ANDREJ TUPOLEW

(29.10.1888 - 23.12.1972)

[Andrej Tupolew 1944]
[Tupolews Unterschrift]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1888
29. Oktober:* Andrej Nikolajewitsch Tupolew wird als 6. von 7 Kindern des Notars Nikolaj Iwanowitsch Tupolew und dessen Ehefrau Anna Wasiljewna (geb. Lisitsyna) in Pustomasowo (Regierungsbezirk Twer, Kreis Kimry) geboren.

1899-1908
Tupolew besucht das Gymnasium in Twer.

1908
Tupolew nimmt ein Studium der Aerodynamik an der Technischen Hochschule in Moskau auf.

1909
Tupolew tritt dem Fliegerkreis der Hochschule bei.

1910
Tupolew unternimmt seinen ersten [Segel-]Flugversuch.


1911
März: Tupolew wird wegen (angeblicher) Teilnahme an einer kommunistischen Demonstration nach Pustomasowo verbannt.
(Schon sein Vater hatte einst wegen eines ähnlichen Verdachts - Beteiligung und/oder Mitwisserschaft des Attentats auf Tsar Aleksandr II - Ärger bekommen und sein Studium unterbrechen müssen; es ist also wenig überraschend, daß er dem Tsarenreich keine Träne nachweinte und sich, statt ins Ausland zu emigrieren, bereitwillig in den Dienst der neuen, kommunistischen Machthaber stellte - ohne zu ahnen, daß er vom Regen in die Traufe kommen sollte.)

1914
Februar: Tupolew darf nach Moskau zurück kehren und sein Studium fortsetzen.
August: Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs tangiert Tupolew nicht - er ist wegen eines Lungenleidens militärdienstuntauglich.

1916
Tupolew arbeitet - schon während seines Studiums - bei den Duks-Werken an der Entwicklung von Wasserflugzeugen mit.

1917
März: Tsar Nikolaj II dankt ab.
Oktober: Die Kommunisten ("Bolschewiki") unter dem jüdischen Advokaten Lenin ergreifen die Macht. Sie wandeln das Tsarenreich in eine "Union der sozialistischen Sowjet-Republiken [UdSSR]" um - die freilich meistenteils von einer solchen "Union" gar nichts wissen wollen, sondern erst noch in z.T. mehrjährigen Kriegen zu ihrem Glück gezwungen erobert werden müssen.

1918
Juni: Tupolew schließt sein Studium als Diplom-Ingenieur ab.

1919
Tupolew begibt sich für ein Jahr auf die Krym, um sein Lungenleiden (Tuberkulose) auszukurieren.
Der Bürgerkrieg zwischen "Weißen" und "Roten" tangiert ihn wiederum nicht.

1920
Tupolew heiratet seine Krankenschwester Julija Nikolajewna Zheltjakowa (1894-1962).
Aus der Ehe gehen eine Tochter - die Lungenfachärztin wird - und ein Sohn - der wie sein Vater Flugzeug-Konstrukteur wird - hervor.

1921
Tupolew - der bereits während der "Oktober-Revolution" zusammen mit Kommilitonen das "Zentrale Aero-Hydrodynamische Institut [ZAGI]"** gegründet hatte, aber krankheitsbedingt noch nicht viel auf die Beine stellen konnte - entwickelt für dieses ein Flugzeug mit Namen "Tupolew ANT-1".


1922
April: Im Vertrag von Rappallo verzichteten die Sowjetunion und das Deutsche Reich auf alle gegenseitigen Ansprüche und vereinbaren eine friedliche Zusammenarbeit.
Oktober: Tupolew wird Mitglied des "Zentralen Konstruktionsbüros [ZKB]" innerhalb des ZAGI.
(Das wurde im Rückblick gerne als "Gründungsdatum" der Firma Tupolew bezeichnet und gefeiert - streng genommen eine Mogelpackung.)

