Albert Leo Schlageter

(12.08.1894 - 26.05.1923)

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1894
12. August: Albert Leo Schlageter wird als siebtes Kind des Bauern Josef Eduard Schlageter in Schönau im Schwarzwald geboren.

1909
Schlageter wird Schüler des erzbischöflichen Generalkonvikts in Freiburg/Breisgau.
Auf dem katholischen Gymnasium bereitet er sich auf den Priesterberuf vor.

1914
Schlageter legt nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Notabitur ab und tritt als Kriegsfreiwilliger in das 76. Feldartillerie-Regiment ein.

1915
Schlageter nimmt an der Flandernschlacht teil.

1916
Schlageter nimmt an der Somme-Schlacht und an der Schlacht um Verdun teil.


1917
Schlageter wird zum Leutnant befördert und nimmt als Batteriechef an der 2. Flandernschlacht teil.

1918
Schlageter wird das Eiserne Kreuz I. + II. Klasse verliehen.


November: Kaiser Wilhelm II wird gestürzt und geht ins Exil nach Holland. Deutschland wird Republik und kapituliert.


Dezember: Schlageter wird aus der Armee entlassen.


1919
Schlageter schreibt sich für ein Studium der Volkswirtschaft an der Universität Freiburg ein.
28. Juni: Deutsche Politiker unterzeichnen den Diktatfrieden von Versailles.


Schlageter tritt dem Freikorps v. Medem bei und nimmt als Batteriechef an der Befreiung des Baltikums von der Roten Armee teil.


1920
März: Schlageter nimmt als Angehöriger der Marinebrigade "Löwenfeld" an der Niederschlagung des "März-Aufstandes" der "Roten Ruhrarmee" teil.
Juli: Schlageter geht nach Auflösung der Marinebrigaden als Landarbeiter nach Ostpreußen, während die Franzosen im Rheinland ein blutiges Besatzungsregime errichten.


1921
Januar: Schlageter schließt sich der Freikorps-Gruppe "Heinz Hauenstein" in Oberschlesien an, die das Land vor polnischen Einfällen schützen soll.


20. März: Bei der Volksabstimmung sprechen sich trotz vielfältiger Schikanen der Entente-Besatzungstruppen über 60% der Wähler für einen Verbleib Oberschlesiens beim Reich aus. Daraufhin überfallen polnische "Insurgenten" - von den Entente-Truppen geduldet - Oberschlesien, um die Provinz gewaltsam zu annektieren. Die deutschen Freikorps kämpfen es jedoch weitgehend wieder frei.
24. Mai: Schlageter nimmt als Kompanieführer an der Erstürmung des strategisch und moralisch wichtigen Annabergs teil. Die Entente-Mächte setzen daraufhin einen Waffenstillstand durch. Oberschlesien wird entlang der Frontlinie zwischen Insurgenten und Freikorps geteilt.


1922
Schlageter wird Mitglied zunächst der "Nationalsozialen Vereinigung", nach deren Verbot der "Großdeutschen Arbeiterpartei", nach deren Verbot der "Großdeutschen Arbeiterbewegung", die sich später um einen Anschluß an die "Deutschvölkische Freiheitspartei" bemüht.

1923
Januar: Schlageter nimmt als Beobachter am ersten Parteitag der NSDAP in München teil.


Januar/Februar: Um höhere Reparationsleistungen zu erpressen, marschieren französische und belgische Truppen aus dem bereits besetzten Rheinland ins Ruhrgebiet ein.


Während die Reichsregierung (Kanzler Cuno) lediglich zum passiven Widerstand aufruft, organisiert Schlageter zusammen mit Heinz Neumann den aktiven Widerstand durch Sabotage-Akte gegen die alliierten Besatzer (so genannter "Ruhrkampf").


An den Osterfeiertagen kommt es zu Unruhen, bei denen das französische Militär 14 deutsche Zivilisten tötet.

[Medaille von K. Goetz]

7. April: Schlageter wird von einem deutschen Spitzel verraten und in Essen verhaftet.
7. Mai: Schlageter wird von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt.
26. Mai: Albert Leo Schlageter wird auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf füsilliert.

