Muħammäd Aħmäd Bin Bälla

(25.12.1916 - 11.04.2012)

[Bin Bälla]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1916*
25. Dezember: Muħammäd Aħmäd Bin Bälla** wird in Maghnia geboren. Seine Eltern sind illegale Immigranten aus Marokko.
Algerien steht seit dem 19. Jahrhundert*** unter französischer Herrschaft - wie fast alle seine Nachbarländer auch. Algerien nimmt jedoch insofern eine Sonderstellung ein, als es eine Kolonie im ursprünglichen Sinne des Wortes ist, d.h. es gibt nicht nur ein paar tausend faule französische Verwaltungsbeamte, sondern auch eine siebenstellige Anzahl fleißiger französischer Siedler (13% der Gesamtbevölkerung, die ansonsten aus Arabern und Berbern ["Kabylen"] besteht), die aus Algerien die Kornkammer Frankreichs gemacht haben. (Andere Wirtschaftsgüter hat Algerien nicht; die Erdöl- und Erdgas-Vorkommen sind noch nicht erschlossen.)


Über Bin Bällas Kindheit und Jugend ist nichts Verläßliches bekannt; er soll jedoch irgendwelche Schulen besucht haben, auf denen er lesen, schreiben und vor allem Fußball spielen gelernt hat.

1937
Bin Bälla wird Soldat; er steigt bis zum Caporal (Korporal) auf.

1939
September: Großbritannien und Frankreich erklären dem Deutschen Reich den Krieg; da jedoch am Rhein zunächst nur ein Sitzkrieg ("drôle de guerre [drolliger Krieg]") geführt wird, wird Bin Bälla zum Fußballspielen freigestellt. Er spielt für Olympique de Marseille.****

1945
Mai: Nach Kriegsende proben die Algerier den Aufstand gegen die französische Kolonialmacht - zweieinhalb Jahre zu spät. Der Aufstand wird von der französischen Armee nieder geschlagen.

1947
September: Frankreich verleiht allen Bewohnern Algeriens die französische Staatsbürgerschaft. Bin Bälla wird in den Stadtrat von Maghnia gewählt. Er tritt der Untergrundbewegung O.S. [Organisation Spéciale] bei.

1950
Nach einem Terroranschlag der O.S. in Oran wird Bin Bälla verhaftet und vor Gericht gestellt.

1952
Bin Bälla wird zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, kan jedoch noch im selben Jahr entkommen. Er flieht über Tunesien und Libyen nach Ägypten, wo er die Terror-Organisation FLN [Front de libération nationale, Nationale Befreiungsfront] gründet.

1954
Die Algerier proben erneut den Aufstand; sie beginnen mit der Ermordung zahlreicher französischer Siedler.

1956
Oktober: Französischen Streitkräften gelingt es, Bin Bälla und seine Komplizen in der FLN-Führung auf einem Flug zwischen Marokko und Tunesien festzunehmen. Er verbüßt seine Haft - diesmal besser bewacht - auf der Insel Aix.

1962
März: Im Abkommen von Évian verzichtet Frankreich auf seine Herrschaft in Algerien. Es läßt zu, daß Millionen französische Siedler enteignet und ermordet oder vertrieben werden. Bin Bälla wird auf freien Fuß gesetzt.
5. Juli: Algerien wird für unabhängig erklärt; erster Präsident wird Ferhat Abbas.

1963
September: Bin Bälla wird zum Staatspräsidenten gewählt.
Als ersten Staatsgast empfängt er Ernesto "Che" Guevara, den Abgesandten des kubanischen Diktators Fidel Castro.


1964
1. April: Bin Bälla wird zum "Helden der Sowjet-Union" ernannt.


1965
Juni: Bin Bälla wird durch einen Staatsstreich des Militärs unter Oberst Boumédienne***** gestürzt und aus dem Verkehr gezogenins Gefängnis gesteckt.

