"Ein Volk, welches seine heiligen Stätten
nicht verteidigt, ist nicht frei, soviel
es auch von Freiheit schwätzt!"

Menachem Begin

(1913 - 1992)

[Menachem Begin]
[Unterschrift]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

[Irgun]

1913
16. August: Menachem Begin wird als jüngstes Kind der Eheleute Ze'ev Dov und Hasia Begin in Brest-Litowsk (Russisch-Polen) geboren. [Die Juden im Tsarenreich leben ausschließlich im "Rayon", d.h. solchen Gebieten, die früher zum polnisch-litauischen "Iagiellonenreich" gehörten; im eigentlichen Rußland dürfen sie nicht siedeln.] Er wird streng orthodox erzogen.

1914-18
Im Ersten Weltkrieg wechselt die bedeutende Bug-Festung Brest wiederholt den Besatzer.

1919-23
Menachem besucht eine Jéder (fundamentalistische jüdische Religionsschule, einer muslimischen Koranschule vergleichbar) in Brest.

1921
Polnische Truppen besetzen Brest, das schließlich annektiert wird. Im neuen polnischen Staat werden die Juden - ebenso wie alle anderen Minderheiten - kulturell unterdrückt, z.T. auch politisch verfolgt. (Die Familie Begin bleibt jedoch weitgehend verschont, da der Vater mit dem Diktator Pilsudski persönlich bekannt ist.)

1922
Begin wird Mitglied im "HaShomer HaTzair [Jungvolk]", das zunächst eine überwiegend nationalistische, später eine mehr sozialistische Richtung vertritt.

1923-1931
Begin besucht ein polnisches Gymnasium in Brest.

1929
Begin verläßt "HaShomer HaTzair" und wird Mitglied in der militanten Trumpeldor-Jugend (B'rith Trumpeldor, kurz "Betar", benannt nach Josef Trumpeldor, dem Horst Wessel der Juden), der Nachwuchs-Organisation der 1925 von Wladimir Jabotinskij (1880-1940) gegründeten "Revisionistischen Partei", deren Uniformen, Fahnen, Gesänge und Umzüge zum Vorbild für die Hitler-Jugend in Deutschland werden.


1930
Bei einem Besuch Jabotinskijs in Brest lernt Begin diesen persönlich kennen und macht sich dessen politische Linie völlig zu eigen. Der aus Odessa stammende Journalist, Übersetzer und Schriftsteller Jabotinskij ist in vielerlei Hinsicht der geistige Erbe des Ungarn-Deutschen Theodor Herzl (1860-1904), der 1896 das Buch "Der Judenstaat" veröffentlicht hatte, in dem er propagierte, daß die Juden angesichts des zunehmenden Anti-Semitismus (vor allem in Frankreich - wo gerade die "Affaire Dreyfus" hohe Wellen schlug) Europa verlassen und sich eine eigene Heimstätte schaffen sollten, vorzugsweise in Palästina. Jabotinskij hatte 1920 aus Veteranen der "jüdischen Legion", die im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Briten gegen das Osmanische Reich gekämpft hatten in der Hoffnung, dafür eine Heimstatt in Palästina zu bekommen, die "Haganah [Schutzstaffel]" gebildet, die die jüdischen Siedler in Palästina gegen die muslimischen Pogrome - denen die Briten nicht entgegen traten - schützen sollten.


1931-1935
Begin studiert in Warschau Rechtswissenschaften.

1932
Begin wird Stabschef der "Betar".

1933
August: Der neue (seit Januar) deutsche Reichskanzler Adolf Hitler schließt mit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland das Ha'avara-Abkommen zur Förderung der von Großbritannien durch prohibitive finanzielle Hürden erschwerten Einwanderung deutscher Juden nach Palästina.

1936-39
Die Araber in Palästina führen einen Aufstand gegen die Briten, um diese zu zwingen, die weitere Einwanderung von Juden nach Palästina sowie den weiteren Landerwerb von bereits dort ansässigen Juden zu verbieten.

