STEPAN  BANDERA

(01.01.1909 - 15.10.1959)

Von der Parteien Gunst und Haß ver-
wirrt, schwankt sein Charakterbild
in der Geschichte
(F. v. Schiller)

[Bandera]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1909
01. Januar: Stepan Andrijowitsch Bandera wird als eines von sieben Kindern der Eheleute Andrij und Myroslawa Bandera in Stary Uhriniw (Galizien) geboren. Sein Vater ist Pfarrer, seine Mutter Pfarrerstochter.*

1914-1918
Im Ersten Weltkrieg ist Galizien Hauptkriegsschauplatz zwischen Österreich-Ungarn und Rußland.


Die meisten galizischen Einheiten der k.u.k. Armee desertieren oder ergeben sich kampflos, was maßgeblich zur schnellen Eroberung Galiziens durch die Russen beiträgt. Viele Angehörige der kleinen, aber anfangs noch relativ zuverlässigen "ukraïnischen Legion" lassen sich später ebenfalls gefangen nehmen.
Erst nachdem deutsche Truppen Galizien zurück erobert und auch weite Teile der (Ost-)Ukraïne besetzt haben, bilden sich aus befreiten Gefangenen wieder galizische Einheiten, die auf Seiten der Mittelmächte kämpfen - und nach deren Kapitulation auf eigene Faust um eine unabhängige Ukraïne zwischen Polen und Sowjet-Rußland.

1919
Durch den Diktatfrieden von St. Germain fällt Galizien an Polen, das alle Minderheiten (Deutsche, Litauer, Belorussen, Ukrainer, Juden) brutal unterdrückt.


(Ausgenommen ist Südwest-Galizien, das als "Karpatho-Ukraïne" an die Tschecho-Slowakei fällt.)

1921
Der Versuch, in Ost-Galizien eine "Westukraïnische Volksrepublik" zu gründen, endet mit einer militärischen Niederlage gegen das von französischen Truppen unterstützte Polen.

1922
Auch in der Mittel- und Ost-Ukraïne endet der Versuch, einen unabhängigen Staat zu bilden, mit einer militärischen Niederlage gegen die Rote Armee nebst Annexion durch die Sowjet-Union.

1923
Bandera schließt sich der als Pfadfindergruppe getarnten Organisation "Plast" an.

1928
Bandera nimmt ein Studium der Agrarwissenschaften am Polytechnikum Lemberg auf.

[Das Polytechnikum in Lemberg]

1929
Bandera tritt der von Eugen Konowalets im Wiener Exil neu** gegründeten "Organisation ukraïnischer Nationalisten [OUN]" bei.

[Eugen Konowalets]

1931
Bandera wird Propagandaleiter der OUN.

1932
Bandera wird stellvertretender Vorsitzender der OUN in Galizien. Diese organisiert u.a. einen Bauernaufstand gegen die polnische Obrigkeit im Kreis Lesko, wo eine Hungersnot ausgebrochen ist.
Der Aufstand wird vom polnischen Militär nieder geschlagen, u.a. durch Einsatz von Bombenflugzeugen, die ganze Ortschaften platt machen.
[Den Ukraïnern in der Sowjet-Union ergeht es nicht besser. Bei von Stalin und seinem Sonderbeauftragten Molotow bewußt herbei geführten Hungersnöten ("Holodomor") kommen Millionen Menschen, die Mehrheit davon Ukraïner - Schätzungen gehen von mindestens 3,5 Mio aus - ums Leben.***]

1933
Bandera wird Vorsitzender der OUN in Galizien.
Die Polen verschärfen ihre Repressalien: Alle ukraïnische Kirchen werden offiziell geschlossen und - so sie heimlich weiter genutzt werden - zerstört.

1934
Die OUN verübt ein erfolgreiches Attentat auf den dafür verantwortlichen polnischen Innenminister Pieracki. Bandera wird verhaftet.

1935/36
In einem groß angelegten Schauprozeß wird Bandera zusammen mit anderen OUN-Mitgliedern zum Tode verurteilt. Staatspräsident Piłsudski wandelt jedoch die Todes- in eine lebenslangs Freiheitsstrafe um. Bandera wird in das Konzentrationslager Bereza Kartuska eingewiesen.

