FERDINAND  MARCOS

(11.9.1917 - 18.9.1989)

[Ferdinand Marcos]
[Unterschrift]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1917
11. September: Ferdinand Emanuel Edralin Marcos wird als ältestes von vier Kindern des Lehrers (später Rechtsanwalts und seit 1925 Parlaments-Abgeordneten) Mariano Marcos und seiner Ehefrau Josefa, geb. Edralin, in Sarrat geboren. Sein Vater ist spanischer, seine Mutter chinesischer (nach anderen Quellen: japanischer) Abstammung.*
Die Pilipinen ["Filipinas", "Philippines", "Philippinen"] sind seit dem spanisch-amerikanischen Krieg von 1898 eine Kolonie ein "General-Gouvernement" der USA; die Eroberung gilt nach Jahre langen Guerilla-Kämpfen als abgeschlossen. Marcos' Großvater war noch ein Vorkämpfer für die spanische Sprache, in der er auch seine Kinder erzog; Marcos selber erhält zwar den Namen eines spanischen Königs, wächst aber bereits mit Englisch auf.**

1929
Familie Marcos zieht nach Paco, wo Ferdinand die Oberschule und das College besucht; er gilt als Musterschüler.

1930er Jahre
Über diese Zeit sind keine genauen, geschweige denn zuverlässigen Daten über Marcos zu ermitteln.
Offenbar sind alle "Quellen" bewußt manipuliert worden - zunächst unter Marcos' Herrschaft zu seinen Gunsten, nach Marcos Sturz zu seinen Lasten.
Einigermaßen sicher dürfte aber folgendes sein:
Marcos absolvierte an der Universität Manila ein Studium der Rechtswissenschaften und schloß dieses erfolgreich ab.
Marcos wurde - zusammen mit drei weiteren Mitgliedern seiner Familie - des Mordes an einem politischen Rivalen seines Vaters angeklagt, in I. Instanz für schuldig befunden und zum Tode verurteilt, in II. Instanz jedoch frei gesprochen.
Ob Marcos oder wer sonst den Mord tatsächlich beging ist nicht mehr festzustellen. Möglich ist, daß das Gericht I. Instanz von politischen Gegnern der Familie Marcos bestochen wurde oder das Gericht II. Instanz von deren Anhängern.
Marcos legte auch die Anwaltsprüfung (Bar Exam) erfolgreich ab.

1934/35
Unter der neuen (seit 1933) Roosevelt-Regierung verabschieden die USA ein Gesetz, das vordergründig die Unabhängigkeit der Pilipinen binnen 10 Jahren zum Ziel hat.
Tatsächlich hatten die USA nicht vor, ihre Herrschaft über die "The Philippines" aufzugeben - deren wirtschaftliche Abhängigkeit und militärische Besetzung sollten unbeschadet einer formal-juristischen "Independence" - es wurde sogar ein Marionetten-Präsident namens Quezon eingesetzt, der freilich nichts zu sagen hatte - auch nach dem "Tydings McDuffie Act" fort bestehen. Der Hintergrund war vielmehr, daß die USA sich von Angehörigen der "gelben" Rasse "ethnisch säubern" wollten: Bereits in den 1920er Jahren war durch den "Emergency Quota Act", den "Immigration Act" und die "National Original Formula" Chinesen und Japanern die Einwanderung in die USA extrem erschwert und der Erwerb der US-Staatsbürgerschaft durch sie ausgeschlossen worden. Durch den "Independence Act" wurden auch alle Pilipinos, die US-Staatsbürger waren, ausgebürgert und zu "Ausländern" erklärt. Der "Filipino Repatriation Act" hatte die Rückführung aller in den USA lebenden Pilipinos in ihr Heimatland zum Ziel. Diese Gesetze dienten als Vorbild für die - freilich viel milderen - "Nürnberger Rassengesetze" im Deutschen Reich unter der Regierung Hitlers.

1941
September: Die USA treten durch die "Shoot-on-sight-order" Roosevelts in den - bereits 1939 ausgebrochenen - Zweiten Weltkrieg ein.
Dezember: Roosevelt provoziert Japan durch ein Wirtschaftsembargo und die Enteignung aller in den USA belegenen Vermögenswerte zum Angriff auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor/Hawaii.

