MILTON OBOTE

(1924 - 2005)

[Milton Obote]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1924
28. Dezember: Apollo Milton Opeto Obote wird in Akokoro als Sohn eines Lango-Häuptlings* geboren.
Uganda ist seit dem 19. Jahrhundert eine britische Kolonie, die hauptsächlich vom Baumwoll- und Kaffee-Anbau lebt und - nach einem Spruch Churchills - als "die Blume Afrikas" gilt.


1940-46
Obote besucht eine protestantische Missionsschule in Lira.

1946-48
Obote besucht eine Mittelschule in Gulu.

1948-50
Obote besucht ein College in Busoga.

1950-51
Obote besucht die Makerere-"Universität"** in Kampala, von der er wegen Aufmüpfigkeit relegiert wird. Er emigriert vorübergehend nach Kenya.

1956
Obote kehrt nach Uganda zurück und wird Mitglied des - 1952 als erster politischer Partei Ugandas gegründeten - "UNC [Ugandischer Nationalkongreß]", der für ein ungeteiltes, föderatives Uganda eintritt. (Anderen Konzepte sehen entweder einen zentralistischen Einheitsstaat vor - so die "DP [Demokratische Partei]" von Benedicto Kiwanuka - oder aber eine Teilung Ungandas entlang den völkischenethnischen Grenzen - so die bugandische "KY".)

1958
Obote wird Mitglied im "Legislativrat" Ugandas.***

1960
Obote gründet mit anderen Mitgliedern des UNC die Partei "UPC [Ugandischer Volkskongreß]".

1961
März: Bei Wahlen siegt die DP. Kiwanuka wird Regierungschef von Englands Gnaden.

1962
April: Bei neuerlichen Wahlen siegt in Buganda die KY, im Rest des Landes die UPC.
Obote wird Premierminister.
Oktober: Großbritannien entläßt Uganda in die Unabhängigkeit innerhalb des "Commonwealth", organisiert als Bundesstaat mit fünf Regional-Parlamenten und -Verwaltungen für die Bantu-Völker der Buganda, Bunyoro, Busoga, Ankole und Toro.

1963
Oktober: Obote kündigt die Mitgliedschaft Ugandas im "Commonwealth" und wirft den britischen Gouverneur hinaus.
Staatssoberhaupt ("Präsident") wird der Buganda-Häuptling ("Kabaka" - im Westen auch als "König" übersetzt :-) Mutesa.
November: Obote heiratet Miria Kalule. (Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor.)

1964
Obote beginnt mit der Verstaatlichung der Wirtschaftsbetriebe.

1966
März: Obote verhängt den Ausnahmezustand und erklärt sich selbst zum "Präsidenten".
Mai: Die Bantu-Staaten, allen voran Buganda, erklären ihre Sezession von "Uganda". Obote läßt den "Aufstand" - der immerhin vom legalen "Präsidenten" Mutesa und dem gewählten Parlament von Buganda ausgeht - in einem Blitzkrieg nieder schlagen. Dabei bewährt sich General Idi Amin (1928-2003), den Obote zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte macht. Mutesa flieht nach London, wo er drei Jahre später von Agenten Obotes - vermutlich mit stillschweigenden Einverständnis der britischen Regierung - er["selbst"]mordet wird.****

1967
Obote verkündet eine neue, zentralistische Verfassung. Die Regional-Parlamente und -Verwaltungen werden aufgelöst.
Obote schließt mit seinen Freunden Kenyatta und Nyerere eine "Ostafrikanische Wirtschaftsunion" zwischen Uganda, Kenya und Tanzania (die jedoch nur wenige Jahre hält).

1969
Obote verbietet politische Parteien und läßt deren Führer einkerkern.
Zugleich beginnt er - ähnlich wie andere Negerhäuptlingeschwarze Staatsmänner in den unabhängig gewordenen Staaten Afrikas - mit der Enteignung und Vertreibung der Europäer und Asiaten.


1970
Obote verstaatlicht die Banken und die größeren Privatunternehmen.

1971
Januar: Während sich Obote auf einer Auslandsreise in Südostasien befindet, wird er durch einen Putsch der Streitkräfte gestürzt; er geht ins Exil nach Tanzania.


Unter dem neuen "Präsidenten" Idi Amin werden Verwaltung, Wirtschaft und Militär von Angehörigen des Lango-Volks - aber auch der anderen Niloten-Völker - "gesäubert", die letzten Asiaten (zumeist indische Kleinhändler) enteignet und des Landes verwiesen.

1972
Obote versucht mit Hilfe tanzanischer Truppen eine Invasion Ugandas, die jedoch scheitert.

1978
Oktober/November: Zwischen Uganda und Tanzania bricht ein offener Krieg aus, in dessen Verlauf weite Teile Ugandas systematisch verwüstet werden.