1923
Die Sowjetunion und das Deutsche Reich vereinbaren den Aufbau geheimer Erprobungsstätten für Panzer und Kampfflugzeuge auf dem Boden der ersteren.***
(Dem Deutschen Reich ist durch das Versailler Diktat der Bau von Panzern und Motor-Flugzeugen verboten; der Sowjetunion mangelt es an technischem Know-how; es ist also eine Win-Win-Situation für beide.)
Tupolew übernimmt die von Hugo Junkers entwickelte Idee, Flugzeuge aus Metall (statt aus Holz) zu bauen.****

1924
Nach Lenins Tod wird Stalin dessen Nachfolger.

1925
Tupolew konstruiert einen zweimotorigen Bomber, der die Bezeichnung "TB-1" erhält.


1932
Tupolew konstruiert den "TB-3" ("ANT-6").


1933
Nach der Machtergreifung von Franklin Delanoe Roosevelt in den USA erkennen letztere die Sowjetunion an und nehmen diplomatische Beziehungen auf.

1934
Tupolew konstruiert das bis dahin größte Passagierflugzeug der Welt, die achtmotorige "ANT-20", die den Namen des Dichters Maksim Gorkij erhält.


1935
August: Mit dem "TB-3" gelingt der erste Direktflug von Moskau (über den Nordpol) nach San Francisco.

1936
April:

1937
Oktober:

1939
April:
September:

1941
Juni: Nach Beginn des "Ostfeldzugs" der Wehrmacht wird Tupolew im
Juli aus der Haft entlassen, ohne offiziell begnadigt oder gar rehabilitiert zu sein, und zur Arbeit in der Kriegsindustrie zwangsverpflichtet.

1943
.

1944
.

1945
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1949
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1953
März: Nach Stalins Tod wird im
September Chruschtschow 1. Sekretär des ZK der KPdSU.
Tupolew wird in die Russische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

1955
April: Tupolew wird - nunmehr auch pro forma - vollständig rehabilitiert.

1957
Tupolew wird zum 2. Mal "Held der sozialistischen Arbeit".

1960
.

1962
.

1968
Anläßlich seines 80. Geburtstags wird Tupolew zum General-Oberst (ohne Kommando, also h.c. oder, wie man zu Zeiten Zeppelins sagte, "à la suite") befördert.*****

1972
23. Dezember: Adrej Tupolew stirbt in Moskau. Posthum wird er zum 3. Mal "Held der sozialistischen Arbeit". (Daher - oder ob seines militärischen Rangs? - zieren seinen Grabstein 3 Sterne.)



1988
Ruhm ist vergänglich. An seinem 100. Geburtstag ist Tupolew dem Regime gerade noch 10 Kopeken wert.******

[Briefmarke zu 10 Kop. auf Tupolews 100. Geburtstag]


*Nach julianischem Kalender, der damals in Rußland noch gilt. Nach gregorianischem Kalender: 10. November.

**Im Russischen gibt es kein "H". In Fremdwörtern wie "Hydro-" wird dieses als "G" transkribiert und auch so ausgesprochen.

***Auf deutscher Seite waren am Aufbau der "Panzerschule" der spätere Generaloberst Heinz Guderian und am Aufbau der "Fliegerschule" der spätere Generaloberst Kurt Student beteiligt. Die Schulen an sich waren nicht geheim, wohl aber, was dort getrieben wurde. Als der geisteskranke Verbrecher Carl v. Ossietzky das anno 1931 ausplauderte, wurde er vor Gericht gestellt und zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt (aber schon nach ein paar Monaten von dem alten Trottel gutmütigen Reichspräsidenten Paul v. Hindenburg begnadigt). Fünf Jahre später wurde ihm für diese Heldentat sogar den "Friedensnobelpreis" verliehen, denn sie hätte um ein Haar zu einem Präventivkrieg Frankreichs gegen Deutschland geführt, wegen Verletzung der Bestimmungen des Versailler Diktatfriedens. Schon damals erhielten diesen Preis also vornehmlich Kriegstreiber und solche, die es werden wollten.

