Hermann Bernhard Ramcke

(24. Januar 1889 - 05. Juli 1968)

[Ramcke]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1889
24. Januar: Hermann Bernhard* Ramcke wird als Sohn der Eheleute Franz Hermann und Anna Sophia (geb. Korff) Ramcke in Schleswig geboren.
(Als Beruf seines Vaters wird meist "Bauer" oder "Landwirt" angegeben. Tatsächlich war er Berufsunteroffizier, der nach seiner Dienstzeit einen etwas größeren Garten bewirtschaftete, wie das damals üblich war.)

1905
Ramcke tritt in die Kaiserliche Marine ein.

1914
August: Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Wie viele junge Menschen fürchtet Ramcke, der Krieg werde beendet sein, noch bevor er persönliche Lorbeeren ernten kann. Als daher sein Schiff zu Reparaturarbeiten im Dock liegt, meldet er sich zur Marine-Infanterie, die in Flandern kämpft.

1918
November: Der Erste Weltkrieg endet mit einem Waffenstillstand, der einer deutschen Kapitulation gleich kommt.


1919
Januar: Ramcke tritt dem Freikorps Hülsen Abteilung Oven} bei.
Mai: Ramcke wird als Leutnant in das 100.000-Mann-Heer ("Reichswehr") der neuen ("Weimarer") Republik übernommen.
ab Oktober: Ramcke dient wieder in seiner alten Einheit, die erst in "3. Kavallerie-Regiment", später in "3. Reiter-Regiment" umbenannt wird.
Er entwickelt sich zu einem hervorragenden Reiter, der zahlreiche Turniere gewinnt.*

1921
Juni: Ramcke heiratet die Offizierstochter Armgard v. Kleist (1903-2001). Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.

1924
Januar: Ramcke wird Regiments-Adjutant.

1925
August: Ramcke wird zum Oberleutnant befördert (rückwirkend ab April 1925).

1930
Februar: Ramcke wird zur technischen Schwadron seines Regiments versetzt.

1932
Oktober: Ramcke wird als Ausbilder zum 17. (Bayerischen) Reiter-Regiment nach Bamberg versetzt.
(Dort dient damals auch der Leutnant Graf Schenk von Stauffenberg.)

1933
Januar: Reichspräsident Paul v. Hindenburg beruft den Führer der Mehrheitsfraktion im Reichstag, Adolf Hitler, zum neuen Reichskanzler, der "Sprengung der Ketten von Versailles" auf seine Fahnen geschrieben hat. Damit winkt allen Berufssoldaten der lang ersehnte Karriereschub.
April: Ramcke wird zum Rittmeister befördert.

1934
Oktober: Ramcke wird Kompaniechef im 2. Kradschützen-Bataillon in Erfurt, das zunächst dem dortigen Reiter-Regiment untersteht, dann - nach Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit


1935
- der 2. Panzer-Division von Oberst Guderian.
(Auch in anderen Staaten wurden die neuen Panzertruppen bevorzugt aus alten Kavallerie-Einheiten aufgebaut.)

1936
Januar: Ramcke wird Instrukteur an der Panzertruppenschule in Wünsdorf.
Oktober: Ramcke wird zum Major befördert.

1937
März: Ramcke wird zum Heeresamt des OKH versetzt, wo er mit der Motorisierung der Infanterieverbände befaßt ist.

1939
Februar: Ramcke wid Kommandeur des Lehrstabes der Panzertruppenschule in Krampnitz.
April: Ramcke wird zum Oberstleutnant befördert.
September: Am Polenfeldzug nimmt Ramcke nicht teil.