1938
Konowalets - der noch immer im Exil lebt - wird in Rotterdam ermordet. Sein Nachfolger wird der ehemalige k.u.k. Offizier Andrij Melnik.****


1939
September: In der Endfase des Polenfeldzugs wird Bandera von deutschen Truppen, bevor sie Galizien gemäß dem "Hitler-Stalin-Pakt" räumen und der Roten Armee überlassen, befreit. Er geht mit ihnen ins neu errichtete General-Gouvernement. (Ein weiser Entschluß - die Sowjets deportieren und/oder ermorden bis Juni 1941 mehr als eine halbe Million Galizier, darunter Banderas Vater und seine drei Schwestern.*****)

1940/41
Zwischen Bandera und Melnik - der vielen als zu "gemäßigt" gilt - gibt es zunehmend Differenzen über den Kurs der OUN, was schließlich zur Spaltung führt. Banderas Gruppe nennt sich künftig "OUN-B", Melniks Gruppe "OUN-M".

1941
Juni: Nach Beginn des Rußlandfeldzugs glauben viele Galizier, daß Deutschland die Waffenhilfe eines verbündeten ukraïnischen Staates brauchen könnte. Bandera ruft einen solchen in Lemberg, Melnik einen konkurrierenden in Rivne aus.
(Beide verkennen, daß es im Reich zu dieser Frage keine einheitliche Auffassung gibt, und daß die Entscheidungsträger ihre Meinung wiederholt ändern. Im Wesentlichen gibt es drei Richtungen: Die erste setzt auf die anti-stalinistischen Russen als größte Volksgruppe; die zweite setzt auf die schon im Tsarenreichen unterdrückten und daher anti-russischen Minderheiten; die dritte will von beiden nichts wissen.)
Juli/August: Die Deutschen lösen die zunächst von der Wehrmacht aufgestellten ukraïnischen Bataillone "Roland" und "Nachtigall" auf, gliedern Galizien dem General-Gouvernement an (während sie aus der Ost-Ukraïne ein separates "Reichskommissariat" machen) und stecken Bandera als "Sonderhäftling" ins Konzentrationslager Sachsenhausen, wo damals auch andere prominente politische Gefangene einsitzen, wie z.B. der Ex-RÖ-Kanzler Schuschnigg.

1941-44
Bewaffnete OUN-Mitglieder, die sich als "Ukraïnische Aufständische Armee [UPA]" bezeichnen, gehen in den Untergrund und verüben Anschläge gegen deutsche und sowjet-russische Truppen, fechten aber auch erbitterte Kämpfe untereinander aus, wobei sich Banderas Anhänger allmählich gegen die Melniks durchsetzen.


1944
September: Die Deutschen ringen sich angesichts der kritischen Kriegslage dazu durch, Bandera frei zu lassen, um ihn gegen die Sowjet-Russen einzuspannen - was ihnen jedoch nicht gelingt. (Banderas Brüder sind 1942 im Konzentrationslager Auschwitz umgekommen, was er den Deutschen anlastet, obwohl sie wahrscheinlich nicht von diesen getötet wurden, sondern von polnischen Mithäftlingen. Ein im
November gegründetes "National-Komitee Ukraïne" steht vorerst nur auf dem Papier.)
Gleichwohl diffamiert die russische Propaganda Bandera bis heute als "Fascist" und "Nazi-Kollaborateur". Zum "Beweis" werden Foto-Montagen verbreitet, die ihn in der Uniform eines höheren SS-Führers zeigen.


(Zwar gab es seit 1943 eine überwiegend aus west-ukraïnischen Freiwilligen bestehende Division "Galizien" der Waffen-SS; mit dieser hatte Bandera jedoch nichts zu tun - im Gegenteil: Sie bestand überwiegend aus Anhängern Melniks.)

1945
Februar: Auf der Konferenz von Jalta beschließen die Alliierten, die Grenzen Polens nach Westen zu verschieben; die Galizier kommen somit vom Regen in die Traufe unter sowjetisch-russische Herrschaft.
Überdies sichern die Westalliierten Stalin zu, alle bei Kriegsende in ihrem Machtbereich befindlichen "Sowjet-Menschen" an ihn auszuliefern.
(Da Stalin grundsätzlich jeden, der während des Krieges nach Deutschland gelangt ist, als "Deserteur" betrachtet, bedeutet dies das Todesurteil für Millionen Betroffene. Obwohl das heute allgemein bekannt ist, werden diese Opfer Stalins von der offiziellen Geschichtsschreibung weiterhin unter "in deutscher Gefangenschaft umgekommen" geführt.)