[Glüh heil'ge Flamme glüh... (Zitat aus der Bayrischen Königshymne - 3. Strophe)] [Medaille auf die Erschießung Schlageters durch die Franzosen am 26.5.1923)]

10. Juni: In München findet auf Initiative der NSDAP eine Gedächtnisfeier für Schlageter statt. Die National-Sozialisten nehmen Schlageter seitdem als Märtyrer ihrer "Bewegung" und "ersten Soldaten des Dritten Reiches" für sich in Anspruch. (Richtig ist, daß Freikorps und Kommunisten im Ruhrkampf Schulter an Schulter gegen die aliierten Besatzer kämpften. Nicht so die National-Sozialisten - Hitler hatte sich ausdrücklich gegen eine Beteiligung am "Ruhrkampf" ausgesprochen und blieb auch der Gedächtnisfeier fern.) Auch die katholische Kirche und die Deutsch-Nationale Volkspartei versuchen, Schlageter für sich zu vereinnahmen.
26. Juni: "Die Rote Fahne" veröffentlicht eine fünf Tage zuvor von Karl Radek vor dem III. Plenum des Exekutiv-Komitees der Kommunistischen Internationale gehaltene Rede ("Leo Schlageter, der Wanderer ins Nichts"), in der er mehr oder weniger deutlich für Schlageter Partei ergreift. Damit beginnt eine heftige Kontroverse innerhalb der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) über ihr Verhältnis zur "nationalrevolutionären Rechten". (Der Streit um die "Schlageter-Verwirrung" dauert bis heute an.)

1925
Die alliierten Besatzer räumen das Ruhrgebiet.

[Zitat aus Schillers 'Wilhelm Tell']

26. Mai: In Schönau wird mit dem Bau eines Schlageter-Denkmals begonnen.
Auf dem Luhberg bei Peine wird ein "Schlageter-Stein" aufgestellt.


1926
19. Juni: Der Kriegerverein der Stadt Flensburg ehrt die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit dem Denkmal "Auf der Wacht" auf dem Burgplatz.


31. Oktober: Das Schlageter-Denkmal in Schönau wird eingeweit.

1930
Die alliierten Besatzungstruppen räumen das Rheinland.


1931
23. Mai: In Weimar wird ein "Schlageter-Stein" aufgestellt.
In der Golzheimer Heide wird ein kreuzförmiges, stählernes "Schlageter-Denkmal" von Clemens Holzmeister aufgestellt und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht.


26. Mai: Nun finden auch die Weimarer Demokraten den Mut, Schlageter in einer offiziellen Feier als "Widerstandskämpfer" und "Freiheitsheld" in der Nachfolge des - anno 1809 von den Franzosen erschossenen - Tirolers Andreas Hofer zu ehren. Das Hofer-Lied "Zu Mantua in Banden" wird ebenso umgetextet ("Bei dumpfem Trommelwirbel") wie das Lied "Zu Straßburg auf der Schanze" ("Zu Düsseldorf im Steinbruch"). Auf Schlageters Sarkophag wird ein Zitat aus dem 1914 von Heinrich Lersch verfaßten Gedicht "Soldatenabschied" angebracht: "Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen!" (meist falsch zitiert als "Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen!")


Dies geschieht in Anlehnung an einen anderen "Freiheitshelden" aus den Napoleonischen Kriegen, den - ebenfalls 1809 von den Franzosen erschossenen - sächsischen Major in preußischen Diensten Ferdinand Schill. (Schill selber fiel freilich im Kampf; hingerichtet wurden nur seine überlebenden Offiziere.) Bei der Einweihung des Schill-Denkmals in Wesel anno 1835 hatte der Pfarrer gesagt, "daß es für Söhne des Vaterlandes nichts Schöneres gibt als die Todesweihe fürs Vaterland". Ein "völkischer" Dichter reimt: "Kerndeutsch das Herz, stahlhart der Will', ein Mann von Erz, Schlageter - Schill."


1933
April: In Berlin wird das Drama "Schlageter" von Hanns Johst uraufgeführt.
26. Mai: Schlageters 10. Todestag wird in ganz Deutschland feierlich begangen.


Auf der Golzheimer Heide versammeln sich rund 500.000 Menschen zur Gedenkfeier.*
In Heidelberg hält der Filosofie-Professor Martin Heidegger eine vielbeachtete Rede.
Martin Freitag veröffentlicht "Albert Leo Schlageter. Ein deutscher Held".


In Flensburg wird der Burgplatz in "Schlageter-Platz" umbenannt.
In Köln wird ein Platz nach Schlageter benannt und ein Denkmal aufgestellt.

