen Schüler ("Rote Garden") zur "Kultur-Revolution" auf. Den Mordorgien fallen fast alle Lehrer u.a. "Intellektuelle" (bis hinunter zum einfachsten Techniker) zum Opfer; nach den westlichen werden nun auch "alte" chinesische Sitten, Gebräuche und - nicht nur religiöse - Denkweisen verboten; alte Literatur, Kunst usw. vollständig zerstört. Rotchina fällt kulturell in die Steinzeit zurück; Verwaltung und Produktion werden von Schülern u.a. "Revolutionären" übernommen und völlig ruiniert. Eine Atmosfäre von Verrat und Bespitzelung überzieht das ganze Land und zerstört vor allem die Familien als letzte Bastionen der "Tradition".

1968
Mai: Nach der planmäßigen Unterwanderung der westlichen Bildungs-Einrichtungen durch linke Kader ("Marsch durch die Institutionen") proben systematisch verdummte Schüler und Studenten auch im Westen den Aufstand gegen das "Establishment". Berkeley (Kalifornien), die Sorbonne (Paris) und Berlin werden zu Zentren der "Bewegung", deren Idole Mao Tse-tung, der vietnamesische Kommunistenführer Ho Chi Minh und der argentinische Arzt Che Guevara - Mitstreiter des kubanischen Diktators Fidel Castro - sind.


Was die kommunistisch indoktrinierten Kinds- und Schafsköpfe im Westen nicht mitbekommen ist, daß Mao die "Kultur-Revolution", nachdem er wieder an der Macht ist, für beendet erklärt hat. Die "Roten Garden" werden nun ihrerseits zur "Umerziehung" in Konzentrationslager oder zum "Arbeitseinsatz" aufs Land geschickt, wo die meisten von ihnen umkommen.
Angesichts der katastrofalen Zustände im Lande beginnt Mao - da die Sowjet-Union sich endgültig von ihm abgewendet hat - mit der Suche nach Westlern, die dumm genug sind, Kapital und Know-how in Rotchina zu investieren

1969
April: Mao wird auf dem 9. National-Kongreß der KPC als Vorsitzender bestätigt. Lin Piao wird sein Stellvertreter und designierter Nachfolger.
Hinter den Kulissen beginnt der innerparteiliche Machtkampf zwischen den "Radikalen" unter Tschiang Tsching und den "Gemäßigten" unter Zhou En-lai.
Zwischen sowjetischen und rotchinesischen Truppen kommt es zu Scharmützeln am Ussuri.

1971
September: Lin Piao versucht vergeblich, Mao zu stürzen und wird bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunfallt.
Oktober: Mao erringt einen großen außenpolitischen Erfolg, als die UNO die VRC offiziell anerkennt und dafür die national-chinesische Regierung in Taiwan ausschließt. Rotchina wird Mitglied im Sicherheitsrat mit vollem Vetorecht.
Innenpolitisch verfügt Mao die "2-Kind-Familie". (Er glaubt, so die noch immer grassierenden Hungersnöte in den Griff zu bekommen.) Durch "Überwachungs-Komitees" wird sicher gestellt, daß Frauen, die bereits zwei Kinder haben und erneut schwanger werden, abtreiben müssen; anschließend werden sie zwangssterilisiert.


Maos Nachfolger verschärfen diese Politik noch, indem sie 1979 die "1-Kind-Familie" einführen. (Für Parteibonzen und Angehörige von aussterbenden Minderheiten gibt es Ausnahmen.)

1972
Die lobhudelnde Mao-Biografie von Han Su-yin erscheint.


Februar: US-Präsident Richard Nixon besucht Mao in Peking. Er läßt Vietnam und Taiwan fallen in dem irrigen Glauben, der kränkelnden US-Export-Industrie mit Rotchina einen neuen riesigen Absatzmarkt öffnen zu können. Er und seine wenig weitsichtigen Wirtschafts-Berater verkennen, daß Rotchina gar nicht in der Lage ist, die teuren amerikanischen Produkte zu kaufen - außer auf Pump -, daß es die auf Kredit à fond perdu gelieferten Einzelstücke vielmehr unter Mißachtung jeglicher Urheberrechte nachahmen und mit diesen billigen Imitationen - die durch Millionen unbezahlte Lager-Häftlinge konkurrenzlos billig hergestellt werden können - den US-Markt überschwemmen wird.


September: Japan - das im Wettlauf um den vermeintlichen neuen Absatzmarkt nicht hinter den USA zurück stehen will - nimmt ebenfalls diplomatische Beziehungen zu Rotchina auf. Die anderen blinden Polit-Narren und Wirtschafts-Keksperten des Westens tappen nach und nach in die gleiche Falle.
Für die Volkswirtschaften ihrer Länder sind die Folgen katastrofal: Erst ein Milliardengrab für Exporteure nach Rotchina, dann Vernichtung der einheimischen Produktion durch Billig-Importe aus Rotchina. Für Mao ist es der Höhepunkt seiner außenpolitischen Erfolge.