1937
Begin erhält die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.
Da die Haganah zunehmend von britischen Spitzeln unterwandert ist und ihre Schutzfunktionen nicht mehr wahr nimmt, sondern sich ebenfalls in vornehmer Zurückhaltung übt, spaltet sich eine Gruppe von dieser ab, die sich "Irgun Zwaï Lëumi [Volksbefreiungsarmee]" nennt, deren Anführer von Polen ausgebildet und ausgerüstet werden, wo sie auch Anhänger rekrutieren. Ihr Führer ist David Raziel.


1938
Auf einem Kongreß der "Betar" in Warschau ruft Begin zum Aufstand der Juden in Palästina gegen die britische KolonialMandats-Herrschaft auf, erntet damit jedoch nur Kritik in den eigenen Reihen.

1939
Januar: Jabotinsky legt den Vorsitz über die "Betar" nieder und mach Begin zu seinem Nachfolger.
April: Begin heiratet Aliza ("Ala") Arnold, die Tochter (nach anderen Quellen: Schwester) des Ortsgruppenleiters der Revisionistischen Partei von Drohobycz/Galizien. (Aus der Ehe gehen ein Sohn und zwei Töchter hervor.)
Mai: Der arabische Aufstand in Palästina endet mit einem Kompromiß ("White Paper [Weißes Papier]"): Großbritannien - das bereits zuvor den weiteren Landerwerb durch Juden de facto unmöglich gemacht hatte - beschränkt die Einwanderung von Juden auf nur noch je 15.000 Personen in den nächsten fünf Jahren; danach wird sie ganz verboten. Dafür werden verstärkt Araber aus den angrenzenden KolonienMandatsgebieten in Palästina angesiedelt.
August: Die "Irgun" beginnt mit Bombenanschlägen auf die Briten in Palästina.
Polen provoziert ein Bündnis zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjet-Union, die es mit britischer und französischer Hilfe zu besiegen hofft.
September: Großbritannien und Frankreich erklären dem Deutschen Reich den Krieg; die Immigration deutscher Juden nach Palästina wird mit sofortiger Wirkung verboten; in Großbritannien auf ihre Ausreise wartende deutsche Juden werden als "Angehörige einer feindlichen Macht" in KonzentrationsInternierungs-Lager gesteckt. Gleichwohl verkündet die "Irgun" einen Waffenstillstand mit Großbritannien für die Dauer des Krieges.
Oktober: Vor dem Krieg zwischen Polen, dem Deutschen Reich und der Sowjet-Union fliehen die Begins nach Wilna (Litauen).

1940
Februar: Großbritannien verbietet den Landwerb durch Juden in Palästina vollständig (Eine Diskriminierung, wie es sie nicht mal in "Nazi-Deutschland" gibt).
Juni: Von der "Irgun" spaltet sich eine Gruppe unter Abraham Stern ab, die den Waffenstillstand mit Großbritannien ablehnt und statt dessen einen Aufstand in Palästina befürwortet; sie nennt sich "Lochamei Herut Yisrael [Freiheitskämpfer für Israel]", kurz "Lehi".
Juli: Die Rote Armee besetzt mit deutschem und britischem Einverständnis Litauen.
September: Begin wird vom NKWD verhaftet.

1941
April: Begin wird wegen "anti-sowjetischer Spionage" zu acht Jahren zwangsarbeit verurteilt und nach Sibirien deportiert.
Mai: David Raziel und einige andere "Irgun"-Mitglieder geben sich dafür her, bei der Niederwerfung des anti-britischen Aufstands im Irāq mit zu helfen. Dabei fällt Raziel; sein Nachfolger wird Jakob Meridor.

1942
Februar: Abraham Stern wird von der britischen Geheimpolizei aufgespürt und erschossen.
Angesichts der kritischen militärischen Lage begnadigt Stalin die polnischen Gefangenen, die bereit sind, gegen die "Faschisten" zu kämpfen. Begin schließt sich der polnischen "Befreiungsarmee" an.
Mai: Angesichts des Vormarsches deutscher Truppen unter Feldmarschall Rommel in Nordafrika beschließen die Briten großzügig, jüdische Hilfe anzunehmen. Begin wird im Rahmen polnischer Verbände nach Palästina überführt, wo er als Sprachmittler für die polnische Armee arbeitet. Auch die dortigen jüdischen Siedler dürfen sich in der "Palmach" organisieren, um sich einer etwaigen deutschen Invasion zu widersetzen; ihnen wird dafür der Autononie-Status versprochen. In den USA fordert die "Jewish Agency" unter David Ben Gurion im "Biltmore-Programm" die Errichtung eines jüdischen "Commonwealth" in Palästina nach Kriegsende.

