Hasso v. Manteuffel

(1897 - 1978)

[Manteuffel]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

[Familienwappen]
1897
14. Januar: Hasso Eccard v. Manteuffel wird als drittes von fünf Kindern des preußischen Berufsoffiziers Eccard August v. Manteuffel und seine Ehefrau Susanne, geb. Ende, in Potsdam geboren.

1908
Manteuffel tritt in die Cadettenanstalt (später NaPoLa, heute Außenstelle des Bundessprachenamts) in Naumburg/Saale ein.

[Die Kadettenanstalt in Naumburg/Saale]

1911
Manteuffel wechselt auf die Hauptcadettenanstalt Lichterfelde bei Berlin.

[Die Haupt-Kadettenanstalt in Lichterfelde - Außenansicht] [Die Haupt-Kadettenanstalt in Lichterfelde - Innenhof]

1914
August: Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

1916
Februar: Manteuffel tritt als Fähnrich in das (3. Brandenburgische) Husaren-Regiment "von Zieten" ein.

[Manteuffel als Zieten-Husar]

April: Manteuffel wird zum Leutnant befördert (rückwirkend ab Januar 1915).
Oktober: Nach einer Verwundung wird Manteuffel nicht mehr frontverwendungsfähig geschrieben.

1917
Februar: Manteuffel wird Generalstabsoffizier in der 6. Infanterie-Division.

1918
November: Der Erste Weltkrieg endet mit einem Waffenstillstand, der einer deutschen Kapitulation gleich kommt.

1919
Januar: Manteuffel tritt dem Freikorps v. Oven bei.
Mai: Manteuffel wird als Leutnant in das 100.000-Mann-Heer ("Reichswehr") der neuen ("Weimarer") Republik übernommen (allerdings unter Herabsetzung seines Dienstalters um 2 Jahre).
ab Oktober: Manteuffel dient wieder in seiner alten Einheit, die erst in "3. Kavallerie-Regiment", später in "3. Reiter-Regiment" umbenannt wird.
Er entwickelt sich zu einem hervorragenden Reiter, der zahlreiche Turniere gewinnt.*

1921
Juni: Manteuffel heiratet die Offizierstochter Armgard v. Kleist (1903-2001). Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.

1924
Januar: Manteuffel wird Regiments-Adjutant.

1925
August: Manteuffel wird zum Oberleutnant befördert (rückwirkend ab April 1925).

1930
Februar: Manteuffel wird zur technischen Schwadron seines Regiments versetzt.

1932
Oktober: Manteuffel wird als Ausbilder zum 17. (Bayerischen) Reiter-Regiment nach Bamberg versetzt.
(Dort dient damals auch der Leutnant Graf Schenk von Stauffenberg.)

1933
Januar: Reichspräsident Paul v. Hindenburg beruft den Führer der Mehrheitsfraktion im Reichstag, Adolf Hitler, zum neuen Reichskanzler, der "Sprengung der Ketten von Versailles" auf seine Fahnen geschrieben hat. Damit winkt allen Berufssoldaten der lang ersehnte Karriereschub.
April: Manteuffel wird zum Rittmeister befördert.

1934
Oktober: Manteuffel wird Kompaniechef im 2. Kradschützen-Bataillon in Erfurt, das zunächst dem dortigen Reiter-Regiment untersteht, dann - nach Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit


1935
- der 2. Panzer-Division von Oberst Guderian.
(Auch in anderen Staaten wurden die neuen Panzertruppen bevorzugt aus alten Kavallerie-Einheiten aufgebaut.)

1936
Januar: Manteuffel wird Instrukteur an der Panzertruppenschule in Wünsdorf.
Oktober: Manteuffel wird zum Major befördert.

1937
März: Manteuffel wird zum Heeresamt des OKH versetzt, wo er mit der Motorisierung der Infanterieverbände befaßt ist.

1939
Februar: Manteuffel wid Kommandeur des Lehrstabes der Panzertruppenschule in Krampnitz.
April: Manteuffel wird zum Oberstleutnant befördert.
September: Am Polenfeldzug nimmt Manteuffel nicht teil.