1946
Bandera flieht zusammen mit seiner Frau Jaroslawa und drei Kindern in den Westen, wo er untertaucht - zunächst in Wien, dann in München.


(Bandera unterscheidet - wie so viele Galizier, Dikigoros denkt da vor allem an Billy Wilder - durchaus zwischen "guten Deutschen" [Österreichern, Bayern u.a. "Opfern des National-Sozialismus"] und "bösen Deutschen" [z.B. typischen Preußen wie Hitler, Göring oder Himmler] :-)
Die in der Ukraïne zurück gebliebenen Mitglieder der UPA führen ihren Partisanenkampf gegen die sowjet-russischen Besatzer weiter.
(Dagegen begeben sich die meisten Melnik-Anhänger mit der Division "Galizien" bei Judenburg in britische Kriegsgefangenschaft. Sie haben unverhofftes Glück, da sie - im Gegensatz zu den ost-ukraïnischen Kosaken des Generals Pannwitz, die mit ihnen zusammen kapituliert haben, und erst recht den russischen Truppen des Generals Wlassow - nicht als "Russen", sondern als "Polen" eingestuft und daher nicht an Stalin ausgeliefert werden. Die meisten emigrieren nach Kanada.)

1947
Bandera wird zum Führer der im Exil fortbestehenden OUN gewählt.

1953
Bandera wird erneut zum Führer der OUN gewählt.

1954
Angesichts des immer hoffnungsloser werdenden Partisanenkampfes in der Sowjet-Ukraïne kommt es zu Abspaltungen.
Bandera bleibt Führer der Rumpf-OUN, die jedoch mehr und mehr an Bedeutung verliert.

1959
15. Oktober: Bandera wird in München von einem sowjetischen KGB-Agenten ermordet - vermutlich mit stillschweigendem Einverständnis des BRD-Regimes (BK Adenauer).******


Seine letzten Worte sind nicht überliefert - im Gegensatz zu denen des letzten deutschen Reichsmarschalls, der 1946 gesagt hatte: "In 50 oder 60 Jahren werden in ganz Deutschland Denkmäler auf Hermann Göring stehen."

* * * * *

1966
Juni: Der Mord an Bandera ist Gegenstand des Fernsehfilms "Mord auf Befehl (aus der Serie "Die 5. Kolonne").

1991
Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjet-Union durch den Austritt Rußlands wird auch die Ukraïne unabhängig.


Binnen weniger Jahre stehen im ganzen Land Denkmäler auf Stepan Bandera, und er ist Ehrenbürger aller größeren galizischen Städte. Zahlreiche Bandera-Museen werden eröffnet; die Zahl der nach ihm benannten Straßen ist Legion.


(Das einzige Hermann-Göring-Denkmal der Welt steht dagegen nicht in Deutschland, sondern in Großbritannien - im Museum der Royal Air Force zu London :-)

1995
"Atentat - osinne wbistwo w Mjuncheni [Attentat - herbstlicher Mord in München]", ein Film von Oleksandr Jantschuk über die letzten 12 Lebensjahre Banderas mit Jaroslaw Muka in der Hauptrolle, kommt in die ukraïnischen Kinos.
(Eine englischsprachige Fassung - "Assassination. An Autumn Murder in Munich" - erscheint in Kanada; eine deutsche Fassung gibt es nicht. Der Film ist jedoch der deutschen Zensurbehörde bestens bekannt; sie hat alle im www kursierenden englischsprachigen Fassungen für die BRDDR gesperrt. Hier noch ein alternativer Link auf die Originalfassung, falls der andere "verschwinden" sollte.)


2009
Januar: Banderas 100. Geburtstag wird in der ganzen Ukraïne groß gefeiert.

2010
Januar: Präsident Juschtschenko erklärt Bandera per UkasErlaß zum "Held der Ukraïne".


Rußland, Polen, die EU, das Simon-Wiesenthal-Center u.a. kriminelle jüdische Vereinigungen protestieren heftig; Juschtschenko wird nur wenige Tage später abgewählt.
März/April: Der neue, Rußland nahe stehende Präsident HanukkowitschJanukowitsch nimmt den "Heldenerlaß" zurück und läßt sich die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens von einem Provinzgericht in seiner (!) Heimatstadt - das sich für örtlich zuständig hält - bestätigen.

