ROLF KAUKA

(1917 - 2000)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1917
09. April: R[ud]olf Kauka wird als erstes von drei Kindern des aus Finnland stammenden Hufschmieds Paul Kauka und seiner Ehefrau Margarete in Markranstädt (bei Leipzig) geboren.


1923-1935
Kauka besucht die Volksschule in Markranstädt und die Friedrich-Liszt-Realschule in Leipzig.
Er beginnt für die Leipziger Neuesten Nachrichten und das Weißenfelser Tageblatt zu zeichnen.

1935-38
Kauka absolviert eine Lehre zum Drogisten. Nebenbei besucht er Vorlesungen über Betriebswirtschaft.

1938-45
Kauka dient in einem Flak-Regiment.

1943
Juni: Kauka heiratet die Arzthelferin Erika, geb. Bahre. (Aus der Ehe, die 1960 geschieden wird, gehen drei Töchter hervor.)

1947
Nach Entlassung aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft gründet Kauka in München einen Verlag, in dem zunächst Kurzlehrbücher für angehende Polizeibeamte und Juristen, später auch "Krimi"- und "Wildwest"-Hefte erscheinen.

1949
Kauka lernt den aus den Niederlanden stammenden Münchner Dorul van der Heide kennen, den er als Zeichner von Bildern mit Wildwest-Motiven für Sammelalben anstellt.
Druck und Vertrieb überträgt er dem Verleger Erich Pabel in Rastatt (ebenso für die folgenden Heftreihen).

1951
In Kornwestheim greift die Schuhfirma Salamander ein Zeichenfiguren-Projekt aus der Vorkriegszeit (1937-39) wieder auf, bei dem ein gewisser "Lurchi" die Hauptrolle spielt. Die Hefte - die zunächst kostenlos an Kunden abgegeben werden - erfreuen sich bald großer Popularität.
(Warum Dikigoros ihnen dennoch keine eigene Webseite gewidmet hat? Erstens, weil es schon eine sehr gute Webseite zu diesem Thema gibt, und zweitens, weil weder der Zeichner - Heinz Schubel - noch der Texter - Erwin Kühlewein - außer mit "Lurchi" öffentlich in Erscheinung getreten sind; und das reicht für seine biografischen Seiten nicht aus.)

1952
Kauka veröffentlicht das Jugend-Magazin Colombo [Menschen, Tiere, Abenteuer, Humor und Wissenswertes aus alles Welt].


Das Projekt hat wenig Erfolg und wird nach nur drei Ausgaben beendet.
Kauka gründet die Kauka-Comic-Produktion.


1953
Mai: Kauka beginnt - in erklärter Konkurrenz zu Walt Disneys "Mickey Mouse" und unter Berufung auf die deutsche Tradition eines Wilhelm Busch - mit der Herausgabe des zunächst 14-tägig erscheinenden Comic-Hefts "Till Eulenspiegel" [ab Band 5 nur noch "Eulenspiegel"], in dem neben der Titelfigur und altbekannten Personen wie Baron Münchhausen vor allem Tiergestalten auftreten. Auch dessen Erfolg nimmt sich anfangs eher bescheiden aus.


Juni: In Band 6 des "Eulenspiegel" erscheint erstmals eine Geschichte mit den jungen Füchsen Fix und Foxi.


Die beiden kommen beim Publikum so gut an, daß Kauka noch im selben Jahr beginnt, "Eulenspiegel-Sonderhefte" heraus zu bringen, die allein ihnen gewidmet sind.



1954
Kauka lehnt ein Übernahmeangebot Disneys (als Frühstücksdirektor mit einem Jahresgehalt von 80.000 US-$ - entsprechend ca. 3,2 Mio Euro nach der Währungsreform von 2001) ab und baut statt dessen seine eigene Produktion aus. Nachdem es über finanziellen Fragen zum Bruch mit van der Heide gekommen ist, engagiert Kauka als neuen Chefzeichner Walter Neugebauer, einen Volksdeutschen aus KroatienJugoslawien.

1955
Januar: Kauka teilt seine Zeichentrick-Publikationen: Fortan erscheinen im 14-tägigen Wechsel die Heftreihen "Fix und Foxi" und "Eulenspiegels Kunterbunt"; letztere gerät bald ins Hintertreffen.


Neugebauer gibt den Füchsen Fix und Foxi und ihrem Onkel Fax, dem Wolf Lupo und seiner Oma Eusebia sowie dem - Disneys "Daniel Düsentrieb" nachempfundenen - "Professor Knox" nach und nach neue Gesichter.

