MIKLÓS  HORTHY

vitéz Nágybanyai Horthy Miklós*

(18.06.1868 - 09.02.1957)

[Miklós Horthy]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1868
18. Juni: Miklós Horthy wird als fünftes von neun Kindern des aus Siebenbürgen stammenden Gutsherrn István Horthy (1830-1904) und seiner Ehefrau Paula, geb. Halassy (1839-95) in Kenderes geboren.

1876-78
Horthy besucht die Volksschule in Debrecen.

1878-85
Horthy besucht das Lähne-Institut (ein deutschsprachiges Gymnasium) in Ödenburg (heute "Sopron").

1885
Horthy wird in die k.u.k. Kriegsmarine-Academie aufgenommen.


1889
November: Horthy wird zum Corvettenlieutenant [Leutnant z.S.] befördert und auf den Raddampfer Taurus abcommandiert, eines der "Botschafts"-Schiffe, welche die Großmächte in Konstantinopel stationiert haben, um den Zugang zum Schwarzen Meer zu kontrollieren.

1892-94
Horthy nimmt als jüngster Officier der Segel-Corvette Saida an der "Nickel-Expedition" teil.


Am stärksten beeindruckt ihn "die unangefochtene Vorrangstellung der weißen Rasse in aller Welt," vor allem im britischen Empire (Ägypten, Indien, Singapur, Australien), aber auch in Niederländisch-Indien. Das einzige unabhängige Land in Übersee, das er besucht, ist Syām ("Siam", heute Thailand).

1895
Horthy wird der neuen Torpedowaffe zugewiesen, deren Entwicklung den Bau teurer, vermeintlich unversenkbarer großer Panzerkreuzer und Schlachtschiffe bald ad absurdum führt.


1896
Horthy wird zum Fregattenlieutenant [Oberleutnant z.S.] befördert.

1900
Horthy wird zum Linienschiffslieutenant [Kapitänleutnant] befördert.

1901
Januar: Horthy wird Commandant des Torpedoboots Sperber.
Juli: Horthy heiratet Magdolna ("Magda") Purgly de Jószáshely (1881-1959). Aus der Ehe gehen zwei Töchter und zwei Söhne hervor.


1902
Horthy wird Commandant des Torpedoboots Kranich.

1903
Horthy wird Torpedo-Officier auf dem Panzerkreuzer St. Georg, dem Flaggschiff einer internationalen Flotte, die diverse Inseln im östlichen Mittelmeer besetzt, um das Osmanische Reich zur Rückzahlung seiner Schulden zu zwingen.

1905
Horthy wird Officier auf der Habsburg, dem Flaggschiff der k.u.k. Flotte.


Auf einer Reise ins östliche Mittelmeer beeindruckt ihn besonders das damals noch griechische Smyrna (heute Izmir).

1907
Horthy wird Commandant des Creutzers Lacroma.


1908
Juni: Horthy wird Commandant der Taurus, die noch immer als "Botschaftsschiff" vor Konstantinopel liegt. Dort erlebt er im
Oktober die Auswirkungen der Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Österreich-Ungarn hautnah mit: Die Türken reagieren mit einem Wirtschaftsboykott; Österreich-Ungarn verliert seine Stellung als wichtigster Außenhandelspartner des Osmanischen Reichs; die politischen Beziehungen sind - wie auch die zum Tsarenreich - nachhaltig vergiftet; als einziger zuverlässiger Bündnispartner verbleibt das Deutsche Reich.

1909
Januar: Horthy wird zum Corvettencapitain befördert.
November: Horthy wird Flügeladjutant bei Kaiser Franz-Joseph ernannt. Als solcher lernt er diverse europäische Monarchen persönlich kennen, u.a. den deutschen Kaiser Wilhelm II, "König" Nikita von Montenegro und "König" Petar von Serbien.


