Ferdinand Graf Zeppelin

(8.7.1838 - 8.3.1917)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1838
8. Juli: Ferdinand Graf Zeppelin wird als ältestes von drei Kindern von Friedrich Graf Zeppelin (1807-1886) und seiner Ehefrau Amélie (1816-1852) in Constanz/Bodensee geboren. Sein Vater ist Hofmarschall beim König von Württemberg, seine Mutter Tochter des Schweizer Fabrikanten David Macaire. Er wächst auf Schloß Girsberg in Emmishofen/Thurgau (seit 1928 Ortsteil, seit 1947 Stadtteil von Kreuzlingen, zu Zeppelins Lebzeiten noch "Egelshofen") am Bodensee auf.

[Kreuzlingen um 1840]

1853-55
Zeppelin - der bis dahin Privatunterricht erhalten hat - besucht das Polytechnicum in Cannstatt (seit 1905 Stuttgart-Cannstatt, seit 1933 Stuttgart-Bad Cannstatt).


1855
Zeppelin tritt in die Cadetten-Anstalt (offiziell "Cadetten-Institut", seit 1852 "Kriegsschule") des Königreichs Württemberg in Ludwigsburg ein.


1858
Zeppelin wird zum Secondlieutenant befördert und läßt sich beurlauben, um ein Studium des Maschinenbaus und der Chemie an der Universität Tübingen aufzunehmen.

[Universität Tübingen, Institut für Chemie]

1859
Zeppelin wird wegen des Kriegsausbruchs zwischen Italien und Österreich zum württembergischen Ingenieurscorps nach Ulm eingezogen.

1863
April: Zeppelin läßt sich erneut beurlauben, um den amerikanischen Sezessionskrieg auf Seiten der Nordstaaten mit zu erleben.


Dort lernt er den deutschstämmigen Erfinder John Steiner kennen, der ihn mit dem Einsatz von Montgolfieren (Ballons) zu militärischen Zwecken (noch Aufklärung, kein Bombenabwurf) vertraut macht; er absolviert seinen ersten Ballonflug.

1864
Januar: Zeppelin kehrt nach Württemberg zurück, wird zum Hauptmann befördert und Adjutant des Königs.


1869
August: Zeppelin heiratet die Deutsch-Baltin Isabella v. Wolff. (Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.)

1870/71
Zeppelin nimmt als Generalstabsoffizier der württembergischen Kavallerie am Deutsch-Französischen Krieg teil. Auch das französische Militär setzt Ballons zur Aufklärung ein.

1874
April: Zeppelin entwickelt die Idee, ein den Ballons überlegenes starres Luftschiff zu bauen.

1882
Zeppelin wird zum Oberst befödert und Regimentskommandeur.

1885
Zeppelin geht als Gesandter des Königreichs Württemberg nach Berlin.

1888
Zeppelin wird zum General à la suite des Königs von Württemberg befördert.


1890
Zeppelin nimmt seinen Abschied vom Militär und beginnt, sich mit dem Luftschiffbau zu beschäftigen.

1895
August: Zeppelin meldet seinen "lenkbaren Luftzug" zum Patent an. Von der "Fachwelt" erntet er darob nur Hohn und Spott. (Das Patentierungsverfahren zieht sich drei Jahre hin.) Für die Verwirklichung seines Projekts fehlen ihm vorerst die finanziellen Mittel.

1896
Zeppelin tritt dem Verein Deutscher Ingenieure bei. Eine Kommission des VDI beurteilt sein Projekt erstmals positiv.

1898
Zeppelin gründet eine "Aktiengesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt". Als Ingenieure gewinnt er Theodor Kober und Ludwig Dürr, als Hersteller den Lüdenscheider Fabrikanten Carl Berg, dessen Schwiegersohn Alfred Colsman später einer seiner wichtigsten Mitarbeiter wird.

1900
Juli: Zeppelin startet in Manzell/Bodensee sein erstes Luftschiff ("LZ 1").


Obwohl das Experiment gelingt, finden sich keine Interessenten, die bereit wären, das Projekt weiter zu finanzieren. Zeppelin muß die AG wegen Kapitalmangels liquidieren; auch der VDI entzieht ihm nun seine Unterstützung.

