HEINZ  GUDERIAN

(17.06.1888 - 14.05.1954)

[Heinz Guderian]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1888
17. Juni: Heinz Wilhelm Guderian wird in Culm a. d. Weichsel (Westpreußen) als Sohn des Premier-Lieutenants Friedrich Guderian und dessen Ehefrau Clara (geb. Kirchhoff) geboren.


1891
Die Familie zieht nach Colmar (Elsaß) um.


1901
April: Guderian wird in die Cadettenanstalt in Carlsruhe (Baden) aufgenommen.


1903
März: Guderian wechselt an die Hauptcadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin.


1907
Februar: Nach der Reifeprüfung wird Guderian Fähnrich beim Hannoverschen Jäger-Bataillon Nr. 10 in Bitsch (Lothringen), dessen Commandeur sein Vater inzwischen geworden ist.

1908
Januar: Guderian wird (rückwirkend zum Juni 1906) zum Leutnant befördert.


1909
Oktober: Guderian wird mit dem Jäger-Bataillon nach Goslar versetzt.

1912-1913
Guderian absolviert eine Spezialausbildung beim 3. Telegraphen-Bataillon in Coblenz, die vermutlich den Grundstein für seine spätere Erkenntnis legt, daß Panzer nicht nur isoliert, sondern auch - durch Funkkontakt verbunden - in Gruppen operieren können.

1913
Oktober: Guderian heiratet die Generalarzt-Tochter Margarete Goerne (1893-1972). Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor, die ebenfalls Berufsoffiziere werden.
Oktober: Guderian wird zur Kriegsacademie abcommandiert.

1914
August: Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wird Guderian als Nachrichten-Offizier der 5. Cavallerie-Division an der Westfront eingesetzt.
Oktober: Guderian wird als Nachrichtenoffizier zur 4. Armee versetzt.
November: Guderian wird zum Oberleutnant befördert.

1915
Mai: Guderian wird als Nachrichtenoffizier zum Armeeoberkommando (A.O.K.) versetzt.
Dezember: Guderian wird zum Hauptmann befördert.

1916
Guderian nimmt als Nachrichtenoffizier im Stab des 5. A.O.K. an der Schlacht von Verdun teil. Ihm wird das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse verliehen.

1917
3. April: Guderian wird Generalstabsoffizier (Ic - Nachrichten) in der 4. Infanterie-Division.

1918
Oktober: Guderian wird als leitender Generalstabsoffizier (Ia) nach Udine (Italien) versetzt.
November: Nach der Revolution, dem Sturz der Monarchie, der Flucht von Kaiser Wilhelm II und der Unterzeichnung des Waffenstillstands ist der Krieg für das Deutsche Reich verloren.
Dezember: Guderian wird vom preußischen Kriegsministerium dem "A.O.K. Heimatschutz" zugeteilt, der die ostdeutschen Gebiete vor polnischen Mörderbanden schützen soll.


1919
Mai: Guderian wird als Generalstabsoffizier zur "Eisernen Division" versetzt, die im Baltikum kämpft.
August: Guderian wird zurück nach Berlin versetzt.
Oktober: Guderian wird in den Generalstab der 10. Brigade nach Hannover versetzt.

1920
Januar: Guderian wird als Kompagniechef im 10. Jäger-Bataillon nach Goslar versetzt.
März-Mai: Guderian wirkt an der Niederschlagung diverser kommunistischer Aufstände mit.
Mai: Guderian wird offiziell in das 100.000-Mann-Heer übernommen, das die "Weimarer Republik" nach dem Versailler Diktat noch unterhalten darf und als "Reichswehr" bezeichnet.

1922
Januar: Guderian wird zur "Inspektion der Verkehrstruppen" (Ersatz des verbotenen Generalstabs) in München versetzt.
April: Guderian wird in die Kraftfahrtabteilung des Reichswehrministeriums in Berlin versetzt. Dort macht er sich erstmals Gedanken über die Aufstellung von selbständigen Verbänden aus gepanzerten Kampfwagen. (Im Ersten Weltkrieg waren die schwer gepanzerten "Tanks" lediglich als langsame Infanterie-Begleitung eingesetzt worden.) Er studiert u.a. die Schriften des britischen Militär-Theoretikers Liddell Hart.

1924
Januar: Guderian wird als Stabsoffizier zur 2. Division nach Stettin versetzt.

1926
Guderian absolviert einen Französisch-Kurs an der Universität Lausanne und erwirbt das Dolmetscher-Patent der Reichswehr.

1927
Februar: Guderian wird zum Major befördert.


Oktober: Guderian wird zur Transportabteilung des Truppenamtes im Reichswehrministerium versetzt.
Da das Versailler Diktat Deutschland Panzer verbietet, läßt Guderian Panzerübungen mit Traktoren, Autos und Panzerattrappen aus Holz durchführen.

1929
Guderian wird nach Schweden zu einem Strijdsvagn-Bataillon abkommandiert.

1930
Februar: Guderian wird Kommandeur der 3. Kraftfahr-Abteilung in Berlin.

1931
Februar: Guderian wird zum Oberstleutnant befördert.
Oktober: Guderian wird Chef des Stabes der Inspektion der Verkehrstruppen unter General Lutz.

