JÓZEF PIŁSUDSKI

(05.12.1867 - 12.05.1935)

[Pilsudski]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammen gestellt von
Nikolas Dikigoros

1867
5. Dezember: Józef ("Zuik") Klemens Piłsudski wird im litauischen Zułówa [Sulova] geboren als viertes Kind von Józef Vincent Piłsudski, einem verarmten polnischen Adeligen, und seiner Ehefrau Maria, geb. Billwitz [Billewicz], einer reichen jüdischen Kaufmannstochter, die ihre Abstammung durch einen 150%igen polnischen Nationalismus zu überspielen sucht, den sie auch ihren zwölf Kindern einimpft; gleichwohl lernt Piłsudski zeitlebens nie, Polnisch ohne litauischen Akzent zu sprechen.*

1877-1885
Piłsudski besucht die russische Oberschule in Wilna - auf der er vor allem lernt, alles Russische abgrundtief zu hassen.


1885
Nach der Reifeprüfung geht Piłsudski nach Ķharkiw [Charkov], der Hauptstadt der Ost-Ukraine, um Medizin zu studieren. Er kommt in Kontakt mit revolutionären Kreisen, die den sozialen Umsturz und danach die Befreiung der nicht-russischen Nationen des Tsarenreiches propagieren.**
Piłsudski, der sein Studium abbricht und nach Wilna zurück kehrt, hätte es lieber umgekehrt: Erst die Wiederherstellung der Eigenstaatlichkeit Polens, dann die soziale Revolution.

1886/87
Dennoch beteiligen sich Piłsudski und sein Bruder Bronisław an einer Verschwörung zu einem Attentat auf Tsar Aleksandr III.***
Die Verschwörung wird aufgedeckt; Piłsudski wird zu fünf (sein Bruder zu fünfzehn) Jahren Verbannung in Sibirien verurteilt.

1887-1892
Piłsudski verbringt die Verbannungzeit in Irkutsk, Kerensk und Tunka.

1892
Piłsudski kehrt nach Wilna zurück.

1893
Piłsudski arbeitet für die in Warschau gegründete, illegale "Polnische Partei des Sozialismus [PPS]" und redigiert die Untergrundzeitschrift "Robotnik [Arbeiter]".

1894
Piłsudski wird zum Führer der litauischen Sektion der "PPS" gewählt.

1896
Piłsudski nimmt als Delegierter der "PPS" an der Vorbereitungen für den 4. Kongreß der II. Sozialistischen Internatioale in London und sodann am Kongreß selber in Paris teil. Seine Forderung nach einer unabhängigen Nation für die Polen stößt jedoch in internationalistischen Kreisen auf wenig Gegenliebe.

1899
Juli: Piłsudski heiratet Maria Juszkiewiczowa, geb. Koplewska. (Beide sind zuvor zum Protestantismus konvertiert, da die katholische Kirche Scheidungen nicht anerkennt.) Er zieht mit ihr nach Łodz.

1900
Februar: Piłsudski wird verhaftet, nachdem man ihn als Redakteur des "Robotnik" entlarvt hat, und nach Warschau ins Gefängnis verbracht.

1901
Piłsudski wird ins Gefängnishospital nach Sankt Peterburg verlegt. Von dort gelingt ihm die Flucht über Kiew nach Lemberg, der Hauptstadt des Habsburger Königreichs Galizien und Lodomerien, wo er antirussische Aktionen, Protestaufrufe und Streiks organisiert. (Die Österreicher lassen ihn - obwohl mit den Russen verbündet - gewähren.)

1904
Juni/Juli: Nach Ausbruch des russisch-japanischen Krieges reist Piłsudski über London und New York City nach Tōkyō; er versucht vergeblich, die japanische Regierung für einen Partisanenkrieg in Russisch-Polen zu gewinnen, um einen "Zweifrontenkrieg" gegen das Tsarenreich zu eröffnen. Auch in Deutschland und in Österreich-Ungarn vermögen sich die Stimmen, die einen Präventivkrieg gegen Rußland befürworten, nicht durchzusetzen. Angesichts dessen ist der "Novemberaufstand" gegen die Zwangsrekrutierung von Polen für die tsaristische Armee, den Piłsudski in Warschau anzettelt, von vornherein zum Scheitern verurteilt; dennoch bekommt Piłsudski immer wieder kleinere Sabotagetrupps zusammen, die den russischen Besatzungstruppen Nadelstiche versetzen.