1943
Mai: Nachdem die deutschen Truppen in Nordafrika besiegt sind, denken die Briten gar nicht daran, ihre Versprechen gegenüber den Juden einzuhalten; "Lehi" und "Palmach", die aufgelöst werden sollen, gehen daraufhin in den Untergrund.
Oktober: Die Briten knüppeln eine Gruppe Juden nieder, die am "Yom Kippur [Tag der Sühne]" an der Klagemauer von Jerusalem einen Gottesdienst mit Hörnerklang ("Schofar") abhält - was seit 1929 verboten ist.
Dezember: Begin wird aus der polnischen Armee entlassen und zum neuen Führer der "Irgun" gewählt. (Meridor wird sein Stellvertreter.)

1944
Februar: Begin widerruft den Waffenstillstand der "Irgun" mit den Briten vom August 1939 und proklamiert die "Revolte" des "hebräischen Volkes". Die "Irgun" beginnt mit Bombenanschlägen gegen britische zivile Einrichtungen in Palästina; sie verschont jedoch militärische Anlagen, um die Kriegsanstrengungen der Briten gegen Deutschland nicht zu beeinträchtigen. Begin - auf den die Briten ein Kopfgeld von 10.000 Pfund (ca. 2 Millionen Euro nach der Währungsreform von 2002) aussetzen - operiert aus wechselnden Verstecken und versteht es als einziger höherer Funktionär der "Irgun", seinen Häschern zu entkommen.


November: "Lehi" gelingt es, Lord Moyne, den britischen Minister-Residenten für Palästina, zu töten. Daraufhin stellen sich die "Jewish Agency" und die "Haganah" auf die Seite der Briten bei der Verfolgung der Angehörigen von "Irgun" und "Lehi". Dabei tut sich besonders der spätere Bürgermeister von Tel Aviv, Teddy Kollek, hervor. Begin führt den Kampf gegen die "Haganah", um einen offenen Bürgerkrieg zwischen den Juden zu vermeiden, zunächst nur defensiv.

1945
Mai: Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und dem Ende der Kampfhandlungen in Europa verübt die Irgun auch wieder Anschläge auf britische Militäreinrichtungen.
November: Die "Haganah", die "Irgun" und die "Lehi" schließen sich zu einer gemeinsamen "Widerstandsbewegung [Tenuat Hameri]" zusammen.
Gemeinsam befreien sie jüdische Immigranten aus britischen Konzentrationslagern.

1946
Juni: Die Briten führen umfangreiche Razzien in ganz Palästina durch und stecken die zionistischen Führer in Konzentrationslager. Begin entkommt erneut und ruft zur Gründung eines unabhängigen jüdischen Staates in "Israel" auf.
Juli: Die "Irgun" sprengt das Hauptquartier der britischen Militärverwaltung im Jerusalemer Hotel "König David" in die Luft. Da die Briten eine vorherige Warnung und Aufforderung zur Räumung nicht ernst genommen haben, gibt es zahlreiche Tote, die dem Ansehen Begins und der "Irgun" in der veröffentlichten Meinung erheblich schaden.*


Die Briten verhängen daraufhin einen Boykott aller jüdischen Geschäfte in Palästina.**
August: Die "Haganah" distanziert sich von dem Anschlag auf das Hotel "König David"; die "Tenuat Hameri" zerbricht.

1947
April: Die UNO (Nachfolger des "Völkerbunds") gründet ein "Spezial-Kommitee für Palästina [UNSCOP]", das Vorschläge für dessen politische Zukunft erarbeiten soll.
August: Das UNSCOP schlägt eine Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen muslimischen Staat vor: Die Juden sollen die Osthälfte von Galiläa, einen schmalen Küstenstreifen am Mittelmeer und den nordöstlichen Teil der Negev-Wüste erhalten, die Muslime den Rest.