1932
Guderian wird mit anderen Offizieren in die Sowjetunion an die Kampfwagenschule Kasan abkommandiert.

1933
Januar: Reichspräsident Paul v. Hindenburg macht der Jahre langen Herrschaft von demokratisch nicht-legitimierten Reichskanzlern (Brüning, v. Papen, v. Schleicher) ein Ende, indem er mit Adolf Hitler den Führer der größten im Reichstag vertretenen Fraktion - der "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)" - mit der Regierungsbildung beauftragt. Nachdem dieser eine Mehrparteien-Koalition zustande gebracht hat, faßt das Reichswehr-Ministerium unter den Generälen v. Blomberg und v. Reichenau das bereits von allen "Weimarer" Regierungen geplante Abschütteln der "Fesseln von Versailles" konkreter ins Auge. Dazu zählt u.a. der Aufbau einer Luftwaffe und von Panzereinheiten.
April: Guderian wird zum Oberst befördert und mit den Vorbereitungen zum Aufbau einer modernen Panzertruppe beauftragt.
November: In Zossen wird diese Panzertruppe inoffiziell gegründet.


1934
Guderian wird Stabschef des Kommandos der "Kraftfahrtruppen".


1935
März: Nach Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit (Aufhebung der Beschränkung des Heeres auf 100.000 Mann, Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht) werden in der neu geschaffenen "Wehrmacht" die (bereits seit 1934 heimlich aufgestellten) ersten drei Panzerdivisionen offiziell als solche bezeichnet; der "Landwirtschaftliche Schlepper" wird in "Panzer I" umbenannt. (Er hat kein Funkgerät, ist lediglich mit 2 Maschinengewehren bewaffnet und nur schwach gepanzert; sein Nachfolgemodell, der "Panzer II", hat statt des 2. MG eine 2-cm-Kanone, der "Panzer III" eine 3,7-cm-Kanone. Wie sich später herausstellt, ist keiner dieser Panzer im Vergleich zu denen anderer Staaten kriegstauglich.)

[Panzer I] [Panzer II]

Oktober: Guderian wird Kommandeur der 2. Panzerdivision in Würzburg.

1936
August: Guderian wird zum Generalmajor befördert.
Er veröffentlicht die Broschüre "Die Panzertruppen und ihr Zusammenwirken mit anderen Waffen".

1937
Guderian veröffentlicht "Achtung, Panzer!" Darin schildert er den Aufbau und die Einsatzplanung von Panzerverbänden in den Streitkräften anderer Staaten und legt seine eigenen strategischen Überlegungen für die deutsche Panzerwaffe dar.


1938
Februar: Guderian wird zum Generalleutnant befördert und als Nachfolger des pensionierten Generals Lutz Inspekteur der Panzertruppen (vormals "Verkehrstruppen").
März/Oktober: Beim friedlichen "Anschluß" der Ostmark (vormals "Republik [Deutsch-]Österreich") und der Heimkehr des Sudetenlandes haben die Panzertruppen nur verkehrstechnische Probleme zu bewältigen.1
November: Guderian wird zum General der Panzertruppen befördert und zum Chef der Schnellen Truppen (d.h. incl. motorisierte Infanterie) ernannt.

1939
1. September: Mit Beginn des Polenfeldzugs ist Guderian Befehlshaber des motorisierten XIX. Armeekorps.
6. September: Nachdem sich die leichten Panzer als völlig unzureichend erwiesen haben (sie sind selbst von polnischer Kavallerie angegriffen worden2), drängt Guderian bei Hitler auf den Bau schwererer Tanks mit stärkerer Panzerung und besserer Bewaffnung - ohne Erfolg.
Dank Guderians Strategie der Mobilität der Panzerwaffe (Einsatz als geschlossen operierende Angriffsstoßkeile durch die gegnerischen Frontlinien) wird der Polenfeldzug dennoch zu einem "Blitzkrieg".
30. September: Guderian wird von Hitler persönlich das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen.


Nachdem Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich bereits am 3. September den Krieg erklärt haben (nicht aber der Sowjetunion, als infolge des Hitler-Stalin-Pakts auch die Rote Armee in Polen einmarschiert), arbeitet Guderian zusammen mit General Erich v. Manstein einen Angriffsplan gegen Frankreich aus, der auf einem schnellen Vorstoß von Panzerverbänden durch die Ardennen bis zum Kanal ("Sichelschnitt") beruht.

1940
Hitler macht diesen Plan gegen den Rat der Generalität zur Grundlage der Westoffensive.
Da immer noch kaum brauchbare deutsche Panzer für eine solche Operation zur Verfügung stehen, werden ein paar hundert tschechische Beutepanzer der Firma Škoda mit deutschen Sprechfunkgeräten nachgerüstet und von der Wehrmacht übernommen. (Drei der zehn im Westfeldzug eingesetzten deutschen Panzer-Divisionen haben tschechische Panzer.)


Mai: Guderian gelingt mit seinem XIX. Korps der geplante "Sichelschnitt". Da Hitler in der trügerischen Hoffnung, eine schonende Behandlung würde die Engländer friedensbereit machen, die Panzer vor Dünkirchen anhalten läßt, um ein Entkommen des britischen Expeditionskorps zu ermöglichen, wird das strategische Ziel der Operation gleichwohl verfehlt.3


Juni: Während der weiteren Kämpfe in Frankreich stößt Guderian über Verdun Richtung Schweizer Grenze vor, wodurch das Hauptkontingent des französischen Heeres eingeschlossen wird; Frankreich muß wenig später kapitulieren.
Dennoch zeigt sich erneut, daß die leichten deutschen Panzer denen der Alliierten unterlegen sind. Die Wehrmacht übernimmt daher auch französische Beutepanzer der Typen Somuas und Hotchkiss - nicht nur zu Paradezwecken.


