Albert[o] Uderzo

(1927 - 2020)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1927
25. April: Alberto Alessandro Uderzo wird als Sohn italienischer Gastarbeiter in Fismes geboren.

1929
Die Uderzos ziehen nach Clichy-sous-Bois bei Paris - damals noch mehr französisch als afrikanisch.

[Karte]

1934
Die Uderzos erhalten die französische Staatsbürgerschaft; seitdem nennt sich Alberto "Albert".

1937
Albert beginnt, Comic-Geschichten nach seinem großen Vorbild Walt Disney zu zeichnen.

1939
September: Frankreich erklärt Deutschland den Krieg. Als noch unreifer, leicht von Greuelpropaganda zu beeinflussender Mensch lernt Albert schnell, les Boches [die Deutschen] zu hassen.
Der Boden dafür wurde sicher schon früher bereitet. Fismes liegt nur wenige Kilometer entfernt von Reims, der französischen Ikone anti-deutscher Propaganda-Lügen im und nach dem Ersten Weltkrieg. Die stärkste Festung Nordfrankreichs war 1914 von deutscher Artillerie beschossen worden; dabei war auch die Kathedrale getroffen worden und in Brand geraten. Ähnlich wie bei der Bibliothek von Löwen in Belgien - deren Zerstörung durch britische Artillerie den Deutschen in die Schuhe geschoben wurde - galt dies als "Beweis", daß les Boches es hauptsächlich auf das "Kulturgut" ihrer Feinde, nicht auf militärische Ziele abgesehen hätten. Alljährlich wurden in Reims umfangreiche Haß-Feiern veranstaltet. Die Renovierung der Kathedrale wurde absichtlich in die Länge gezogen. Als sie - 1927, im Geburtsjahr Uderzos, bereits wieder in Betrieb - im Oktober 1937 offiziell neu eingeweiht wurde, erschien Staatspräsident Lebrun persönlich, um gegen die Deutschen zu hetzen.

1940-44
In Frankreich werden vorübergehend fascistoïde überholte fragwürdige Werte wie "Arbeit", "Familie" und "Vaterland" aktuell; man besinnt sich wieder auf seine Verwandten.

[überholte Werte: Travail, Famille, Patrie]

1942
Albert besucht seinen Bruder Bruno, der in der Bretagne lebt. Angeblich kommt ihm schon früh die Idee, dort später mal eine Zeichentrick-Geschichte spielen zu lassen.*


1945-48
Uderzo kreiert diverse Figuren wie den gaskognischen Edelmann "Flamberge", den GiftzwergGrantler "Clopinard", "Arys Buck", den Ritter mit dem magischen Schwert, und seinen Sohn "Rollin", "Zidorc", den Affenmenschen, sowie "Belloy", den Unverwundbaren, die überwiegend im Magazin O.K erscheinen, aber keinen nachhaltigen Erfolg zeitigen.

[Clopinard] [Arys Buck]
[Rollin] [Belloy]

Bei "Arys Buck" taucht erstmals ein kleiner gallischer Krieger mit Flügelhelm auf - noch als Anti-Held.**

1948-49
Uderzo absolviert seinen Militärdienst.

1949
Uderzo wird Zeichner bei der Tageszeitung France Dimanche.

1951
Uderzo wechselt zu World Press, der Pariser Dépendance der belgischen Presseagentur International Press. Dort lernt er Jean-Michel Charlier kennen, der ihm neue Texte für die "Belloy"-Geschichten schreibt, der zum "Ritter ohne Rüstung" wird. Vier Ausgaben erscheinen als Beilage der Zeitung La Wallonie.


Uderzo lernt den zuvor von Disney abgewiesenen Comic-Freund René Goscinny kennen.

[Goscinny]

Mit ihm zusammen verfaßt er die Comic-Serie "Jehan Pistolet", von der bis 1952 fünf Episoden in Bonne Soirée, einer Beilage von Libre Belgique, erscheinen.