[Familie]

Während die Disney-Figuren in "Entenhausen" leben, lebt die Kauka-Familie in "Fuxholzen".

[Stammbaum] [Fuxholzen]

Kauka richtet in München ein Filmstudio ein, das zunächst kurze Werbefilme produziert, u.a. für BMW.
(Die Bayrischen Motoren-Werke - ursprünglich ein Zulieferer der Flugzeugindustrie - haben noch keinen großen Namen auf dem Automarkt; die "Isetta" gilt als besserer "Leukoplastbomber".)

1956
Oktober: Die Serie "Eulenspiegels Kunterbunt" wird eingestellt.

1957
ab Januar: "Fix und Foxi" erscheint wöchentlich - anfangs noch mit dem klein gedruckten Untertitel "Eulenspiegels Kunterbunt"; aber die Eule mit dem Spiegel hat als Logo ausgedient und muß endgültig den beiden Fuchsköpfen weichen.
Im Laufe der Zeit steigert Kauka die Auflage bis 400.000 Exemplare. (Damit überflügelt er sogar Disneys "Micky-Maus"-Hefte.) Bis 1994 werden weltweit 750 Millionen "Fix-und-Foxi"-Hefte verkauft.)


Neben den Familien der Füchse und Wölfe entwickelt sich die der Maulwürfe aus den ursprünglichen Nebenfiguren "Pauli" und "Paulinchen" zu einem eigenen Clan in Maulwurfshausen, mit "Mausi", "Mimi", "Susi", "Mecki" und "Beppo".



1958
Dezember: Der Hamburger Verleger Alfred Semrau beginnt mit der Herausgabe der Zeitschrift "Der heitere Fridolin", die neben Kindern auch ältere Jugendliche für den deutschen Comic-Markt gewinnen soll. Vorbild ist aber nicht die gleichnamige Halbmonatsschrift, die 1921-28 im Berliner Ullstein-Verlag erschienen war und in der u.a. das Kinderbuch Kai aus der Kiste ihres Chefredakteurs Wolfgang Bechtle alias "Wolf Durian" erstveröffentlicht wurde, sondern das - 1936 nach dem Verbot von Disneys Mickey-Mouse-Heften eingeführte - belgische Comic-Magazin "Spirou", aus dem auch einige Geschichten übernommen werden - neben denen mit dem Namensgeber Spirou (gezeichnet von André Franquin), der in "Fridolin" umbenannt wird, vor allem solche mit dem Cowboy Lucky Luke (gezeichnet von Maurice de Bevere alias "Morris").

[die erste Ausgabe]
[die letzte Ausgabe]

1959
Der französische Verleger Georges Dargaud beginnt mit der Herausgabe des wöchentlich erscheinenden Jugendmagazins "Pilote".

1960
Juni: Kauka heiratet in 2. Ehe Gisela, geb. Reimers. (Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.)

1960/61
Kaukau übernimmt als erste Figur aus "Pilote" den Jung-Piraten "Jehan Pistolet" (gezeichnet von Albert Uderzo, getextet von "Pilote"-Chefredakteur René Goscinny), den er in "Pitt Pistol" umbenennt.


1961
Januar: "Der heitere Fridolin" wird nach 54 Ausgaben eingestellt; das Projekt gilt als gescheitert.
Nach dem großen Medienrummel um den ersten Raumflug des Sowjet-Kosmonauten Jurij Gagarin erfindet Kauka die Figur des Raumfahrers Mischa.


1963
Angesichts des großen Erfolgs, den der Regisseur Harald Reinl mit der Verfilmung von Carl-May-Romanen um den Indianer-Häuptling Winnetou hat, widmet auch Kauka dem letzteren einige Geschichten, die allerdings weniger gut ankommen - vor allem nicht gegen die Konkurrenz aus dem eigenen Hause, nämlich "Tom und [klein] Biber[herz]" nebst Opa Nikodemus und Häuptling Schmutzfuß.