Juli: Guderian wird zum Generaloberst befördert.


1941
April: Im Balkanfeldzug kommt mangels ausreichender Reserven auch wieder der Spielzeug-Panzer I zum Einsatz.


Juni: In den Rußlandfeldzug geht die Wehrmacht hauptsächlich mit dem alten Panzer III (der mit einer größeren Kanone nachgerüstet worden ist) und dem neuen Panzer IV - nur um festzustellen, daß auch diese den gegnerischen Panzern hoffnungslos unterlegen sind. Ihre Anfangserfolge beruhen ausschließlich auf überlegener Taktik.


Guderian befehligt die Panzergruppe 2, mit der er an der Kesselschlacht von Bialystok und Minsk beteiligt ist.
Juli: Guderian wird während der Schlacht bei Smolensk das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.


August: Guderian drängt Hitler, den direkten Angriff auf Moskau der Eroberung der Ukraine vorzuziehen. Hitler lehnt dies mit den Worten ab: "Meine Generäle verstehen nichts von Kriegswirtschaft."4
Oktober: Nach der Eroberung der Ukraine gewinnt Guderian mit seiner zusammen geschmolzenen, aber auf dem Papier in "2. Panzerarmee" umbenannten Panzergruppe die Kesselschlacht von Wjasma und Brjansk.
Danach bleibt der deutsche Vormarsch erst im Schlamm der Herbstregen, dann im einsetzenden Winter stecken.
Henning v. Tresckow versucht vergeblich, Guderian für einen Putsch gegen Hitler zu gewinnen.
Dezember: Im Verlauf der sowjetischen Gegenoffensive ordnet Guderian gegen Hitlers "Halte-Befehl" einen taktischen Rückzug an, wird wegen dieser eigenmächtigen "Frontbegradigung" von der Ostfront abberufen und zur "Führerreserve" versetzt.

1943
Januar: Auf der Konferenz von Casablanca einigen sich die Alliierten angesichts des Verlaufs der Schlacht um Stalingrad, in der sich die Vernichtung der deutschen 6. Armee und damit die Kriegsniederlage abzeichnet, vor allem über zwei Punkte: 1. Niemand wird einen Separatfrieden mit dem Deutschen Reich schließen. 2. Es wird weiter gekämpft bis zur bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
März: Guderian wird reaktiviert und zum Generalinspekteur der Panzertruppen ernannt.


Inzwischen verfügt die Wehrmacht mit den neuen Panzern V ("Panther") und VI ("Tiger") über qualitativ hervorragende Kampfwagen - allerdings nicht in der erforderlichen Menge, um gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Feindkräfte anzukommen.
Oktober: Guderian erhält als Dotation den "Deipenhof", ein kleines Landgut im Warthegau.

1944
Juni: Der Versuch, die alliierte Invasion in der Normandie allein mit Bodentruppen aufzuhalten, scheitert kläglich, trotz Einsatzes der inzwischen nochmals verbesserten Panzer VII ("Königstiger").


Dies lag hauptsächlich an mangelnder Luftunterstützung. Die Erfolge der schwachen deutschen Panzer in der Anfangsfase des Krieges waren nur möglich, weil ihnen die Luftwaffe den Weg "frei gebombt" hatte. Davon konnte bei einer zahlenmäßigen Unterlegenheit der Flugzeuge zwischen 1:40 und 1:50 an der Invasionsfront keine Rede mehr sein; die Alliierten hatten die absolute Luftherrschaft. Vereinzelte Erfolge besonders kompetenter Panzerführer - etwa von Michael Wittmann - wurden ausschließlich an den im Sommer seltenen Schlechtwettertagen erzielt, die den Einsatz der alliierten Jagdbomber erschwerten. Insgesamt war die Wehrmacht chancenlos; ihre Panzer wurden überwiegend aus der Luft zerstört.5
Juli: Guderian wird Chef des Generalstabs.
Als solcher gehört er - zusammen mit den Feldmarschällen Wilhelm Keitel und Gerd v. Rundstedt - dem "Ehrenhof des Heeres" an, der die am Attentat auf Hitler vom 20. Juli beteiligten Offiziere unehrenhaft aus der Wehrmacht ausschließt. Die Feindpresse - der sich später auch linientreue BRD-"Historiker" anschließen - legt ihm dies als besondere "Regimetreue" aus.6


August: Mit dem Überlaufen Rumäniens zu den Alliierten und dem damit verbundenen Verlust der Ölquellen von Ploieşt' ist der Panzerkrieg praktisch verloren.

1945
Januar: Die Rote Armee erobert den Warthegau; Guderians Familie flieht gen Westen.
März: Bei einer Serie von Terror-Bombardements der RAF und der USAAF wird Guderians Wahlheimat Würzburg - wo es keine militärischen Ziele, sondern lediglich Kulturdenkmäler gibt - zu fast 90% zerstört (40.000 Todesopfer).