1953
Uderzo heiratet Ada, geb. Milani. (Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.)


1954/55
Fünf Episoden von Uderzos und Goscinnys Gemeinschaftsproduktion "Luc Junior" ("Tintin [dts.: Tim & Struppi]" von Hergé nachempfunden) erscheinen ebenfalls in Bonne Soirée.


Danach werden die beiden von Libre Belgique ausgebootet, das die Serie durch Michel Regnier ("Greg") und Max Mayeu ("Sirius") fortsetzen läßt. Uderzo lernt daraus, künftig besser auf seine Urheberrechte zu achten; er scheut sich auch nicht, diese gerichtlich geltend zu machen und wird im Laufe seines Lebens zu einem ausgemachten "Prozeßhansel".)

1956
Uderzo macht sich zusammen mit seinen Kollegen Goscinny, Charlier, Jean Hébrard und Jean le Moing selbständig und gründet die Presse- und Werbe-Agentur Edipresse & Edifrance.

1958
Uderzo und Goscinny bringen ihre Gemeinschaftsproduktion "Oumpah-Pah [die Rothaut]" - die seit Jahren "auf Halde" liegt, weil sie kein Verlag haben wollte - bei Tintin unter, dem von Raymond Leblanc heraus gegebenen - und hauptsächlich von Hergé gestalteten - Kult-Comic-Magazin.


ab 1959
gibt Edipresse & Edifrance das Comic-Magazin Pilote heraus, vordergründig als Plattform für die Abenteuer des Piloten Michel Tanguy von Uderzo und Charlier, tatsächlich aber vor allem für die neue, ausländer-(insbesondere deutsch-)feindliche Comic-Serie Obélix et Astérix" von Uderzo und Goscinny.

[Michel Tanguy in Pilote] [Obelix & Asterix - 1. Auftritt 1960 in Pilote]
1961/62
Auch die überarbeiteten Geschichten von "Jehan Pistolet" erscheinen - unter dem neuen Namen "Jehan Soupolet" - noch einmal in Pilote.
Ein Abklatsch Jehans erscheint 1967 noch einmal als Majestix-Neffe "Grautvornix" in "Asterix und die Normannen".


1963
Da der kommerzielle Erfolg von Pilote eher bescheiden ist (Goscinny ist bereits dabei, sich umzuorientieren; er verfaßt, zusammen mit dem Zeichner Jean Tabary, für die Zeitschrift Record die Abenteuer des Kalifen "Harun äl-Pussah" - dessen spätere Haupt- und Titelfigur, der "Großwesir Iznogoud", ein Plagiat von Remacles Pirat "Barbe Noire [Schwarzbart]" ist) wird das Projekt an den Dargaud-Verlag verkauft, der es mit dem Untertitel "Le journal d'Astérix et Obélix" (mit vertauschten Namen!) versieht und finanziell vorerst über Wasser hält. Goscinny wird als Chefredakteur übernommen; Uderzo zeichnet die Geschichten freiberuflich weiter.


1964
Uderzo vergibt die deutschen Lizenz-Rechte für "Astérix" und "Obélix" an Rolf Kauka, der sie in "Siggi" und "Babarras" umbenennt und die z.T. dümmlich-primitiven, z.T. volksverhetzenden Original-Texte von Goscinny durch humorvolle Texte mit aktuellen politischen Anspielungen ersetzt. In der Reihe "LUPO modern" gelingt den Galliern so der Durchbruch am deutschen Markt - wo sie bis heute populärer (und besser verkauft :-) sind als in Frankreich oder sonst irgendwo auf der Welt.


1966
Uderzo und Goscinny entziehen Kauka die Lizenz für "Astérix" und "Obélix" mit der vorgeschobenen Begründung, seine Texte seinen "anti-semitisch" - ein Vorwurf, der objektiv betrachtet völlig haltlos ist - und lassen es fortan in Disneys Comic-Illustrierte Mickyvision [MV] erscheinen.