1911
November: Horthy wird zum Fregattencapitain befördert.

1912
Dezember: Horthy wird Commandant von S.M.S. Budapest.

1913
November: Horthy wird zum Linienschiffscapitain [Kapitän z.S.] befördert.

1914
28. Juni: Erzherzog Franz Ferdinand, der k.u.k. Thronfolger, wird von serbischen Attentätern ermordet.
August: Der daraus resultierende diplomatische Streit zwischen Österreich-Ungarn und Serbien eskaliert zum Ersten Weltkrieg.
Horthy wird Hafenkommandant von Pola und Kommandant der inzwischen völlig veralteten Habsburg. Er stellt fest, daß die k.u.k. Flotte für einen Weltkrieg, insbesondere gegen England, in keiner Weise gerüstet ist.
Auch diplomatisch sind die Mittelmächte für einen solchen nicht gerüstet: Ihre "Verbündeten" Italien und Rumänien bleiben "neutral", was in der Praxis so aussieht, daß Rumänien die Donau vermient und so Österreich-Ungarn den Zugang zum Schwarzen Meer versperrt. (Der offene Kriegseintritt Rumäniens auf Seiten der Entente-Mächte erfolgt erst zwei Jahre später.)
Dezember: Horthy wird Kommandant des schnellen Panzerkreuzers Novara.


1915
Nach dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente-Mächte führt Horthy mehrere Angriffe auf die italienische Ostküste durch. Es gelingt ihm jedoch nicht, die Evakuierung der geschlagenen serbischen Armee von Durazzo auf das von britischen und französischen Truppen besetzte Corfu zu verhindern.


1916
22. November: Kaiser Franz-Joseph stirbt. Sein Nachfolger wird der zwielichtige Karl I (als König von Ungarn Károly IV).


1917
06. April: Die USA nehmen die fast zwei Jahre zurück liegende Versenkung der "Lusitania" zum Vorwand, dem Deutschen Reich nunmehr auch offiziell den Krieg zu erklären; Deutschland nimmt daraufhin den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf und erzielt zunächst spektakuläre Erfolge. (Im ersten Halbjahr 1917 übertreffen die Versenkungen die alliierten Neubauten um 400%.)


Mai: Horthy gelingt es in der Seeschlacht von Otranto, mehrere italienische Kriegsschiffe zu versenken und damit die Blockade der Adria aufzuheben. Größere Auswirkungen hat dies jedoch nicht, da sich das übrige Mittelmeer bereits fest in der Hand der Entente-Mächte befindet.

1918
Januar: Die Arbeiter in der Rüstungsindustrie beginnen zu streiken, nachdem ihnen die Brot- und Mehlrationen auf die Hälfte gekürzt worden sind. Kaum sind diese beigelegt, beginnen k.u.k. Matrosen im Kriegshafen Cattaro zu meutern.**
Februar: Horthy wird zum Konteradmiral befördert und Kommandant von S.M.S. Prinz Eugen. Er schlägt die Meutereien nieder.
März: Horthy wird Oberbefehlshaber der k.u.k. Kriegsflotte und Kommandant des Flaggschiffs Viribus Unitis.


Oktober: Horthy wird zum Vizeadmiral befördert.
Nach der Kapitulation Österreich-Ungarns muß Horthy die k.u.k. Kriegsflotte an das neue Königreich der Serben und Kroaten (später "Jugo-slawien") ausliefern; die Schiffe werden mitsamt den - meist kroatischen - Besatzungen in deren neue Kriegsmarine übernommen.
In der Nacht auf den 1. November läßt Italien - dessen Marine während des gesamten Weltkriegs kein einziges Seegefecht gewonnen hat - die Viribus Unitis durch einen Sprengstoffanschlag in die Luft jagen; die 400-köpfige Besatzung - die in leichtsinigem Glauben, daß der Friede ausgebrochen sei, ohne Wachen vor sich hin schlief - findet den Tod. Die Mörder werden befördert und mit hohen Orden ausgezeichnet. Die italienische Regierung erklärt, sie betrachte sich noch als im Krieg befindlich; insbesondere habe sie keinen Waffenstillstand mit Serbo-Kroatien geschlossen. [Italienische Truppen stehen noch im Kampf um Istrien mit Triest und Südanatolien mit Antalia.] Österreicher und Ungarn folgen dieser Sichtweise und bescheinigen dem letzten Kommandanten, nicht das Opfer eines Mordanschlags geworden, sondern den "Heldentod" gestorben zu sein.***


Horthy vertritt sein Leben lang nachdrücklich die Auffassung, daß nicht die Wasser-, sondern die Landstreitkräfte verantwortlich gewesen seien für die Kriegsniederlage der Mittelmächte.
(Horthy verkennt, daß kriegsentscheidend das Unvermögen der deutschen Flotte war, zum einen die Seeblockade der Engländer zu brechen, zum anderen den Nachschub an Menschen und Material aus den USA an die Ententemächte zu verhindern. Dies war indes nicht die Schuld der Streitkräfte, sondern der Politiker: Mit dem Geld, das für unnütze Großkampfschiffe ausgegeben wurde, hätte man eine Flotte von mehreren tausend U-Booten schaffen können, die den Krieg zugunsten der Mittelmächte entschieden hätten - wenn man denn den Mut gehabt hätte, sie unbeschränkt einzusetzen.)