Dennoch drängt Guderian - unter dem Eindruck der Greuel, welche die Rote Armee bei ihrem Einmarsch in Ostpreußen begangen hat - bei Hitler auf einen separaten Waffenstillstand mit den Westmächten.
(Er verkennt, daß die Alliierten - die nicht gegen das NS-Regime, sondern gegen Deutschland kämpfen und es um jeden Preis vernichten wollen - zu einem solchen Separatfrieden gar nicht bereit sind, sondern sich an die Vereinbarungen von Casablanca halten.)
Guderian fällt darob erneut in Ungnade und wird wieder entlassen.
Mai: Nachdem die Wehrmacht zunächst mit den schlechtesten Panzern der Welt Dank Guderians Taktik ihre größten Erfolge erzielt hat, muß sie am Ende mit den besten Panzern der Welt, die nur noch ohne Sinn und Verstand verheizt wurden, kapitulieren.7


Guderian gerät in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.


1945-48
Guderian wird über drei Jahre lang von einem alliierten Konzentrations-Erholungs-Lager zum anderen geschoben, wobei seine Gesundheit nachhaltig ruiniert wird. Trotz intensivster Bemühungen bleibt jedoch die Suche nach einem VorwandGrund, um ihn vor dem interalliierten "Kriegsverbrecher-Tribunal" in Nürnberg anzuklagen, erfolglos.

1948
Juni: Guderian wird als "nicht mehr arbeitsfähig" nach Dietramszell entlassen.
Er veröffentlicht die Streitschrift "Kann Westeuropa verteidigt werden?" und wenig später die Fortsetzung "So geht es nicht!" Darin verteidigt er den Angriff auf die Sowjetunion 1941, plädiert für die Wiederaufstellung deutscher Streitkräfte und eine Zurückdrängung des gottlosen Kommunismus zur Rettung des christlichen Abendlandes.
(Das war damals starker Tobak. Eine weitere Schrift Guderians - "Gedanken zur Gliederung einer neuen Wehrmacht" - durfte im Oktober 1948 nicht veröffentlicht werden, obwohl inzwischen der Bruch zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion durch die Blockade Berlins auch offiziell vollzogen war. Noch 1950 bzw. 1951 durften Aufsätze mit den Titeln "Die wirkungsvollste Verteidigung Westeuropas und der deutsche Beitrag" bzw. "Verteidigung und Rettung Europas" nicht erscheinen. Guderian konnte nicht ahnen, daß es für Westeuropäer und Russen einmal notwendig sein würde, ein Verteidigungsbündnis zu schließen, um das christliche Abendland vor ihrem gemeinsamen Feind, dem gottlosen Islam zu retten.)

1950
März: Guderian wird nach langwierigem "Entnazifizierungs"-Verfahren als "nicht belastet" eingestuft.
Juni: Guderians ziehen nach Schwangau bei Füssen um.
Malte Plattenberg veröffentlicht eine erste Guderian-Biografie.


Dezember: Guderian reagiert mit der vorgezogenen Veröffentlichung seiner Memoiren unter dem Titel "Erinnerungen eines Soldaten". Er erhebt darin schwere Vorwürfe gegen Hitlers Strategie im Rußlandfeldzug, insbesondere wegen des Abschwenkens des Angriffskeils im Spätsommer 1941 nach Süden auf Kiew statt direkt östlich auf Moskau, und prozessiert Jahre lang gegen Leute, die ihm daran eine "Mitschuld" zuweisen wollen. Er schließt seine Betrachtungen mit dem Gedicht "Fichte an alle Deutschen" von Albert Matthäi8:


Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
An Deines Volkes Aufersteh'n!
Laß diesen Glauben Dir nicht rauben
Trotz Allem, Allem, was gescheh'n.
Und handeln sollst Du so, als hinge
Von Dir und Deinem Tun allein
Das Schicksal ab der deutschen Dinge
Und die Verantwortung wär' Dein!

Guderian schreibt das vorstehende Gedicht irrtümlich Matthäis Zeitgenossen Bogislav v. Selchow9 zu; offenbar liegt eine Verwechslung vor mit dessen Gedicht "Deutsche Zukunft":

Und wenn sie alle weichen
Wenn menschenleer das Feld
Wenn von den deutschen Eichen
Der letzte Stamm zerschellt

Wenn todeswund in Scherben
Das letzte Schwert zersprang
Ich glaube nicht an Sterben
Und nicht an Untergang

Ob sich die Gegner wiegen
In trunkner Siegesgier,
Sie mögen heute siegen,
Doch morgen siegen wir!

1954
Mai: Guderian erleidet einen Blutsturz; eine Bluttransfusion - die ihm in einem früheren Fall das Leben gerettet hatte - lehnt er ab.
14. Mai: Heinz Guderian stirbt in Schwangau. Er wird in Goslar auf der Grabanlage der Familie Goerne bestattet. Seine Grabinschrift ziert - wie die aller anderen männlichen Familienangehörigen auch - sein militärischer Dienstgrad.10


Seine Bücher bleiben auch posthum noch einige Jahre Bestseller, wobei die Neuauflagen z.T. stark verändert ("erweitert") werden durch seinen Mitstreiter, Oberst (später Brigadegeneral) Oskar Munzel, der auch ein angeblich auf Guderians nachgelassenen Notizen beruhendes Werk mit dem Titel "Panzer - Marsch!" veröffentlicht. Guderians Memoiren werden nach und nach in fast alle europäischen Sprachen westlich des Eisernen Vorhangs übersetzt und erscheinen - als Raubdrucke - selbst in der Sowjetunion und Rotchina.