[Tom und Biber]
[Opa Nikodemus] [Schmutzfuß]

1964
Oktober: Kauka unternimmt einen neuen Anlauf, Comic-Hefte für ältere Jugendliche auf den Markt zu bringen; sein Magazin "Lupo" erscheint zunächst monatlich. Kauka übernimmt nicht nur den Titelhelden von "Fix und Foxi", sondern auch lizensierte Geschichten, die zuvor auf Französisch in "Spirou" erschienen sind, wie "Boule & Bill" (die er in "Schnieff + Schnuff" umbenennt) von Jean Roba und "Spirou et Fantasio" von Franquin. Dabei ersetzt Kauka die sinnlosen Original-Namen durch die viel griffigeren und anschaulicheren Namen "Pit und Pikkolo" ("Spirou" trägt die Uniform eines Hotel-Bediensteten, den man damals auch als "Pikkolo" bezeichnete, und die Alliteration paßt ideal), ebenso die ihrer Nebenfiguren, dem Eichhörnchen "Spip" ("Pips") und dem "Marsupilami" ("Kokomiko").


1965
Mai: Angesichts des großen Erfolgs stellt Kauka die Erscheinungsweise des - nunmehr "Lupo modern" genannten - Hefts von monatlich auf wöchentlich um.
Inzwischen hat Kauka aus "Spirou" auch die Geschichten um "Lucky Luke" von Morris in Lizenz übernommen sowie aus "Pilote" die bis dahin im deutschen Sprachraum völlig unbekannten Geschichten um die Gallier "Astérix" und "Obélix" (wiederum von Uderzo und Goscinny) - die er in "Siggi" und "Babarras" umbenennt.*



Kauka ersetzt die z.T. dümmlich-primitiven, z.T. volksverhetzenden Original-Texte des Juden Goscinny (die dieser in erster Linie als anti-deutsche Meinungsmache konzipiert hat, wobei im Laufe der Zeit aber auch alle möglichen anderen nicht-französischen Völker mehr oder weniger bösartig karikiert werden - mit Ausnahme des einen, von dem schon Voltaire wußte, daß es nicht kritisiert werden darf) durch humorvolle Texte mit aktuellen politischen Anspielungen; dadurch ist er bei der Vermarktung ungleich erfolgreicher als seine Vorgänger.
Ferner übernimmt Kauka aus "Pilote" die - ebenfalls von Uderzo gezeichneten - Geschichten um die Luftwaffen-Piloten "[Michel] Tanguy" und "[Ernest] Laverdure", die er in "Rolf und Miki" umbenennt und zu deutschen Luftwaffen-Piloten macht.


1966
Mai: Als Antwort auf die US-amerikanische Comic-Serie "The Flintstones" (in Deutschland "Familie Feuerstein") bringt Kauka "Die Pichelsteiner" auf den Markt, deren Gestaltung er dem jungen Italiener Riccardo Rinaldi (1945-2006) überträgt, der erst seit dem Vorjahr für den Verlag arbeitet; seine Steinzeitmenschen laufen der US-Konkurrenz im deutschen Sprachraum schnell den Rang ab** und werden zu einer von Kaukas wichtigsten Eigenproduktionen.



Juni: Goscinny veranlaßt Uderzo, Kauka keine Lizenzen für weitere Ausgaben von "Asterix + Obelix" mehr zu erteilen mit der - objektiv betrachtet völlig unhaltbaren - Begründung, dessen Texte seien "anti-semitisch".
Kauka reagiert, indem er als Gegenentwurf zu den beiden Galliern die Germanen "Fritze Blitz" und Dunnerkiel" kreiert, deren Geschichten ebenfalls unter römischer Besatzung spielen, den Machwerken von Uderzo und Goscinny aber haushoch überlegen sind, so daß die beiden letzteren in den nächsten Jahren in Deutschland kein Bein mehr auf den Boden bekommen. (Ihr Versuch, Kauka "Fritze Blitz + Dunnerkiel" gerichtlich als "Plagiate" verbieten zu lassen, scheitert kläglich.)
Die beliebtesten Einzelfiguren bleiben Lucky Luke und der - zum "rasenden Reporter" umfunktionierte Lupo.



August: Kauka beendet die Zusammenarbeit mit Pabel und wechselt zur Schweizer Gevacur AG.
September: Kauka benennt "Lupo modern" in "Tip Top" um und übernimmt weitere Comic-Geschichten aus "Spirou" in Lizenz.
Dazu zählt u.a. "Le vieux Nick et Barbe-Noire" (gezeichnet von Marcel Remacle), das in Frankreich zunächst verboten wurde. In Deutschland wird "Der Alte Nick und Schwarzbart der Pirat" dagegen zu einer der beliebtesten Comic-Serien überhaupt, die später auch von anderen Verlagen neu aufgelegt wird.****



Kauka übernimmt auch den von Leone Cimpellin gezeichneten - zuvor im italienischen Corriere dei Piccoli und im portugiesischen Jacto erschienenen - 5. Musketier "Gelsomino", den er in "Augustin" umbenennt.