1978
Dezember: Boumédienne stirbt.

1979
Juli: Bin Bälla wird aus dem Gefängnis entlassen, steht aber zunächst unter Hausarrest.

1980
Oktober: Der Hausarrest wird aufgehoben; Bin Bälla wird zum Innenminister ernannt.

1982
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1988/89
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1990/91
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1993
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1994



1995
Bin Bälla wird der renommierte "Gaddafi-Preis für Menschenrechte" verliehen, den der allseits beliebte Menschenfreund und Revolutionsführer von Libyen, Mu'ammar äl-Gaddafi, gestiftet hat.


1996
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2000
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2001
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2006
Februar: Algerien führt ein Religionsgesetz ein, das alle nicht-muslimischen Religionen de facto verbietet. Den noch ca. 11.000 Christen im Land wird die Ausübung des Gottesdienstes selbst in ihren eigenen vier Wänden verboten.


2008
Juli: BRDDR-Kanzlerin Merkel (Tochter eines Pfarrers und Vorsitzende der "Christlich Demokratischen Union") reist nach Algerien, lobt das muslimische Militär-Regime (das wenige Jahre zuvor unter dem Vorwand, den radikalen Islam bekämpfen zu wollen, die Macht ergriffen hatte) und sagt zu, durch deutsche Firmen in Algier die größte Moschee der Welt (Minaretthöhe: 214 m, Fassungsvermögen: 40.000 Individuen) bauen zu lassen.******


2012
11. April: Bin Bälla stirbt in Algier, wo er zwei Tage später auf dem Äl-Alia-Friedhof begraben wird.


*So das offizielle Geburtsjahr; westliche Biografen sind der Ansicht, daß das tatsächliche Geburtsjahr 1918 war.

**Das im Westen übliche "Ben Bella" ist gleich zweifach falsch: Erstens hinsichtlich der Schreibweise (im Arabischen gibt es kein "e"), zweitens hinsichtlich des Hauptnamens - der Muhammäd Ahmäd lautet. Dikigoros verwendet gleichwohl im folgenden das geläufigere "Bin Bälla [Sohn des Bälla]".

***Da Frankreichs "polnische Legion" 1803/04 bei dem vergeblichen Versuch, einen Negeraufstand in Haïti nieder zu schlagen, verheizt worden war - von den 14.000 Mann kehrte kein einziger zurück - und die französischen Truppen, die 1830 in Algier gelandet waren, sich als unfähig erwiesen, wurde 1831 die überwiegend aus Deutschen bestehende "Fremdenlegion" gegründet, die das bis dahin von muslimischen Seeräuberbanden beherrschte Land in Jahrzehnte langen Kämpfen für Frankreich eroberte.

****Daß Bin Bälla 1940 nach dem Einmarsch der Italiener gegen diese eingesetzt wurde und sich dabei durch besondere Tapferkeit auszeichnete, hält Dikigoros für ein Märchen.

*****Nach anderer Schreibweise: "Boumédiène". Da es sich ohnehin um einen Fantasienamen handelt und niemand weiß, welcher seiner vielen "bürgerlichen" Namen der richtige ist, läßt Dikigoros die Schreibweise dahin stehen.

******Algerien hat zwar Dank seiner Erdöl- und Erdgasverkäufe an Italien und die USA einen Außenhandelsüberschuß in 'zig Milliarden Höhe, erhält aber gleichwohl jedes Jahr 361 Mio Euro Entwicklungshilfe, vor allem aus der BRDDR. Die Kosten des Moscheebaus (ca. 800 Mio Euro) werden also in wenig mehr als zwei Jahren vom deutschen Steuerzahler aufgebracht. Dies ist indes kein Sonderfall, sondern gängige Politik der so genannten "Christdemokraten": Mit Hilfe von 145 Mio Euro deutscher Steuergelder wird z.B. auch die Umayyaden-Moschee in Aleppo - angeblich die zweitälteste in Syrien - 2005 aufwendig renoviert, damit sie die UNESCO zum Weltkulturerbe erklären kann. [Sie wird 2013 bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und aufständischen Fundamentalisten - die von der BRDDR mit Waffen und Munition versorgt werden - zerstört.]


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