[Achtung Panzer - Neuauflage]

1956
Dagegen bleiben Guderian-kritische Werke, wie die - wohl mit Rücksicht auf dessen bekannte Prozeßwut erst nach seinem Tode veröffentlichten - Memoiren von Generaloberst a.D. Hans Friessner ("Verratene Schlachten") weitgehend unbeachtet.

[Friessner, Verratene Schlachten]

(Auch Guderians französischer Kritiker Jacques Mordal veröffentlichte seine Ausführungen zur Schlacht um Dünkirchen erst 1955.)

1965
April: Die "rote Gräfin" Marion Dönhoff veröffentlicht in dem linken Schmierenblattder linksliberalen Wochenschrift Die Zeit einen Hetzartikel ("Der Geist Guderians"). Darin wendet sie sich vehement gegen die geplante Benennung einer Bundeswehr-Kaserne nach Guderian, u.a. mit der Begründung, daß er dem "Ehrenhof" angehört habe, der die ehrenwerten Attentäter des 20. Juli aus der Wehrmacht ausgestoßen habe und somit an ihrem Tode schuld sei, und daß er im März 1945 auf einer Pressekonferenz die Greuel der Roten Armee im besetzten Ostpreußen angeprangert und bestritten habe, daß es vergleichbare Greuel auch seitens der Wehrmacht in der Sowjetunion gegeben habe. (Als Ostpreußin hätte es die verlogene Gräfin besser wissen müssen; sie hatte sich allerdings rechtzeitig vorher abgesetzt.) Damit beginnt eine negative Beurteilung Guderians in der veröffentlichten Meinung.
So bleibt Guderians Andenken erspart, was dem aller Wehrmachts-Soldaten - mit Ausnahme von Attentätern, Deserteuren und Verrätern -, nach denen eine Bw-Kaserne, eine Straße o.ä. benannt wurde, widerfahren wird, nämlich die nachträgliche Umbenennung unter gewaltigem Medienrummel um angebliche "Kriegsverbrechen", die einen Entzug jener zweifelhaften "Ehre" angeblich zwingend notwendig machten.

1973
Die Guderian-Biografie von John Keegan erscheint.


Durch ihre Veröffentlichung im Ballantine-Verlag, ihren Vertrieb in den PX-Shops der US-Streitkräfte, ihre Machart (viele Bilder, wenig und einfacher Text, so daß auch der "simple-minded G.I." bei der Lektüre intellektuell nicht überfordert wird) und vor allem den konkurrenzlos billigen Preis (1 US-$) erreicht sie eine Millionen-Auflage und prägt das Bild Guderians in englisch-sprachigen Ländern auf Jahrzehnte hinaus.

1976
Der Schweizer General Karl J. Walde veröffentlicht eine weitere Guderian-Biografie.11


1978
Der irische Historiker Dermot Bradley veröffentlicht "Generaloberst Heinz Guderian und die Entstehungsgeschichte des modernen Blitzkriegs" (eine überarbeitete Fassung seiner Dissertation; Neuauflage 1986).

1991
Heinz Scheibert veröffentlicht eine weitere Guderian-Biografie.


2011
Pier Paolo Battistelli veröffentlicht eine weitere Guderian-Biografie.


1Warum das so war, zählt zu den großen, von der offiziellen Geschichtsschreibung hartnäckig ignorierten Rätseln der Zwischenkriegszeit, die auch Dikigoros nicht zu lösen vermag. Die Tschecho-Slowakei verfügte 1938 über 800 Kampfpanzer (mehr als doppelt so viel wie die Wehrmacht - deren Kampfwagen den tschechischen auch qualitativ unterlegen waren), 2.000 Panzerabwehrkanonen (dto) und 1.200 Militärflugzeuge. Warum gab sie dennoch keinen einzigen Schuß ab, um sich zu verteidigen? Wohlgemerkt, von den eigenen Truppen drohte keine Gefahr, denn 95% des Offizierskorps waren Tschechen, der kleine Rest 150%ige "Tschecho-Slowaken", die ihre slowakische, ungarische, ukraïnische oder deutsche Herkunft bewußt über Bord geworfen hatten. Es hätte auch keine Gefahr eines Bürgerkriegs bestanden, denn die Minderheiten waren zwar zahlreich, aber durchweg unbewaffnet. Vielleicht war die Haltung der Nachbarstaaten Ausschlag gebend: Ungarn und Polen - die damals zusammen über mehr aktive Soldaten verfügten als das Deutsche Reich - hatten gedroht, in die Tschecho-Slowakei einzumarschieren, wenn diese ihnen nicht die überwiegend von Polen und Ungarn bewohnten Grenzgebiete abtreten würde. (Dies geschah, unmittelbar nachdem das "sudetendeutsche Problem" durch das "Münchner Abkommen" ausgeräumt worden war, durch den "[1.] Wiener Schiedsspruch".) Deutschem Druck alleine hätte sich Prag jedenfalls nicht unbedingt zu beugen brauchen.