1905
Januar: In Sankt Peterburg brechen Unruhen aus, die als "erste russische Revolution" in die Geschichte eingehen.
Oktober: Piłsudski wird auf dem Parteitag der PPS im weißrussischen Minsk mit der Aufstellung illegaler Bürgerkriegs-Milizen in Galizien beauftragt.
Dezember: Die Revolution wird militärisch nieder geschlagen.

1906
Piłsudski trennt sich von seiner Frau und tut sich mit Aleksandra ("Ola") Szczerbinska zusammen.
Piłsudski spaltet sich mit einer "Revolutionären Fraktion" von der PPS ab und schreibt in erster Linie die Wiederherstellung der polnischen Eigenstaatlichkeit (statt des Sozialismus) auf seine Fahnen. Trotz seiner negativen Erfahrungen von 1904 strebt er weiter eine Zusammenarbeit mit den "Mittelmächten" Deutschland und Österreich-Ungarn an, wobei nicht ganz klar wird, was er denen zu bieten haben sollte: Es ist klar, daß die Polen langfristig nicht nur Kongreßpolen und die angrenzenden Gebiete in Rußland, sondern auch "ihre" Gebiete in Deutschland und Österreich "wieder haben" wollen, möglichst in den "historischen" Grenzen des Großjagiellonischen Reiches von 1569, d.h. von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer.


1908
Zur Finanzierung seiner neuen Partei läßt Piłsudski - ähnlich wie Stalin im Kaukasus - seine BandenMilizen Raubüberfälle auf Banken und Geldtransporte durchführen.
September: Höhepunkt ist ein Anschlag auf den Postzug von Wilnow nach Sankt Peterburg bei Bezdany, bei dem Piłsudski über 200.000 Goldrubel erbeutet - weit mehr als seine Vorbilder, die britischen "Posträuber".

1909-1914
Von seinen "Einnahmen" als Posträuber macht sich Piłsudski ein schönes Leben, reist an die italienische Adria und in die Schweizer Alpen, besucht Venedig und Paris und träumt davon, dereinst in die Fußstapfen Napoléon Bonapartes zu treten. Unterdessen werden in Lemberg und Krakau - mit österreichischer Unterstützung - polnische Schützen-Regimenter aufgestellt.

1914
August: Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieg versucht Piłsudski, die "Teilungsmächte" gegen einander auszuspielen, nachdem er den Ausgang des Krieges frühzeitig voraus gesehen hat: Erst werden die Mittelmächte Rußland schlagen, dann wird die Entente die Mittelmächte schlagen; also gilt es, jeweils auf der richtigen Seite zu stehen. Nachdem ein überstürzter Versuch, mit seinen Schützen-Regimentern in Russisch-Polen einzudringen, gescheitert ist, stellt Piłsudski diese dem Habsburgerreich als "Polnische Legion" zur Verfügung. Gleichzeitig baut er heimlich eine eigene polnische Militärorganisation (POW) auf.


1916
5. November: Deutschland und Österreich-Ungarn, die Kongreß-Polen frei gekämpft haben, proklamieren ein "Königreich Polen" unter ihrem "Schutz".


Piłsudski wird Mitglied des Staatsrats und fordert eine von den Mittelmächten unabhängige polnische Regierung.

1917
22. Juli: Piłsudski wird aus dem Staatsrat entlassen, angeklagt und zu drei Jahren Festungshaft in Magdeburg verurteilt.

1918
November: Nach dem Waffenstillstand wird Piłsudski aus der Haft entlassen und geht nach Warschau. Er ernennt sich zum kommissarischen polnischen Staatspräsidenten und Oberbefehlshaber.

1919
Februar: Piłsudski läßt Wahlen abhalten und sich anschließend vom Parlament zum Präsideten wählen.
Dezember: Die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs legen die deutsch-polnische Grenze und mit der sogenannten Curzon-Linie auch die Ostgrenze Polens fest.