1967
Juni: Kauka ersetzt das wöchentlich erscheinende Magazin "Tip Top" mit seinen Fortsetzungs-Geschichten durch ein monatlich erscheinendes Magazin mit abgeschlossenen Geschichten, das den Namen "Fix & Foxi Super Tip Top" erhält. Die Figuren aus "Tip Top" - vor allem "Lucky Luke", "Pit und Pikkolo" (und Kokomiko :-), "Fritze Blitz und Dunnerkiel" sowie "Die Pichelsteiner" - werden übernommen; daneben erscheint als Kuriosität ein Heft mit Abenteuern des "Raumschiffs Orion" aus der Science-fiction-Filmreihe "Raumpatrouille".

[1. Ausgabe]

November: Kauka bringt die Monats-Zeitschrift "Bussi Bär" für 3-8-jährige Kinder auf den Markt. Neben gezeichneten Geschichten enthält sie auch Lese- und Schreib-Übungen für Anfänger sowie Bastelanleitungen. Mit den von Neugebauer entwickelten Figuren (neben dem Titelhelden noch der blaue Hund "Bello", "Strubbelpeter" und "Schnatterliese") findet sie auf Anhieb großen Anklang; langfristig übertrifft der Verkaufserfolg sogar den von "Fix und Foxi".


1968
Nachdem Morris von "Spirou" zu "Pilote" gewechselt ist, nötigtveranlaßt Goscinny auch ihn, Kauka keine weiteren Lizenzen für neue "Lucky-Luke"-Abenteuer mehr zu erteilen.
(Die ständigen Stänkereien Goscinnys - nicht nur gegen Kauka - sorgen für Jahre langen Knatsch bei "Pilote"; am Ende wird Dargaud dem Stinkstiefel einen Tritt den Laufpaß geben. Mit ihm wird auch Uderzo gegangengehen.)
Kauka reagiert mit der Neuauflage älterer "Lucky-Luke"-Abenteuer aus "Spirou".
April: Kauka übernimmt - ebenfalls aus "Spirou" - die Figuren "Johan et Pirlouit" von Pierre Culliford ("Peyo") unter dem Titel "Prinz Edelhart [und Kukuruz]". Der Erfolg ist zunächst bescheiden.
Das ändert sich schlagartig, als Kauka "Edelhart"-Geschichten übernimmt, in denen als Nebenfiguren "die Schlümpfe" (im Original "Les Schtroumpfs") auftreten, blaue Zwerge, denen bald auch eigene Geschichten gewidmet werden, die Kauka z.T. neu zusammen stellt. Er verleiht den bis dahin anonymen Gestalten griffige Namen, die zu ihren Charakteren passen, und verhilft ihnen so zum Durchbruch im deutschen Sprachraum.


Auch Tom und Biber erhalten eine eigene Serie mit abgeschlossenen Geschichten.


1969
März: Kauka stellt - wie Disney - das Format seiner Comics auf Taschenbuch um; der Name lautet nun "Fix und Foxi Extra". Die Hauptfiguren bleiben die gleichen wie bei "Fix und Foxi Super Tip Top", das noch bis Band 35 nebenher- und dann ausläuft.

[Die 1. Ausgabe] [Die 'Skandal'-Ausgabe mit 'Bretzelburg']

Schon der 2. Band macht Skandal, da er die (im Original 1961-63 von André Franquin als "QRN sur Bretzelburg" verfaßte) Geschichte "QRN ruft Bretzelburg" mit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung enden läßt - was der neuen Regierung Brandt/Scheel, die eine Anerkennung der "DDR" als "zweiten deutschen Staat" betreibt, ganz und gar nicht in den Kram paßt.*****

[Ein Remake von 'Titusville' aus 'Tip Top'] [Die letzte Ausgabe 1986]

1970
Kauka übernimmt in Lizenz vom Dupuis-Verlag die Geschichten um "Tif & Tondu" (ursprünglich von Fernand Dineur gezeichnet, später von Willy Maltaite ["Will"] und vorübergehend auch von Remacle), die er in "Gin & Fizz" umbenennt. Wiewohl bereits in den 1930er Jahren entstanden, kommen sie damit erstmals auf den deutschen Markt.