1903
Zeppelin finanziert den Bau seines zweiten Luftschiffs durch eine Lotterie.


1906
Januar: Zeppelin startet auch "LZ 2" erfolgreich; allerdings wird es danach durch ein Unwetter auf dem Landeplatz in Kißlegg/Allgäu zerstört.
Zeppelin finanziert den Bau seines dritten Luftschiffs aus Privatgeldern der Familie. (Seine Mutter hatte ein beträchtliches Vermögen ge- und vererbt.)
Zeppelin gewinnt den Journalisten (und studierten Filosofen :-) Hugo Eckener (1868-1954) als Mitarbeiter. Mit ihm gelingt der entscheidende Durchbruch bei der Lenkbarkeit des Luftschiffs.
Oktober: Zeppelin startet auch "LZ 3" erfolgreich.

1908
Nach weiteren erfolgreichen Versuchen gelingt es Zeppelin, "LZ 3" an die württembergische Militärverwaltung zu verkaufen. Aus dem Erlös baut er sein viertes Luftschiff.


August: Zeppelin verliert auch "LZ 4" durch ein Unwetter bei Echterdingen und ist finanziell ruiniert.


Durch die Medien verbreitete Aufrufe führen jedoch zu einem unerwartet hohen Spendenaufkommen,* das Zeppelin die Weiterarbeit ermöglicht.


Die Stadt Constanz verleiht ihm die Ehrenbürgerwürde und errichtet ihm ein Denkmal. [Einer der wenigen Orte, an denen sein Name heute noch korrekt - "Graf Zeppelin", nicht "Graf von Zeppelin", "Ferdinand von Zeppelin" o.ä. - geschrieben steht.]


1909
Januar: Zeppelin gründet die "Luftschiffbau-Zeppelin GmbH".
August: Zeppelin verkauft auch "LZ 5" an das Militär; es wird auf der "Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung" in Frankfurt/Main einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.


November: Die Deutsche Luftschiffahrts AG ("DeLAG") wird gegründet; die kommerzielle Personenbeförderung mit "Zeppelinen" beginnt.

1909-1914
Zeppelin läßt 20 weitere Luftschiffe ("LZ 6" bis "LZ 25") bauen. Die DeLAG befördert auf 1.588 unfallfreien Fahrten insgesamt 34.028 Personen.

1914
August: Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzen die Militärs zunächst große Hoffnungen auf Zeppelins Luftschiffe; sie übernehmen alle noch flugfähigen Exemplare und lassen 88 weitere bauen.


Allerdings entfalten die "Zeppeline" vor allem psychologische Wirkung beim Feind, der die von ihnen ausgehende Gefahr erheblich überschätzt.**


Als relativ langsame Flugobjekte, die ein großflächiges Angriffsziel bieten, sind sie anfällig gegen Artillerie- und sogar Infanterie-Beschuß und können daher nur in großer Höhe operieren.

1915
Die rasante Fortentwicklung der Kampfflugzeuge (höhere Geschwindigkeit, größere Flughöhe, bessere Bewaffnung) macht diese den "Zeppelinen" erst ebenbürtig, dann sogar überlegen.
Juni: Erstmals wird ein "Zeppelin" von einem Flugzeug aus abgeschossen.


1916
Februar: Mit der Einführung von Brandmunition sind die mit Wasserstoffgas gefüllten "Zeppeline" extrem absturzgefährdet*** und werden bald nur noch zu Aufklärungsflügen eingesetzt.

1917
8. März: Ferdinand Graf Zeppelin stirbt in Berlin; er wird mit militärischen Ehren in Stuttgart-Cannstatt beigesetzt.


* * * * *

seit 1917
Zeppelins Werk wird von Eckener fortgeführt.


1924
"LZ 126" wird im Rahmen der dem Reich 1919 durch das Friedensdiktat von Versailles auferlegten Reparationsleistungen in die USA überführt. Der erste Direktflug über den Atlantik erregt großes Aufsehen.


seit 1924
Die "Zeppeline" beginnen eine zunehmende Rolle in der zivilen Passagier-Luftfahrt zu spielen.

1928
Juli: An Zeppelins 90. Geburtstag wird "LZ 127" eingeweiht und auf seinen Namen getauft; mit ihm werden in den folgenden Jahren die spektakulärsten Fahrten der Zeppelin-Geschichte durchgeführt.