[Der Kampf der Häuptlinge]
[Der Schuß mit dem Kürbis]

Diese Maßnahme erweist sich allerdings als Schuß mit dem Kürbis in den Ofen, da Kauka ein eigenes Konkurrenz-Produkt ("Fritze Blitz und Dunnerkiel") auf den Markt bringt, gegen das "Astérix" mit den langweilig übersetzten Texten von Goscinny in Deutschland vorerst kein Bein auf den Boden bekommt.


Uderzos Versuch, die beiden Germanen als "Plagiate" gerichtlich verbieten zu lassen, scheitert.

1967
Dargaud läßt Ray Goossens bei den - ebenfalls von Raymond Leblanc betriebenen - Belvision Studios einen Zeichentrickfilm auf der Grundlage von "Asterix der Gallier" produzieren.
Der Erfolg an den Kinokassen ist äußerst bescheiden; Uderzo verlangt - und erreicht - daraufhin die Vernichtung der so gut wie fertigen Filme "Die goldene Sichel" und "Der Kampf der Häuptlinge".

[Filmwerbung in Pilote] [Filmplakat] [Filmplakat]

1968
Auch der Belvision-Zeichentrickfilm "Asterix und Kleopatra" - diesmal von Uderzos persönlich gefertigt - gerät zum Flop.

1969
Als Pilote, "Astérix" und "Obélix" ihren 10. Geburtstag feiern (mit 10 Hinkelsteinen statt 10 Kerzen auf der überdimensionalen Torte :-) deutet nichts darauf hin, daß ihnen noch viele weitere Jahre beschieden sind.***


1970-73
"Astérix" und "Obélix" tauchen nur noch sporadisch in Pilote auf. (Die letzten Ausgaben erscheinen bereits mit dickem Trauerrand :-)


1973
Kauka verkauft angesichts zunehmender Anfeindungen durch politisch-korrekte Gutmenschen, denen er zu "deutsch-national" und "anti-kommunistisch" ist, seinen Verlag an ein britisch-niederländisches Konsortium und emigriert in die USA. Damit wird in Deutschland - dem wichtigsten Markt für Comics in Europa - doch noch der Weg frei für "Astérix" und "Obélix" à la Uderzo & Goscinny. Der Jubel im "kleinen gallischen Dorf" ist groß.


Der Ehapa-Verlag - bei dem auch die Disney-Produkte erscheinen - beginnt mit der Herausgabe der alten Serien als abgeschlossene Geschichten im Großformat. Besonders die Bände 2 ("Asterix und Kleopatra"), 5 ("Die goldene Sichel"), 6 ("Tour de France"), 7 ("Asterix und die Goten"), 8 ("Asterix bei den Briten"), 9 (Asterix und die Normannen), 12 ("Asterix bei den Olympischen Spielen"), 13 ("Asterix und der Kupferkessel"), 14 ("Asterix in Spanien") und 16 ("Asterix bei den Schweizern") werden Kult**** und entwickeln sich zu GoldsichelnKupfergruben.




1974
Uderzo, Goscinny und Dargaud gründen - zusammen mit Pierre Tchernia - die Studios Idéfix (benannt nach dem Hund von Obelix) und unternehmen einen weiteren Versuch, "Asterix" ins Filmgeschäft zu drücken, diesmal mit einer neuen (wahrscheinlich von Uderzos Bruder Marcel in Anlehnung an die Herkules-Sage geschaffenen) Geschichte abseits der bereits gedruckten Abenteuer: "Les 12 travaux d'Astérix [Die 12 Aufgaben des Asterix]". Noch vor Fertigstellung kommt es zum Bruch mit Dargaud; um die Urheberrechte an den diversen Comic-Figuren prozessieren die Beteiligten Jahre lang; am Ende obsiegt Uderzo.
(In anderen Prozessen ist Uderzo - der z.B. versucht, einen Alleinstellungsanspruch auf Comic-Figuren mit der Endung "-ix" durchzusetzen - meist weniger erfolgreich; lediglich einige kleinere Konkurrenten, denen der finanzielle Atem fehlt, um durch alle Instanzen zu gehen, kann er an die Wand drücken.)
Darüber gerät auch das Geschäft mit den gedruckten Ausgaben von "Asterix & Obelix" (die Arbeit an allen anderen Projekten hat Uderzo inzwischen eingestellt) in eine ernste Krise. Die ewigen Wiederholungen abgedroschener Themen ("Das Geschenk Caesars", Bd. 21), altbackene Indianergeschichten aus Nordamerika ("Die große Überfahrt", Bd. 22) und alberne Kapitalismus-Gesellschafts-Kritik ("Obelix GmbH & Co. KG", Bd. 23) reißen niemanden mehr so richtig vom HinkelsteinHocker.