1919
Mai/Juni: Der siebenbürgener Jude Béla Kun [Cohen] reißt mit sowjet-russischer Hilfe die Macht in Ungarn an sich, ruft die "Diktatur des Proletariats" aus und errichtet ein kommunistisches Terror-Regime. ("Ohne Terror kann es keine Diktatur des Proletariats geben, und ohne Blutvergießen keinen Terror!")
Er versucht vergeblich, die von Tschechen besetzte Slowakei und das von Rumänen besetzte Siebenbürgen zurück zu erobern.


August: Im Gegenzug dringen rumänische Truppen mordend und plündernd bis nach Budapest vor. Béla Kun flieht erst nach Wien, dann nach Merseburg - wo er den kommunistischen Aufstand vom Frühjahr 1921 mit organisiert - und schließlich - nach dessen Scheitern - in die Sowjet-Union, wo er 1937 als Anhänger Trotskis verurteilt und hingerichtet wird). Horthy stellt Truppen für die Gegenregierung Károlyi auf, während eine andere Gegenregierung versucht, die Habsburger Monarchie zu restituieren. Ungarn versinkt im Chaos.

1920
Februar: Horthys Truppen rücken in Budapest ein.
März: Horthy läßt sich vom Parlament zum Regenten ("Reichsverweser") einer "Monarchie ohne Monarchen" wählen.
Juni: Horthy unterzeichnet das Friedensdiktat von Trianon (wozu Béla Kun nicht bereit gewesen wäre). Ungarn tritt die Slowakei an die Tschechen, Siebenbürgen an die Rumänen, Kroatien, Slawonien, Batschka, Banat und Wojwodina an die Serben ab. Damit verliert es über zwei Drittel seines Gebiets und über die Hälfte seiner Einwohner (von denen allerdings über zwei Drittel nicht-ungarisch und froh sind, der gewaltsamen Magyarisierung zu entgehen, nicht ahnend, daß sie vom Regen in die Traufe kommen.)


1921
März/April: Ex-Kaiser Karl fährt nach Budapest, um wieder König von Ungarn zu werden; Horthy hält ihn erst hin und wimmelt ihn dann ab.
April: Horthy läßt Freischärler das deutschsprachige Burgenland besetzen.
Oktober/November: Ex-Kaiser Karl fliegt nach Ödenburg und unternimmt mit ihm treu gebliebenen Truppen einen Marsch auf Budapest, den Horthy militärisch niederschlagen läßt. Karl, den er von den Briten deportieren läßt, stirbt kurz darauf (mit 34 Jahren) an Altersschwäche - nach anderen Quellen an einer Grippe.****
Dezember: Horthy erreicht durch eine manipulierte Volksabstimmung, daß der östliche Teil des Burgenlands mit Ödenburg an Ungarn fällt.


1927
Horthy schließt einen Freundschaftsvertrag mit Benito Mussolini, dem "Duce" des fascistischen Italien.

1928
Horthy schließt einen Freundschaftsvertrag mit dem polnischen Diktator Józef Pilsudski.

1931
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise ziehen die ausländischen Gläubiger fast alle Gelder aus Ungarn ab. Durch die Abschottung der Weltmärkte und den Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten gerät Ungarn an den Rand des Staatsbankrotts. Exporte sind praktisch nur noch nach Deutschland möglich, das zu Ungarns wichtigstem Außenhandelspartner wird.

1933
Juni: Horthy schickt seinen Ministerpräsidenten Gyula Gömbös auf Staatsbesuch zu Deutschlands neuem Reichskanzler (seit Januar) Adolf Hitler.


1934
Februar: In den "Römischen Protokollen" verbünden sich Mussolini, Horthy und der österreichische Diktator Engelbert Dollfuß gegen Deutschland. Ihr Ziel ist es, die so genannte "Republik Österreich" gegen den Willen der Bevölkerung - die den Anschluß an Deutschland wünscht - als selbständigen Pufferstaat zu erhalten.