2014
Februar: Janukowitsch wird wegen Hochverrats vom Parlament abgesetzt und flieht nach Rußland, wo ihm Präsident Putin Asyl gewährt. Sein Nachfolger verzichtet aus guten Gründen (er ist - wie Janukowitsch - [Halb-]Jude und überdies von westlichen Hilfeleistungen abhängig) auf eine Fortsetzung der Posse Wiederernennung Banderas zum "Helden".
August: Nachdem im Donbas[s] ein Bürgerkrieg zwischen Russen und Ukraïnern ausgebrochen ist, wird Banderas Grab auf dem Münchner Waldfriedhof von russischen Hooligans zerstört - vermutlich mit stillschweigendem Einverständnis des BRDDR-Regimes (BK FerkelMerkel)


2015
April: Das ukraïnische Parlament verabschiedet ein Gesetz, das die ehemaligen Angehörigen von OUN und UPA zwar nicht zu "Helden" erklärt, aber immerhin zu "Widerstandskämpfern", und ihnen bescheidene Ehrenrenten gewährt. (Eine billige Geste - es sind kaum noch welche am Leben.)

2016
Beim "JurowischenEurovision Song Contest" (vormals "Grand Prix Eurovision de la Chanson") wird der Ukraïnerin "Jamala" durch Manipulation des Abstimmungsmodus der Sieg zugeschanzt, um Putin zu ärgern. (Ihr Lied ist - unter Verstoß gegen das eigentlich bestehende Verbot politischer Lieder - rußlandfeindlich; bei korrekter Abstimmung hätte der russische Beitrag gewonnen.)
Zu spät bemerkt man, daß es sich um eine bekennende Bandera-Anhängerin handelt, die bereits Monate zuvor ihre Teilnahme am traditionellen Banderschtat-Festival in Lutsk zugesagt hatte. Die Empörung Betroffenheit unter anti-banderistischen Gutmenschen ist groß.


*Die galizische Kirche (offiziell: "ukraïnische griechisch-katholische Kirche nach byzantinischem Ritus") ist ein Kuriosum. [Dikigoros nimmt den ursprünglich hier verwendeten Ausdruck "Unikum" mit dem Ausdruck seines Bedauerns zurück, nachdem ihn ein Leser darauf hingewiesen hat, daß die Maroniten im Libanon und in Syrien eine ähnlich kuriose Regelung mit der römisch-katholischen Kirche getroffen haben.] Wiewohl eigentlich orthodox, war sie - unter polnischem Druck - 1593 mit der römisch-katholischen Kirche uniert worden, unterstand also dem Papst in Rom, nicht dem - in Moskau residierenden - Metropoliten von Kiew. Zwar wurde Galizien 1772 durch die Habsburger aus der Sklaverei im polnischen Raubstaat befreit (ein Vorgang, den eine tendenziöse Geschichtsschreibung heute als "1. polnische Teilung" bezeichnet), was mit der Gewährung zahlreicher, vor allem kultureller Freiheiten verbunden war.

Dazu zählte indes nicht die Freiheit der Kirche, etwa aus der Union mit Rom auszuscheren - Maria Theresia und ihre Nachfolger waren mindestens ebenso fanatische Katholiken wie die meisten polnischen Könige. Dies war sicher einer der beiden Hauptgründe für die bis heute anhaltende Entfremdung zwischen West- und Ost-Ukraïnern; der andere war, daß sich die ukraïnische Sprache im Habsburgerreich frei entfalten konnte, während sie im Tsarenreich 1882 - also schon wenige Jahrzehnte, nachdem sie zur Schriftsprache geworden war - verboten wurde.

**Konowalets hatte bereits 1920 eine erste OUN gegründet, die von Lemberg aus operierte. Sie wurde jedoch noch im selben Jahr von den polnischen Besatzern zerschlagen, und Konowalets mußte ins Ausland fliehen. Seitdem lebte er in wechselnden westeuropäischen Ländern im Exil.

