Óscar Romero

(1917 - 1980)

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1917
15. August: Óscar Arnulfo Romero y Galdámez wird als zweites von acht Kindern des Postbeamten Santos Romero und seiner Ehefrau Maria Guadalupe, geb. Galdámez, in Ciudad Barrios (El Salvador) geboren.

1930
Romero tritt in das Clarentiner-Seminar in San Miguel ein.

1937
Romero wechselt ins Jesuiten-Seminar San José de la Montaña in San Salvador, das ihn nach Rom schickt, um sein Theologie-Studium am Colegio Pío Latinoamericano fortzusetzen. (Einer seiner Professoren ist Giovanni Montini, der spätere Papst Paulus VI.)

1942
April: Romero wird zum Priester geweiht.

1943
In Anbetracht der Kriegslage wird Romero nach El Salvador zurück gerufen. Auf der Rückreise wird er im - von US-Truppen besetzten - Kuba als "Fascist" verhaftet und in ein Concentration camp eingewiesen. Kurz vor dem Hungertod gelingt es kirchlichen Kräften, ihn los zu eisen. Über Mexiko kehrt er zurück nach El Salvador und wird Pfarrer in Anamoros.

1946-66
Romero ist Pfarrer in San Miguel.

1966
Romero wird Sekretär der Bischofskonferenz von El Salvador.

1970
Juni: Romero wird von Papst Paulus VI zum Weihbischof befördert.

1974
Oktober: Romero wird von Paulus VI zum Bischof befördert.


1977
03. Februar: Romero wird von Paulus VI zum Erzbischof von San Salvador befördert. Bis dahin hat er es verstanden, sich als erzkonservativ auszugeben.
10. Februar: Romero läßt die Maske fallen. In einem Zeitungsinterview nimmt er für sich eine "politische Mission" in Anspruch und Immunität vor jeglichen staatlichen Eingriffen bei der Ausübung derselben.
20.-26. Februar: Bei den Präsidentschaftswahlen siegt General Carlos Humberto. Die kommunistische Opposition erkennt das Wahlergebnis nicht an und schickt ihre Anhänger - darunter auch Priester, die der so genannten "Befreiungs-Theologie" anhängen - auf die Straße, um einen Aufstand zu entfesseln.
28. Februar: Regierungstreue Truppen schlagen den kommunistischen Aufstand nieder.
05. März: Romero wird zum Vizepräsidenten der Bischofs-Konferenz von El Salvador gewählt und bezeichnet als solcher die Niederschlagung des kommunistischen Aufstands als "Verfolgung der Kirche durch das Militär-Regime".
Mit dieser Behauptung erreicht er beim neuen (seit Januar) US-Präsidenten, dem Kommunistenfreund und Erdnußfarmer a.D. Jimmy Carter, daß El Salvador die Entwicklungshilfe gestrichen wird.

1978
In Erwiderung des Besuchs des neuen Papstes in Mittelamerika reist Romero nach Rom, wo ihn Johannes Paul II vor dem Kommunismus warnt. Darüber kommt es mehr oder weniger offen zum Bruch Romeros mit der katholischen Kirche, die ihn gleichwohl im Amt beläßt.
August: Romero veröffentlicht einen Bischofsbrief, in dem er "das Volk" aufruft, sich zu organisieren und seine "Rechte" wahrzunehmen - dies wird allgemein als Aufruf zur Revolution verstanden.

1979
15. Oktober: Eine kommunistische "Revolutionsjunta" ergreift die Macht in El Salvador. Grundbesitz wird enteignet, Banken verstaatlicht, der Kaffee- und Zuckerhandel einem Staatsmonopol unterworfen.

1980
März: Die Kommunisten holen den zwielichtigen braven "Christdemokraten" Napoleon Duarte aus dem Exil zurück und machen ihn zur Galionsfigur zum Präsidenten.
23. März: Romero ruft das Militär, die Nationalgarde und die Polizei auf, den Kommunisten keinen Widerstand zu leisten. Ihre Machtergreifung sei von Gott gewollt und daher rechtens.
24. März: Oscar Romero wird von Angehörigen einer anti-kommunistischen Bürgerwehr erschossen.

