DIE ZEIT IST KURZ . . .
DIE KUNST IST LANG

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More matter . . . with less art !*
*(Mehr Inhalt, wen'ger Kunst)
Shakespeare (Hamlet II, 2)

[Bildende Kunst]

Bildende Künstler des 20. Jahrhunderts
Tabellarische Lebensläufe und Bilder
gesammelt von Nikolas Dikigoros

Eigentlich ist Dikigoros ja ein Anhänger des Satzes: "Kunst kommt von Können" von Max Liebermann; aber da auch Jupp Goebbels ihn mal gebraucht hat, gilt er heute als "faschistoïd" und ist nicht mehr zitierfähig - als ob man sich aussuchen könnte, wer seine Bonmots verwendet und wer nicht (da hätte gerade Dikigoros viel zu tun :-)! Deshalb hat er für die Überschrift andere Zitate ausgewählt - das erste kennen seine Leser hoffentlich auch ohne daß er die Fundstelle angibt; beim zweiten war er nicht ganz sicher - es steht da auch nur der Ausgewogenheit wegen, denn Shakespeare vertritt offenbar die Gegenmeinung, indem er "Kunst" im Sinne von "Künstelei" versteht.

Was ist "bildende" Kunst? Nun, ganz wörtlich, all die Kunst, die etwas ab-bildet, also in erster Linie mit dem Auge wahr genommen wird, im Gegensatz etwa zur musikalischen Kunst für die Ohren oder zur Kochkunst (obwohl Dikigoros die letztere viel höher bewertet als viele andere - sie spricht ja nicht umsonst gleich zwei Sinne an, den Geruchs- und den Geschmackssinn :-). À propos: Wie Dikigoros bereits im Kapitel über große Sportler des 20. Jahrhunderts schrieb: Es kommt hier nicht auf seinen eigenen Geschmack an: So wie er dort Athleten aus Sportarten vorstellt, die ihm zwar persönlich viel weniger interessant erscheinen als andere, aber nun mal die Massen für sich gewonnen haben, so hält er es auch hier: Er selber schätzt andere Disziplinen der "bildenden Kunst", wie das Entwerfen von Medaillen, das Zeichnen von Portraits und Karikaturen sowie das Stecken von Blumenbildern viel höher ein als das Beklecksen von Leinwand mit Ölfarbe, das Herumhämmern an Steinen und das Zeichnen von Comic-Figuren.* Aber das Publikum hat anders entschieden, und er würde wahrscheinlich auf mehrheitliches Desinteresse stoßen, wenn er hier einen Karl Goetz, einen Olaf Gulbransson, einen Götz Wiedenroth oder einen der großen japanischen Meister des Ikebana vorstellen würde. Also hat er sich für Architekten, Bildhauer, Maler und Comic-Zeichner entschieden. Unterschätzt vor allem die letzteren nicht, liebe Leser! Die Erzeugnisse der drei hier vorgestellten sind mehr gelesen worden als die aller anderen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zusammen; und das liegt in erster Linie bestimmt nicht an den ach-so-interessanten Texten in den Sprechblasen als vielmehr an den Zeichnungen. Der durchschnittliche Japaner verbringt schon heute zehnmal mehr Zeit mit Manga als mit Blumengestecken; und auch im Westen geht die Tendenz - wenn Dikigoros den Trend der letzten einschlägigen Buchmessen richtig interpretiert - zur "Graphic Novel", wie das auf Neu-Deutsch heißt, d.h. zur Umwandlung bisheriger "normaler" Texte in gezeichnete Geschichten mit Sprechblasen. Das mag man bedauern; aber es ist so, und weder Dikigoros noch seine Leser werden es ändern können. Deshalb ist es wichtiger, diese Zeichner vorzustellen als noch drei weitere Maler, etwa Jean Miró als dritten "Spanier", einen Skandinavier - Edvard Munch oder Emil Nolde -, die Deutsch-Mexikanerin Frida Kahlo als Alibi-Frau, den Rußlanddeutschen und Wahl-Inder Swetoslaw Rërich - nur um die Sowjet-Union und Asien irgendwie abzudecken, also ebenfalls in Alibi-Funktion - oder einen aus der Reihe der jüngsten Pfuscher, wie Roy Lichtenberg, Keith Haring und Andy Warhol.