1971
April: Kauka bringt mit "Prima" (ab Juni "Primo") wieder ein Magazin mit Fortsetzungs-Geschichten heraus, das 14-tägig erscheint und Taschenbuch-Format hat. Es enthält zunächst wieder die bewährten Figuren von Franquin (Pit und Pikkolo), Morris (Lucky Luke) und Rinaldi (Die Pichelsteiner), ferner von Hal Foster "Prince Valiant" (der in "Prinz Eisenherz" umbenannt wird).

[Prinz Eisenherz]

Juni: Kauka versucht sich auch an einem monatlichen Comic-Magazin für Erwachsene, das den Namen "Pip" erhält. Es kommt beim Publikum nicht an und wird nach 24 Ausgaben eingestellt.


Gleichzeitig versucht Kauka, mit "Pepito" ein deutlich billigeres Comic-Heftchen mit reduziertem Umfang in den Markt zu drücken. Auch dieses kann indes die hochgesteckten Erwartungen (es startet mit einer gedruckten Auflage von 600.000 Exemplaren, während sich die verkaufte Auflage von "Fix und Foxi" inzwischen auf gut 200.000 fast halbiert hat) nicht erfüllen und wird bald von wöchentlicher auf 14-tägige Erscheinungsweise umgestellt.

[1. Ausgabe] [Umstellung auf 14-tägig] [letzte Ausgabe]

Oktober: Kauka heiratet in 3. Ehe Dorothea Gräfin Stillfried und Rattonitz. (Die Ehe bleibt kinderlos; seine Frau verstirbt bereits dreieinhalb Jahre später.)

1972
April: Der Koralle-Verlag von Axel Springer bringt ein wöchentliches Comic-Magazin ("ZACK") auf den Markt, das ebenfalls belgische Lizenz-Ausgaben aus "Tintin" und "Pilote" verwendet. Kauka verliert Marktanteile.
Gleichzeitig verliert er seine wichtigsten Mitarbeiter, nachdem er sich mit Walter Neugebauer überworfen und am Ende sogar vor Gericht mit ihm auseinandergesetzt hat.******

1973
Januar: Kauka reagiert auf die Konkurrenz Springers, indem er "Primo" auf Magazinformat umstellt und die Lizenzausgaben aus Belgien durch solche aus dem spanischen Comic-Magazin "Trinca" und aus den australischen "Page Publications" ersetzt, die beim deutschen Publikum jedoch nicht besonders ankommen, wie "Kronan" (später durch die pseudo-spanischen Eigenproduktionen "Andrax" und "Capitan Terror" ersetzt) und "[Air] Hawk". (Die Pichelsteiner und Prinz Eisenherz bleiben und retten Kauka Reste seiner alten Leserschaft.)

[Kronan]

Dezember: Kurz vor Weihnachten bringt Kauka eine Zeichentrick-Verfilmung des (stark veränderten, u.a. durch Einfügung des blauen Hundes aus "Bussi Bär" :-) Grimm'schen Märchens "Frau Holle" in die Kinos - in Deutschland als Der Zauberstein, in Italien als "Maria d'Oro & Bello Blue". Der Film wird später auch in andere Länder exportiert, u.a. nach Frankreich, Argentinien und in die USA.
(Es ist dies eines der wenigen Grimm'schen Märchen, die nie von Disney verfilmt wurden. Es gab zwar zuvor schon einige deutschsprachige Verfilmungen - z.B. 1961 als "Frau Holle", mit der alternden Lucie Englisch in ihrer letzten Hauptrolle -, aber immer "nur" mit menschlichen Schauspielern und ohne den Text zu reimen.)

Angesichts rückläufiger Verkaufszahlen und zunehmender Anfeindungen durch politisch-korrekte Gutmenschen, denen seine Hefte zu "deutsch-national" und "anti-kommunistisch" sind, verkauft Kauka seinen Verlag an ein britisch-niederländisches Konsortium ("VNU") und emigriert in die USA. Er behält jedoch die Urheberrechte an seinen Figuren. Die Qualität sinkt bald ebenso wie der Absatz.