1979
April: Tanzanische Truppen - die von ugandischen Deserteuren und ruandischen Söldnern unterstützt werden - erobern die [b]ugandische Hauptstadt Kampala. Idi Amin flieht ins Ausland (zunächst nach Libyen, dann nach Sa'udi-Arabien); den Zustand des Landes - das durch Obotes sozialistische Experimente und den Krieg völlig ruiniert ist - lastet man nachträglich ihm an.*****
Dezember: Die tanzanischen Truppen ziehen ab; sie hinterlassen ein Marionetten-Regime unter Godfrey Binaisa.

1980
Mai: Binaisa wird durch einen Militärputsch gestürzt.
Dezember: Bei Wahlen siegt - wahrscheinlich durch manipulierte Stimmenauszählung - der UPC. Obote wird erneut Präsident von Uganda.

1981-84
Gegen die Zentralmacht in Kampala erheben sich mehrere Provinzen. Obote läßt die "Aufstände" brutal nieder kämpfen; die Opfer gehen in die Hunderttausende und werden nachträglich mit auf das Konto Idi Amins gebucht.

1985
Juli: Obote wird erneut von seinem eigenen Militär gestürzt. Er geht wieder ins Exil, zunächst nach Kenya, dann nach Zambia, schließlich nach Südafrika. Aus den anschließenden Kämpfen zwischen den Völkern und Stämmen Ugandas (im westlichen Ausland fälschlich "Bürgerkrieg" genannt) geht Yoweri Museveni als Sieger hervor, der im folgenden Jahr Obotes Nachfolger wird und sich vorerst gegen die bald wieder ausbrechenden "Aufstände" in den Randprovinzen behaupten kann.

2004
Die Leser des ghanaïschen Nachrichtenmagazins New African wählen den "größten Afrikaner aller Zeiten". Die Spitzenplätze belegen die Terroristen Nelson Mandela (Südafrika), Kwame Nkrumah (Goldküste/Ghana) und Robert Mugabe (Rhodesien/Zimbabwe). Obote landet auf dem geteilten 46. Platz - zusammen mit dem nigerianischen Fußballer Jay Jay Okocha.

[Die größten Politverbrecher Afrikas]

2005
10. Oktober: Milton Obote stirbt in Johannesburg. Seine Leiche wird nach Kampala überführt; er erhält ein Staatsbegräbnis.


Die Stammeskämpfe in Uganda dauern - von gelegentlichen Waffenstillständen unterbrochen - noch immer an und haben inzwischen (seit dem Sturz Mobutus) auch auf den Nordosten des Nachbarlandes Kongo übergegriffen.


*Ugandas aus der britischen Kolonialzeit stammende Grenzen schließen zwei schwarze [Unter-]Rassen ein: südwestlich des Victoria-Nils die Bantu, nordöstlich die Niloten - zu denen auch das Volk der Lango gehört. Zwischen Bantu und Niloten herrscht Todfeindschaft. Idi Amin war Bantu, schien aber als Angehöriger der kleinen Kakwa-Minderheit in den Augen des Niloten Obote prädestiniert als Kollaborateur und Feigenblatt, das man gegen die größeren Bantu-Völker ausspielen konnte - die sich auch untereinander nicht immer grün waren. Insbesondere zwischen Buganda und Bunyoro herrschte seit je her Rivalität.

**Die Makerere-Universität wurde 1922 als Polytechnische Oberschule gegründet und 1938 zu einer Art Fachhochschule erweitert; obwohl sie seit 1950 auch "akademische" Abschlüsse vergeben durfte, war sie nie eine echte Universität. Ihr Bildungsniveau entspricht in etwa dem einer deutschen Gesamtschule.

***Der "Legislativrat" wurde 1920 eingerichtet; seine Mitglieder - zunächst nur Weiße, ab 1926 auch Inder, ab 1946 auch Neger - wurden von der britischen Kolonialverwaltung ernannt. 1958 wurden sie erstmals gewählt.

****Offizielle Todesursache: "Alkoholvergiftung" durch übermäßigen Genuß von Wodka. Tatsächlich war Mutesa nach Zeugnis eines Journalisten, der ihn nur eine Stunde vor seinem Tode interviewt hatte, stocknüchtern gewesen. Die britische Polizei brachte diesen Zeugen indes zum Schweigen.

*****Idi Amin war gewiß kein sympathischer Zeitgenosse, aber nüchtern betrachtet nicht annähernd so schlimm wie Obote, dessen Wirtschafts- und Vertreibungs-Politik er im wesentlichen übernahm. Im westlichen Ausland wurde Amin vor allem angelastet, daß er 1976 palästinensischen Flugzeugentführern die Landung in Entebbe gestattete. Während der Auftraggeber jener Entführung, Arafat - Führer der Terror-Organisation "PLO" - im Westen wohl gelitten blieb und für seine Taten sogar mit dem "Friedensnobelpreis" ausgezeichnet wurde, wird Amin seitdem besonders von den jüdischen Massenmedien in aller Welt als "Monster" und "neuer Hitler" hingestellt. Die Zahl seiner Opfer ist - nachträglich - von Jahr zu Jahr gewachsen und nähert sich allmählich denen des Shoa-business Holocaust. Keine dieser Fantasiezahlen ist objektiv nachprüfbar.


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