1940
Mai: Auch am Frankreichfeldzug nimmt Manteuffel nicht teil.
Juli: Manteuffel wird Kommandeur des Kradschützen-Bataillons 3.

1941
Mai: Manteuffel wird Bataillons-Kommandeur im Schützen-Regiment 7 der 7. Panzer-Division, die als Elite-Einheit gilt seit der Rolle, die sie in Frankreich unter Rommel gespielt hat. (Die Franzosen nannten sie ob ihres wiederholt überraschenden Auftauchens "Gespenster-Division" - der Name blieb haften.)
Juni: Beginn des Rußlandfeldzugs. Die 7. Panzer-Division ist der Heeresgruppe Mitte zugeordnet.
(Bis dahin hat Manteuffels militärische Karriere nichts Spektakuläres an sich; gemessen an seinem Dienstgrad sind seine Dienststellungen zuletzt eher bescheiden; insbesondere fehlt ihm jegliche Fronterfahrung als Einheitsführer.)
August: Nachdem der Kommandeur des Schützen-Regiments 6 der 7. Panzerdivision gefallen ist, übernimmt Manteuffel dessen Leitung und erweist sich unerwartet als brillanter Truppenführer.
Oktober/November: Manteuffels Regiment bildet die Speerspitze für den Vorstoß auf Moskau; es gelingt ihm, einen Brückenkopf jenseits des Moskau-Wolga-Kanals zu bilden.
Dezember: Die sowjetische Winteroffensive zwingt zur Aufgabe des Brückenkopfes; Manteuffel wird gleichwohl das Ritterkreuz verliehen; er wird (rückwirkend ab Oktober) zum Oberst befördert.

1942
Mai: Die abgekämpfte 7. Panzer-Division wird aus der Front gezogen und zur "Auffrischung" nach Frankreich verlegt.
Juli: Manteuffel wird Kommandeur der 7. Panzergrenadier-Brigade der 7. Panzer-Division.
Dezember: Angesichts der Invasion der Alliierten in Nordafrika unter General Eisenhower wird Manteuffel nach Tunesien versetzt.

1943
Februar: Manteuffel übernimmt einen rasch zusammen gewürfelten Haufen Truppen, der nach seinem jeweiligen Kommandeur benannt und großzügig als "Division" bezeichnet wird ("Division Manteuffel"). Es gelingt ihm, den Vormarsch der US-Amerikaner von Westen vorübergehend aufzuhalten. (Der Vormarsch der Briten von Osten geht jedoch unvermindert weiter.)
April: Rechtzeitig vor der sich abzeichnenden Kapitulation des Tunis-Kessels wird Manteuffel evakuiert.
Mai: Manteuffel wird zum Generalmajor befördert.
August: Manteuffel wird Kommandeur der 7. Panzerdivision, die zurück an die Ostfront verlegt wird, wo nach Abbruch der letzten deutschen Offensive bei Kursk nur noch Abwehrschlachten angesagt sind.
August-November: Bei den Kämpfen um Charkow, Kiew und Zhitomir gelingt es Manteuffel, trotz großer zahlenmäßiger Überlegenheit der Roten Armee an Menschen und Material, die Front vorerst einigermaßen zu stabilisieren.
November: Manteuffel wird von Hitler persönlich das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.


Dennoch wird er - im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Truppenführern des Heeres, wie z.B. Dietl, Rommel oder Guderian - von der Propaganda nicht zum "Kriegshelden" aufgebaut.**

1944
1. Februar: Manteuffel wird zum Kommandeur der 7. Panzergrenadier-Division ("Großdeutschland") ernannt.
22. Februar: Manteuffel wird das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.
März-Mai: Manteuffel gelingt es, den Südabschnitt der Ostfront ein letztes Mal zu stabilisieren und so das kriegswichtige Erdölgebiet von Ploiesti einstweilen dem Zugriff der Roten Armee zu entziehen.
Mai-August: Manteuffel gelingt es, ein letztes Mal die Verbindung zwischen dem Nordabschnitt der Ostfront und den in Kurland vorübergehend abgeschnittenen Truppen herzustellen.
September: Manteuffel wird zum General der Panzertruppe befördert (rückwirkend ab Januar) und zum Oberbefehlshaber der 5. Panzerarmee ernannt.
Dezember: Auch Manteuffel kann das Scheitern der letzten deutschen ("Ardennen"-)Offensive im Westen nicht verhindern.