1973
August: Mao tritt auf dem 10. Nationalkongreß der KPC zum letzten Mal öffentlich in Erscheinung.
Teng Hsiao-ping wird rehabilitiert und wieder stellvertretender Premierminister.

1975
Januar: Teng Hsiao-ping wird stellvertretender Vorsitzender der KPC und Mitglied des Politbüros.
5. April: In Taiwan stirbt Tschiang Kai-schek.
17. April: Maoistische Truppen unter Pol Pot erobern Phnom Penh und reißen die Macht in Kambodiyā an sich. Die alte kambodiyānische Kultur wird ebenso ausgerottet wie die chinesische während der "Kultur-Revolution" und durch eine Art Steinzeit-Kommunismus ersetzt.
1. Mai: Die Truppen des Vietcong erobern Saigon. Süd-Vietnam wird von Nord-Vietnam annektiert, ohne daß die USA einen Finger rühren. Ganz Vietnam sinkt binnen weniger Jahre wieder auf vor-koloniales Niveau.
2. Dezember: Der maoistische Pathet Lao reißt die Macht in Laos an sich und ruiniert auch dieses Land nachhaltig. (Etwa 10% der Bevölkerung kann nach Thailand fliehen, wo sich die jungen Frauen und Mädchen als Prostituierte verdingen.)
Indochina wird zum Armenhaus Asiens. Maos Politik hat sich voll ausgezahlt.
Maos Frau Tschiang Tsching und ihre Verbündeten (die "Viererbande") beginnen eine Kampagne gegen Teng Hsiao-ping.
Der zweite Teil der Mao-Biografie von Han Su-yin erscheint.


1976
Januar: Zhou En-lai stirbt.
05. April: Bei den Trauerfeierlichkeiten für Zhou auf dem Tian-an-men in Peking kritisieren Demonstranten offen Mao und die KPC-Führung. Die Demonstration wird niedergeschlagen; Teng wird erneut all seiner Ämter enthoben - wer dabei hinter den Kulissen die Fäden zieht, bleibt unklar.
9. September: Mao Tse-tung stirbt in Peking. Die New York Times entblödet sich nicht, Mao einen Nachruf als "einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts" zu widmen.


Oktober: Die "Viererbande" wird verhaftet.


1977
August: Auf dem 11. Nationalkongreß der KPC wird die "Kultur-Revolution" offiziell für beendet erklärt; alle Fehler der Vergangenheit werden der "Viererbande" angelastet. (Nicht nur westliche Beobachter fragen sich süffisant, ob nicht eigentlich Mao selber der Chef der "Viererbande" war.)
Teng wird rehabilitiert und wieder in seine Ämter eingesetzt.

1978
Die Kritik an Mao innerhalb und außerhalb der Partei nimmt zu - auf der "Mauer der Demokratie" am Tian-an-men darf diese Kritik sogar öffentlich gemacht werden.

1979
Die KPC räumt ein, daß auch Mao Fehler gemacht hat. Die "Kultur-Revolution" wird als "Katastrofe" und "größer Rückschlag für den Sozialismus seit 1949" bezeichnet. Die KPC schließt Mitglieder aus, die sich während der "Kultur-Revolution" besonders hervor getan haben.

1980
November: Der Prozeß gegen die "Viererbande" beginnt. Vorgeworfen werden ihr die Machtergreifung innerhalb des Staates und der Partei und die Verfolgung Unschuldiger während der "Kultur-Revolution". Die Zahl der letzteren wird jedoch mit "750.000" (davon nur 34.375 Todesopfer) um ein bis zwei Nullen zu niedrig angesetzt.

1981
Januar: Der Prozeß gegen die "Viererbande" endet mit der Verurteilung der Angeklagten zum Tode. (Sie werden jedoch zu lebenslanger Haft begnadigt.)
Juni: Die KPC verurteilt erneut die Fehler der "Kultur-Revolution" und weist die Schuld hauptsächlich Mao zu, der gleichwohl nicht vollständig demontiert wird, da die neuen Führer ihn noch als Ikone benötigen. Seine Verdienste um die kommunistische Machtergreifung in China werden ausdrücklich anerkannt; sein Mausoleum auf dem Tian-an-men (nach dem Vorbild des Lenin-Mausoleums auf dem Roten Platz in Moskau) bleibt als Pilgerstätte bestehen; ebenso die Denkmäler in praktisch allen Städten der VRC. Sein Konterfei ziert nach wie vor alle rotchinesischen Banknoten.

1989
Juni: Maos geistige Enkel proben am Tian-an-men erneut den Aufstand; die Regierung läßt die - alles andere als friedlichen - "Demonstrationen" der Roten Möchtegern-Garden jedoch mit Panzern nieder walzen.
Die westlichen Medien, die von den Hintergründen nichts wissen [wollen], erheben ein Monate langes Gezeter und fordern Strafmaßnahmen bis hin zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen.***
Um ähnlichen Aktionen vorzubeugen und die Spitze zu nehmen, wird der Mao-Kult von Staats wegen wieder intensiviert.