Mit Ausnahme der Architektur sind alle diese "Künste" fast so alt wie die Menschheit, ja einige meinen sogar, daß der Mensch erst zum Menschen wurde, als er begann, auf die Wände seiner Höhlen und Felsen zu zeichnen und/oder zu malen oder auch kleine Plastiken aus Lehm anzufertigen, aus Holz zu schnitzen oder gar aus Stein zu schlagen. Dikigoros hat da so seine Zweifel, denn wie wir heute wissen, bringen gewisse menschliche "Künstler" von heute nichts auf die Leinwand, was nicht auch ein Schimpanse hinbekäme; aber damit sind wir schon bei der Frage, was da im 20. Jahrhundert anders ist als in anderen. Die Antwort lautet schlicht: genau das - die allmähliche Rückentwicklung des Menschen zum Tier! Aber warum war das so? Auf anderen Gebieten macht man sich die Antwort leicht: Der technische Fortschritt bei der Waffenproduktion habe z.B. zur "Entmenschlichung" des Krieges geführt usw. Aber das ist Unsinn: Zum einen führen Tiere nie Kriege aus Haß zur Vernichtung des Gegners, sondern sie kämpfen nur um Nahrungsmittel, Lebensraum und/oder Weibchen; und zum anderen waren die mit weniger modernen Waffen ausgefochtenen Kriege der Menschen in früheren Zeiten nicht weniger grausam als die heutigen. Der große technische Fortschritt des 20. Jahrhunderts hat vielleicht auf dem zweifelhaften Feld der "Ehre" eine geringere Rolle gespielt als auf dem der Kunst, wo er fast zwangsläufig einen ebenso großen Rückschritt einleitete (was manche, die jeden Schritt, auch den zurück, für einen "Fort"-schritt halten, freilich nicht begriffen haben). Wie schrieb Dikigoros' Großvater schon 1943 zwischen zwei Luftangriffen in sein Tagebuch: "Der Zeitzeiger der Weltgeschichte geht zwar vorwärts, doch der Zeiger der Kulturgeschichte unerbittlich rückwärts. Die Technik zerstört, statt aufzubauen!"

Hat Dikigoros sich eben zu abstrakt ausgedrückt? Auch für Euch, liebe Freunde der "abstrakten" Maleirei? Dann will er an ein paar konkreten Beispielen erläutern, was er meint: Die Fotografie wurde zwar schon im 19. Jahrhundert erfunden, aber erst mit dem Einzug der "fortschrittlichen" Farbfotografie machte sie die naturgetreu abbildende Malerei, etwa die eines Repin oder die eines Courbet, überflüssig - was sollten die Maler also tun als die Natur zu verfremden oder die gegenständliche Malerei gleich ganz zu ersetzen durch die Wiedergabe ihrer krankhaften Fantasie? Die Zeichner verlegten sich auf die Illustration von Märchen und Geschichten - je mehr die Sprach- und Lesefähigkeiten der Konsumenten abnahmen (Dank der "fortschrittlichen" Radio- und Fernsehtechnik brauchte bald niemand mehr ein Textbuch lesen zu können!), desto beliebter wurde die Unterstützung von Texten durch Bilder, und bald traten die letzten so weit in den Vordergrund, daß die Texte nur noch als kurze Redestücke in so genannten "Sprechblasen" beigefügt wurden. (Bei Wilhelm Busch, im 19. Jahrhundert, war das noch anders; da standen die - oft gereimten - Texte noch im Vordergrund. Außerdem waren die Hauptpersonen da noch durchweg Menschen, nicht Mäuse, Enten, Füchse, große böse Wölfe oder kleine Schweinchen. Und wenn in den Nebenrollen doch Tiere vorkamen, dann benahmen die sich auch wie Tiere, nicht wie Möchtegern-Menschen... Aber Busch wird ja heutzutage selbst von den Kanzeln christlicher Kirchen herab als Rassist und Anti-Semit beschimpft - waren Plisch und Plum nicht die ersten Nazis im [Un-]Geiste? -, deshalb darf er nicht mehr als positives Beispiel erwähnt werden; und gewisse left lunatic liberalspolitische-korrekte Gutmenschen würden Walt Disney und Rolf Kauka am liebsten in die selbe Ecke stellen - zensiert worden sind ihre Neuauflagen ja schon fast so stark wie die Buschs.) Und die Architektur? Gebaut wurde doch auch schon lange vor dem 20. Jahrhundert! Wohl wahr; aber die Materialien machten es doch notwendig, Häuser - und selbst Paläste - in einem gewissen "vernünftigen" Rahmen zu belassen. Erst mit dem Einzug einer "fortschrittlichen" Bauweise mit Beton und Stahlträgern wurde die Qualität von der Quantität förmlich erschlagen. Was schließlich heutzutage an Denkmälern und Skulpturen herum steht, würde jedem Schrottplatz zur Zierde gereichen und stellt eine Potenzierung aller drei zuvor genannten Perversionen dar. Und wie will Dikigoros das erklären? Im 20. Jahrhunderts gab es doch noch keine dreidimensionale Computeranimation (jedenfalls nicht für den Normalverbraucher); also war die naturgetreue Darstellung auf diesem Gebiet doch noch nicht überflüssig gemacht worden - anders als die naturgetreue Malerei durch die Fotografie -, oder?