1935
September: Gömbös handelt ein neues Wirtschaftsabkommen mit Deutschland aus.

1936
August: Horthy wird von Hitler zum Staatsbesuch in Berlin empfangen und bespricht mit ihm den beiderseitigen Wunsch nach Revision der Friedensdiktate von Versailles und Trianon.


Oktober: Horthy empfängt anläßlich der Beerdigung von Gyula Gömbös den Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, General Hermann Göring. Die beiden passionierten Jäger sind einander auf Anhieb sympathisch.

1938
März: Weder Horthy noch Mussolini - der für seine afrikanischen Abenteuer deutsche Rückendeckung benötigt - können die friedliche Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich verhindern.
Mai: Admiral Wilhelm Canaris - offiziell Chef der deutschen Abwehr, tatsächlich in Diensten der Feinde Deutschlands stehend - läßt Horthy über einen Vertrauensmann gegen Deutschland aufhetzen. Daraufhin schließt dieser ein Bündnis mit Ungarns Todfeinden CŠR, Rumänien und Jugoslawien (der "kleinen Entente") sowie Polen, das sich davon eine neuerliche EinmauerungEinkreisung Deutschlands verspricht.


August: Offiziell bleibt Horthy jedoch weiterhin ein guter Freund Deutschlands, was er durch eine Reise mit seiner Frau durch das Reich demonstriert.


Horthy und seine neuen Verbündeten können nicht verhindern, daß im
September die Westalliierten der Abtretung des Sudentenlandes mit seiner von den Tschechen brutal unterdrückten deutschen Bevölkerung an das Reich zustimmen ("Münchner Abkommen").


November: Horthy erreicht die Abtretung der überwiegend ungarisch besiedelten Grenzgebiete von der nunmehr unabhängigen Slowakei ("1. Wiener Schiedsspruch").

1939
Januar: Horthy tritt dem Antikominternpakt bei und kündigt Ungarns Mitgliedschaft im Völkerbund. Damit bindet er sich außenpolitisch an Hitler. Innenpolitisch steuert er jedoch einen genau entgegen gesetzten Kurs, indem er die National-sozialisische Partei Ungarns verbietet.
(Als Nachfolge-Organisation gründet Ferenc Szálasi die "Pfeilkreuzler", die bei den Parlamentswahlen im
Mai trotz erheblicher Manipulationen seitens der Regierung - u.a. setzt Horthy das Wahlalter auf 26 Jahre herauf, nachdem Umfragen ergeben haben, daß Szálasi besonders bei jüngeren Wählern eine Mehrheit hinter sich hat - zur zweitstärksten Kraft werden.)


September: Als Großbritannien und Frankreich den Beginn des Polenfeldzugs zum Vorwand nehmen, um dem Deutschen Reich den Krieg zu erklären (nicht aber der Sowjet-Union, obwohl infolge des "Hitler-Stalin-Pakts" auch die Rote Armee in Polen einmarschiert), versucht Horthy Ungarn - wie Mussolini Italien - zunächst aus dem Krieg heraus zu halten.

1940
August: Horthy erreicht die Abtretung der überwiegend deutsch und ungarisch besiedelten nördlichen Teile Siebenbürgens von Rumänien ("2. Wiener Schiedsspruch").
Dezember: Horthy schließt einen Freundschaftsvertrag mit Jugoslawien.

1941
April: Nach dem - von England inszenierten - Sturz der achsenfreundlichen Regierung Jugoslawiens durch den Putsch-General Simović kommt es zu Ausschreitungen gegen die deutsche und die ungarische Minderheit.
Horthy läßt ungarische Truppen die Batschka besetzen. Da er sich im übrigen (mit Rücksicht auf Großbritannien, das Ungarn - noch - nicht den Krieg erklärt hat) nicht am Balkanfeldzug beteiligt, werden nach dessen Abschluß keine weiteren Gebiete an Ungarn zurück gegeben. (Slawonien kommt zu Kroatien, das unabhängig wird; Banat und Wojwodina bleiben bei Serbien, wo 1945 ca. 30.000 Ungarn auf Veranlassung Titos ermordet werden.)
Juni: Horthy empfängt den stellvertretenden deutschen Außenminister Ernst v. Weizsäcker in Kenderes.
Nach Beginn des Rußlandfeldzugs bietet Stalin Horthy ganz Siebenbürgen an, wenn Ungarn neutral bliebe.
Nach - angeblich versehentlichen - Bombenangriffen der Roten Luftwaffe auf ungarische Grenzstädte entschließt sich Horthy jedoch zur Kriegserklärung an die Sowjet-Union.
Juli: Horthy schickt 30.000 Mann minderwertiger Hilfstruppen an die Ostfront, von denen die meisten bis Oktober als untauglich zurück geschickt werden.
07. Dezember: Nach dem von Roosevelt provozierten japanischen Luftangriff auf die US-Kriegsflotte in Pearl Harbor erklärt Großbritannien - nunmehr des Kriegseintritts der USA sicher - Ungarn den Krieg.