1993
Dezember: An seinem 100. Geburtstag ist Mao offiziell der unumstrittene Nationalheld Nr. 1.

[Silbermünze zu 100 Yüan - nur für den Export] [Papiergeldschein zu 100 Yüan - im Volksmund '1.000 Mao' genannt]

(Die schwere Silbermünze ist freilich nur für DummeSammler im Ausland gedacht; die Untertanen im Inland sollen sich an den viel praktischeren Papiergeldscheinen erfreuen. Tun sie aber nicht: Obwohl Maos Kopf alle Yüan-Scheine ziert, wird im undankbaren Volksmund der kleinste, fast wertlose PapierlappenGeldschein zu 10 Föng - auf dem er nicht erscheint - "Mao" genannt :-)

2005
Die vernichtende Mao-Biografie von Jung Chang und Jon Halliday erscheint.


Erstaunlicher Weise darf sogar eine deutsche Übersetzung veröffentlicht werden. Damit ist

2010
Schluß: "Mao's Great Famine [Maos große Hungersnot]" von Frank Dikötter darf dagegen nur auf Englisch erscheinen und in der BRDDR nicht vertrieben werden - man will sich ja beim rotchinesischen Regime nicht unbeliebt machen!


Auch im übrigen westlichen Ausland werden Maos [Un]Taten gerne relativiert - was nicht schwer fällt, da seine Nachfolger allen Lippenbekenntnissen in Sachen "Reformen" zum Trotz wenig besser sind: Nach wie vor gibt es in Rotchina keine Meinungs- und Religionsfreiheit. Millionen stecken in "Umerziehungslagern" wegen "Gedankenverbrechen"; Millionen Gefangene müssen ohne Bezahlung Billigprodukte für ausländische Auftraggeber fertigen; Millionen Kinder werden jährlich zwangsabgetrieben; Millionen verhungern. China hat weltweit die höchste Rate an Todesurteilen, die auch vollstreckt werden, wie Kritiker meinen, oft nur, um die Organe gegen Westdevisen zu verkaufen. Die Polizei verfolgt Unschuldige, um "Quoten" zu erfüllen, und erfoltert in den Untersuchungs-Gefängnissen "Geständnisse".

*Seit den 1990er Jahren, insbesondere nach Erscheinen des Buches "The Rape of Nanking" der US-Chinesin Iris Chang anno 1997, greift diese Greuel-Propaganda auch auf die USA u.a. westliche Staaten über, in dem offenkundigen Bestreben, dieses Ereignis zum "3. Holocaust" zu machen - nach den Judenmorden in Europa 1943-44 und den Armeniermorden in Kleinasien 1915-17. Über die Einzelheiten schreibt Dikigoros an anderer Stelle.

**Ein Sprichwort sagt: "Der Sieg hat viele Väter. (Aber die Niederlage ist ein Waisenkind :-)" Doch manchmal sind es gar nicht so viele wie man meint. Von der Liste der möglichen Väter des deutschen "Wirtschaftswunders" können wir fast alle Kandidaten streichen, auch die so oft fälschlich an erster Stelle genannten Ludwig Erhard und George Marshall - die beide mehr um seine Verhinderung als um seine Verwirklichung bemüht waren. Die wahren Väter des deutschen "Wirtschaftswunders" waren vielmehr Albert Speer und Mao Tse-tung. (Es gibt auch ungewollte Vaterschaften!)

***1990 faseln ein gewisser Donald Morrison und seine MitschreiberMitstreiter vom "Ende des Aufbruchs in China" und betiteln ihr diesbezügliches Machwerk "Als die Blumen verblühten" - eine Freud'sche Fehlleistung, denn Maos Kampagne "Laßt 100 Blumen blühen" war ja nichts weiter als der Aufbruch in eine Zeit besonders schlimmen Terrors gegen die Bevölkerung - die hinter beiden nur drei Kreuze machen kann.
1993 veröffentlicht ein gewisser W.J.F. Jenner "Chinas langer Weg in die Krise". Darin behauptet er, daß Chinas Jahrzehnte lange Malaise gar nichts mit Mao und dem Kommunismus zu tun gehabt habe, sondern vielmehr auf "strukturellen Problemen" beruhe; er sagt einen baldigen Zusammenbruch der neo-kapitalistischen Wirtschaft der VRC voraus.

[Was sind die Menschen dumm!]

Zum Vergleich: Im März 2020 ruft Frankreichs Diktator Emmanuel "Ödipussi" Macron angesichts wachsender Unzufriedenheit im Lande - über die Dikigoros an anderer Stelle mehr schreibt - unter fadenscheinigem Vorwand das Kriegsrecht aus, verbietet Wahlen, verhängt ein Ausgangsverbot und läßt dagegen gerichtete friedliche Demonstrationen auf dem "Platz der Eintracht [Place de la concorde]" in Paris von Panzern nieder walzen. Die westliche Presse übergeht das mit eisigem Schweigen - auch in der BRDDR läßt die Zensur eine Berichterstattung nicht zu.


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