Tja, hier kommt neben den technischen Gründen noch ein weiterer ins Spiel - und auch der ist eine Besonderheit des 20. Jahrhunderts: Nie zuvor hatte die Politik derart massiven Einfluß auf die Kunst genommen. Gewiß, es gab immer Auftragsarbeiten zu Zwecken der "politischen" Propaganda: Das Portrait eines großen Herrschers oder Feldherrn mußte dargestellt werden, eine große Schlacht festgehalten usw. Aber die zugrunde liegende Idee blieb doch stets die gleiche: Es sollte etwas möglichst naturgetreu (und sei es auch "geschönt" :-) abgebildet werden, und dazu bedurfte es ganz erheblichen Könnens. (Denkt nur mal an die perspektivische Darstellung des Raums in der Malerei - eine besondere Fähigkeit der mitteleuropäischen Künstler, die es erst seit dem 15. Jahrhundert gibt.) Man mochte auch Kunstwerke seiner politischen Gegner schlecht machen und/oder zerstören; aber niemand wäre auf die Idee gekommen, die künstlerische Darstellung an sich zu verfemen, sie durch den Pfusch irgendwelcher Nicht-Könner zu ersetzen und diese "von oben" zu "Künstlern" zu ernennen. Aber genau das geschah im 20. Jahrhundert - und die Plastik bzw. Bildhauerei war davon in besonderem Maße betroffen. Die letzten Ausläufer der "guten alten" Kunst, die noch ins 20. Jahrhundert hinüber reichten, bzw. ihre Künstler - die noch etwas konnten - hatten das Pech, daß sie zu den Favoriten derjenigen zählten, die im Zweiten Weltkrieg auf der Verliererseite standen. Nach 1945 wurden nicht nur deren Taten verteufelt, sondern auch deren Geschmäcker; und die "entartete" Kunst wurde auf den Schild gehoben, durch künstliche Überbewertung ihrer Produkte - im Zeitalter des Kapitalismus kein Kunst-stück, denn man brauchte die Schmierfinken und Pfuscher ja nur entsprechend zu bezahlen (von Steuergeldern, für staatliche Museen, öffentliche Plätze usw.), damit die Gleichung "teuer=gut" in den Augen unkritischer Zeitgenossen aufging. (Gewiß, es gab auch in früheren Jahrhunderten schon entartete, pardon "moderne Künstler", z.B. im 16. Jahrhundert Giuseppe Arcimboldo und Hieronymus van Aken alias Bosch; aber die nahm zu Lebzeiten niemand ernst.) Dikigoros hat sich gleichwohl bemüht, seine Auswahl zwischen Könnern und Nichtskönnern unter den "Künstlern" halbwegs ausgewogen zu gestalten, d.h. in etwa die Hälfte seiner Kurzlebensläufe aus jedem der beiden Lager zu nehmen. (Wer es weniger ausgewogen und dafür ausführlicher wünscht, dem empfiehlt Dikigoros die Werke von Richard Eichler aus den 1960er Jahren: "Könner, Künstler, Scharlatane", "Der gesteuerte Kunstverfall" und "Viel Gunst für schlechte Kunst", die an trauriger Aktualität nichts verloren, sondern eher noch gewonnen und leider viel zu wenig Verbreitung gefunden haben - auch auf einschlägigen Webseiten wie ZVAB oder Ebay sind sie nur selten zu finden. Dabei sind sie so gut, daß man sie am besten komplett mit allen Abbildungen ins Internet stellen sollte; Dikigoros könnte Seiten lang zitieren, was Eichler da über "die Verteidigung der Unkultur", "die Umpolung des Geschmacks", "die Werkzeuge der Kunst-Tyrannei" usw. geschrieben hat :-) Wie schon bei seinen anderen biografischen Seiten legt er Wert auf die Feststellung, daß er in seinem persönlichen Geschmack strikt zwischen den Künstlern und ihrer "Kunst" unterscheidet, so wie er zwischen dem Privatleben von Politikern und ihrer "Politik", Musikanten und ihrer "Musik", Soldaten und ihren "Heldentaten" unterscheidet - jemand der raucht, säuft und herum hurt, kann dennoch in seinem Wirken mal eine oder sogar mehrere Sternstunden haben; und jemand, der ihm ansonsten noch so sympathisch ist, kann gleichwohl eine Menge Schrott abgeliefert haben. (Ausnahmen, die ihm sowohl persönlich als auch künstlerisch sympathisch sind, finden sich hier genau zwei; dafür umso mehr, die er menschlich ebenso wie fachlich als Nullen ansieht :-)