1976
"Die 12 Aufgaben des Asterix" kommt in die Kinos - der Erfolg ist wiederum bescheiden.

1977
November: Uderzos Partner Goscinny fällt vom Arverner-Schild vom Wildschwein vom Pferd vom Ergometer ärztlichem Pfusch zum Opfer***** - Exitus.


Die Studios Idéfix werden 1978 geschlossen; der letzte von Goscinny geschriebene (24.) Band - "Astérix chez les Belges [Asterix bei den Belgiern]" - erscheint erst 1979.
(Diesen Prozeß verliert Uderzo - der die Episode nach Goscinnys Tod nicht zu Ende zeichnen wollte - gegen Dargaud, der auf die vertraglich zugesicherte Fertigstellung pocht.)


1979
Uderzo gründet mit seiner Tochter Sylvie (zu gleichen Teilen à 40%) und Goscinnys Witwe Gilberte (20%) den Verlag Albert René.
(Sylvie Uderzo übernimmt 1987 auch die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit; 1992 wird sie Hauptgeschäftsführerin.)

1980er Jahre
Uderzos neuer Verlag nimmt die nach Goscinnys Tod unterbrochene Herausgabe von Asterix-Geschichten wieder auf. Er bringt es noch auf vier Bände.

[Band 25] [Band 26] [Band 27] [Band 28]

1985
Uderzo wird zum Ritter ohne Rüstung der Ehrenlegion ernannt.


Im selben Jahr erscheint - ohne Autorenangabe, vermutlich von ihm selber verfaßt - die bebilderte Biografie "De Flamberge à Astérix" [dts. Ausgabe 1986 unter dem Titel "Uderzo - der weite Weg zu Asterix"].

1985-89
Aller guten Dinge sind drei: Im 3. Anlauf haben "Asterix & Obelix" in drei neuen - auf älteren Geschichten basierenden - Zeichentrickfilmen endlich Erfolg: "Astérix et la surprise de César" (1974/1985), "Astérix chez les Bretons" (1966/1986) und "Astérix et le coup du menhir" (1966/1989).


1989
Juli: Als in Frankreich der 200. Jahrestag des Sturms auf die Pariser Bastille (anklicken, liebe Leser, es lohnt sich!) gefeiert wird, gehen Astérix, Obélix u.a. Gallier als FackelträgerNudelholzträger[innen] der komischenComic-Revolution auf die Barrikaden in die Geschichte ein.

[Gemälde von Delacroix zur Revolution von 1830 - fälschlich, aber beharrlich der Revolution von 1789 
zugeschrieben] [Bonnemine mène le peuple (Gutemine führt den Pöbel)]
(Man beachte, daß die liderliche Freiheit oben ohne geht, während sich die züchtige Haufrau zugeknöpft gibt :-)

1991
Uderzos Schwiegersohn Bernard de Choisy veröffentlicht die Hommage "Uderzo-storix. L'aventure d'un gallo-romain".
Uderzo veröffentlicht seinen 29. Asterix-Band.

[Uderzo-storix] [Band 29]

1994
Ein weiterer Asterix-Zeichentrickfilm kommt in die Kinos: "Astérix et les Indiens" (basierend auf der Geschichte von 1975).