1974
Juni: "Petito" und "Primo" werden eingestellt.

1975
Dezember: Kauka heiratet in 4. Ehe Alexandra, geb. Stahl. (Diese Ehe hält, bis der Tod sie scheidet.)

1976
Die neuen Eigentümer von "Fix und Foxi" übernehmen in Lizenz die Kult-Serie "Tim und Struppi" (im Original "Tintin") des Belgiers Georges Remi (R.G., "Hergé"), die allerdings bereits seit 1967 im Carlsen-Verlag******* erschienen ist; da - anders als zu Kaukas Zeiten - auch der Text unverändert übernommen wird, hält sich der Erfolg in Grenzen. (Die Serie wird 1978 eingestellt.)
Kauka nimmt ein Angebot Springers an, Chefredakteur des kränkelnden Koralle-Verlags zu werden. Kauka versucht, "ZACK" mit den zuletzt bei "Primo" verwendeten Figuren wieder auf Zack zu bringen, scheitert damit jedoch erneut; er verläßt den Koralle-Verlag und kehrt in die USA zurück.
Dezember: Die Geschichten der "Schlümpfe" werden verfilmt und ein Kassenrenner in deutschen Kinos.

1979
Kauka stellt seine verlegerische Tätigkeit ganz ein.

1980
Kauka kehrt zu seinen Wurzeln zurück und schreibt den Roman "Roter Samstag: Oder, Der dritte Weltkrieg findet nicht statt". Er stellt die Abwehrbereitschaft der NATO gegen einen etwaigen Angriff des "Warschauer Pakts" massiv in Frage.


1982
Kauka gründet die Promedia Inc., eine Verwaltungsgesellschaft für seine Urheberrechte und Lizenzen.

1988
Kauka veröffentlicht "Luzifer. Roman einer Seelenwanderung". (Tatsächlich ist es eher ein Streifzug durch die Geschichte, der bisweilen an die Werke Joachim Fernaus erinnert.)


1994
Kauka läßt die Fix+Foxi-Serie einstellen und versucht, mit Hilfe der Eheleute Italiaander eine neue Comic-Serie aufzubauen. Der alte Erfolg stellt sich jedoch nicht mehr ein.

2000
13. September: Rolf Kauka stirbt in Thomasville.
Seine Witwe Alexandra versucht zunächst, die Promedia Inc. und damit das Lebenswerk ihres Mannes fortzuführen.

[Alexandra Kauka]

2002
Alexandra Kauka überführt die Promedia Inc. in ein Joint Venture mit der Andromeda G.m.b.H. von Michael Semrad, das zunächst "Kauka Promedia", später "Rolf Kauka Comics" genannt wird.

2005-2009
Im Tigerpress-Verlag erscheinen noch einmal monatlich Kauka-Comics auf Lizenz.

2009
Nach dem Tode Semrads wird "Rolf Kauka Comics" aufgelöst; Alexandra Kauka wurstelt noch etwas alleine mit der Promedia Inc. weiter; Tigerpress macht Pleite geht in Insolvenz.

2011
Der jüdische Schmierfink renommierte sephardische Romancier Antoine Buéno (angeblich ein Nachkomme des berühmten Verlegers Ephraim Ezechiel Bueno) beweist in seinem epochalen Werk "Le petit livre bleu [Das kleine blaue Buch]" unwiderlegbar, daß die Schlümpfe allesamt Nazis, Anti-Semiten und Rassisten sind. Diese Auffassung anzuzweifeln ist künftig gleichbedeutend mit der "Leugnung des Holocaust".


2014
Alexandra Kauka verkauft alle noch bei ihr liegenden Rechte an Kaukas Figuren an die Filmproduktionsgesellschaft "Your Family Entertainment AG", die "Fix-und-Foxi"-Filmchen für den Privatfernsehsender Super RTL produziert.


*Wer das erste Heft seinerzeit zum Preis von 90 Pf gekauft (oder Dikigoros' kostenlose Webseite zu diesem Thema gelesen :-) hätte und im März 2010 Kandidat beim RTL-Fernseh-Quiz "Wer wird Millionär?" gewesen wäre, hätte sein Geld gut angelegt gehabt. Dort lautete die 1-Million-Euro-Frage nämlich: "Welche Comic-Figuren erlebten als "Siggi und Babarras" ihre ersten Abenteuer?" Zur Auswahl standen: "Mickey Mouse & Goofy", "Asterix & Obelix", "Fix & Foxi" und "Tim & Struppi". Die Kandidatin wußte es nicht und traute sich auch nicht zu raten, verschenkte also den Hauptgewinn.

**Lediglich im Zeichentrickfilm gewinnen die Flintstones/Feuersteins auch in Deutschland eine gewisse Popularität, nicht aber als Druckerzeugnis.
Wenn hier und im folgenden vom "deutschen Sprachraum" die Rede ist, ist damit neben der BRD zunächst die "Republik Österreich" gemeint, wo die Kauka-Hefte in mehr oder weniger stark veränderter - zumeist gekürzter - Aufmachung erscheinen. In der "DDR" sind die Kauka-Produktionen verboten; für die Schweiz gibt es keine separate Ausgabe.