1945
Februar: Manteuffel wird gleichwohl das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten verliehen.


Wenige Tage später wird sein Schwiegeronkel Ewald v. Kleist wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet. Da es jedoch, entgegen anderslautenden Behauptungen, im "Dritten Reich" keine "Sippenhaft" gibt - anders als später in dessen Nachfolgestaaten*** -, bleiben Manteuffel und seine Frau davon unberührt.
März-April: Manteuffel führt als Oberbefehlshaber der 3. Panzerarmee die letzten Kämpfe in Brandenburg (Seelower Höhen), Pommern und Mecklenburg gegen die Rote Armee.
Mai: Manteuffel gelingt es kurz vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, seine Truppen von der Ostfront zu lösen und in britische Kriegsgefangenschaft zu führen. Er selber wird an die US-Amerikaner weiter gereicht, die ihn in das berüchtigte Konzentrationslager "Speziallager 11" stecken.

1947
Dezember: Manteuffel wird aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

1948
Manteuffel wird erst Angestellter bei der Privatbank Pferdmenges in Köln, dann Prokurist bei der Fa. Bauer & Schauerte in Neuß.****

1949
Manteuffel tritt der FDP bei, die damals noch einen national-liberalen Kurs steuert.

[Wahlplakat der FDP 1949]

1952
Manteuffel wird in den Rat der Stadt Neuß gewählt.

[Wahlplakat der FDP 1953]
1953
September: Manteuffel wird in den Bundestag gewählt. Er wird Mitglied des Verteidigungsausschusses und des Haushaltsausschusses. Die FDP setzt die Regierungs-Koalition mit der CDU, die sie bereits 1949 eingegangen war, fort.

1956
Februar: Auf Initiative von Erich Mende kündigt die FDP die Regierungs-Koalition in Nordrhein-Westfalen, die sie ebenfalls mit der CDU gebildet hatte, und bildet statt dessen eine "kleine Koalition" mit der SPD, die vor dem "Godesberger Programm" vom November 1959 noch streng marxistisch ausgerichtet ist - weshalb die FDP sie und besonders ihren Vorsitzenden Erich Ollenhauer im Wahlkampf heftig kritisiert hatte.


Daraufhin verlassen 16 Abgeordnete der FDP - darunter alle vier Bundesminister - die Partei und gründen unter August-Martin Euler, dem ehemaligen Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, die Freie Volkspartei [FVP], der sich auch Manteuffel anschließt.

1957
Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl fällt Euler plötzlich ein, daß außer ihm selber kein anderes FVP-Mitglied ein Direktmandat hat und daß seine Partei auch keine Chance hat, die - 1956 eingeführte - 5%-Hürde zu überspringen. Daher schließen er und die meisten anderen Mitglieder der FVP - auch Manteuffel - sich der Deutschen Partei [DP] an.

[Wahlplakat der DP]

September: Bei den Wahlen verliert Manteuffel erwartungsgemäß sein Bundestagsmandat.
(Auch die "verstärkte" DP erreicht nur 3,4% der Wählerstimmen und kann sich lediglich durch ihre 6 Direktmandate in den Bundestag retten - wo sie indes von der CDU, die die absolute Mehrheit gewonnen hat, als Koalitionspartner nicht mehr benötigt wird; sie geht zwei Jahre später in der Gesamtdeutschen Partei auf.)

1959
August: Manteuffel wird wegen mittelbaren Totschlags angeklagt, weil er im Januar 1944 einen Soldaten wegen Feigheit vor dem Feind vors Kriegsgericht gebracht und seine Verurteilung zum Tode erwirkt hatte. Er wird zu 2 Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.*****

[Karikatur]

1961
Juni: Manteuffel wird durch den nordrhein-westfälischen Justiz-Minister Otto Flehinghaus (CDU) begnadigt.******
Nach seiner Entlassung lebt Manteuffel in Dießen am Ammersee (Bayern).