1996
Uderzo veröffentlicht seinen 30. Asterix-Band.

[Band 30]

Der Zeichentrickfilm "Astérix et les Vikings" (nach der Geschichte von 1967 - stark überarbeitet und dem "Zeitgeist" angepaßt) kommt in die Kinos.

ab 1999
Dank neuer Trick-Techniken können die Asterix-Geschichten nun auch mit menschlichen Schauspielern verfilmt werden; sie haben weltweit Erfolg.

[französisch] [englisch] [spanisch]

Notorische Berühmtheit erlangt vor allem der fette Gérard Depardieu in der Rolle des Obélix.

2001
Uderzo engagiert die Brüder Frédéric und Thierry Mébarki - Immigranten aus Marokko -, die alle weiteren Asterix-Bände für ihn zeichnen. (Offiziell schreibt und zeichnet er sie immer noch selber.) Die Kritik am 'neuen Asterix' ist verheerend.

2004
Uderzo wird der Max-und-Moritz-Preis des Comic-Salons Erlangen verliehen, den er ohne weiteres annimmt, obwohl Wilhelm Busch mittlerweile als "Anti-Semit" gilt - und sicher mit besseren Gründen als Rolf Kauka -, was ein bezeichnendes Licht auf Uderzos Motive beim Abbruch der Geschäftsziehungen mit letzterem wirft.


2006
Uderzo wird Ritter des Ordens vom niederländischen Löwen, jenes tapferen Tieres, das bekanntlich 1945 im Zeichen von Joch und Pfeilen (auf der abgebildeten Medaille linke Mitte der Randumschrift) die Festung Holland vom Hakenkreuz befreite - wie einst Asterix die Bretagne von den fascistischen Römern mit ihren Rutenbündeln nebst Liktorenbeil (leider nicht auch Frankreich, das diese bis heute in seinem offiziellen Staatswappen führt - als Symbole für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit :-).


(Während der Max-und-Moritz-Preis alle zwei Jahre im Dutzend billiger vergeben wird, wird diese Auszeichnung ausländischen Staatsbürgern nur selten zu Teil - sie ist eigentlich Niederländern und Israelis mit niederländischen Wurzeln vorbehalten. Im Falle Uderzos ist dies umso erstaunlicher, als er mit den Niederlanden so gut wie nichts zu tun hatte. Vielleicht las ein Kaaskopp Kindskopf Königskind besonders gerne seine Comics; oder man war einfach nur dankbar, daß er ausgerechnet die Batavier nie durch den Kakao gezogen hatte :-)

2007
Nach internen Streitigkeiten setzt Uderzo seiner Tochter Sylvie und seinem Schwiegersohn Bernard de Choisy bei Albert René den Stuhl vor die Tür. Warum er das noch tut, bleibt sein Geheimnis, denn...

2008
Uderzo und Anne Goscinny - die inzwischen ihre Mutter Gilberte beerbt hat - verkaufen ihre Albert-René-Anteile an den Verlag Hachette (dem Vernehmen nach für einen 8-stelligen Euro-Betrag).
(Sylvie Uderzo [be]klagt [sich] darob [bitterlich], verkauft jedoch 2011 - während sie noch gegen den Vater prozessiert - auch ihren Anteil an Hachette, das damit alleiniger Eigentümer wird.)
Uderzo veröffentlicht seine Memoiren unter dem Titel "Albert Uderzo se raconte" [dts. Übersetzung 2009 als "Uderzo erzählt sein Leben"].

[Buch]

2009
Astérix und Obélix feiern ihren 50. Jahrestag - zu dem ihnen nur noch Piraten gratulieren - notgedrungen "außer Haus".