Exkurs/Nachtrag. Ein Leser hat Dikigoros gemailt, daß es doch eigentlich falsch sei, bei "Kunst" auf die "Künstler" abzustellen statt auf ihre Werke - die letzteren machten doch die ersteren; er hätte lieber ein paar davon heraus greifen und deren Geschichte erzählen sollen. Aber ganz abgesehen davon, daß Dikigoros auf seinen Seiten immer wieder Gemälde, Denkmäler usw. abbildet, die ihm historisch relevant erscheinen, irrt der Leser in diesem Punkt: Es kommt eben nicht auf die Kunstwerke an, sondern auf die Künstler, die von den Medien hoch gejubelt werden und dann jeden Mist verkaufen können, das zeigt doch die immer wieder kehrende Diskussion um "Fälscher" und "Fälschungen". Wohlgemerkt, Dikigoros meint hier nicht die Kopisten (auch deren "Beruf" ist durch die moderne Kopier-Technik überholt :-), sondern Leute, die nur in einem bestimmten Stil malen (Dikigoros schreibt bewußt nicht: "einen bestimmten Stil kopieren" - denn auf Stile gibt es zum Glück noch keine Urheber-Rechte). Anno 2010 kam "der größte Fälschungs-Skandal der deutschen Kunstgeschichte" in die Schlagzeilen - und Dikigoros konnte nur den Kopf schütteln. Was war geschehen? Irgendwelche Deppen hatten in einem Kölner Auktionshaus für Millionen irgendwelche Gemälde erstanden. Nicht etwa Kopien irgendwelcher bekannter "Größen", sondern Originale, die "expressionistisch" aussahen; deshalb hielten einige Keksperten sie auch gleich für "bis dato unbekannte Werke" einiger großer "Meister" des Expressionismus - die Namen tun hier nichts zur Sache. (Kluge Auktionshäuser, die ihre Kataloge vorher anwaltlich prüfen lassen, schreiben in solchen Fällen statt "... von XY" nur: "XY zugeschrieben" :-) Aber dann kam heraus, daß die teuren Stücke allesamt von bis dato unbekannten russischen Nachwuchs-Künstlern gemalt worden waren - und das Geschrei war groß, denn nun waren sie plötzlich "wertlos". Aber wieso denn? Einen objektiven materiellen Wert haben solche "Kunstwerke" ohnehin nicht, denn Leinwand und Farbe kann man nicht essen; und einem echten Kunst-Liebhaber sollte es doch egal sein, ob ein Bild, das er subjektiv schön findet, von einem schon 100 Jahre toten oder einem zeitgenössischen, lebenden Maler verfertigt wurde. Der Skandal liegt also nicht darin, daß sich da jemand "falsche" Kunst hat andrehen lassen, sondern darin, daß der "Wert" eines Werkes offenbar nicht von demselben abhängig gemacht wird, sondern davon, wer es - vermeintlich - hergestellt hat; und das könnte bei gewissen Werken, wie Dikigoros oben ausgeführt hat, jeder Schimpanse gewesen sein. Aber es geht ja noch weiter: Ein weiteres "Fälschungs"-Kriterium soll die Geschichte der Vorbesitzer gewesen sein, und auch da geht es wieder nicht um deren Identität an sich, sondern darum, ob sie auch "echte" Kunstsammler waren. Wenn also auf der Rückseite des Bildes ein Vermerk angebracht ist, daß es zuvor im Besitz des bekannten Kunstsammlers Prof. Dr. Müller war, dann steigert das seinen "Wert", ggf. auf Millionen; wenn der Vermerk dagegen auf Lieschen Müller lautet, könnte sein "Wert" gegen Null sinken. Mehr noch: Wenn das Bild tatsächlich im Vorbesitz von Prof. Dr. Müller war, dieser aber gar kein bekannter Kunstsammler war, sondern nur ein Amateur, dann gilt das gleiche wie bei einem Vorbesitz von Lieschen Müller (es sei denn, es handelte sich um die weltbekannte Kunstsammlerin Lieschen Müller :-). Exkurs/Nachtrag Ende.