1929
August: Großes Aufsehen erregt der erste Zeppelin-Flug um die Welt.


Dabei wird neben neben Zeppelin und Eckener erstmals auch Dürr einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.


1930/31
Auch die Zeppelin-Flüge nach Südamerika und Afrika sorgen weltweit für Aufsehen.


1933-1945
Im "Dritten Reich" wird Zeppelin zu einer nationalen Ikone aufgebaut.


1935
Auf Veranlassung des Reichsministers für Luftfahrt wird die "Deutsche Zeppelin-Reederei" (DZR) gegründet.

1936
März: "LZ 129" wird eingeweiht und auf den Namen des 1934 verstorbenen letzten Reichspräsidenten Hindenburg getauft. Es ist speziell für die Transatlantik-Route in die USA konstruiert.

1937
6. Mai: "LZ 129" brennt bei der Landung auf dem US-Flugplatz Lakehurst nach einer Explosion aus. Trotz offizieller Dementis und nichtssagender Untersuchungsberichte wird bald der Verdacht amerikanischer Sabotage laut.


Hämische Karikaturen und schadenfrohe Kommentare in den USA erhärten diesen Verdacht.****


Damit ist das Zeitalter der Passagier-Reisen mit "Zeppelinen" de facto beendet. ("LZ 130" wird zwar noch gebaut und sogar offiziell eingeweiht, kommt aber nicht mehr zum Einsatz.)

1938
Juli: Zeppelins 100. Geburtstag wird im ganzen Reich offiziell gefeiert.


Dezember: Der erste deutsche Flugzeugträger läuft vom Stapel und wird auf den Namen "Graf Zeppelin" getauft.


Er wird jedoch nicht rechtzeitig fertig gestellt, um noch im

1939-45
Zweiten Weltkrieg zum Einsatz zu kommen. Auch die Luftschiffe spielen militärisch keine Rolle mehr.

1940
Die letzten noch im Bau befindlichen "Zeppeline" werden mitsamt den Montagehallen abgewrackt.

seit 1949
Zeppelin ist eine der wenigen militärischen Persönlichkeiten, die bereits im "Dritten Reich" äußerst populär waren und dennoch nicht der Ächtung als "Nazi", "Wegbereiter des Fascismus" o.ä. anheim fallen.****** Sowohl des 50. Jahrestags des Absturzes von Echterdingen als auch seines 75. Todestages wird offiziell gedacht.


Das Marineflieger-Geschwader 3, das seit
1967
Zeppelins Namen trägt, hat diesen bis heute nicht ablegen müssen - anders als andere Einheiten oder Kasernen der Bundeswehr, die einst die Namen Lettow-Vorbeck, Dietl, Rommel oder Mölders trugen.
Auch Straßen, Schulen u.a. zivile Einrichtungen dürfen weiter nach Zeppelin benannt bleiben, während z.B. der Name "Hindenburg" in der BRDDR vollständig ausgemerzt wurde.

1996
In Friedrichshafen wird ein Zeppelin-Museum eröffnet.


2003
Juli: Zeppelin wird bei einer vom Staatssender ZDF veranstalteten Umfrage nach dem "besten Deutschen" auf Platz 181 gewählt.*****

2012
Bei Ewig-Gestrigenpolitisch korrekten Gutmenschen bleiben Zeppelin und seine Luftschiffe dagegen die Verkörperung des Bösen schlechthin. In der finnisch-australischen Science-Fiction-Groteske "Iron Sky [Eiserner Himmel]" versuchen Nazis, die 1945 auf die dunkle Seite des Mondes geflüchtet waren und dort die wertvollen Helium-Vorräte (die doch eigentlich von Rechts wegen den USA zustünden) an sich gerissen hatten, anno 2018 die Erde zu erobern.


Die "Mond-Nazis" starten ihre Invasion mit einer Flotte von Weltraum-Zeppelinen vom Typ LZ 129, die als Mutterschiffe für ihre fliegenden Untertassen dienen. Zum Glück wird dieses ruchlose Unternehmen von einem edlen [Austral-]Neger in letzter Minute vereitelt - die Hindenburg wird sozusagen noch einmal besiegt. Der Film wird auf der Berlinade uraufgeführt, von den Kritikern hoch gelobt und von Dikigoros mit der Goldenen Ananas ausgezeichnet.