[50 Jahre Asterix & Obelix] [Karikatur]
(Das Wortspiel - "anniversaire [Jahrestag]" reimt sich auf "corsaires [Piraten]" - läßt sich nicht ins Deutsche übertragen)

2013
Juli: Am runden 224. Jahrestag des Sturms auf die Bastille (s.o.) wird Uderzo von Präsident Hollande zum Offizier der Ehrenlegion befördert. Er revanchiert sich, indem er eine Ehrenerklärung für den letzteren abgibt, dem böswillige Kritiker unterstellt hatten, daß er ein "chasarischer Jude" sei.****** Uderzo bescheinigt ihm, daß er vielmehr ein ebenso reinrassiger Gallier sei wie Asterix.


(In den deutschen Medien wird dieser peinliche Unfug diese großherzige Erklärung tot geschwiegen mit dem barmherzigen Mantel des Schweigens verhüllt; vor allem in englisch-sprachigen Ländern verbreiten die jüdischen Monopol-Medien sie jedoch mit großer Genugtuung.)


2014
September: Nach fast 7 Jahren enden die Rechtsstreitigkeiten zwischen Uderzo und seiner Tochter durch beiderseitige Klagerücknahmen.
(Beide haben bis zuletzt an der Fiktion festgehalten, daß andere die Schuld an ihrem Zerwürfnis tragen: Uderzo gibt sie seinem Schwiegersohn, Sylvie den Rechts- und sonstigen Beratern ihres Vaters, von dem sie glaubt, daß er schon längst nicht mehr im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte ist. Sie bezeichnet die Jahre 2007-2014 in Anspielung auf die "7 mageren Jahre" des Alten Testaments als die "7 unglücklichen Jahre".)

[Sylvie Uderzo]

2015
Januar: Nach dem Überfall einer muslimischen Mörderbande auf die Pariser Redaktion des Satireblatts Charlie Hebdo - über den Dikigoros an anderer Stelle mehr schreibt - hängt sich Uderzo überraschend an die "Ich-bin-Charlie"-Kampagne.*******
(Dies erstaunt umso mehr, als Uderzo nicht nur selber gut Freund mit marokkanischen Muslimen ist, sondern auch kein besonders gutes Verhältnis zu C.H. hat, seit dort im Oktober 2012 eine geschmacklose Asterix-Parodie zur Legalisierung von Haschisch - unter Berufung auf den Zaubertrank der Gallier - erschienen ist. Der sonst so prozeßwütige Ehrenritter hatte jedoch darauf verzichtet, die Macher zu verklagen.)

[Moi aussi je suis un Charlie] [Legalisieren wir den Zaubertrank!]

Oktober: Die Deutsche Post AG - die ihren Sitz längst standesgemäß in der "Charles-de-Gaulle-Straße" hat - gibt aus unerfindlichem Anlaß Sondermarken mit Asterix und Obelix (und einem Wildschwein) zu je 62 Cents heraus.

[Markenset]
2020
24. März: Alberto Uderzo stirbt in Neuilly-sur-Seine.
Seine Hinterbliebenen sehen sich zu einer Erklärung veranlaßt, daß er entgegen anders lautender Behauptungen nicht an der durch den - angeblich - neuartigen Corona-Virus "Covid-19" ausgelösten Grippewelle gestorben ist, sondern an Herzversagen aus Altersschwäche.


*Wer nach einem realen Vorbild für "das kleine gallische Dorf" in Astérix sucht, dem empfiehlt Dikigoros einen Besuch in Guingamp.

**Der Wandel von Uderzos Helden-Bild ist psychologisch hoch interessant: Bis einschließlich Oumpah-pah sind seine Helden überwiegend große, breitschultrige Modell-Athleten, gegen die sich selbst der 1953 von Hansrudi Wäscher geschaffene germanische "Sigurd" wie ein schmales Handtuch ausnimmt. Bei "Asterix" tauchen diese Figuren zwar auch noch auf, jedoch in der Regel als Bösewichter, bestenfalls als Lachnummern, wie die Goten, die Normannen, die gedopten griechischen Sportler bei den Olympischen Spielen oder übereifrige römische Legionäre, die noch keine Erfahrung mit den neuen Helden haben, die nun klein und dickbäuchig sind, also die Antithese des herkömmlichen Ideals - der Satz "mens sana in corpore sano" wird bewußt lächerlich gemacht.

