"Kwame Nkrumah"

[Francis Nwia-Kofi Ngonloma]

(1909 - 1972)

[Kwame Nkrumah im Mao-look]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1909
21. September: Francis Nwia-Kofi Ngonloma wird in Nkroful (Goldküste) geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts Verläßliches bekannt.
Die Briten hatten die Niederlassungen, welche andere europäische Mächte (Portugal, Niederlande, Schweden, Dänemark, Brandenburg) im 17. und 18. Jahrhundert an der - überwiegend von Ewe und Fanti (zu denen Ngonloma zählt) besiedelten - Küste errichtet hatten, im 19. Jahrhundert übernommen und diese 1874 zur "Kronkolonie" erklärt. Dieser hatten sie 1901 das fünf Jahre zuvor eroberte Reich der Ashanti (die wie die Fanti ein Akan-Volk, aber dennoch deren "Erbfeinde" sind) als "Protektorat" und die hauptsächlich von muslimischen Nomaden besiedelten "Nördlichen Territorien" hinzu gefügt.

[Völker und Stämme in Ghana] [Kakaoanbaugebiete in Ghana]

Außer von der Goldförderung (die Vorkommen bei Obuasi zählen zu den größten Afrikas) lebt das Land vor allem vom "schwarzen Gold" - was seit dem späten 19. Jahrhundert nicht mehr die früher von den Ashanti gefangenen und verkauften Sklaven sind, sondern Kakaobohnen.

[Ashanti Bitterschokolade]

1919
Nach dem Ersten Weltkrieg kommt noch die - ebenfalls überwiegend von Ewe bewohnte - Westhälfte des ehemaligen deutschen Schutzgebiets Togo als britisches "Völkerbund-Mandat" dazu.

1935-45
Ngonloma geht in die USA. Mit einem Stipendium der britischen Kolonialmacht studiert er zunächst in Pennsylvania - entgegen seinen späteren Behauptungen nicht an der Lincoln-Universität, sondern an der Oxford-Universität, einer Neger-Hochschule. Er wird Mitbegründer und Vorsitzender der Organisation afrikanischer Studenten von Amerika. Entgegen seinen späteren Behauptungen wird er danach nicht Lektor für Politologie an der Lincoln-Universität, sondern geht nach England. In Manchester organisiert er einen "pan-afrikanischen Kongreß", der die Dekolonisierung Afrikas fordert. Verläßliche Daten gibt es auch über diesen Lebensabschnitt nicht.

1945
Ngonloma kehrt an die Goldküste zurück, wo er zunächst mit dem Nationalistenführer James Danquah zusammen wirkt.

1946
Die Briten geben der Goldküste eine Verfassung, welche die Übernahme der Regierung durch Eingeborene vorbereiten soll: Ein "Gesetzgebender Rat" wird gebildet, der von Häuptlingen der größten Negerstämme beschickt wird. (Die Nomadenstämme des Nordens bleiben unberücksichtigt.)

1947
Danquah und Ngonloma gründen die "Vereinigte Goldküsten-Konvention (UGCC)".

1948
In der Hauptstadt Accra eskalieren gewalttätige Demonstrationen zum Aufstand gegen die Briten, der jedoch nieder geschlagen wird.

1949
Ngonloma gründet die "Konventions-Volkspartei (CPP)", die nach dem Vorbild der in England regierenden sozialistischen "Labour Party" auch eine eigene Gewerkschaft (TUC) einschließt.

1950
Ngonloma organisiert mittels der TUC einen Generalstreik und wird daraufhin von den Briten verhaftet. Diese entziehen ihm jedoch nicht das passive Wahlrecht, sondern lassen zu, daß er für die Parlamentswahlen im nächsten Jahr kandidiert.

1951
Februar: Nachdem die CPP die Parlamentswahlen gewonnen hat, entlassen die Briten Ngonloma aus der Haft und machen ihn zum "Regierungschef" der Kolonialregierung.

1954
Die Goldküste erhält eine neue Verfassung, mit der die Direktwahl eingeführt wird.
Ngonloma gewinnt erneut die Parlamentswahlen und wird zum "Premierminister" ernannt. Bereits in dieser Fase beginnt er, sich seiner wichtigsten Nebenbuhler zu entledigen und die Diktatur vorzubereiten.

1956
Im Ashanti-Gebiet bildet sich als Opposition zu Ngonloma eine "Nationale Befreiungsbewegung (NLM)"; es kommt zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen.