1920
März: Piłsudski ernennt sich zum "Marschall [Marszałek]" und "Führer [Naczelnik]" von Polen.

[Der Führer mit Marschallstab]

Er lehnt die Grenzziehungen der Alliierten ab, läßt polnische "Freischärler" in Oberschlesien einfallen und seine "regulären Truppen" in die Sowjet-Union einmarschieren - mit heimlicher Unterstützung der britischen Regierung.
Mai: Der polnische Vormarsch wird bei Kiew gestoppt; die "Rote Armee" geht zum Gegenangriff über und dringt bis ins polnische Kerngebiet vor.


August: Französische Hilfstruppen - bei denen auch ein Hauptmann Charles de Gaulle mit kämpft - halten den sowjetischen Vormarsch vor Warschau auf ("Wunder an der Weichsel"); die polnischen Truppen rücken erneut gen Osten vor.****
Oktober: Piłsudski überfällt auch Litauen und läßt Wilna besetzen. Die polnische Propaganda stellt all das als "Verteidigungskriege" dar.


1921
Februar: Piłsudski schließt einen Militär- und Wirtschaftsvertrag mit Frankreich, um die Eroberungen des Raubstaats Polen gegen das Deutsche Reich und die Sowjet-Union abzusichern.
17. März: Der polnische Reichstag nimmt die neue Staatsverfassung an.
18. März: Im Frieden von Riga wird die polnische Ostgrenze ca. 150 km östlich der Curzon-Linie festgelegt. In Piłsudskis Staat leben damit mehr Nicht-Polen als Polen; die Minderheiten (Deutsche, Juden, Litauer, Ukraïner, Weißrussen) werden brutal unterdrückt und systematisch "polonisiert".

[Der Raubstaat Polen 1921-1939] [Ausrottung der deutschen Minderheit in Westpreußen bis 1926]

Oktober: Nach dem Tode seiner Frau konvertiert Piłsudski zurück zum Katholizismus und heiratet in 2. Ehe Aleksandra Szczerbinska, mit der er inzwischen zwei Töchter hat.

[mit Ehefrau Aleksandra und Töchtern]

1922
November: Piłsudski kandidiert nicht mehr für das Präsidentenamt, da die Rechte des Präsidenten durch die neue Verfassung zugunsten des Reichstags und damit der politischen Parteien beschnitten worden sind.

1923
Piłsudski zieht sich aus der Politik zurück; er legt die Ämter des Generalstabschefs und des Vorsitzenden des Verteidigungsrats nieder. Im Heer und als Publizist genießt er jedoch nach wie vor hohes Ansehen und hat damit weiterhin politischen Einfluß.

1926
12. Mai: Angesichts der Verschlechterung der außenpolitischen Lage sowie von Mißwirtschaft und Korruption im Inneren führt Piłsudski einen Staatsstreich durch, indem er - nach einschlägigen Vorbildern***** - einen "Marsch auf Warschau" inszeniert. Gestützt auf die Armee und im Vertrauen auf seine Popularität errichtet er eine autoritäre Staatführung, die er selber als "Sanacja [Diktatur des gesunden Volksempfindens]" (heute meist ungenau mit "moralische Diktatur" übersetzt) bezeichnet.

[Pilsudskis Marsch auf Warschau 1926]

1926-1930
Pilsudski ist zugleich Ministerpräsident, Kriegsminister und Generalinspekteur der Streitkräfte. Im Laufe der Zeit wandelt sich der gemäßigte Charakter seiner "moralischen Diktatur". Neben Verfassungsbrüchen kommt es verstärkt zur Verfolgung politischer Gegner.

[Pilsudski, Gemälde von Kossak 1928]

1929
Februar: In Moskau schließen Polen, Rumänien, Lettland, Estland und die Sowjet-Union einen Nichtangriffspakt. (Litauen - Ziel der polnischen Irredenta - bleibt selbstverständlich außen vor.)
Piłsudski hofft, Polen als militärische und politische Großmacht etablieren zu können.

[Großmacht Polen]

1930-1935
Piłsudski - der sich erneut zum Ministerpräsidenten ernannt hat - sieht sich wachsendem innenpolitischen Druck polnischer Nationalisten ausgesetzt, die eine noch brutalere Unterdrückung der Minderheiten fordern als sie ohnehin schon praktiziert wird.

1933
Nach der Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler versucht Piłsudski vergeblich, die französische Regierung für einen Präventivkrieg gegen Deutschland zu gewinnen.