***Egal wie sehr man die Opferzahlen hoch oder herunter rechnet: Jenen Aderlaß - insbesondere die Ausrottung der tüchtigen Mittelbauernschicht ("Kulaken"), welche die Ukraïne bis 1914 zur Kornkammer nicht nur des Tsarenreichs, sondern ganz Europas gemacht hatte - haben die Sowjet-Union und ihre Nachfolge-Staaten nie überwunden: Obwohl der Stalin-Bewunderer Roosevelt sofort nach seiner Machtergreifung 1933 Lebensmittel-Lieferungen (zunächst eher bescheidenen Umfangs) in die SU auf den Weg brachte, litten weite Teile der Bevölkerung bis zum offenen Kriegseintritt der USA 1941 weiter Hunger. Erst dann setzten US-amerikanische Massenlieferungen von Konservenfutter ("Spam") ein, von denen die SU noch bis Mitte der 1950er Jahre zehren konnte. Danach setzten erneut Hungersnöte ein, bis die 1957 gegründete EWG beschloß, ihre mit Milliarden-Subventionen (vorwiegend aus deutschen Steuergeldern) produzierten Überschüsse gegen eine eher symbolische "Bezahlung" (umgerechnet ca. 2 Pf je kg Fleisch, Butter oder Milchpulver) anin die SU zu verschenken "exportieren". Allerdings produzierte die EWG nicht genügend Getreideüberschüsse, um die UdSSR vollständig zu ernähren; daher sprang 1963 US-Präsident Kennedy ein und schenkte verkaufte der Sowjet-Union und ihren Satellitenstaaten gegen wertlose Rubel Weizen im Wert von 260 Millionen US-$ (nach heutigem Geld ca. 3 Milliarden US-$) - wobei er sich souverän über einen entgegen stehenden Congress-Beschluß hinweg setzte. Sein Nach-Nachfolger Nixon schloß 1975 gar einen langfristigen Handelsvertrag, welcher der SU jährlich 440 Millionen Scheffel Weizen und Mais zu einem 50% unter dem Weltmarktpreis liegenden Tarif sicherte. (Den Rest zahlten - qua Subventionen - die US-Steuerzahler, die erbost von "The Great Grain Robbery [Der große Getreide-Raub]" sprachen, in Analogie zu "The Great Train Robbery" - dem großen Postzug-Raub in Großbritannien.) Auch der Polit-Clown Carter hielt zwar nach dem Einmarsch der Roten Armee in Afģānistān 1979 Maulaffen feil große Reden und nötigte 1980 das NOC der USA (ebenso wie die die NOKs der Vasallenstaaten) zum Boykott der Olympischen Spiele in Moskau, dachte aber gar nicht daran, den Getreidelieferungsvertrag seines Vor-Vorgängers zu kündigen. Und selbst sein als "Kommunistenfresser" verschriene Nachfolger Reagan stellte nach dem Auslaufen jenes Vertrags die Getreidelieferungen an die SU nicht etwa ein, sondern schloß 1987 ein neues Handelsabkommen, das die jährliche Lieferung von immerhin 147 Millionen Scheffel Getreide zum Sonderpreis vorsah. Da sich dies als nicht ausreichend erwies, um eine Hungersnot in der SU abzuwenden, vereinbarte sein Nachfolger Bush 1990 eine Erhöhung der US-Lieferungen um jährlich 11%. Auch nach der offiziellen Beendigung des "Kalten Krieges" (der in diesem Licht als bloßes Propaganda-Märchen zur Verdummung der Untertanen erscheint) und dem Auseinanderbrechen der SU 1991 hat sich auf diesem Gebiet nicht viel geändert. Bis heute müssen sowohl Rußland als auch die Ukraïne 40% ihrer Lebensmittel importieren.
All dies war bis Ende des 20. Jahrhunderts allgemein bekannt. Heute zählt es zu den bestgehüteten Geheimnissen der jüngsten Geschichte; diesbezügliche Informationen sind systematisch beseitigt worden, auch und besonders im www: Wenn man nach "Weizenlieferungen an die UdSSR" googelt, leitet die Suchmaschine auf "Waffenlieferungen an die UdSSR" um (die es nie gegeben hat, da die SU wenigstens auf diesem Gebiet immer autark war :-). Auf YouTube erscheint unter "The Great Grain Robbery" Schleichwerbung für vegetarische Ernährung.