Als Kuriosität sei angemerkt, daß "Tom und Biber" sogar in Griechenland erscheinen, als "Tó[m]by".

***Der Koralle-Verlag übernahm für sein Comic-Magazin "ZACK" einige Geschichten unter dem anglisierten Namen "Mick Tangy", nämlich 1972-75 (1976 war Kauka dort Chef-Redakteur) und 1977-80; der Erfolg hielt sich in Grenzen.

****Zuletzt in den 1980er Jahren vom Bastei-Verlag, allerdings mit deutlich schwächeren Texten als bei Kauka. Die Texte waren allerdings nicht der Grund, weshalb die Serie in Frankreich verboten wurde, sondern... Darf Dikigoros vorab an das Verbot der Originalversion von Orwells Animal Farm in Frankreich erinnern? Es besteht bis heute fort, da es Napoleon, den Schweinebaron Kaiser und Nationalhelden der Franzosen verunglimpft. Und der Riesenzinken von "Schwarzbart" erinnerte halt allzu deutlich an Charly den Gallier, der damals Präsident der "5. Republik" war und ebenso wenig Spaß verstand wie seine muslimischen Freunde in Algerien, deren Glaubensbrüder später gegen bösartige Karikaturen-Zeichner sogar die Todesstrafe verhängen und vollstrecken sollten, auch wenn sie zufällig Napoleon Charly Charlie hießen - aber das ist eine andere Geschichte.
(Das Schwarzbart-Verbot bestand auch unter Charlys Nachfolger, dem jüdischen Rothschild-Banker Georg Goldappel, fort; es wurde erst aufgehoben, als der Markt für solche Erzeugnisse ohnehin so gut wie tot war.)

*****Dikigoros erwähnt das vor allem wegen des Gegensatzes zu früheren "politischen Unkorrektheiten" Kaukas: Nur ein Jahr zuvor hatte "Der Ochsenkrieg" zwar auch zu einem Wutgeheul im linken Blätterwald geführt, weil darin die "DDR" im allgemeinen und der brave Staatsratsvorsitzende Ulbricht ("Olberich") verunglimpft wurden; aber die nur 4 Hefte zuvor unverhohlen geübte Kritik an der Entwicklungshilfepolitik des damaligen Bundeskanzlers Kiesinger ("Kiessänger") wurde achselzuckend hingenommen, obwohl sie nach heutigen Maßstäben noch viel "unkorrekter" war: Wozu ist es gut, "widerlichen Menschenfressern", wie Schwarzbart die Eingeborenen einer imaginären Drittwelt-Insel nennt (sie heißen schon 1962 im belgischen Orignal "Akwabons", also "à quoi bon [wozu gut]?" :-) Geld in den Rachen zu werfen und den Häuptlingssohn"Prinzen", dessen Name so auffallend an Bhumipol, den Gottkönig von Thailand erinnert, mit einem Stipendium auf Kosten des deutschen Steuerzahlers an der Universität Bonn studieren zu lassen? So beschließen denn die klugen Reisenden, statt Entwicklungshilfe auf der Insel der Kannibalen "Kokibalen" zurück zu lassen, vielmehr den Schatz, den sie dort finden, mitzunehmen und sich von ihnen wie zum Hohn mit "gute Entwicklung!" zu verabschieden. (Es versteht sich fast von selbst, daß die später vom Bastei-Verlag unter dem Titel "Fauler Zauber auf der Goldfisch-Insel" heraus gegebene Neufassung einen verharmlosenden Text hat; auch die seit einigen Jahren verbotene [Schleich-]Werbung für Rauchwaren ist politisch-korrekt entfernt. Letzteres kann man zwar mit einem Hinweis auf das belgische Original-Titelbild erklären, nicht jedoch, daß die Eingeborenen nun nicht mehr schwarz sind, sondern ebenso schöne helle Haut haben wie die Titelhelden - die freilich gar keine mehr sind, denn der Titel lautet ja nicht mehr "Die Abenteuer des alten Nick", sondern "Schwarzbart der Pirat" :-)

[Wozu ist Entwickungshilfe gut?] [Die Kokibalen bitten zu Tisch] [Faule Zauber posthum]