2Die moderne Geschichts- und Märchenschreibung bemüht sich krampfhaft, diese Tatsache weg zu diskutieren, nach dem Motto: "Wenn polnische Ulanen am ersten Kriegstag bei KrojantenKrojanty tatsächlich deutsche Panzer angriffen, so geschah dies unbeabsichtigt; eigentlich wollten sie Infanteristen angreifen, stießen dann aber auf Panzer. Und selbst dann griffen sie diese nicht mit blankem Säbel oder Lanzen an." Daran ist so viel richtig, daß die polnische Kavallerie seit 1937 tatsächlich nicht mehr mit Lanzen, sondern mit Karabinern ausgerüstet war, und daß auf deutscher Seite auch Infanterie beteiligt war. An der Verwundbarkeit der deutschen Panzer I und II ändert das allerdings nichts. Die Kavallerie-Brigade "Pomorska" - zu der die polnischen Ulanen gehörten - verfügte außer über Kavallerie auch selber über leichte Panzer und Artillerie; warum sie diese nicht einsetzte, ist nicht anders erklärbar als durch die Überzeugung, daß ihre Reiter mit den deutschen Mini-Panzern auch alleine fertig würden. Dies war übrigens kein Einzelfall. Auch die französische 2. Leichte Kavallerie-Division griff noch zu Beginn des Westfeldzugs - am 10.05.1940 - bei Habay-la-Neuve im "neutralen" Belgien (wo sie sich rein zufällig gerade aufhielt - natürlich in friedlicher Absicht :-) die deutschen Panzerspitzen an. Auch sie setzte ihre Artillerie - solide 10,5-cm-Geschütze, die selbst die späteren "Tiger"-Panzer hätten knacken können - nicht ein.

3Angesichts des späteren Streits wegen der Schlacht um Kiew verwundert es, daß sich die Militär-Historiker über Guderians Verhalten vor Dünkirchen bisher kaum gekümmert haben. Der Befehl vom 24. Mai, die Truppen anzuhalten, kam ursprünglich nicht von Hitler, sondern vom völlig inkompetenten General v. Kleist, der die für den "Sichelschnitt" eingesetzte Panzergruppe kommandierte und mit seinen hirnrissigen Befehlen den Westfeldzug wahrscheinlich schon in der ersten Woche zum Scheitern gebracht hätte, wenn sich Guderian nicht wiederholt über sie hinweg gesetzt hätte. Vor Dünkirchen dagegen befolgte er sie nicht nur, sondern setzte noch eins drauf: Als der ihm unterstellte Sepp Dietrich, der die "Leibstandarte" - Speerspitze des Vorstoßes zur Kanalküste - kommandierte, den Haltebefehl ignorierte, seine Truppen über den Aa-Kanal setzen und die beherrschenden Anhöhen besetzen ließ, fuhr ihm Guderian nach und holte ihn persönlich wieder zurück. Als Hitler den Haltebefehl drei Tage später wieder aufhob, ließ Guderian beim weiteren Vorrücken auf Dünkirchen nicht nur - wiederum einen Befehl v. Kleists befolgend - seine besten Einheiten - darunter die "Leibstandarte" und das Regiment "Großdeutschland" - als "Flankenschutz" zurück, sondern setzte erneut noch eins drauf: Wegen schlechten Wetters (es regnete) beantragte er, den Vormarsch der Panzer und motorisierten Verbände ganz einzustellen - ein Antrag, dem seine Vorgesetzten gerne statt gaben, wodurch die Eroberung Dünkirchens weiter verzögert wurde. (Hätte Guderian Dietrich nicht am 24. Mai zurück geholt, wäre Dünkirchen wohl binnen 24 Stunden gefallen und der Krieg wenig später beendet gewesen. Kleists Haltebefehl wurde erst am 25. Mai von Hitler bestätigt, und es begann auch erst am 25. Mai zu regnen.)

4Entgegen Guderian neigen die meisten Militär-Historiker heute zu der Auffassung, daß eine Eroberung Moskaus ohne Ausschaltung der im Südosten stehenden Sowjet-Armeen ebenso wenig gebracht hätte wie 1812, als Napoleon Moskau besetzte, Hitlers Entscheidung also nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch gesehen richtig war. (Sie wäre auch politisch gesehen richtig gewesen, wenn Hitler die Ukraïne als befreites Land behandelt und als Verbündete im Kampf gegen die Sowjet-Union eingesetzt hätte - wozu er freilich nicht bereit war.) Wichtiger als die Nicht-Eroberung Moskaus waren jedoch die schweren Verluste der deutschen Truppen an Mensch und Material im Winter 1941/42. Guderian u.a. stellten es später so dar, als hätten diese vermieden werden können, wenn Moskau "rechtzeitig" erobert worden wäre. Wie sie zu dieser Auffassung gelangen, ist schleierhaft, denn die sowjetische Gegenoffensive mit frischen sibirischen Truppen hätte die für einen Winterkrieg nicht ausgerüstete Wehrmacht in Moskau genauso hart getroffen wie 100 km westlich von Moskau. Was sie allesamt verschweigen ist, daß Hitler nach Einsetzen der Regenfälle Anfang November Befehl gegeben hatte, die Offensive auf Moskau abzubrechen - er wollte in gesicherten Stellungen "überwintern" und erst im nächsten Frühjahr wieder angreifen. Es waren die Feldmarschälle v. Bock und Brauchitsch sowie der Generalstabschef Halder, die Hitler überredeten, die Offensive auf Moskau wider alle Vernunft fortzusetzen, was dann beinahe zum Zusammenbruch der ganzen Heeresgruppe Mitte führte; von dem Aderlaß erholte sich die Wehrmacht nie wieder richtig; deshalb - nicht wegen der Nichteroberung Moskaus - war der Rußlandfeldzug von da an nicht mehr zu gewinnen.