1942
Februar: Japanische Truppen befreien besetzen die Pilipinen.
Auch über Marcos' militärische Karriere läßt sich nichts Sicheres ermitteln. Fest steht nur, daß er 1941 als Unterleutnant der Reserve eingezogen wurde und in Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er rechtzeitig entlassen wurde, um in der Endfase des Krieges wieder "dabei" zu sein.
Seine von ihm selber behaupteten Heldentaten, Ordensverleihungen und Beförderungen - bis zum Major d.R. - sind dagegen ebenso unsicher wie seine - von seinen Gegnern behauptete - Kollaboration mit den Japanern.

1945
Februar/März: Generaloberst Douglas MacArthur erobert "The Philippines" zurück, die dabei weitgehend zerstört werden: Die Städte werden durch Terror-Bombardements der U.S. Air Force dem Erdboden gleich gemacht, die Zivilbevölkerung durch Massenmorde der U.S. Army dezimiert. (Allein im "Manila massacre" töten die Amerikaner über 100.000 Pilipinos als "Kollaborateure" - eine Tat, die sie später den Japanern in die Schuhe zu schieben versuchen.***)
August: Nachdem der neue US-Präsident Truman Hiroshima und Nagasaki durch den Abwurf zweier Atombomben hat zerstören lassen und Stalin auch die Sowjet-Union in den Krieg gegen Japan geführt hat, ordnet der Tenno die Kapitulation an.
Damit ist der Zweite Weltkrieg beendet - es gibt also für die USA keinen Vorwand Grund mehr, dem General-Gouvernement "The Philippines" die Unabhängigkeit vorzuenthalten.

1946
Juli: Die Pilipinen werden zu einem "unabhängigen" Commonwealth erklärt, unter fortdauernder Besetzung Schutzgewährung durch US-amerikanische Truppen.
Durch den "Philippine Trade Act" wird auch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Pilipinen von den USA festgeschrieben. Dies dient der Unterbindung von Bestrebungen, die austronesischen Länder Südostasiens - von denen Malaya und Nord-Borneo noch unter britischer Kolonialherrschaft stehen und Insulinde unter niederländischer - zu einer Wirtschaftsgemeinschaft ("Maphilindo") zusammen zu schließen.

1951
Die Pilipinen müssendürfen 5 Bataillone Hilfstruppen für den Koreakrieg stellen.

1953
Der neue (seit Januar) US-Präsident Eisenhower beendet den Korea-Krieg mit einem Waffenstillstand - dem bis heute am längsten haltenden der Militärgeschichte.

1954
Mai: Marcos heiratet Imelda, gem. Romuáldez. (Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor; das Paar adoptiert ein weiteres Kind).

1955
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1957
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1962
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1964
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1965
November: Marcos gewinnt die Präsidentschaftswahlen; er tritt sein Amt im
Dezember an. Unter seiner Regierung nimmt die pilipinische Wirtschaft einen ungeahnten Aufschwung; mit dem Bruttosozialprodukt wächst auch seine Popularität.

1966
Marcos unterstützt den Vietnam-Krieg der USA mit der eher symbolischen Entsendung eines pilipinischen Pionierbataillons.

1969
November: Marcus wird erneut zum Präsidenten gewählt.
Gegen seine Regierung wenden sich muslimische und maoïstische Terror-Organisationen, deren Träger sich im Fahrwasser der weltweiten "68-er"-Bewegung als "Studenten" bezeichnen - überwiegend ohne es zu sein.

1970
In Manila und Mindanao beginnen militante Aufstände "Studenten-Unruhen", gegen die Marcos zunächst nur halbherzig vorgeht.

1972
September: Marcos verhängt das Kriegsrecht. Von da an bezeichnen Muslim- und Mao-freundliche Medien im Ausland seine Regierung als "Diktatur".
Vor allem echauffieren sie sich darüber, daß er "Senator" Benigno Aquino - den Anstifter und geistigen Anführer des kommunistischen Aufstands -, vor Gericht stellen läßt. (Daß er diesen - nachdem er völlig zu Recht zum Tode verurteilt worden ist - zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe begnadigt, wird ihm - ebenfalls völlig zu Recht - als Schwäche ausgelegt.)
Marcos kontert mit einer Propaganda-Gegenoffensive, in der er José Rizal (wie er selber spanisch-chinesischer Abstammung****) zum Martyrer und Nationalhelden aufbaut.