1942
Januar: Horthy empfängt den deutschen Außenminister Joachim v. Ribbentrop. Er verspricht weitere 150.000 Mann für die Ostfront und verläßt sich darauf, daß diese von den Deutschen ausgebildet und ausgerüstet werden.
In Neusatz (ungarisch "Ujvidék", heute "Novi Sad") kommt es bei der Bekämpfung von Partisanen zu Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung, bei denen ca. 1.300 Serben (darunter auch einige Juden) getötet werden. Jahrzehnte später wird daraus eine Beteiligung Ungarns am "Holocaust" konstruiert.
Februar: Horthy läßt seinen Sohn István zu seinem Stellvertreter und Nachfolger "wählen" und strebt damit de facto die Errichtung einer Erbmonarchie an.


April: Roosevelt versucht, Ungarn, Rumänien und Bulgarien mit falschen Versprechungen (er hat längst vor, diese Länder Stalin in den Rachen zu schieben) zum Frontwechsel gegen Deutschland zu bewegen.
Juni: Nachdem diese Versuche gescheitert sind, erklärt Roosevelt Ungarn den Krieg.
August: Horthys Sohn István - der als Reserveoffizier der Luftwaffe gerne den Hobby-Piloten gibt - verunglückt über Kiew in einem minderwertigen italienischen Flugzeug ohne Feindeinwirkung tödlich. Horthy verdächtigt die Deutschen der Sabotage, zumal ihm bekannt ist, daß sein Sohn bei Hitler und vor allem bei Goebbels nicht gut angeschrieben war.
November: Durch Versagen ungarischer, rumänischer und italienischer Truppen kommt es zur Einkesselung starker Achsenverbände bei Stalingrad und damit zur Wende des Zweiten Weltkriegs.

1943
Januar/Februar: Auch in der Schlacht um Woronesch versagen die ungarischen Truppen völlig. 150.000 Mann fallen oder geraten in sowjetische Gefangenschaft.
März: Angesichts der verschlechterten militärischen Lage der Achsenmächte versucht Horthy, durch Otto v. Habsburg Geheimverhandlungen über einen Separatfrieden mit den Westmächten zu führen.
Juni: Horthy läßt seinen 75. Geburtstag groß feiern.


1944
August: Da sich die Rote Armee nach dem Abfall Rumäniens den Grenzen Ungarns nähert, beginnt Horthy Verhandlungen mit Stalin, mit dem er - nicht nur hinter dem Rücken der Deutschen, sondern auch hinter dem der eigenen Regierung - einen geheimen Waffenstillstand schließt.
15. Oktober: Auf deutschen Druck muß Horthy abdanken. Er wird unter Hausarrest gestellt. Sein Nachfolger wird Szálasi.


1945
Die Deutschen verheizen ihre letzten Truppen, um Budapest gegen die Rote Armee zu verteidigen.


Mai: Ungarn wird von russischen Truppen "befreit".

1946
März: Horthy stellt sich, um einer Auslieferung an Stalin oder Tito zu entgehen, dem inter-alliierten Kriegsverbrecher-Tribunal in Nürnberg als Belastungszeuge zur Verfügung.
(Die übrigen ungarischen "Spitzenpolitiker", die vor der Roten Armee in den Westen geflohen sind, werden ausgeliefert; insgesamt werden fünf Ex-Ministerpräsidenten, zehn Ex-Minister und zwei Ex-Staatssekretäre als "Volksfeinde" angeklagt, zum Tode verurteilt und gehenkt.)

1948
Horthy emigriert über die Schweiz und Italien nach Portugal, wo ihm Salazar Asyl gewährt. Politisch tritt er nicht mehr in Erscheinung.

1956
Ein Aufstand der Ungarn gegen das ihnen aufgezwungene kommunistische Regime wird von den Panzern der russischen Besatzer niedergeschlagen.