Die Epigonen der "Weimarer Republik" lernten daraus und waren künftig weniger leichtsinnig. Das 1996 geschlossene "Abkommen über militärisch-technische Zusammenarbeit" zwischen der BRDDR und Rußland war zwar offiziell nicht geheim; aber die gleichgeschalteten Monopol-Qualitätsmedien verschwiegen es brav; und im übrigen verhinderte die allgegenwärtige Zensur, daß etwas davon an die Öffentlichkeit drang. Das änderte sich erst, als Rußland dieses - bereits seit einiger Zeit obsolete - Abkommen anno 2025 mit einem lauten Krach kündigte, nachdem der geisteskranke Verbrecher (Zitat Tucker Carlson) Friedrich Merz mehr oder weniger offen den Kriegseintritt der BRDDR im Kampf um die Bodenschätze des Dontsbeckens auf Seiten des jüdischen Putschistenregimes von Kijiw gegen Rußland erklärt hatte. Dikigoros wartet nur noch darauf, daß auch Friederich der Wüterich (Zitat Struwwelpeter) dafür den Friedensnobelpreis erhält.

****Heutige mögen darüber lächeln, daß diese Idee so spät aufkam. Aber in der Seefahrt war es ja nicht anders: Erst seit dem 19. Jahrhundert wurden Schiffe aus Stahl statt aus Holz gebaut - vornehmlich Kriegsschiffe, um sie besser gegen Beschuß zu schützen. (Ansonsten machte es kaum Sinn: So wie Holz im Wasser fault, wenn es nicht regelmäßig geteert wird, so rostet Metall, wenn es nicht regelmäßig mit Rostschutzfarbe gestrichen wird.) Viel gebracht hat es freilich nicht, sondern nur eine Rüstungsspirale in Gang gesetzt: Statt altmodischer Kanonenkugeln verschoß die Marine-Artillerie bald Brisanzgranaten, denen auch ein stählernder Schiffsrumpf nicht stand hielt. Und in der Luftfahrt? Ohne Auftrieb durch einen Motor wären Metallflugzeuge abgestürzt wie die sprichwörtlichen bleiernen Enten, weshalb Segelflugzeuge grundsätzlich aus leichtem Sperrholz gebaut wurden. Aber auch bei Motorflugzeugen war außer letzterem - einschließlich Propellern - kaum etwas aus Metall. Wieder erwies sich der Krieg als "Vater aller Dinge", denn auch Junkers dachte in erster Linie daran, den Piloten besser vor Beschuß zu schützen.

*****In den russischen Streitkräften ist das ein 3-Sterne-General unterhalb des Generals, entsprechend dem westlichen "General-Leutnant", nicht dem General-Oberst der alten Wehrmacht.

******Unter dem neuen (seit 1985) Mineral-General-Sekretär Gorbatschow und verstärkt unter dessen Nachfolger Jeltsin (seit 1991) verfolgen die UdSSR bzw. Rußland einen Annäherungskurs gen Westen, der sie in eine gefährliche Abhängigkeit bringt - so auch auf dem Gebiet der Luftfahrt. Während die Entwicklung von Militärmaschinen stagniert, kauft bzw. least die staatliche Aeroflot fast nur noch westliche Zivilflugzeuge und setzt sich dadurch Erpressungsversuchen Sanktionen zwecks Erzwingung politischen Wohlverhaltens aus, die sie im 21. Jahrhundert an den Rand des Zusammenbruchs führen. Aber das kann nicht mehr Gegenstand einer Kurzbiografie Tupolews sein.
Lediglich der guten Ordnung halber will Dikigoros noch erwähnen, daß unter der Regierung von Wladimir Putin eine allmähliche Rückbesinnung auf Tupolew einsetzt. Im Juni 2014 wird ihm in Kazan - wo sich in den 1920er Jahren die deutsch-sowjetischen Fliegerschule befand - ein Denkmal errichtet.


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