1940
Mai: Auch am Frankreichfeldzug nimmt Ramcke nicht teil.
Juli: Ramcke wird Kommandeur des Kradschützen-Bataillons 3.

1941
Mai: Ramcke wird Bataillons-Kommandeur im Schützen-Regiment 7 der 7. Panzer-Division, die als Elite-Einheit gilt seit der Rolle, die sie in Frankreich unter Rommel gespielt hat. (Die Franzosen nannten sie ob ihres wiederholt überraschenden Auftauchens "Gespenster-Division" - der Name blieb haften.)
Juni: Beginn des Rußlandfeldzugs. Die 7. Panzer-Division ist der Heeresgruppe Mitte zugeordnet.
(Bis dahin hat Ramckes militärische Karriere nichts Spektakuläres an sich; gemessen an seinem Dienstgrad sind seine Dienststellungen zuletzt eher bescheiden; insbesondere fehlt ihm jegliche Fronterfahrung als Einheitsführer.)
August: Nachdem der Kommandeur des Schützen-Regiments 6 der 7. Panzerdivision gefallen ist, übernimmt Ramcke dessen Leitung und erweist sich unerwartet als brillanter Truppenführer.
Oktober/November: Ramckes Regiment bildet die Speerspitze für den Vorstoß auf Moskau; es gelingt ihm, einen Brückenkopf jenseits des Moskau-Wolga-Kanals zu bilden.
Dezember: Die sowjetische Winteroffensive zwingt zur Aufgabe des Brückenkopfes; Ramcke wird gleichwohl das Ritterkreuz verliehen; er wird (rückwirkend ab Oktober) zum Oberst befördert.

1942
Mai: Die abgekämpfte 7. Panzer-Division wird aus der Front gezogen und zur "Auffrischung" nach Frankreich verlegt.
Juli: Ramcke wird Kommandeur der 7. Panzergrenadier-Brigade der 7. Panzer-Division.
Dezember: Angesichts der Invasion der Alliierten in Nordafrika unter General Eisenhower wird Ramcke nach Tunesien versetzt.

1943
Februar: Ramcke übernimmt einen rasch zusammen gewürfelten Haufen Truppen, der nach seinem jeweiligen Kommandeur benannt und großzügig als "Division" bezeichnet wird ("Division Ramcke"). Es gelingt ihm, den Vormarsch der US-Amerikaner von Westen vorübergehend aufzuhalten. (Der Vormarsch der Briten von Osten geht jedoch unvermindert weiter.)
April: Rechtzeitig vor der sich abzeichnenden Kapitulation des Tunis-Kessels wird Ramcke evakuiert.
Mai: Ramcke wird zum Generalmajor befördert.
August: Ramcke wird Kommandeur der 7. Panzerdivision, die zurück an die Ostfront verlegt wird, wo nach Abbruch der letzten deutschen Offensive bei Kursk nur noch Abwehrschlachten angesagt sind.
August-November: Bei den Kämpfen um Charkow, Kiew und Zhitomir gelingt es Ramcke, trotz großer zahlenmäßiger Überlegenheit der Roten Armee an Menschen und Material, die Front vorerst einigermaßen zu stabilisieren.
November: Ramcke wird von Hitler persönlich das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.


Dennoch wird er - im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Truppenführern des Heeres, wie z.B. Dietl, Rommel oder Guderian - von der Propaganda nicht zum "Kriegshelden" aufgebaut.**

1944
1. Februar: Ramcke wird zum Kommandeur der 7. Panzergrenadier-Division ("Großdeutschland") ernannt.
22. Februar: Ramcke wird das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.
März-Mai: Ramcke gelingt es, den Südabschnitt der Ostfront ein letztes Mal zu stabilisieren und so das kriegswichtige Erdölgebiet von Ploiesti einstweilen dem Zugriff der Roten Armee zu entziehen.
Mai-August: Ramcke gelingt es, ein letztes Mal die Verbindung zwischen dem Nordabschnitt der Ostfront und den in Kurland vorübergehend abgeschnittenen Truppen herzustellen.
September: Ramcke wird zum General der Panzertruppe befördert (rückwirkend ab Januar) und zum Oberbefehlshaber der 5. Panzerarmee ernannt.
Dezember: Auch Ramcke kann das Scheitern der letzten deutschen ("Ardennen"-)Offensive im Westen nicht verhindern.

1945
Februar: Ramcke wird gleichwohl das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten verliehen.


Wenige Tage später wird sein Schwiegeronkel Ewald v. Kleist wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet. Da es jedoch, entgegen anderslautenden Behauptungen, im "Dritten Reich" keine "Sippenhaft" gibt - anders als später in dessen Nachfolgestaaten*** -, bleiben Ramcke und seine Frau davon unberührt.
März-April: Ramcke führt als Oberbefehlshaber der 3. Panzerarmee die letzten Kämpfe in Brandenburg (Seelower Höhen), Pommern und Mecklenburg gegen die Rote Armee.
Mai: Ramcke gelingt es kurz vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, seine Truppen von der Ostfront zu lösen und in britische Kriegsgefangenschaft zu führen. Er selber wird an die US-Amerikaner weiter gereicht, die ihn in das berüchtigte Konzentrationslager "Speziallager 11" stecken.