1957
09. Februar: Miklós Horthy stirbt in Estoril. In seinem Testament hat er sich verbeten, daß seine Leiche nach Ungarn überführt wird, bevor der letzte russische Besatzungssoldat abgezogen ist. Im Schlußkapitel seiner Memoiren steht, daß es den Völkern Ostmitteleuropas nie so gut gegangen sei wie unter der Herrschaft der Habsburger. Seit 1945 seien sie nicht einmal mehr Vasallen der Sowjet-Union - denn selbst Vasallen hätten gewisse Rechte gegenüber ihrem Lehensherrn -, sondern schlicht besetzte Gebiete. Emigranten aus anderen Ländern des Ostblocks hätten ihm diese seine Auffassung bestätigt.

* * * * *

1993
September: Nach Abzug der letzten russischen Besatzungstruppen wird Horthys Leichnam nach Ungarn überführt und in Kenderes beigesetzt.


2007
Horthys 50. Todestags wird offiziell - wenn auch in eher bescheidenem Rahmen - gedacht.


2012
Mai: In Kereki wird ein hölzernes Horthy-Denkmal aufgestellt. Nur wenige Tage später werden das Denkmal und die kleine Gedenkstätte von einem linken Hooliganguten Demokraten zerstört. Der Täter wird nicht etwa strafrechtlich verfolgt, sondern vielmehr von den politisch-korrekten Medien als "tapferer Widerstandskämpfer" und "Freiheitsheld" gefeiert - sein Bild geht um die Welt.


*In Österreich und Ungarn war - und ist - der Rufname der Nachname und der Familienname der Vorname; Adelsprädikate wurden vorangestellt. "N." bezeichnete die Adelsfamilie der H.; "v." bezeichnete die Angehörigen eines 1920 von Horthy ins Leben gerufenen Ritterordens, der nur äußerlich an die Tradition der Tapferkeits-Auszeichnungen des Ersten Weltkriegs anknüpfte und eher mit der französischen "Légion d'honneur" vergleichbar war. Es gab mehrere Klassen; die Aufnahme in die höchste war mit dem erblichen Stand eines Ritters - "vitéz" - und einer Land-Dotation (ca. 10 ha) verbunden.

**Im Nachhinein haben Schreibtisch-Historiker, die nie am eigenen Leibe Hunger verspürt haben, die Lebensmittel-Kürzungen als "Anlaß" oder gar bloßen "Vorwand" bezeichnet, hinter dem sich in Wahrheit sozialistische oder nationalistische Motive verborgen hätten. Aber die Rüstungsarbeiter waren kein Lumpen-Proletariat, sondern Privilegierte, die sich diese ihre Privilegien - zu denen auch eine bessere Verpflegung zählte - nicht nehmen lassen wollten. Und die k.u.k. Marine bestand zwar hauptsächlich aus Kroaten, aber diese waren von allen im Habsburgerreich lebenden Slawen noch immer die treuesten. Auch sie wollten sich nicht auf "Hungerrationen" setzen lassen. Von den 40 Anführern der Meuterei, die vors Kriegsgericht gestellt wurden, wurden am Ende nur 4 hingerichtet - und das nicht wegen der Meuterei an sich, die selbst die Militärrichter als mehr oder weniger entschuldbar ansahen, sondern wegen der Ermordung von Vorgesetzten.

***Von Rechts wegen hätte "Kapitän" Vuković wegen sträflicher Vernachlässigung jeglicher - selbst im Frieden selbstverständlicher - Sicherungs- und Lebensrettungs-Maßnahmen posthum zum einfachen Matrosen degradiert und unehrenhaft aus der Marine entlassen werden müssen. Dies wäre jedoch Sache der Serbo-Kroaten gewesen, in deren Diensten er mittlerweile stand.

****Nein, nicht an der "Spanischen Grippe" - deren letzte Welle war schon im Vorjahr ausgelaufen. Überdies hatte sie nie junge, gesunde, wohlgenährte Angehörige der Oberschicht hinweg gerafft, sondern "nur" die vielen Millionen, die alt, durch Krieg und Hungersnot geschwächt oder sonstwie vorbelastet waren, ganz ähnlich wie die "Corona"-Grippe CoVid19, die Terror-Regimes in aller Welt 100 Jahre später zum Popanz aufbauschen sollten, als Vorwand für Unterdrückungsmaßnahmen, die nicht einmal Bela Kun in Ungarn einzuführen gewagt hätte.


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