Zurück zur Auswahl: Dikigoros hat auf der Einleitungsseite Popps Sammlung von 72 "Großen des 20. Jahrhunderts" erwähnt und festgestellt, daß sich diese kaum mit seiner überschneidet. Aber es gibt eine Ausnahme, nämlich das Kapitel "Maler, Bildhauer, Architekten"; hier hat Dikigoros fast ein Drittel von Popps 13 Kandidaten ebenfalls berücksichtigt. (In allen anderen Kapiteln ist es jeweils nur ein einziger "Großer" :-) Dennoch ist die fachliche und geografische Verteilung seiner Biografien eine andere: Popp hat fast zur Hälfte Deutsche ausgewählt; und obwohl Dikigoros nicht bezweifelt, daß die ebenso gut oder schlecht künstelnmalen pp. konnten wie die hier Vorgestellten (es ist alles eine Frage der Vermarktung :-) hat er sich vielmehr vom Gesichtspunkt der Ausgewogenheit leiten lassen: nicht mehr als je drei Personen pro "Disziplin", und nicht mehr als drei Landsleute insgesamt - wobei einige Fälle nicht ganz leicht einzuordnen sind: Niemeyer war Brasilianer deutsch-jüdischer Abstammung, Kauka halb Finne, halb Sachse, Uderzo Italiener und [Wahl-]Franzose; Chagall war Jude, [Weiß-]Russe und [Wahl-]Franzose. (Die letzten echten russischen Künstler lebten im 19. Jahrhundert, und wer von ihnen noch ins 20. Jahrhundert hinein ragte, mußte 1917 emigrieren, wenn er - nicht nur künstlerisch - überleben wollte.) Als was sich Picasso und Dalí fühlten ist schwer zu sagen - wie so oft bei Bürgern des Staates "Spanien" - vielleicht als "Weltbürger"... Warum tauchen hier keine Asiaten auf? Weil die Kunst sich in Indien und Japan - und bis 1948 auch in China - nicht auf wenige professionelle Künstler beschränkt, sondern viel weiter in die Breite verteilt hat; jedenfalls fällt Dikigoros keiner ein, der eine vergleichbare künstliche Weltgeltung (verzeiht ihm das Wortspiel :-) erlangt hat wie gewisse westliche "Künstler", die der "Kunst"-Markt zu Ikonen hoch gejubelt hat. Und in den islamischen Ländern kann es schon deshalb keine echte Kunst geben, weil der Profet Muhammäd - Gott verderbe ihn und alle seine Anhänger - die künstl[er]i[s]che Darstellung von Menschen ebenso wie die leichte Musik bei Todesstrafe verboten hat. Und die islamische Architektur? Pardon, aber auch die gibt es nicht und hat es nie gegeben: Von der Hağia Sofia bis zum Tāj Mähäl haben die Muslime immer nur fremde Architektur übernommen (was sie nicht übernahmen, zerstörten sie), von christlich-orthodoxen Kirchen bis zu Hindu-Tempeln, und allenfalls noch ein paar häßliche Spitztürme ("Minare" - nicht "Minarett[e]", liebe Westler!) hinzu gefügt. Und die Paläste und Moscheen, die im 20. Jahrhundert entstanden sind, von den Scheichtümern am Persischen Golf über das neureiche Kasachstan bis nach Malaysia und Brunei? Auch die wurden entweder von westlichen oder im Westen ausgebildeten Architekten erbaut, mit westlichem Geld (aus dem Erdöl- oder Erdgas-Handel) und selbstverständlich mit westlicher Technik. Muslime sind nie schöpferisch tätig, dürfen es gar nicht sein, denn das wäre in ihren kranken HirnenAugen Gotteslästerung - Allah ist der Schöpfer, und sonst niemand.