November: Die UNO-Vollversammlung nimmt den UNSCOP-Plan an; sowohl die Juden als auch die Muslime - die Palästina jeweils für sich alleine wollen - lehnen ihn ab, ebenso die arabischen Nachbarstaaten.
Dezember: Die Briten erklären, Palästina im Mai 1948 räumen zu wollen; unmittelbar darauf brechen Kämpfe zwischen Juden und Muslimen aus. Die "Jewish Agency" - auf deren Kommando die "Haganah" hört - wirbt nun wieder um Begins "Irgun".

1948
April: Die "Irgun" erobert den muslimischen Stützpunkt Deir Yassin. Bei den Kämpfen kommen auch "Zivilisten" ums Leben; die arabische Propaganda bauscht deren Tötung zu einem "ungeheuren Kriegsverbrechen" auf.***
5. Mai: Die "Irgun" erobert die Hafenstadt Jaffa als wichtigste Voraussetzung für eine Versorgung von Übersee und übergibt ihn der "Haganah".
14. Mai: Ben Gurion ruft den Staat "Israel" aus.
15. Mai: Die Briten räumen Palästina; sie übergeben alle militärischen Stützpunkte an die Muslime und überlassen ihnen auch die kriegsmäßig ausgerüstete "Arabische Legion", um den Judenstaat nieder zu kämpfen.
Juni: Die UNO erzwingt einen dreiwöchigen Waffenstillstand zwischen Juden und Muslimen in Palästina. In dieser Zeit rüsten die arabischen Nachbarstaaten - Ägypten, Jordanien und Syrien - ihre Truppen zur Invasion, während Ben Gurion sich darauf beschränkt, die "Haganah" in eine offizielle israelische Armee umzuwandeln, die künftig "Tzahal" genannt wird. Begin organisiert unterdessen einen Waffentransport auf dem Transporter "Altalena" aus Frankreich nach Israel.
20. Juni: Als die "Altalena" vor der Küste Israels auftaucht, läßt Ben Gurion - der fürchtet, daß Begin ihn mit Hilfe der dann bestens ausgerüsteten "Irgun" stürzen will - das Schiff unter dem Vorwand, keine "Verletzung des Waffenstillstands" zulassen zu wollen, von ihm ergebenen "regulären" Einheiten der Armee zusammenschießen und versenken; die resultierende Schwächung der israelischen Streitkräfte in den nachfolgenden Kämpfen nimmt er billigend in Kauf.
Juli: Nach Ablauf des Waffenstillstands geht der Krieg zwischen Juden und Muslimen weiter.
August: Der schwedische HanswurstPrinz Bernadotte, von der UNO zum "Friedensvermittler für Palästina" ernannt, präsentiert den genialen Vorschlag, den Staat Israel auf ein Drittel seines bisherigen Territoriums zu reduzieren, indem man Westjerusalem und den ganzen Negev an die Muslime gebe und Lydda, Haifa und Jaffa zu "freien Städten" mache.


September: Bernadotte fliegt nach Jerusalem, um sich für seine "Friedenstat" gebührend feiern zu lassen und wird - wahrscheinlich von Angehörigen der "Irgun" oder der "Lehi" - erschossen.

[ein Hanswurst reist nach Israel] [ein Hanswurst wird begraben]

Ben Gurion nimmt das Attentat zum VorwandAnlaß, die "Lehi" zu verbieten und Begin ultimativ zur Selbstauflösung der "Irgun" aufzufordern.
Begin erklärt daraufhin die Umwandlung der "Irgun" in eine politische Partei namens "Cherut".