1947
Dezember: Ramcke wird aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

1948
Ramcke wird erst Angestellter bei der Privatbank Pferdmenges in Köln, dann Prokurist bei der Fa. Bauer & Schauerte in Neuß.****

1949
Ramcke tritt der FDP bei, die damals noch einen national-liberalen Kurs steuert.

[Wahlplakat der FDP 1949]

1952
Ramcke wird in den Rat der Stadt Neuß gewählt.

[Wahlplakat der FDP 1953]
1953
September: Ramcke wird in den Bundestag gewählt. Er wird Mitglied des Verteidigungsausschusses und des Haushaltsausschusses. Die FDP setzt die Regierungs-Koalition mit der CDU, die sie bereits 1949 eingegangen war, fort.

1956
Februar: Auf Initiative von Erich Mende kündigt die FDP die Regierungs-Koalition in Nordrhein-Westfalen, die sie ebenfalls mit der CDU gebildet hatte, und bildet statt dessen eine "kleine Koalition" mit der SPD, die vor dem "Godesberger Programm" vom November 1959 noch streng marxistisch ausgerichtet ist - weshalb die FDP sie und besonders ihren Vorsitzenden Erich Ollenhauer im Wahlkampf heftig kritisiert hatte.


Daraufhin verlassen 16 Abgeordnete der FDP - darunter alle vier Bundesminister - die Partei und gründen unter August-Martin Euler, dem ehemaligen Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, die Freie Volkspartei [FVP], der sich auch Ramcke anschließt.

1957
Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl fällt Euler plötzlich ein, daß außer ihm selber kein anderes FVP-Mitglied ein Direktmandat hat und daß seine Partei auch keine Chance hat, die - 1956 eingeführte - 5%-Hürde zu überspringen. Daher schließen er und die meisten anderen Mitglieder der FVP - auch Ramcke - sich der Deutschen Partei [DP] an.

[Wahlplakat der DP]

September: Bei den Wahlen verliert Ramcke erwartungsgemäß sein Bundestagsmandat.
(Auch die "verstärkte" DP erreicht nur 3,4% der Wählerstimmen und kann sich lediglich durch ihre 6 Direktmandate in den Bundestag retten - wo sie indes von der CDU, die die absolute Mehrheit gewonnen hat, als Koalitionspartner nicht mehr benötigt wird; sie geht zwei Jahre später in der Gesamtdeutschen Partei auf.)

1959
August: Ramcke wird wegen mittelbaren Totschlags angeklagt, weil er im Januar 1944 einen Soldaten wegen Feigheit vor dem Feind vors Kriegsgericht gebracht und seine Verurteilung zum Tode erwirkt hatte. Er wird zu 2 Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.*****

[Karikatur]

1961
Juni: Ramcke wird durch den nordrhein-westfälischen Justiz-Minister Otto Flehinghaus (CDU) begnadigt.******
Nach seiner Entlassung lebt Ramcke in Dießen am Ammersee (Bayern).

[Ramcke] [Dießen - Rathaus] [Buch]

1978
24. September: Hermann Bernhard v. Ramcke stirbt, kurz nach Veröffentlichung seines Buches "Die 7. Panzer-Division", bei einem Urlaub in Reith im Alpbachtal (Tirol).
29. September: An seiner Beisetzung in Dießen dürfen - anders als bei der anderer ehemaligen Soldaten der Wehrmacht - auch Angehörige der Bundeswehr teilnehmen.


1984
Der Militärhistoriker Franz Kurowski veröffentlicht - aus nachgelassenen Aufzeichnungen Ramckes******* - "Panzerkampf im Zweiten Weltkrieg", die er als dessen "Lebenserinnerungen" bezeichnet (Neuauflage 2005).


2001
Beim Tode von Ramckes Frau Armgard muß jeglicher Hinweis auf seine frühere Tätigkeit als General der Panzertruppe - insbesondere das "fascistoïde" Logo der 7. Panzer-Division - von seinem Grabstein entfernt werden.


*Heute wird der Vorname meist mit Bindestrich geschrieben; Ramcke selber tat das nicht; und man sollte doch annehmen, daß er am besten wußte, wie es richtig war.