Die Briten veranstalten erneut Parlamentswahlen. Trotz Wahlkampfhilfe durch den populären afro-amerikanischen Musikanten Louis Armstrong erhält Ngonlomas CCP im Ashanti-Gebiet nur ein Drittel der Wählerstimmen. Dennoch halten die Briten an ihm fest, ebenso daran, die sechs verschiedenen Völker der Kolonie zu zwingen, in einem "gemeinsamen" Staat zusammen zu leben - eine Kardinalsünde der "Dekolonisierung", die den schwarzen Kontinent bis heute nicht zur Ruhe kommen läßt und regelmäßig zu "Bürger-"(richtig: "Stammes-")Kriegen führt.

1957
6. März: Großbritannien entläßt die Goldküste unter dem Namen "Ghana"* in die - politische - Unabhängigkeit.
Ngonloma nimmt den Namen "Kwame Nkrumah" an und nennt sich fortan Osagyefo ("siegreicher Führer", im Ausland meist fälschlich als "Premierminister" übersetzt); von seinen Anhängern läßt er sich auch als "Junior Jesus [J.J.]" bezeichnen.


Seine erste Regierungsmaßnahme ist der Erlaß eines Gesetzes gegen den "Tribalismus", um alle Völker und Stämme des Landes gleich zu schalten und ihre Autonomie-Bestrebungen zu unterdrücken. Insbesondere die diskriminierten Ewe streben eine Abspaltung der östlichen Volta-Region und deren Anschluß an Togo an.

1960
Juli: Nkrumah erklärt Ghana zur "Republik" (er meint damit das, was anderswo "Volksrepublik" genannt wird) und sich selber zum Präsidenten. Dann macht er sich an den "Aufbau des Sozialismus": Verbot aller Parteien außer seiner eigenen, Verstaatlichungen, Ausbau der Schwerindustrie zu Lasten der Landwirtschaft usw. Binnen weniger Jahre ruiniert er das einst reiche Land** und macht es völlig abhängig von ausländischen Importwaren, die überwiegend auf Pump oder mit Geldern aus der Entwicklungshilfe gekauft werden. (Bei beiden Finanzierungsformen tut sich neben Großbritannien die BRD besonders hervor. Jahrzehnte später erläßt sie Ghana die Schulden ohne Gegenleistung.)

1961
Nkrumah wird in Washington vom neuen Mafia-US-Präsidenten John F. Kennedy und vom schwarzen HaßpredigerMenschenfreund 'Martin Luther' King empfangen.


1963
Nkrumah macht Ghana zum Gründungsmitglied der kriminellen VereinigungOrganisation Afrikanischer Einheit ("OAU"), die bald allgemein als "Klub der Diktatoren" bezeichnet wird.

1964
Nkrumah erklärt sich zum "Präsidenten" auf Lebenszeit.

1966
Nkrumah unternimmt einen Staatsbesuch bei seinen asiatischen Freunden in Rotchina und Nordvietnam.
Seine Abwesenheit nutzt die Armee unter dem Ewe-General Kotoka zu einem Staatsstreich. Nkrumah geht ins Exil nach Guinea.

1967
April: Kotoka wird bei einem - wahrscheinlich von Nkrumah inszenierten - Putschversuch der Armee getötet; der Putsch schlägt jedoch fehl.

1972
Januar: Der Ashanti-General Acheampong putscht sich an die Macht; an eine Rückkehr Nkrumahs ist nicht mehr zu denken.
April: Nkrumah begibt sich zu einem Besuch seines Freundes Ceauşescu nach Rumänien.
27. April: Kwame Nkrumah stirbt in Bukarest.

* * * * *

Posthum verklärt sich Nkrumahs Andenken als erster Regierungschef eines der ersten "unabhängigen" Staaten Afrikas. Seine Leiche wird zurück nach Ghana gebracht; aus den reichlich sprudenden Geldern der "Entwicklungshilfe" - vor allem aus der BRD - wird ihm ein großkotzigesimposantes Mausoleum errichtet.