1949
Januar: Bei den ersten Wahlen zur "Knesset" gewinnt die "Cherut"-Partei nur 12% der Abgeordneten-Mandate. Ben Gurion wird Ministerpräsident, Begin Oppositionsführer - eine Stellung, die er trotz immer wieder kehrender Wahlniederlagen 28 Jahre lang behauptet.
Januar-Juli: Nacheinander schließen Ägypten, der Libanon, Jordanien und Syrien Waffenstillstand mit Israel, das sie gleichwohl nicht als Staat anerkennen; insbesondere ist damit kein Friedensschluß verbunden. Immerhin hat Israel etwas mehr als das Gebiet behaupten können, das im ursprünglichen Teilungsplan der UNSCOP vorgesehen war, insbesondere einen Zugang zum westlichen Teil Jerusalems.


1952
Januar: Begin organisiert einen "Marsch auf Jerusalem", um dagegen zu protestieren, daß Ben Gurion den praktisch bankrotten Staat Israel mit Geldern aus der BRD, also "Nazi-Deutschland"****, sanieren will. Er beschimpft Ben Gurion als "Nazi-Freund", seine Regierung als "Tyrannei" und behauptet, er schäme sich, ein Jude zu sein - dies, wiewohl Ben Gurion versichert, daß er keinesfalls eine Versöhnung mit, sondern lediglich das Geld von den Deutschen wolle.
Februar-August: Begin reist hektisch durch die ganze Welt und versucht, die Regierungen Frankreichs, der USA, Kanadas, Mexikos, Brasiliens und Argentiniens zu einem Boykott deutscher Waren zu bewegen, damit die BRD die in Frage stehenden Zahlungen nicht aufbringen kann. (Das von den Alliierten systematisch ausgeplünderte Deutschland geht selber noch am Bettelstab; das "Wirtschaftswunder" hat noch längst nicht begonnen.) Er erntet jedoch nur warme Händedrücke und schöne Worte. Drei von ihm in Auftrag gegebene Attentate auf BRD-Kanzler Adenauer schlagen fehl.
September: Ben Gurion und Adenauer unterzeichnen, allen Anstrengungen Begins zum Trotz, das Zahlungsabkommen. In den folgenden Jahrzehnten wird Israel hauptsächlich mit deutschen Geldern (in der BRD als Wiedergutmachungs"-Zahlungen, in Israel als "Reparations"-Zahlungen bezeichnet) aufgebaut. Die aufblühende Wirtschaft verringert die Chancen der "Cherut"-Partei, mit Hilfe unzufriedener Wähler an die Macht zu kommen, erheblich.

1953
Begin veröffentlicht seine Kriegserinnerungen unter dem Titel "BeLeilot Levanim" (englische Übersetzung als "White Nights"; eine Übersetzung ins Deutsche hat Begin nie autorisiert).


1956
Oktober: Die Israelis versuchen, mit britischer und französischer Hilfe den von Nasser enteigneten Suez-Kanal zu erobern.
Sie müssen sich jedoch auf gemeinsamen Druck der USA und der UdSSR wieder zurück ziehen.

1958
Begin führt eine Kampagne gegen einen Gesetzentwurf der Regierung, wonach künftig jeder, der sich zur jüdischen Religion bekennt, ohne weiteres die israselische Staatsbürgerschaft erhalten soll.*****
(Nach traditioneller Auffassung - die sich Begin vehement zu eigen macht - kann Jude dagegen nur sein, wer seine jüdischen Gene von der Mutter ererbt hat.)
Das Gesetz wird jedoch gegen alle Widerstände verabschiedet.

1962
Begin unterstützt einen Gesetzentwurf, der das Halten von Schweinen - die ein gläubiger Jude ebenso wenig verzehren darf wie ein gläubiger Muslim - in Israel verbietet.
(Eine theoretische Ausnahme gilt für Orte mit überwiegend christlicher Bevölkerung - solche gibt es aber in Israel nicht.)
Das Gesetz wird angenommen und ist bis heute in Kraft.

1967
Juni: Im "6-Tage-Krieg" kommt Israel dem Versuch seiner arabischen Nachbarstaaten, "die Juden ins Meer zu werfen" erfolgreich zuvor. Die Golan-Höhen, Judäa und Samaria (mit dem Ostteil Jerusalems) sowie der Sinaï (mit Gaza) werden erobert.