*Das Spendenaufkommen ist mit ca. 5,5 Mio Goldmark fast sieben Mal so hoch wie das Stammkapital seiner ersten Aktiengesellschaft.

**Die russische Regierung setzte zu Beginn des Krieges für den Abschuß eines Zeppelins die abenteuerliche Summe von 5.000.- Goldrubel (10.000.- Goldmark, entsprechend 100.000.- Euro nach der Währungsreform von 2002) aus - dies, obwohl Zeppeline an der Ostfront gar nicht eingesetzt wurden. (Die Deutschen benötigten keine Luftaufklärung, da sie die - unverschlüsselten - russischen Funksprüche mithören konnten :-) Gleichwohl schwirren bis heute Märchen von angeblichen Luftangriffen durch Zeppeline auf Warschau u.a. Städte in Russisch-Polen durchs www; diese beruhen auf Fantasiegemälden für entsprechend beschriftete deutsche Propaganda-Postkarten an der Heimatfront.

[Zeppelin bombardiert Warschau - Propagandapostkarte]

***Bis dahin hatten Einschußlöcher in der Außenhaut lediglich dazu geführt, daß die Gasfüllung je nach Größe mehr oder weniger langsam ausströmte und das Luftschiff so zur Notlandung gezwungen wurde; nunmehr explodierte das Gas, was zum sofortigen Absturz führte.

****Die Diskussion über dieses Ereignis wurde und wird überwiegend durch unsachliche Spekulationen beherrscht. Im "Dritten Reich" wurde behauptet, die Katastrofe sei auf die Verwendung von Wasserstoffgas zurück zu führen, zu der man gezwungen gewesen seien, weil der jüdische US-Präsident Roosevelt - ein ausgewiesener Deutschenhasser - persönlich die Lieferung des unbrennbaren Heliums nach Deutschland verboten hatte. In den Mainstream-Medien wird heute behauptet, es habe sich um einen bloßen "Unfall" gehandelt. Richtig ist, daß "LZ 129" zwar so konstruiert war, daß es Helium aufnehmen konnte, daß man daran aber zunächst gar kein ernsthaftes Interesse hatte, da dies unwirtschaftlich war - bei Befüllung mit Wasserstoffgas konnten 40% mehr Passagiere befördert werden. Erst nach der Katastrofe versuchte man, in den USA Helium zu kaufen, was dort jedoch verweigert wurde. Ein Unfall bei der Landung scheidet aus, ebenso ein "Kurzschluß" oder ein Blitzeinschlag - die Hülle der "Zeppeline" war, auch bei Wasserstoffgas-Befüllung, dagegen gefeit, wie sich wiederholt gezeigt hatte. Es war offenbar eine Bombe mit Zeitzünder im "LZ 129" deponiert; die Flugleitung von Lakehurst verweigerte ohne anderweitigen Grund für längere Zeit die Landung und zwang das Luftschiff zu unzähligen "Ehrenrunden"; erst kurz vor der Explosion erteilte sie die Landegenehmigung - ein nicht nur "zufälliger" Zusammenhang liegt nahe.

*****Nachdem inzwischen alle im Zweiten Weltkrieg aktiven deutschen Soldaten, die nicht am "Widerstand" beteiligt waren, dieser Ächtung unterliegen, ist Zeppelin der einzige, auf den diese Aussage heute noch zutrifft. Völlig aus den Geschichtsbüchern getilgt ist August v. Parseval (1861-1942), der ebenfalls Luftschiffe baute, aber das Pech hatte, das "Dritte Reich" noch mit zu erleben und persönlich von den bösen Nazis für seine Arbeiten geehrt zu werden.

******Bei jener Abstimmung durfte lediglich aus einer zuvor unter politisch-korrekten Gesichtspunkten zusammengestellten Liste von 200 Personen - darunter ein Drittel Juden bzw. Zigeuner - "gewählt" werden; das Ergebnis ist also wenig repräsentativ. Fast alle vorgegebenen Erfinder - außer Nikolaus Otto (182.) und Hermann Oberth (187.), die wahrscheinlich kaum noch jemand kannte - plazierten sich vor Zeppelin.


weiter zu Felix Graf Luckner

zurück zu Sic transit gloria

heim zu Von der Wiege bis zur Bahre