5Guderians Sohn Heinz Günther, der 1944 die Reste der zerschlagenen 116. Panzer-Division aus dem Kessel von Avranches-Falaise führte, vertrat nach seiner Pensionierung - er war zuletzt Generalmajor der Panzertruppen in der Bundeswehr - die zweifelhafte These, die Schlacht in der Normandie sei durch "Verrat" verloren gegangen, den der damalige Chef des Stabes bei der Heeresgruppe B, Generalleutnant Hans Speidel, begangen habe, indem er die Panzertruppen so lange zurück hielt, bis die Alliierten ihre Landungsköpfe konsolidiert hatten - andernfalls hätte man sie gleich zu Beginn "ins Meer zurück werfen" können. Dies habe Speidel getan, um den Krieg im Westen zu verlieren und mit den Panzern einen Putsch gegen Hitler durchführen zu können. Daran ist so viel richtig, daß Speidel tatsächlich den "Verschwörern" des 20. Juli 1944 nahe stand, daß die deutschen Panzerkräfte tatsächlich für kurze Zeit zurück gehalten wurden und daß der Befehl, sie einzusetzen, über Speidels Schreibtisch lief. Guderian iun. mußte aber selber einräumen, daß ihm schlüssige Beweise für seine These fehlten. Tatsächlich ging die Entscheidung, die Panzer vorerst zurück zu halten, wohl auf das Oberkommando der Wehrmacht, d.h. Hitler selber zurück, der sich in die fixe Idee verrannt hatte, daß die "echte" Invasion am Pas de Calais statt finden müsse, weshalb er die Landungen in der Normandie anfangs für bloße "Ablenkungsmanöver" hielt. Selbst wenn die Panzer früher in Marsch gesetzt worden wären, hätte die alliierte Luftwaffe sie aber wohl ebenso zerschlagen wie sie es später tat. Speidels Kriegsmemoiren legen zwar einen entsprechenden Verdacht nahe, waren aber wohl eher Wichtigtuerei, um sich bei den Alliierten einzuschmeicheln. Mit Erfolg: Speidel wurde in die neu gegründete Bundeswehr als Generalleutnant übernommen und brachte es als höchstrangiger deutscher Offizier in der NATO bis zum Oberbefehlshaber der alliierten Landstreitkräfte in Mitteleuropa - dies gegen den vehementen Widerstand seines Intimfeindes Charles de Gaulle, der es vom Panzeroffizier bis zum Präsidenten der Republik Frankreich gebracht hatte.

6Da Angehörige der Wehrmacht nicht der ordentlichen Gerichtsbarkeit unterlagen, sondern der militärischen, war ohne eine unehrenhafte Entlassung, wie sie bei diesen Dienstgraden nur der Ehrenhof aussprechen konnte, kein Strafverfahren vor dem "Volksgerichtshof" möglich, wie Hitler es wünschte. (Das "Dritte Reich" war ein Rechtsstaat, der die Gesetze formell äußerst penibel beachtete - anders als später die BRD, die das schon aus Gründen des Besatzungsstatuts nie sein konnte.) Den Mitgliedern des Ehrenhofs wurde daher verschiedentlich vorgeworfen, die Verschwörer erst "ans Messer geliefert" zu haben. Dieser Vorwurf ist im Ergebnis haltlos. Auch ein Militärgericht hätte zu keinem anderen Urteil kommen können als zur Todesstrafe, wenn es über das Attentat vom 20. Juli 1944 zu befinden gehabt hätte. Und Tatsache ist, daß der Ehrenhof - nach Guderians Memoiren vor allem er selber - einigen Angeschuldigten trotz eigentlich erdrückender Indizien die Entlassung - und damit ein Verfahren vor dem Volksgerichtshof nebst vermutlicher Hinrichtung - ersparte, darunter so üblen Subjekten wie dem o.g. Hans Speidel. Die Frage nach der "Regimetreue" Guderians ist im übrigen müßig. Selbstverständlich mußte jeder Offizier nach außen als "regimetreu" auftreten (wie zu allen Zeiten und in allen Streitkräften der Welt), und dies mußte sich auch auf dem Papier nieder schlagen; in Beurteilungen fand sich daher routinemäßig die Wendung von der "einwandfreien nationalsozialistischen Haltung [Gesinnung, Weltanschauung o.ä.]" wieder. (Dikigoros kennt sie aus den Papieren seines eigenen Vaters ebenso wie aus denen des späteren Verteidigungsministers und Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Diese Floskel besagte in der Sache rein gar nichts. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten wußte das auch noch jeder, und niemand wäre auf die Idee gekommen, einem so Beurteilten daraus einen Strick zu drehen.)

7Dies ist das ganz persönliche - und laienhafte - Fazit von Dikigoros, der nicht bei der Panzertruppe gedient hat. Die meisten Militär-Historiker sind anderer Ansicht; sie meinen, daß die Panzer V und VI auch und gerade für Abwehrkämpfe, wie sie in der zweiten Kriegshälfte überwiegend statt fanden, ganz hervorragend geeignet waren. Das mag zwar sein; aber man fragt sich doch, ob für solche defensiven Aufgaben nicht Sturmgeschütze - die man mit dem gleichen Aufwand an Material, Zeit und Geld in fast dreifacher Anzahl hätte herstellen können - ebenso gut geeignet gewesen wären. Auch verfügte die Wehrmacht während des gesamten Krieges über keine wirklich guten Panzerabwehrkanonen - derer man für jeden "Tiger"-Panzer ein Dutzend hätte herstellen können -, die in der Defensive sicher eine sinnvolle Alternative gewesen wären. (Statt dessen wurde die 88mm-Flak zweckentfremdet, die dann bei der Verteidigung gegen den alliierten Bombenterror fehlte; so waren z.B. Anfang 1945 alle Flugzeugabwehrkanonen in und um Dresden abgezogen und zur Panzerbekämpfung an die Ostfront verlegt worden.)