2004
Die Leser des Nachrichten-Magazins New Afrikan wählen den "größten Afrikaner des 20. Jahrhunderts". Auf die drei Spitzenplätze kommen so illustre Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Robert Mugabe und - Kwame Nkrumah. (Der Mulatte Jerry John Rawlings - Sohn eines Schotten und einer Ewe -, der den Saustall Ghana in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wiederholt ausgemistet und wieder halbwegs auf Vordermann gebracht hatte und danach freiwillig abgetreten war, kann sich nicht unter den ersten 100 plazieren.***)


2007
Anläßlich der für 'zig Millionen inszenierten Feiern zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Ghanas (die hauptsächlich vom Ausland finanziert werden) schreibt ein südafrikanischer Beobachter resigniert: "1957 hatte Ghana das gleiche Bruttosozialprodukt wie Südkorea.**** Aber während inzwischen Autos, Kühlschränke und Fernseher aus Südkorea zunehmend US-amerikanische, europäische und japanische Produkte vom Weltmarkt verdrängen, hat Ghana dort nach wie vor nichts anzubieten als Rohstoffe."

2008
Kofi Buenor Hadjor veröffentlicht "Nkrumah und Ghana". Er gelangt zu dem Schluß, daß Nkrumah zwar mit all seinen Experimenten gescheitert sei, daß dies aber unvermeidlich gewesen sei, weshalb es gelte, ihm nachzueifern.

[das kann ja nicht mal der dümmste Affe glauben!]


*Nach einem legendären Reich in der heutigen Sahelzone, das mit der Goldküste überhaupt nichts zu tun hatte.

**Allen, die es interessiert, wie es in Ghana nach wenigen Jahren Nkrumah-Diktatur aussah, empfiehlt Dikigoros die Lektüre von Paul Theroux, My Secret History [dts.: Mein geheimes Leben], Buch IV, Kapitel 3. Theroux war wohlgemerkt kein "Rassist", sondern vielmehr ein bekennender "nigger lover", wie man das damals nannte. Er betrachtete Ordnung, Sauberkeit, Disziplin und Wohlstand, wie sie damals noch in den USA vorherrschten, als "unnatürliche Ausnahmen", und Unordnung, Schmutz, Korruption und Armut, wie sie in Schwarzafrika die Regel waren und sind, als völlig normal.

***Unter den ersten 100 plazieren sich aus Ghana noch der UNO-Bonze Kofi Annan, die Guerilla-Führerin Yaa Ashantiwaa, der Medizinmann Felix Konotey-Ahulu und der Fußballer Abedi Pele.

****2007 betrug das Bruttosozialprodukt Südkoreas 473 Milliarden US-$, das Ghanas etwas über 5 Milliarden US-$. Das soll sich jedoch nach wohlwollenden Prognosen bald ändern. Im selben Jahr entdeckten ausländische Prospektoren vor der Küste Ghanas große unterseeische Erdölvorkommen. Im Vorgriff darauf strich die Weltbank Ghana 2010 von der Liste der höchst verschuldeten und ärmsten Länder; daß die auf Ghana entfallenden Anteile an den Einnahmen aus dem Ölgeschäft fast ausschließlich auf den Auslandskonten einiger korrupter Negerhäuptlingeausgesuchter Staatsmänner und Spitzenpolitiker landen werden, wurde dabei geflissentlich ignoriert. Als großer Fortschritt wurde dagegen gefeiert, daß die "Kinderarbeit" auf den Kakao-Plantagen durch einen weltweiten Boykott beseitigt wurde - der zum Zusammenbruch der gesamten Kakao-Produktion in Ghana und zu einer Verdoppelung der Weltmarktpreise führte. Geflissentlich übersehen wurde wiederum, wo die Kinder nun statt dessen arbeiten: Sie sammeln Elektroschrott auf den Müllhalden des Landes, insbesondere in Agbogbloshie, einem Vorort der Hauptstadt Accra, der als Afrikas giftigste Mülldeponie gilt; Ghana erhielt anno 2009 den wenig schmeichelhaften Beinamen "Schrottplatz der Welt".

Nach dem ZusammenbruchZurückgehen der völlig überhöhten Ölpreise auf dem Weltmarkt wurde das - nun nicht mehr rentable - Projekt einer Ölförderung vor Ghanas Küsten eingemottet; die Entwicklungshilfe-Zahlungen, Bürgschaften und Kredite à fond perdu wurden wieder aufgenommen, wobei sich die BRDDR - sowohl direkt als auch indirekt über die Weltbank - besonders hervor tat und tut.


weiter zu Jomo Kenyatta

zurück zu Politiker des 20. Jahrhunderts

heim zu Von der Wiege bis zur Bahre