[Mens sana in corpore sano...]

Eine Abmilderung der Handlungsweise geht jedoch mit diesem körperlichen Wandel nicht einher - im Gegenteil: Die neuen Helden sind brutaler und primitiver als alles, was Uderzo oder andere Komiker vor ihm je geschaffen haben, und das wird uneingeschränkt bejaht, geradezu verherrlicht. Es fällt Dikigoros schwer, den Erfolg dieses neuen "Helden"-Bildes nachzuvollziehen; wer eine Erklärung hat, kann ihm ja mal mailen.

[Die neuen Helden]

Der Treppenwitz dieser Geschichte ist, daß Uderzo selber in seinen Memoiren 2008 den Geistern, die er rief, lautstark abgeschworen und eine französische Jugend beklagt hat, die körperlich verweichlicht, aber dafür in ihrem Verhalten umso primitiver und brutaler geworden sei. (Das jüdische Schmierenblatt äußerst seriöse Nachrichtenmagazin Der Spiegel beschimpfte bezeichnete ihn daraufhin als "erzreaktionären Schwadroneur". [Wie Dikigoros aus dem Umkreis von Uderzo erfahren hat, schmerzte ihn - einen begeisterten Auto-Sammler - vor allem die massenhafte Zerstörung von Autos bei den regelmäßig wiederkehrenden Krawallen in den Vororten von Paris, auch und besonders in Clichy. Obwohl Dikigoros keine Autos sammelt, kann er das irgendwie nachvollziehen - die vielfach verharmloste Gewalt gegen Sachen trifft immer Unschuldige, denn Sachen sind per se unschuldig; dagegen ist die ungleich mehr beklagte Gewalt gegen Personen leider nur zu oft begründet.]

***Dikigoros erinnert sich noch, wie er als junger Gymnasiast jede große Pause in der Bibliothek des - nur 50 m von seiner Schule entfernten - Institut français mit Comics verbrachte. Das nette alte Fräulein A. (so kam sie ihm jedenfalls damals vor - dabei zählte sie kaum über 40 Lenze :-) hatte ihm immer schon ein gutes Wörterbuch und den Band, an dem er gerade las, auf seinen Stammplatz gelegt, denn die Zeit war knapp, und er wollte doch besser Französisch lernen als die Romanistik-Professoren an der Universität B., von denen Madame R., die stellvertretende Institutsleiterin, stets nur verächtlich als "Idioten" und "Nichtskönnern" sprach, die sich zwar mit der Geschichte der französischen Grammatik und mit dem Rolandslied auskannten, aber nicht in der Lage waren, eine moderne französische Zeitung zu lesen und sich auch nie bei den allwöchentlichen Kinoabenden im KellerSouterrain des Instituts blicken ließen, wo man für wenig Geld die aktuellen französischen Filme mit Lino Ventura, Alain Delon oder Jean-Paul Belmondo sehen konnte. (Dikigoros war oft der einzige Deutsche dort, denn die franko-allemannische Freundschaft, die Adenauer und de Gaulle vollmundig verkündet hatten, stand praktisch nur auf dem Papier.)
Es gab damals schon die ersten französischen Bände mit abgeschlossenen Asterix-Geschichten - aber ausweislich ihres so gut wie neuwertigen Zustands las die kaum jemand, während die (belgischen :-) Bände mit "Tintin", "Lucky Luke", "Spirou" und "Fantasio" fast immer abgegriffen (und oft vergriffen, denn es war nicht nur eine Präsenz-, sondern auch eine Ausleih-Bibliothek) waren und bisweilen sogar neu angeschafft werden mußten. (Wohlgemerkt, dieses Desinteresse betraf nicht nur "Asterix"; es gab dort ganze Regale voll Büchern der "seriöseren" Art aus den 1930er bis 1960er Jahren, die noch nicht mal aufgeschnitten waren :-) Der einzige Asterix-Fan am Institut war J., der jüngste Hilfs-Dozent - aber den nahm niemand ernst. Er leistete seinen Wehrersatzdienst als Entwicklungshelfer in der französischen Kolonie Besatzungszone Nachbarregion Rheinland ab, um den Barbaren dort (die er ja schon aus "Asterix und die Goten" genau kannte :-) ein klein wenig Kultur der "grande nation" zu vermitteln. Er hatte schreckliches Heimweh nach seinem geliebten Besançon und fürchtete ständig, daß ihm der Himmel auf den Kopf fallen oder daß der düstere deutsche Rhein über seine Ufer treten und ihn mitsamt dem Französischen Institut verschlingen könnte.