1970
Februar: Nach einer Niederlage der israelischen Fußball-Nationalmannschaft gegen den VfL Borussia Mönchengladbach - dem als erstem Nazi-deutschen Verein die Gnade gewährt wurde, den geheiligten israelischen BodenRasen betreten zu dürfen - richtet Begin in seiner Eigenschaft als Oppositionsführer eine kleine Anfrage an die Regierung, was diese zu unternehmen gedenke, um künftig eine solche "nationale Schande" zu unterbinden. (Er erreicht, daß solche Spiele nie wieder statt finden.)


1973
September: Begin gründet zusammen mit General Ariel Scharon den "Likud"-Block, eine Koalition der "Cherut"-Partei mit kleineren, meist konservativen Parteien.
Oktober-November: Im "Yom-Kippur-Krieg" kann sich Israel - wiewohl von den USA im Stich gelassen - erneut gegen seine arabischen Nachbarstaaten behaupten. Dennoch geht es in den nächsten Jahren mit Israel politisch und vor allem wirtschaftlich bergab. Die Unzufriedenheit im Lande wächst; die Zuwanderungsquote sinkt erheblich unter die Auswanderungsquote.

1975
November: Die UNO-Vollversammlung - deren Mehrheit längst von islamischen oder von arabischem Erdöl abhängigen Kleinstaaten gebildet wird - verurteilt den Zionismus als "Rassismus".
Nach der Wahl des Ex-U-Boot-Offiziers und Erdnußfarmers Jimmy Carter zum US-Präsidenten stellen sich auch die USA offen auf die Seite der Araber, insbesondere der Palästinenser unter Arafat, dem Führer der terroristischen "PLO", und zwingen Israel zunächst, strategisch wichtige Teile des Sinaï ohne Gegenleistung zu räumen.


1976
Juni/Juli: Besonders erbost sind "Peanuts" und seine Komplizen, als Israel es wagt, die (überwiegend jüdischen) Passagiere einer von palästinensischen Terroristen nach Entebbe/Uganda entführten Maschine der Air France durch ein Kommando-Unternehmen gewaltsam zu befreien und dadurch ihren dicken Freund, den braven Idi Amin, vor den Kopf zu stoßen.

[Carters Freund Idi Amin]

1977
Mai: Nach einer Reihe von Korruptions-Skandalen in der Regierung (Jadlin, Ofer, Rabin) ist die "Arbeiter"-Partei derart diskreditiert, daß der Likud-Block erstmals die Parlaments-Wahlen gewinnt - mit den Wahlsprechen, keine weiteren Gebiete zu räumen und die Anlage neuer jüdischer Siedlungen in Judäa, Samaria und dem Gaza-Streifen nach Kräften zu fördern. Begin wird Minister-Präsident.

1978-79
Unter dem Druck der USA gibt Begin den Sinaï an Ägypten zurück und läßt alle jüdischen Siedlungen zwangsräumen, ohne andere Gegenleistung als ein wertloses Stück Papier, das als "Friedensvertrag" bezeichnet wird. Wie zum Hohn verleiht man ihm - und seinem ägyptischen Gegenspieler Sadat - dafür den "Friedensnobelpreis". (Sadat wird wenig später ermordet; seine Nachfolger führen die Unterstützung der Palästinenser unverändert fort. Der "Friedensnobelpreis" wird später auch dem Massenmörder Arafat verliehen.)

[Land für Frieden - Karikatur]

1981
Unter dem Eindruck von Begins Verrat an seinen alten Idealen und dem Bruch all seiner Wahlkampfversprechen zerbricht der Likud-Block.
Juni: Um wenigstens an den anderen Fronten zu retten, was noch zu retten ist, läßt Begin das zur Herstellung von Atombomben errichtete irakische Kernkraftwerk in Osirak durch die israelische Luftwaffe zerstören.
Der erfolgreiche Schlag bringt ihm genügend Popularität ein, um die Wahlen auch ohne den "Likud" zu gewinnen.