1934
Januar: Piłsudski schließt einen Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich ab, um sich den Rücken gegen die Sowjet-Union frei zu halten, die ihren Anspruch auf Rückgewinnung der von Polen geraubten weißrussischen und ukrainischen Gebiete nie aufgegeben hat. Dagegen gibt sich die neue national-sozialistische Regierung Deutschlands zunächst friedlicher als ihre Vorgänger in der Zeit der Weimarer Republik; dies trotz anhaltender polnischer Schikanen gegen die volksdeutsche Minderheit in Westpreußen, Posen und Oberschlesien.

1935
12. Mai: Józef Piłsudski stirbt in Warschau an Leberzirrhose. Seine Leiche wird in Krakau eingesargt - neben denen der polnischen Könige -, sein Herz in Wilna begraben, wie er es letztwillig verfügt hat.

[Trauerzug durch Krakau] [gläserner Sarg mit Ehrenwache]

Seine Nachfolger behalten den Personenkult, mit dem er sich zeitlebens umgab, auch nach seinem Tode bei - daran ändert weder die Umwandlung Polens in eine kommunistische "Volksrepublik" nach dem 2. Weltkrieg etwas noch der Sturz des Kommunismus 1989/90.

[5 Zloty Pilsudski 1935] [50.000 Zloty Pilsudski 1988] [100.000 Zloty Pilsudski 1990]

Ganz im Gegenteil steigt sein Wert seine Wertschätzung von Jahr zu Jahr, von einst 5 Zł. 1935 auf 5 Millionen Zł. 1995 (jedenfalls auf dem Papier :-)


Heute stehen in ganz Polen Denkmäler auf Piłsudski - mal mit, mal ohne Pferd, mal mit, mal ohne Ehrenwache und Blumenkranz.******


*Der öffentliche Gebrauch des Polnischen wurde im Tsarenreich bereits 1864, der aller anderen nicht-russischen Sprachen - also auch des Litauischen - erst 1882 verboten.

**Polen, das bei den "Teilungen" von 1772 und 1793 zunächst seine weißrussischen, ukraïnischen und deutschen Kolonien, mit der "3. Teilung" von 1795 auch seine staatliche Eigenständigkeit eingebüßt hat, ist seit dem Wiener Kongreß von 1815 in Personal-Union mit Rußland verbunden. Mehrere gescheiterte Aufstände - 1830, 1846 und zuletzt 1863 - haben zu immer schärferen Unterdrückungsmaßnahmen geführt, wobei der Tsar sich stets auf die Hilfe des benachbarten Preußen verlassen konnte. Allein im Vielvölkerstaat Österreich lebten auch die Polen relativ frei - was ihnen allerdings nicht genügte; vielmehr wollten sie - ähnlich wie die Ungarn, die Tschechen und die Serben - selber frei sein, aber auch frei, die anderen Völker auf "ihrem" Gebiet, z.B. Weißrussen, Ukraïner, Litauer, Juden und Deutsche, zu unterdrücken, ein Wollen, das beispielhaft in dem Wort "Volya [Freiheit, Wille, Willkür]" zum Ausdruck kommt. Im Ausland wird das meist übersehen; so wird in der Regel "Ziemlya i Volya" - so hieß die Gruppe, der sich Pilsudski zunächst anschloß - mit "Land und Freiheit" übersetzt, dagegen "Narodnaya Volya" - so hieß die Gruppe, die sich später von der ersteren abspaltete - mit "Völkischer [seit 1945: Volks-]Wille". Wie einst im Tsarenreich alle anderen Sprachen als das Russische, so wurden in Piłsudskis Reich alle anderen Sprachen als das Polnische verboten. Wie Piłsudski eine russischsprachige, so mußte Dikigoros' Schwiegermutter eine polnischsprachige Oberschule besuchen, da es keine deutschsprachigen gab.

***Ein polnisch-jüdisches Mitglied der Gruppe "Narodnaya Volya", Ignaz Grünwitz, hatte bereits 1881 dessen Vater, Tsar Aleksandr II, ermordet, was zu ausgedehnten Pogromen in Rußland geführt hatte.