Erstklassige Angriffswaffen nur im Rückwärtsgang einzusetzen war, zumal angesichts knapper Ressourcen, ebenso unsinnig wie die Fallschirmjäger, statt sie z.B. über Gibraltar, Malta oder Alexandria zu "opfern", zu "schonen", nur um sie dann als Infanterie-Ersatz in Bodenkämpfen zu verheizen.

8zuerst erschienen in den "Weinsprüchen" (1922), vor allem bekannt geworden durch einen Abdruck im Simplicissimus (Jahrg. XXVII, Heft 45 vom 05.02.1923, p. 640); nach dem Krieg nochmals abgedruckt im "Deutschen Soldatenkalender" (6. Jahrbuch 1958, p. 38), dort aber wohl kaum beachtet, nicht einmal von dessen eigenen Autoren, die Guderians Irrtum weiter breit traten - so Wolfgang Hausen (32. Jahrbuch 1984, p. 124, 128) in einem verspäteten Nachruf auf Hans-Joachim Rudel.

9Von Selchow stammt auch der - fälschlich Kaiser Wilhelm II zugeschriebene - Spruch: "Gott schütze uns vor unseren Volksvertretern. Vor unseren äußeren Feinden werden wir uns schon selbst schützen." Unbekannt ist dagegen die Herkunft des Satzes: "Wer glaubt, daß Volksvertreter das Volk vertreten, der glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten."

10Guderian war einer von nur drei hohen Wehrmachts-Offizieren, die ihren militärischen Rang auch nach dem Krieg bis zu ihrem Tode als Namenszusatz - z.B. auf dem Briefkopf - fortführten, wobei Guderian der einzige war, der dies korrekt tat, nämlich als "Generaloberst a.D.". Die beiden anderen - Großadmiral Raeder und Feldmarschall v. Manstein - ließen den Zusatz "a.D." weg.

11Waldes Werk merkt man deutlich an, daß es kein Historiker geschrieben hat, denn es ist nicht chronologisch geordnet, sondern nach Sachkomplexen, und auch dies ziemlich chaotisch - etwa auf dem Niveau von Wikipedia. Inhaltlich ist es dennoch beachtlich, weil Walde als erster Biograf einen Punkt thematisiert, den zu Guderians Lebzeiten angesichts dessen StreitsuchtStreitbarkeit und Prozeßwut wohl niemand aufzugreifen gewagt hätte, nämlich die Frage, ob die Idee der beweglich operierenden schnellen Panzerverbände tatsächlich von ihm stammte oder nicht vielmehr von Ernst Volckheim, der schon im 1. Weltkrieg Panzeroffizier war und in den 1920er Jahren regelmäßig diesbezügliche Aufsätze in Fachzeitschriften, u.a. im Militär-Wochenblatt und in Der Kampfwagen, veröffentlichte, die er erstmals 1924 in Buchform unter dem Titel "Der Kampfwagen in der heutigen Kriegführung" zusammen faßte.

Der diplomatisch-neutrale Walde - der der Familie Guderian ob der zeitweisen Überlassung ihres Privatarchivs, einschließlich zahlreicher unveröffentlichter Schriften, verpflichtet war - ließ die Frage letztlich offen, und auch Dikigoros vermag sie nicht abschließend zu beantworten; er kann lediglich den Sach- und Streitstand zusammenfassen: Guderian hat nie bestritten, daß die Idee ursprünglich nicht von ihm selber kam, sondern daß er sie aus den Schriften von Liddell-Hart übernommen hatte - warum hätte er also die Lektüre der Schriften Volckheims verschweigen sollen? Tatsache ist allerdings, daß er Volckheim weder in seinen Memoiren noch sonstwo erwähnt. Und selbst wenn er dessen Schriften nicht gekannt haben sollte - was sehr unwahrscheinlich ist, da er selber ab 1924 wiederholt Aufsätze sowohl im Militär-Wochenblatt als auch in Der Kampfwagen veröffentlicht hatte -, so kannte er ihn doch persönlich, spätestens von ihrem gemeinsamen Einsatz in Kasan. (In jenem kleinen Kreis kannte jeder jeden persönlich, und es dürfte über kaum etwas Anderes gesprochen worden sein als über eben diese Frage.) Es bleibt also ein "Geschmäckle", unbeschadet der Tatsache, daß der seit 1918 schwerkriegsversehrte Volckheim halt nur noch als Theoretiker zu gebrauchen war und sein "Gnadenbrot" als Schreibtisch-Offizier - zuletzt im Range eines Oberstleutnants - fraß, während Guderian die Idee - von wem immer sie auch ursprünglich gestammt haben mag - virtuos in die Praxis umzusetzen wußte.


weiter zu Erwin Rommel

zurück zu Sic transit gloria

heim zu Von der Wiege bis zur Bahre