Bei den Architekten stellt Dikigoros ausschließlich solche vor, die auch als Städteplaner tätig waren; denn wer einfach nur Gebäude irgendwo hin setzt, kann angesichts deren Unzahl im 20. Jahrhundert nicht mehr als bedeutend angesehen werden; als Städteplaner kann er dagegen viel mehr Einfluß entwickeln - im Guten wie im Schlechten. Damit ist nicht gesagt, daß nicht ein unschönes Gebäude ein ganzes Stadtbild verhunzen kann. Dikigoros hat sich hier zwar grundsätzlich auf das 20. Jahrhundert beschränkt, aber er will seinen Lesern schon mal einen kleinen Vorgeschmack geben auf das, was sie im 21. Jahrhundert erwartet, was gewisse "Star-Architekten" - und solche, die sich dafür halten - geplant haben. Wohlgemerkt: All diese Auswüchse kranker Pfuscher-Fantasien befinden sich bereits im ganz konkreten Planungsstadium. (Bei einigen hat man inzwischen sogar schon mit dem Bau begonnen.) Da hätten wir z.B. die Glaspyramide von Paris (die nur von zwei ihrer vier Seiten so aussieht, tatsächlich ist es eher eine Scheibe daraus), von den Schweizern Jacques Herzog und Pierre de Meuron verbrochen und "Triangle" genannt, ein Musterbeispiel an Energieverschwendung, auf deren Spitze man künftig die Umweltgipfel statt finden lassen kann. Oder den Mahanakhon-Turm in Bangkok, verbrochen von Ole Scherben, pardon Scheeren, den eine Kollegin von Dikigoros, die in Leipzig studiert hat - dessen Universitätshochhaus bekanntlich den Spitznamen "Weisheitszahn" trägt -, treffend als "kariösen Zahn" bezeichnet hat. Oder den von Annelise Couture und Hani Rashid verbrochenen "Strata Tower", der wohl als der "Schiefe Turm von Abu Dhabi" in die Geschichte eingehen wird. (An dieser Einschätzung hält Dikigoros fest, obwohl Keksperten eher auf "iPod" oder "bleiche Koralle" tippen; und inzwischen - anno 2010 - hat sich auch das "Guinness-Buch der Rekorde" seiner Meinung angeschlossen :-) Oder die drei Ungraziösen Grazien von Mailand, verbrochen von einer ganz besonders üblen Dreierbande: Arata Isozaki, Daniel Libeskind und Zaha Hadid.

[Die Glaspyramide von Paris] [Der kariöse Zahn von Bangkok] [Der schiefe Turm von Abu Dhabi] [Die 3 Ungraziösen von Mailand]

Besonders die letzte - die wohl nicht umsonst aus dem Land des "Turmbaus von Babel" stammt - wird z.Z. als die kommende Architektin des 21. Jahrhunderts gehandelt, hat sie doch bereits so bedrückende beeindruckende MachwerkeBauwerke wie die Pestbeulen von Peking"Blobs von Beijing", den Flachbettscannerdas Universitäts-Museum von Michigan, den Phallusdie Lilie von Warschau und den "Diamanten" von Bonn entworfen. Der Ärger ist nur, daß mittlerweile sowohl der Haupstadt Polens als auch der einstigen provisorischen Hauptstadt der BRD (die sich mit dem Bau eines "World Conference Centers", das niemand braucht, übernonmmen hat) das Geld ausgegangen ist; zudem wehren sich einige Banausen aus der letzteren gegen den Abriß ihrer alten Beethoven-Halle (obwohl niemand bestreitet, daß deren Akustik miserabel ist), und anderswo in der Stadt fehlt es zum Glückleider - angeblich - an einem passenden Standort für das neue, von Zaha Hadid geplante Festspielhaus in Diamantform.