[Manteuffel] [Dießen - Rathaus] [Buch]

1978
24. September: Hasso v. Manteuffel stirbt, kurz nach Veröffentlichung seines Buches "Die 7. Panzer-Division", bei einem Urlaub in Reith im Alpbachtal (Tirol).
29. September: An seiner Beisetzung in Dießen dürfen - anders als bei der anderer ehemaligen Soldaten der Wehrmacht - auch Angehörige der Bundeswehr teilnehmen.


1984
Der Militärhistoriker Franz Kurowski veröffentlicht - aus nachgelassenen Aufzeichnungen Manteuffels******* - "Panzerkampf im Zweiten Weltkrieg", die er als dessen "Lebenserinnerungen" bezeichnet (Neuauflage 2005).


2001
Beim Tode von Manteuffels Frau Armgard muß jeglicher Hinweis auf seine frühere Tätigkeit als General der Panzertruppe - insbesondere das "fascistoïde" Logo der 7. Panzer-Division - von seinem Grabstein entfernt werden.


*Manteuffel soll auch in anderen Sportarten sehr versiert gewesen sein; John Toland hat sogar behauptet, er sei einmal deutscher Meister im modernen Fünfkampf geworden - freilich ohne Jahresangabe, so daß Dikigoros das nicht verifizieren kann. Unterlagen über jene Jahre liegen dem heutigen Verband angeblich nicht mehr vor; und Toland hält er - bei aller persönlichen Sympathie ob seines Mutes zu unbequemen Fragestellungen - nicht für einen seriösen Historiker, sondern schlicht für einen Romanschreiber, der zwar fleißig Quellen zusammen trägt, diese aber oft oberflächlich, bisweilen geradezu schlampig, auswertet.

**Der Grund ist offensichtlich: Manteuffel maß nur 1,55 m, war also äußerlich gesehen ein "Pipifax", der dem Idealbild des "Ariers" nicht entsprach. Da seine Familie aus Pommern stammte, ist anzunehmen, daß er "wendische" Wurzeln hatte. Es gibt von ihm keine einzige Propaganda-Postkarte (jedenfalls ist Dikigoros keine bekannt), wie sie von so vielen anderen Offizieren der Wehrmacht - auch solchen, die deutlich weniger geleistet hatten als Manteuffel - ausgiebig unters Volk gebracht wurden.

***So reichte z.B. in der BRDDR die frühere (!) Freundschaft (!) mit einer Person, die im Verdacht (!) einer "rechtsradikalen" Gesinnung (!) stand, zum Ausschluß aus dem Olympia-Kader und zur lebenslangen Ächtung, die mit einer breit angelegten Diffamierungs-Kampagne in den staatlich kontrollierten Monopol-Medien einher ging.

****Mangels diesbezüglicher Quellen ist schwer nachvollziehbar, warum Manteuffel die Arbeit bei einem der einflußreichsten und gerissensten Finanzjongleure seiner Zeit - Robert Pferdmenges (1880-1962), "der arische Oppenheimer", hatte es verstanden, alle politischen Wechselfälle des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger unbeschadet zu überstehen; er war u.a. der persönliche Finanzberater von Brüning und Adenauer und seit 1948 "Treuhänder" des Flick-Konzerns - schon nach so kurzer Zeit wieder aufgab und in die Export-Abteilung eines eher unbedeutenden Schrauben-Herstellers wechselte.