1982
Nachdem syrische Truppen in den Libanon einmarschiert sind und beginnen, die dortige christliche Minderheit auszurotten, läßt Begin den Süden des Landes von der israelischen Armee besetzen und einen "Schutzzone" einrichten; die "Weltöffentlichkeit" läuft Sturm gegen diesen "Akt israelischer Aggression" und bauscht Kämpfe zwischen christlichen libanesischen Milizen und palästinensischen Terroristen"Zivilisten" in zwei südlibanesischen "Flüchtlings"-Lagern zu einem neuen Fall "Deir Yassin" auf, den Israel nicht verhindert habe.

1983
Mai: Die USA zwingen Begin, auch mit der syrischen Marionetten-Regierung des Libanon ein "Friedens"-Abkommen zu schließen, welches das Papier nicht wert ist, auf dem es gedruckt ist.
Juli: Israel zieht seine Truppen ohne Gegenleistung ab; Libanon wird de facto von Syrien annektiert.
September: Begin, politisch frustriert und gesundheitlich am Ende, tritt als Ministerpräsident ab und zieht sich ins Privatleben zurück.

1992
9. März: Menachem Begin stirbt in Tel Aviv.


*Später behauptet Begin - wenig glaubhaft -, mit dem Anschlag nichts zu tun gehabt zu haben; dieser sei vielmehr allein das Werk der "Lehi" gewesen.

** Entgegen anders lautenden Behauptungen ist dieser Boykott in keiner Weise mit dem Boykott jüdischer Geschäfte vom 1.-4. April 1933 in Deutschland zu vergleichen, zu dem Goebbels aufgerufen hatte, als "Vergeltung" für die Kriegserklärung des World Jewish Congress, der zuvor zum weltweiten Boykott deutscher Waren aufgerufen hatte. Wer diesen Aufruf ignorierte - wie die meisten Deutschen, die das für einen Aprilscherz hielten -, dem geschah nichts. Beim britischen Boykottaufruf vom Juli 1946 handelte es sich dagegen um einen Befehl des Oberkommandierenden der britischen Streitkräfte in Palästina, General Barker; wer gegen ihn verstieß, dem drohte die standrechtliche Erschießung, ebenso allen Juden, welche die gleichzeitig gegen sie verhängte Ausgangssperre mißachteten.

***Als solches geistert Deir Yassin bis heute durch die Geschichts- und Märchen-Bücher nicht nur der muslimischen Welt, sehr zum Leidwesen der Juden. Man darf jedoch nicht übersehen, daß die Araber dabei exakt dem gleichen Strickmuster - Deklarierung militärischer Ziele zu "friedlichen Dörfern", militärischer Kämpfe zwischen Bewaffneten zu "Überfällen auf die unschuldige/wehrlose Zivilbevölkerung", Erhöhung der "Opfer"-Zahlen durch Anhängen mehrerer Nullen - folgen wie es jüdische u.a. Propagandisten taten, als sie Orte wie Guernica, Lidice oder Kalávrita zu ähnlichen Zwecken mißbrauchten. Bei den "Zivilisten" von Deir Yassin handelte es sich um Partisanen, die ohne Uniform kämpften, also nach geltendem Kriegsrecht aller Nationen der sofortigen standrechtlichen Erschießung unterlagen. Die angebliche "Ausplünderung" von Deir Yassin bestand darin, daß die "Irgun" riesige Mengen von Waffen und Munition erbeutete, die sie verständlicher Weise nicht zurück lassen wollte.

****Für Begin waren erklärtermaßen alle Deutschen "Nazis". Er begründete dies damit, daß sich die überwältigende Mehrheit der Deutschen in demokratischen Wahlen für Hitler ausgesprochen habe. Sein Haß speiste sich aus der Überzeugung, daß alle seine Verwandten von "den Nazi-Deutschen" ermordet worden seien. Sicher ist das durchaus nicht - ebenso gut könnten sie Sowjets, Polen oder Litauern zum Opfer gefallen sein -; dieser Frage im Wege seriöser Forschung nachzugehen gälte jedoch als politisch inkorrekt und wäre wohl aussichtslos, zumal abweichende Ergebnisse schwerlich veröffentlicht werden dürften.

*****In israelischen Ausweispapieren ist - ähnlich wie in sowjetischen - neben der Staatsbürgerschaft und unabhängig von dieser auch die Nationalität verzeichnet.


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