[die Pestbeulen von Peking] [der Flachbettscanner von Michigan] [der Phallus von Warschau] [der Diamant von Bonn]

Generell legt Dikigoros bei seinen biografischen Seiten viel Wert auf Abbildungen, denn wie schon das Sprichwort sagt: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." (Es kann bisweilen auch mehr lügen als tausend Worte, aber das ist eine andere Geschichte.) Besonders wichtig ist ihm dies hier; denn wie könnte man sich von einem "bildenden Künstler" ein besseres Bild - im wahrsten Sinne des Wortes - machen, als indem man seine Werke optisch vorstellt?! Bei Malern bemüht sich Dikigoros vor allem, Selbstbildnisse zu finden, weil er annimmt, daß der Betreffende sich so sieht und auch von anderen gerade so und nicht anders gesehen werden will. (Deshalb stellt er auch auf anderen biografischen Seiten gerne signierte Bilder vor; denn wer ein Bildnis mit seinem Namen versieht, bringt so zum Ausdruck, daß er sich damit identifiziert.) Am wichtigsten ist die Abbildung jedoch bei den Produkten der Architekten. Warum? Nun, niemand kann uns zwingen, in ein Museum zu gehen und uns dort Gemälde oder Skulpturen anzuschauen, die uns nicht gefallen - geschweige denn, sie uns zu kaufen. Und niemand kann uns zwingen, Mickey-Mouse-, Asterix- oder Fix+Foxi-Hefte zu kaufen bzw. zu lesen. Aber die Erzeugnisse der Architekten und Städteplaner erfreuen oder beleidigen unser Auge tagtäglich, ohne daß wir es vermeiden könnten, denn sie werden uns ja im wahrsten Sinne des Wortes vor die Nase gesetzt und aufs Auge gedrückt, sei es von der Obrigkeit (von unseren Steuergeldern, versteht sich), sei es von irgendwelchen Großkonzernen, die längst nicht mehr von einzelnen Inhabern geleitet werden, die man persönlich zur Verantwortung ziehen könnte, sondern von mehr oder weniger anonymen Groß-Aktionären und den von diesen eingesetzten MarionettenVorständen. Umso wichtiger, daß wir wenigstens erfahren, wen sie bevorzugt mit ihren Schandtaten beauftragt haben und warum - wobei Dikigoros nicht verhehlen will, daß ihm die hier Vorgestellten verglichen mit ihren Nachfolgern im 21. Jahrhundert beinahe wie unschuldige Waisenknaben erscheinen.

Die folgenden Lebensläufe sind chronologisch geordnet, nach dem Geburtsdatum der "Künstler", nicht nach ihrer - vermeintlichen - Bedeutung, Wirkung oder Herkunft. Die meisten von ihnen stammen aus Europa, aber das ist eher Zufall; gewirkt haben sie überwiegend weltweit - auch dies eine Besonderheit des 20. Jahrhunderts, das eine nie dagewesene Mobilität erreicht hat, nicht nur der Künstler, sondern auch der Konsumenten, die es nie wieder geben wird. In früheren Jahrhunderten mußten die Künstler reisen, etwa an bestimmte Fürstenhöfe, um ihre Kunst auszuüben; und wer ihre Werke bewundern wollte, mußte sich dorthin begeben (oder sie für teures Geld kaufen und mühsam abtransportieren lassen); aber das konnten nur wenige. Im 20. Jahrhundert dagegen konnte ein Niemeyer mal eben in den Urwald jetten und dort eine künstliche Stadt aus dem Urwaldboden stampfen; und Millionen Menschen konnten jedes Jahr nach Paris oder Florenz reisen, um sich den Louvre, die Uffizien, architektonisch interessante Bauwerke oder Denkmäler anzuschauen, sie selber fotografieren oder fertige Kopien erwerben und mit nach Hause nehmen (oder schicken, als Ansichtskarten, wie Dikigoros es in jungen Jahren meist getan hat :-). Der "Fortschritt" wird auch über diese kurze Fase hinweg gehen - deshalb will Dikigoros sie an dieser Stelle festhalten, und zwar just mit dem Medium, das für ihr Ende verantwortlich sein wird: Heute kann jeder, der auch nur die Anfangsgründe der EDV-"Kunst" beherrscht, an irgend einem Ende der Welt mit Hilfe eines "Paint and Brush"-Programms binnen weniger Minuten oder Stunden Werke schaffen, für die ein Künstler früher Monate oder Jahre gebraucht hätte und sie (oder die Werke anderer) ins Internet stellen; und jeder Surfer am anderen Ende der Welt kann sie sich anschauen und herunter laden, ohne sich selber noch vom Fleck zu bewegen - und in Zeiten zunehmender Energie-Knappheit wird aus diesem "kann" vielleicht bald ein "muß" werden.