*****Ein Fall krasser Rechtsbeugung durch die politische Justiz. Der hingerichtete Soldat hatte beim Überfall einer russischen Patrouille auf einen Vorposten nicht nur nicht auf erstere geschossen, sondern es auch unterlassen, seine Einheit zu benachrichtigen, und damit die Gefangennahme und die Tötung eines Vorgesetzten billigend in Kauf genommen. Dafür wäre er von jedem Militärgericht der Welt - auch bei den gut-demokratischen Alliierten - zum Tode verurteilt wurden, damals wie heute. (Die Todesstrafe ist nur im Frieden abgeschafft; im "V-Fall" konnte und kann sie selbstverständlich weiter verhängt werden, weil dann das einzelstaatliche Recht gegenüber dem der NATO zurück tritt.) Es kam also nicht mal auf die Frage an, ob die damaligen Militärgesetze etwa rückwirkend als unwirksam anzusehen seien. In einem Rechtsstaat wäre letzteres ja eigentlich ohnehin unzulässig - aber die BRD war nie ein vorbehaltloser Rechtsstaat; das Recht hat vielmehr hinter der Politik im allgemeinen und hinter der Politik der Besatzungsmächte im besonderen zurück zu stehen - was bis heute jeder neue Regierungschef gegenüber den letzteren ausdrücklich schriftlich anerkennen muß, auch nach der angeblichen Wiederherstellung der "vollen Souveränität" der BRDDR 1991. Hinter der Unrechtsprechung im Falle Manteuffel steckten jedoch ausnahmsweise weder die alliierten Besatzer (selbst ausgesprochene Deutschenhasser wie Ex-Präsident Eisenhower und der britische Feldmarschall a.D. Montgomery - die freilich nur noch Privatleute waren - luden Manteuffel nach seiner Freilassung demonstrativ zu sich ein) noch jüdische Lobbyisten-Verbände; die Verantwortung trug einzig und allein die Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen.

[Karikatur]

******Flehinghaus war mit allen Wassern gewaschen und kannte seine Pappenheimer genau. (Seine Vielseitigkeit - er hatte, bevor er Justizminister wurde, als Richter, in der Wirtschaft, in der Verwaltung und als Rechtsanwalt gearbeitet - und Kompentenz wäre bei heutigen politischen Beamten geradezu unvorstellbar.) Er nahm den Fall Manteuffel zum Anlaß, ein Gesetz durch zu boxen, mit dem inkompetente und/oder korrupte Richter genötigt werden konnten, sich vorzeitig in den Ruhestand versetzen zu lassen, und zwar cleverer Weise mit der Begründung, "Nazi-Richter" könnten nicht länger im "Rechtsstaat" geduldet werden. Da aber 1961 buchstäblich alle Richter der BRD in der Zeit des "Dritten Reichs" studiert hatten, Referendare oder sogar schon Richter waren, war theoretisch jeder betroffen. Flehinghaus wählte jedoch in der Praxis sehr sorgfältig aus - ein Skandalurteil wie das im Fall Manteuffel hat das OLG Düsseldorf zu seinen Lebzeiten nicht noch einmal gefällt.
Claqueure des zwielichtigen Theodor Heuss verbreiteten später das Gerücht, dieser habe seinen alten Parteifreund Manteuffel Kraft seines Amtes als Bundespräsident schon nach zwei Monaten Haftzeit begnadigt. Aber 1. war Manteuffel längst nicht mehr sein Parteifreund, 2. war Heuss 1961 längst nicht mehr Bundespräsident (wohl aber im August 1959, als Manteuffel verurteilt wurde - damals hatte er aber keinen Finger für ihn gerührt), und 3. kann jeder, der auf der Volksschule Rechnen statt Mengenlehre hatte, leicht feststellen, daß Manteuffel nicht schon 2 Monate nach Haftantritt, sondern erst 2 Monate vor Ablauf seiner Haftstrafe begnadigt wurde.

*******Manteuffel war kein Bücherschreiber. (Sein Buch über die 7. Panzer-Division ist ziemlich dünn und besteht hauptsächlich aus Abbildungen.) Er veröffentlichte zwar regelmäßig, aber nur kürzere Aufsätze in Fachzeitschriften. Kurowskis Behauptung, dies seien seine "Lebenserinnerungen", ist daher mit Vorsicht zu genießen - sie erinnert Dikigoros ein wenig an "Der Wille zur Macht", jenes Buch, das Nietzsche nie geschrieben hatte, das vielmehr von seiner Schwester und seinem Schwager aus nachgelassenen Notizen zusammen gesetzt wurde.


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