****Als Auftraggeber des Mordes an Konowalets galt und gilt der sowjetische Geheimdienst. Dikigoros hat das lange bezweifelt, weil es ihm keinen Sinn zu machen schien. Er hat seine Meinung jedoch revidiert, da er die fast gleichzeitige Ermordung von Branislaw Taraschkewitsch - die er früher für einen Zufall hielt - nunmehr in einem anderen Licht sieht. T. war der Führer der weißrussischen Partei in Polen und als solcher Parlaments-Abgeordneter. 1927 wurde er von den Polen unter fadenscheinigem Vorwand verhaftet und ins Zuchthaus gesteckt. Stalin tauschte ihn 1933 gegen einen polnischen politischen Gefangenen aus und gewährte ihm in der SU Asyl. Aber offenbar plante er bereits 1938, Polen die nach dem Ersten Weltkrieg geraubten Gebiete wieder zu entreißen; und dabei waren Leute, die eine unabhängige Ukraïne bzw. ein unabhängiges Weißrußland schaffen wollten, im Weg; folglich mußten sie liquidiert werden.
Auch Melnik hatte vier Jahre in einem polnischen Zuchthaus verbracht, war aber nach seiner Entlassung 1928 nicht ins Exil gegangen, sondern im Lande geblieben. Erst 1945 floh er in den Westen. Er starb 1964 mit knapp 74 Jahren in Luxemburg - als einziger OUN-Führer eines natürlichen Todes.

*****Die dafür verantwortlichen Sowjet-Funktionäre waren überwiegend Juden. Als die deutschen Truppen im Juni 1941 Galizien wieder befreiten, entlud sich daher die spontane Volkswut gegen die letzteren, und es gab ein paar hundert Tote. Im Nachhinein wurden diese Vorkommnisse zu großen Pogromen und "Massenmorden an Juden" aufgebauscht, um Bandera - der daran überhaupt nicht beteiligt war - zu diskreditieren.

******Die BRD-Behörden wollten den Mord zunächst vertuschen und registrierten ihn offiziell als Unfall ("tödlicher Sturz von der Haustreppe"). Auch die sonst so sehr um die AufbauschungAufklärung von Skandalen bemühten linken Massenmedien schwiegen sich zu diesem Thema beharrlich aus. (Statt dessen konzentrierten sie sich - allen voran DER SPIEGEL, der schamlosungeniert frei erfundene Behauptungen des SED-Organs "Neues Deutschland" und der Moskauer "Nowaja Wremja" übernahm - darauf, den Vertriebenen-Minister Theodor Oberländer zu demontieren, dem sie vorwarfen, 1941 als Leutnant d.R. für kurze Zeit Dolmetscher beim Bataillon "Nachtigall" und somit für dessen angebliche "Kriegsverbrechen" mit verantwortlich gewesen zu sein.) Ärgerlicherweise stellte sich der Attentäter jedoch am 12.08.1961 - einen Tag vor dem Bau der Berliner Mauer, von dem er offenbar wußte; er war bis dahin zwischen Ost- und West-Berlin hin und her gependelt, aber nun in die SU zurück beordert worden - der Westberliner Polizei, gestand den Mord an Bandera, offenbarte seine Identität als KGB-Agent und bot an, überzulaufen. 1962 wurde er in einem Prozeß unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu nur acht Jahren Freiheitsstrafe wegen Totschlags verurteilt, obwohl die Tötung Banderas alle qualifizierenden Tatbestandsmerkmale eines Mordes auf einmal erfüllte: Heimtücke, Grausamkeit (er sprühte ihm Blausäuregas ins Gesicht, was einen langsamen und qualvollen Tod verursachte) und niedere Beweggründe. Er wurde noch im selben Jahr wegen guter Führung entlassen und wechselte zur C.I.A., die ihn mit einer neuen Identität ausstattete, unter der er angeblich noch Jahrzehnte lang als freier Mann lebt.
In diesem Zusammenhang ist noch Radaslav Astrovski (1887-1976) zu erwähnen. Er war 1943 Vorsitzender des "Weißrussischen Zentralrats", einer Marionettenregierung innerhalb des "Reichskommissariats Ostland" geworden - ihm war also viel eher eine "Kollaboration mit Nazi-Deutschland" vorzuwerfen als Bandera. Wie letzterer floh er bei Kriegsende nach Deutschland und lebte dort unbehelligt bis 1956, als er - klüger als Bandera - in die USA weiter zog, wo er als anti-kommunistischer Führer einer selbsternannten Exilregierung willkommen war. Er starb in gesegnetem Alter eines natürlichen Todes.


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