****Dikigoros erinnert sich an ein Gespräch, das er in den 1980er Jahren mit einem alten Griechen führte. Der meinte nicht ohne Verbitterung: "Hätten die Franzosen damals auch nur annähernd so viel investiert, um uns ein paar Truppen und Material zu schicken, dann hätten wir die Türken für immer aus Europa und Kleinasien hinaus geworfen, und sie könnten uns jetzt nicht so viel Ärger machen." Worauf Dikigoros meinte: "Aber dann wäre Atatürk nie an die Macht gekommen, und die Türkei wäre jetzt kein laizistischer Staat, sondern vielleicht ein islamistischer, wie der Iran, und das wäre noch viel ärgerlicher." Worauf sein Gesprächsparter sagte: "Junger Mann, erstens könnte es uns egal sein, was die Türken für einen Staat hätten, wenn sie irgendwo am Oxus säßen; und zweitens werden Sie noch miterleben, wie die Türkei zu einem islamistischen Staat wird, mindestens ebenso schlimm wie der Iran, wenn nicht sogar noch schlimmer." Dikigoros nahm den alten Kassandro damals nicht ganz ernst; aber leider sollte er Recht behalten.
(Dikigoros verkniff und verkneift sich den Satz: "Hätten die Franzosen damals nicht die Zerschlagung des Raubstaates Polen verhindert, dann hätte es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben." Denn wie wir heute wissen - mit "wir" meint er: Alle außer den dumm gehaltenen BRDDR-Untertanen -, war die britische Regierung bereits seit 1933 fest entschlossen, einen neuen Krieg gegen Deutschland vom Zaun zu brechen, sobald sie genügend aufgerüstet hatte; sie hätte sich dann bloß einen anderen Vorwand suchen müssen als den Polenfeldzug.)

*****1909: Marsch der "Jungtürken" auf Konstantinopel und Venizélos' Marsch auf Athen; 1922: Mussolinis Marsch auf Rom; 1923: Metaxás' Marsch auf Athen und Hitlers Marsch auf München.
(Zwei Wochen nach Piłsudski marschieren portugiesische Generäle auf Lissabon; 1930 gibt es einen Marsch der Lapua-Bauern auf Helsinki, 1934 einen Marsch Lavals auf Paris, 1936 einen Marsch von Degrelles "Rexisten" auf Brüssel und den "Yarrow march" arbeitsloser Engländer auf London.)

******Wie außergewöhnlich das ist, wird erst richtig klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Polen einer von nur vier Staaten weltweit ist, der die Denkmäler auf seine Vorkriegspolitiker nicht gestürzt hat. [Die anderen sind Brasilien - wo noch immer Denkmäler auf Vargas stehen -, China - wo noch immer Denkmäler auf Sun Yat-sen stehen - und Georgien - wo noch immer Denkmäler auf Stalin stehen.******* Dagegen wurden z.B. in den Vereiniggerten Staaten von Amerika sogar die Denkmäler auf George Washington, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt beseitigt. (Mehr dazu hier.) Abschließend ist noch zu erwähnen, daß Piłsudski 2004 bei einer Umfrage nach dem "größten Polen der Geschichte" Platz 2 belegte - hinter Karol Wojtyła alias Joannes Paulus II]

*******Nein, Dikigoros hat (hoffentlich :-) nichts übersehen: In Mexiko stehen zwar nach wie vor Denkmäler auf Juárez, Madero und Cárdenas, aber die auf Díaz wurden beseitigt, ebenso wie in Frankreich zwar noch Denkmäler auf Napoléon I stehen, aber die auf Pétain beseitigt wurden und wie in Griechenland noch Denkmäler auf Venizélos stehen, aber die auf Metaxás beseitigt wurden. Und in der Ukraïne stehen zwar seit der Unabhängigkeit Denkmäler auf Bandera, aber meist an Stellen, wo zuvor solche auf Lenin standen, die selbstverständlich abgerissen wurden. Dikigoros war lange nicht mehr in der Türkei und kann nicht ausschließen, daß einige der Atatürk-Denkmäler, die er dort einst sah, noch stehen; das islamistische Regime hat sich jedoch in aller Form vom Kemalismus losgesagt; es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch die letzten beseitigt sind. Wie der Versuch endete, anno 2012 in Ungarn ein Denkmal für Horthy aufzustellen, kann man hier nachlesen.


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