"QRN ruft Bretzelburg" wurde 1987 vom Carlsen-Verlag neu veröffentlicht, in fast wörtlicher Übersetzung des belgischen Textes, also weder originell noch interessant. Dem Nachdruck 2003 hängte man gar noch eine 5-seitige Belehrung der Leser an, damit diese nur ja nicht an die "Wiedervereinigung" von 1990 dachten. Vielmehr sei das eine Anspielung auf den "Anschluß" der Ostmark an das Deutsche Reich 1938, die gegen den ausdrücklichen Willen von immerhin fast 1% der Bevölkerung erfolgte. Und überhaupt sei das belgische Original ja nur eine Wiederaufnahme von "Le sceptre d'Ottokar [König Ottokars Zepter]" aus der Reihe "Tintin"; und das sei wiederum gegen den Anschluß Albaniens an das böse, fascistische Italien Mussolinis gerichtet gewesen. Wer "König Ottokars Szepter" im Original gelesen hat, erkennt freilich schnell, daß die Geschichte nicht in Albanien spielt, sondern zwischen Rumänien und Bulgarien. (Die Anspielungen auf Siebenbürgen [Transsylvanien], Klausenburg und Tsar Boris sind eindeutig :-) Und wer Dikigoros' Webseiten über "König" Zog I von Albanien und Léon Degrelle - einschließlich der dort verlinkten Besprechung des in der BRDDR verbotenen Buches "Tintin mon copain" - gelesen hat, weiß überdies, daß 1. Mussolini Albanien erst im April 1939 besetzte und annektierte (der Abdruck von "Le sceptre d'Ottokar" im "Petit Vingtième" begann aber bereits im August 1938 :-) und daß 2. dem Autor Hergé - einem persönlichen Freund des Rexistenführers, was er freilich nach dem Krieg verschweigen mußte, um sich keinen Repressalien auszusetzen - eine Kritik der italienischen Politik ganz fern lag. Und 3. haben die beiden Geschichten bei genauer Betrachtung nicht viel mehr gemeinsam, als daß beide belgische Comics sind.

******Dieser Streit gehört in die Kategorie "unbegreiflich". Er entzündete sich ausgerechnet an der Frage, wem die Urheberrechte an "Winnetou" zustanden. Dabei war die Rechtslage - auch nach der Novellierung des Gesetzes über das geistige Eigentum ganz eindeutig: "Tom und Biber" hatte Neugebauer als Angestellter des Kauka-Verlags geschaffen, die Rechte daran gehörten also letzterem, ebenso diejenigen Winnetou-Hefte, die er für ihn gezeichnet hatte. Aber die zugrundeliegende Idee war seine eigene, denn er hatte schon 1937 in Jugo-Slawien - lange, bevor er für Kauka tätig wurde - "Winnetou"-Hefte heraus gebracht. Es gab auch keinen sonst keinen vernünftigen Grund, daß sich Kauka so darauf kaprizierte, schon gar keinen wirtschaftlichen: Er schwamm noch immer in Geld - was ganz zuletzt an "Winnetou" lag. Er hätte also gut auf ihn verzichten können - nicht dagegen auf den Zeichner von Fix und Foxi, Bussibär und Mischa, Tom und Biber. Zu allem Überfluß warb Neugebauer praktisch das gesamte Zeichenteam ab: seine Assistenten Gisela Künstner und Kurt Italiaander (die einander heirateten) und natürlich auch seinen Sohn Robert, der "Tom und Biber" mit gezeichnet hatte. Sie gründeten gemeinsam ein eigenes Zeichen-Studio und arbeiteten künftig für die Konkurrenz, d.h. sie zeichneten für den Ehapa-Verlag Mickymaus und Donald Duck (und für HaRiBo den "Goldbären" :-). Vlado Magdić, der 1956 zusammen mit Neugebauer aus Jugo-Slawien gekommen war, wird dessen Nachfolger als Chefzeichner, wandert später aber ebenso ab und zeichnet für Ehapa Disney-Figuren (und für das ZDF die "Mainzelmännchen" :-).
Später bereute Kauka das Zerwürfnis mit Neugebauer sehr. Als dieser 1992 starb, soll er 500 Rosen für dessen Sarg spendiert haben.

*******Der Carlsen-Verlag übernahm seit Ende der 1970er Jahre auch "Prinz Edelhart und Kukuruz" (als "Johann und Pfiffikus"), "Pit und Pikkolo" (als "Spirou und Fantasio") und "Gin und Fizz" (als "Harry und Platte").


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