1980-92
In El Salvador entbrennt ein 12 Jahre andauernder Bürgerkrieg zwischen ARENA - der Allianz aller nicht-kommunistischen Kräfte El Salvadors unter Robert d'Aubuisson - und den Kommunisten, die vom Sandinisten-Regime im benachbarten Nicaragua materiell und von verbrecherischen "Befreiungs-Theologen" in aller Welt moralisch unterstützt werden. (Die Zahl der Todesopfer wird auf fast 100.000 geschätzt, die der Flüchtlinge - vor allem in die USA - auf über zwei Millionen.)
Bei Kommunisten in aller Welt wird Romero zu einer ideologischen Kultfigur wie vor ihm nur Mao Tse-tung, Che Guevara und Ho Chi-minh.
Von der "Katholischen Männerbewegung Österreichs" wird ein "Romero-Preis" gestiftet, der alljährlich an Individuen vergeben wird, die sich ähnlich intensiv wie Romero für die "Menschenrechte" eingesetzt haben. (Er ist heute mit 10.000.- Euro dotiert.)
In Bonn am Rhein, der provisorischen Hauptstadt der BRD, wird vom gemeinnützigen "Förderverein" des "Oscar-Romero-Hauses" (einem ehemaligen Frauengefängnis in der Altstadt) ein "Oscar-Romero-Preis" gestiftet, der allerdings nur mit 1.000.- Euro dotiert ist und nur alle paar Jahre vergeben wird, wenn mal wieder so viel Geld zusammen gekommen ist :-)

[Der Romero-Preis]

1984
Selbst US-Präsident Ronald Reagan fällt auf die linke Propaganda herein und läßt die CIA Duarte & Co. in ihrem Kampf gegen ARENA materiell und logistisch unterstützen, u.a. bei den manipulierten Präsidentschaftswahlen.

1989
Mai: In freien Wahlen gewinnt ARENA 54% der Wählerstimmen. Der Bürgerkrieg geht weiter.

1992
Der Bürgerkrieg in San Salvador endet mit einer Niederlage der Kommunisten, deren Führer sich jedoch in der Partei "FMLN [Nationale Befreiungsfront]" politisch neu organisieren dürfen. Da inzwischen auch der real-existierende Sozialismus in Form der Sowjet-Union untergangen ist, verblaßt Romeros Ruhm schnell. Anders als in Südamerika ist die Masse der Menschen in Mittelamerika - die das warnende Beispiel von Castros Kuba vor der Haustür und die blutigen Bürgerkriege in Nicaragua und El Salvador in Erinnerung haben - aus Schaden klug geworden und in dieser Generation nicht mehr für kommunistische Ideologien anfällig.*

1997
Nur im Ausland ist das Gedächtnis kürzer. Der schon etwas senile Papst Johannes Paul II ernennt Romero zum "Diener Gottes" und leitet ein Seligsprechungs-Verfahren ein.


1998
Auch die Anglikanische Kirche fühlt sich bemüßigt, Angehörige fremder Religionen zu beurteilen. Über dem Westeingang der Westminster-Abtei werden Steinfiguren angebracht, die vier "Martyrer des 20. Jahrhunderts" darstellen sollen: Großfürstin Elizabeth (Orthodoxe), Martin Luther King (Baptist), Óscar Romero (Katholik) und Dietrich Bonhoeffer (Protestant).


2004
In den USA - wo inzwischen Carters geistiger Erbe Clinton an die Macht gekommen ist - verurteilt ein Zivilgericht (!) in Ermangelung des bereits zehn Jahre zuvor verstorbenen d'Auguisson einen kleinen Subaltern-Offizier in absentia wegen "Mordes an Óscar Romero".

2005
Der Vatikan entblödet sich nicht, Romero anläßlich seines 25. Todestags selig zu sprechen mit der Begründung: "Romero war kein Revolutionär, sondern ein Mann der Kirche, des Evangeliums und der Armen." Wer's glaubt wird selig.


2014
Der Flughafen von San Salvador wird nach Romero benannt.

2015
Der Asteroïd Nr. 13.703 wird nach Romero benannt.

2018
14. Oktober: Romero wird von Papst Francisco - der politisch mit ihm auf einer Wellenlänge sendet - heilig gesprochen. (Es gibt also nun neben dem Filmpreis einen zweiten "heiligen Oscar" ;-)


*Auch Dikigoros kann mit seinen Prognosen mal daneben liegen: Im März 2009 wird der Kandidat der FMLN, der KürbiskernfresserJournalist und Befreiungstheologe Mauricio Funés, zum Präsidenten von El Salvador gewählt. Er kommentiert seinen Wahlsieg mit den Worten: "Bisher habe ich immer für Meinungsfreiheit gekämpft; von nun an wird sich das ändern."


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