[Bonn am Rhein - v.l.n.r.: Universitätsbibliothek, Institut français (im Hintergrund), Lese]

(Das mag Euch lächerlich erscheinen, liebe jüngere Leser, die Ihr die Geschichte Bonns nur noch aus dem Internet kennt, denn da findet Ihr nichts über jenen furchtbaren 8. Juli 1970, den J. mit erlebte und an den sich Dikigoros noch genau erinnert: Da war Bonn im wahrsten Sinne des Wortes der Himmel auf den Kopf gefallen; nach einem mehrstündigen Wolkenbruch stand die ganze Stadt unter Wasser; und obwohl das Institut français - anders als seine Nachbargebäude, die Universitäts-Bibliothek und die Lese - relativ weit vom Rheinufer entfernt stand, direkt an der Adenauer-Allee, war auch der Kinokeller voll gelaufen, und J. mußte helfen, ihn wieder herzurichten.)

****Nicht nur in Deutschland. Dikigoros hat die englische Übersetzung von Bd. 8 sogar in Indien entdeckt, wo man sich über die Karikaturen der verhaßten Briten köstlich amüsiert.

*****Der Arzt hatte Goscinny bei einer Routineuntersuchung zu lange auf dem Ergometer strampeln lassen, was das verfettete Herz des Nikotinisten und Alkoholikers nicht mehr aushielt.

******Daß Friedenreich Holländer Jude ist, wird er nicht ernsthaft bestreiten wollen. Für einen Juden ist es jedoch so ziemlich die schlimmste Beleidigung, als "Chasar" (d.h. Angehöriger eines Turkvolks) bezeichnet zu werden. Die offizielle jüdische Lesart ist, daß es überhaupt keine chasarischen Juden gibt; vielmehr seien alle Juden reinrassige Semiten. Das andere - u.a. von Arthur Koestler vertretene - Extrem besagt, daß alle "Aschkenasim" (Ostjuden) von eben jenen Chasaren abstammen, die irgendwann im Mittelalter zum jüdischen Glauben konvertiert seien, so wie andere Turkvölker zum Islam konvertierten. Gentechnische Untersuchungen scheinen die erstere Auffassung zu bestätigen; allerdings würde Dikigoros nicht ausschließen, daß diese von interessierten jüdischen Kreisen manipuliert worden sind. Die Wahrheit dürfte sein, daß es unter den Ostjuden auch - aber sicher nicht ausschließlich - konvertierte Chasaren gab.

*******An der Aussage "Moi aussi je suis un Charlie [Auch ich bin ein Charlie]" ist vordergründig so viel richtig, daß Pilote 1986 mit dem Magazin Charlie Mensuel (das allerdings nichts mit Charlie Hebdo zu tun hatte) fusionierte zu Pilote & Charlie, später Pilote Mensuel genannt; freilich gab es da längst keine Asterix-Geschichten mehr - Dargaud hatte Pilote nach dem Weggang Uderzos und Goscinnys 1974 in ein "Erwachsenen-Magazin" umgewandelt.

[Pilote & Charlie] [Pilote Mensuel]


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