**.

***So reichte z.B. in der BRDDR die frühere (!) Freundschaft (!) mit einer Person, die im Verdacht (!) einer "rechtsradikalen" Gesinnung (!) stand, zum Ausschluß aus dem Olympia-Kader und zur lebenslangen Ächtung, die mit einer breit angelegten Diffamierungs-Kampagne in den staatlich kontrollierten Monopol-Medien einher ging.

****.

*****Ein Fall krasser Rechtsbeugung durch die politische Justiz. Der hingerichtete Soldat hatte beim Überfall einer russischen Patrouille auf einen Vorposten nicht nur nicht auf erstere geschossen, sondern es auch unterlassen, seine Einheit zu benachrichtigen, und damit die Gefangennahme und die Tötung eines Vorgesetzten billigend in Kauf genommen. Dafür wäre er von jedem Militärgericht der Welt - auch bei den gut-demokratischen Alliierten - zum Tode verurteilt wurden, damals wie heute. (Die Todesstrafe ist nur im Frieden abgeschafft; im "V-Fall" konnte und kann sie selbstverständlich weiter verhängt werden, weil dann das einzelstaatliche Recht gegenüber dem der NATO zurück tritt.) Es kam also nicht mal auf die Frage an, ob die damaligen Militärgesetze etwa rückwirkend als unwirksam anzusehen seien. In einem Rechtsstaat wäre letzteres ja eigentlich ohnehin unzulässig - aber die BRD war nie ein vorbehaltloser Rechtsstaat; das Recht hat vielmehr hinter der Politik im allgemeinen und hinter der Politik der Besatzungsmächte im besonderen zurück zu stehen - was bis heute jeder neue Regierungschef gegenüber den letzteren ausdrücklich schriftlich anerkennen muß, auch nach der angeblichen Wiederherstellung der "vollen Souveränität" der BRDDR 1991. Hinter der Unrechtsprechung im Falle Ramcke steckten jedoch ausnahmsweise weder die alliierten Besatzer (selbst ausgesprochene Deutschenhasser wie Ex-Präsident Eisenhower und der britische Feldmarschall a.D. Montgomery - die freilich nur noch Privatleute waren - luden Ramcke nach seiner Freilassung demonstrativ zu sich ein) noch jüdische Lobbyisten-Verbände; die Verantwortung trug einzig und allein die Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen.

[Karikatur]

******Flehinghaus war mit allen Wassern gewaschen und kannte seine Pappenheimer genau. (Seine Vielseitigkeit - er hatte, bevor er Justizminister wurde, als Richter, in der Wirtschaft, in der Verwaltung und als Rechtsanwalt gearbeitet - und Kompentenz wäre bei heutigen politischen Beamten geradezu unvorstellbar.) Er nahm den Fall Ramcke zum Anlaß, ein Gesetz durch zu boxen, mit dem inkompetente und/oder korrupte Richter genötigt werden konnten, sich vorzeitig in den Ruhestand versetzen zu lassen, und zwar cleverer Weise mit der Begründung, "Nazi-Richter" könnten nicht länger im "Rechtsstaat" geduldet werden. Da aber 1961 buchstäblich alle Richter der BRD in der Zeit des "Dritten Reichs" studiert hatten, Referendare oder sogar schon Richter waren, war theoretisch jeder betroffen. Flehinghaus wählte jedoch in der Praxis sehr sorgfältig aus - ein Skandalurteil wie das im Fall Ramcke hat das OLG Düsseldorf zu seinen Lebzeiten nicht noch einmal gefällt.
Claqueure des zwielichtigen Theodor Heuss verbreiteten später das Gerücht, dieser habe seinen alten Parteifreund Ramcke Kraft seines Amtes als Bundespräsident schon nach zwei Monaten Haftzeit begnadigt. Aber 1. war Ramcke längst nicht mehr sein Parteifreund, 2. war Heuss 1961 längst nicht mehr Bundespräsident (wohl aber im August 1959, als Ramcke verurteilt wurde - damals hatte er aber keinen Finger für ihn gerührt), und 3. kann jeder, der auf der Volksschule Rechnen statt Mengenlehre hatte, leicht feststellen, daß Ramcke nicht schon 2 Monate nach Haftantritt, sondern erst 2 Monate vor Ablauf seiner Haftstrafe begnadigt wurde.

*******.


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