Georg Kolbe
Bildhauer (Gastbeitrag)



Pablo Picasso

Maler und Zeichner


[in Bearbeitung]


Charles Jeanneret ("Le Corbusier")

Architekt und Maler



Moische Schagalow ("Marc Chagall")

Maler



Josef Thorak

Bildhauer (Gastbeitrag)



Arno Breker

Bildhauer



Walt Disney

Zeichner



Salvador Dalí i Domènech

Maler und Bildhauer



Albert Speer

Architekt



Oscar Niemeyer

Architekt



neu bearbeitet, mit 200 Bildern


Rolf Kauka

Zeichner



Albert Uderzo

Zeichner

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*Man hat Dikigoros gemailt, daß seine "Künstler"-Lebensläufe gegenüber den anderen biografischen Seiten abfallen und den Verdacht geäußert, daß dies mit seiner persönliche Geringschätzung des Sujets zu tun haben könnte. Das stimmt so nicht; vielmehr liegt es in der Natur der Sache: Es ist ja nicht so, daß er diesen Disziplinen überhaupt nichts abgewinnen könnte, sondern er hat sich halt auf deren - vermeintlich - wichtigste Vertreter im 20. Jahrhundert beschränkt, wie bei (fast) allen anderen Lebensläufen auch. Und niemand würde wohl ernsthaft behaupten, daß die Besten ihrer Zunft in dieser Zeit gelebt hätten. Dikigoros' Vater mußte während seiner militärischen Ausbildung (im 6. Kriegsjahr - angeblich gehörte das zur notwendigen "Allgemeinbildung" eines angehenden Reserve-Offiziers!) einen Besinnungsaufsatz schreiben zu dem Thema: "Welche Kunstwerke - Plastik, Gemälde, Bauwerk, Musikstück - mich am meisten beeindruckt haben". Urs behauptete, vergessen zu haben, was er sich damals aus den Fingern sog; aber er war wohl klug genug gewesen, etwas zu finden, das seine Ausbilder lesen wollten: z.B. eine Plastik von Breker - möglichst Sportler -, ein Gemälde von Padua - möglichst Soldaten -, ein Bauwerk von Schinkel - am besten eines in der Reichshauptstadt Berlin - und eine Oper von Wagner - am besten "Die Meistersinger", die ja damals als einzige noch gegeben wurde. Was die Wahrheit gewesen wäre? Schwer zu sagen - welchen "künstlerischen" Horizont hatte denn ein 20-jähriger, dessen "Erwachsenen"-Leben hauptsächlich aus Krieg bestanden hatte? Später hätte er wohl eine römische Plastik aus dem Rheinischen Landesmuseum, ein Landschaftsgemälde von C. D. Friedrich, eine alte Ritterburg am Rhein und ein Klavierkonzert von Tschajkowskij genannt - also auch nichts aus dem 20. Jahrhundert, aber immerhin noch zur Hälfte Werke made in Germany. Sein Sohn könnte nicht mal damit aufwarten: Er würde eine nordindische Skulptur, einen südindischen Tempelkomplex, ein Gemälde von Repin und ebenfalls ein Klavierkonzert von Tschajkowskij nennen. Aber seht Ihr, liebe Kunstfreunde, die Schöpfer der beiden ersteren sind nicht bekannt, eignen sich also nicht für eine biografische Seite, über Repin weiß man viel zu wenig, und der Lebenslauf Tschajkowskijs ist nicht unbedingt dazu angetan, ihn allzu breit zu treten. Also nehmt mit dem Vorlieb, was Dikigoros Euch hier anbieten kann - und wenn Ihr besseres findet, mailt ihm bitte; er freut sich über jede Anregung!


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