1978
April: Marcos' KBL gewinnt die Parlamentswahlen haushoch.
Ihm feindlich gesonnene Medien im Ausland führen das darauf zurück, daß Aquino nicht kandidieren oder jedenfalls keinen Wahlkampf führen durfte. Das ist schlicht unwahr. Er war, wiewohl noch im Gefängnis, Spitzenkandidat der LABAN [Krawall]-Partei, die einen brutalen Wahlkampf führte, bei dem sie die Wähler mit Gewalt einzuschüchtern suchte, ohne daß Polizei oder Militär - es herrschte formell noch immer "Kriegsrecht" - dagegen einschritten. Er durfte sogar im Staatsfernsehen Wahlkampfreden halten. Allerdings riefen viele seiner einstigen politischen Freunde zum Wahlboykott auf; die Wahlbeteiligung lag denn auch niedriger als sonst; allerdings kann das allein nicht der Grund dafür gewesen sein, daß die KB fast drei Viertel der abgegebenen Stimmen erhielt. Das Wahlvolk hatte allen Grund, mit Marcos zufrieden zu sein und einen politischen Richtungswechsel nach linksaußen zu fürchten.

1981
Januar: Marcos hebt das Kriegsrecht auf und schreibt Neuwahlen aus.

1989
28. September: Ferdinand Marcus stirbt in Honolulu.


*Nach einigen Quellen war auch Marcos' leiblicher Vater ein Chinese namens Chua, nicht Mariano Marcos. Dies erkläre seine Fysiognomie, die nicht pilipinisch, sondern durch und durch chinesisch sei. (Dafür dürfte allerdings auch die Abstammung der Mutter ausreichen.)

**Die Namensgebung besagt nicht viel, da Marcos zunächst katholisch auf den Namen Fernando getauft wurde; erst später wurde er in der Philippine Independent Church umgetauft und der Vorname zu "Ferdinand" anglisiert. Daß er gut Spanisch, aber bis 1939 nur schlecht Englisch gesprochen habe, ist eines von vielen Märchen, die er vielleicht selber in Umlauf brachte. Er besuchte bis 1929 drei angelsächsische Volksschulen; Englisch war seit 1898 Amtssprache.

***Die Gesamtzahl der pilipinischen Kriegsopfer wird heute meist mit "ca. 1 Million" angegeben, was Dikigoros etwas zu rund erscheint, um glaubhaft zu sein. Wie auch immer, die USA verurteilten dafür unschuldige japanische Offiziere, allen voran General Yamashita, in Schauprozessen zum Tode. Hierin liegt eine interessante Parallele zum Tribunal der Kriegsverbrecher in Nürnberg, wo deutsche Offiziere für die Massenmorde der Alliierten an polnischen Kriegsgefangenen in Katyn verurteilt werden. Während diese Unrechtsjustiz in Deutschland längst als "rechtens" akzeptiert wird, werden die Opfer der Justizmorde in Japan im Yasukuni-Schrein als Martyrer verehrt, der alljährlich von allen anständigen japanischen Politikern besucht wird - worüber sich nur noch unanständige BRDDR- und US-Politiker und die von ihnen kontrollierten Monopol-Medien echauffieren.

****Eine andere Erklärung für diese Wahl ist nicht ersichtlich. Rizal war ein armes Würstchen, das von den Spaniern nur deshalb als "Kriegsanstifter" er[justiz]morded hingerichtet wurde, weil sie den tatsächlichen Anführer der Aufstände gegen ihre Kolonialherrschaft, Emilio Aguinaldo, nicht zu fassen bekamen. Letzterer eignete sich freilich nicht zum offiziellen Nationalhelden, weil er auch den folgenden Freiheitskampf gegen die USA angeführt hatte - und die wollte Marcos propagandistisch nicht vor den Kopf stoßen.


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