[Schlageterplatz in Köln mit Denkmal] [Schlageterdenkmal in Köln] [Schlageterdenkmal in Köln]

In Würzburg wird eine Straße nach Schlageter benannt.**

[Schlageterstraße in Würzburg]

1937
Das Schlageter-Denkmal in Schönau wird abgerissen, um Platz für einen Neubau zu schaffen, der dann aber nicht zustande kommt.

1938
14. Februar: Die Bark "Albert Leo Schlageter" wird als Segelschulschiff der Kriegsmarine in Dienst gestellt.


1. November: Das Jagdgeschwader 132 der Luftwaffe wird umbenannt in "Jagdgeschwader 26 Schlageter". (Einer seiner Kommandeure wird Gotthard Handrick, der Sieger im Modernen Fünfkampf bei den Olympischen Spielen von 1936).


1939
September: Großbritannien und Frankreich nehmen den Beginn des Polenfeldzugs zum Vorwand, dem Deutschen Reich den Krieg zu erklären (nicht aber der Sowjet-Union, obwohl auch die Rote Arme infolge des "Hitler-Stalin-Pakts" in Polen einrückt), der sich nach dem Kriegseintritt der USA und Japans zum Zweiten Weltkrieg ausweitet.

1945
Die letzten Divisionen der "Armee Wenck" (bestehend aus jungen Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes) werden nach Schill und Schlageter benannt.
13.-16. März: Bei einer Serie alliierter Terror-Bombardements wird Würzburg zu fast 90% zerstört (40.000 Opfer).

[Würzburg 1945]

Wenige Wochen später werden die Ruinen Würzburgs von der U.S. Army besetzt und ausgeplündert.
April: Die letzte Division der Wehrmacht (aus den Resten der zerschlagenen 299. I.D. wiederaufgestellt) erhält den Namen "Infanterie-Division Schlageter".
Das Deutsche Reich kapituliert und wird von den alliierten BesatzernBefreiern für aufgelöst erklärt.
Das Segelschulschiff "Albert Leo Schlageter" fällt als Kriegsbeute an die USA, die es unter dem Namen "Guanabara" (zusammen mit dem Schwesterschiff "Horst Wessel") nach New York schaffen.

1946
Die Schlageterstraße in Würzburg wird umbenannt in "Sanderglacisstraße", nach dem Dresdner USPD-Funktionär Wilhelm Sander (1895-1978), der sich als Emigrant in England durch anti-deutsche Propaganda besonders verdient gemacht hatte. (Sander kehrt 1949 nach Deutschland zurück und wird Sekretär der SPD-Bundestagsfraktion, was er bis zu seiner Pensionierung 1962 bleibt.)
Die Schlageterstraße in Kellinghusen-Overndorf wird umbenannt in "Otto-Ralfs-Straße", nach einem verdienten Widerstandskämpfer und SPD-Mitglied.
Die Schlageterstraße in Leverkusen wird umbenannt in "Erzbergerstraße", nach einem verdienten Zentrums-Politiker.
Die Schlageterstraße in Barneck bei Leutzsch wird umbenannt in "Gutshofstraße".
Der Schlageterplatz in Köln erhält wieder seinen alten Namen "Rudolfplatz" (nach Rudolf I, dem ersten Kaiser aus dem Hause Habsburg, obwohl dieser - wie viele andere europäische Herrscher des Mittelalters auch - bekennender Antisemit war); das Schlageterdenkmal dortselbst wird abgerissen.
Die Schlageterstraße in Leipzig-Wiederitzsch wird umbenannt in "Auschwitzer Straße", obwohl sie überhaupt nicht nach Auschwitz führt.
Die Schlageterstraße in Lindenau (Oberlausitz) wird umbenannt in "Georg-Schwarz-Straße".
Die Schlageterstraße in Mölkau-Zweinaundorf wird umbenannt in "Sophie-Scholl-Straße", obwohl die Namensgeberin nie dort gewesen ist.
Schlageter wird von den Düsseldorfer Stadtverordneten zum Kriegsverbrecher erklärt und das "Nazi-Denkmal" in der Golzheimer Heide gesprengt.
Der Schlageter-Platz in Flensburg wird wieder in "Burgplatz" umbenannt; das Denkmal "Auf der Wacht" bleibt jedoch zunächst stehen.

1947
Die USA verkaufen die "Guanabara" an Brasilien.

1949
Hanns Johst wird wegen seiner literarischen Tätigkeit als "Hauptkriegsverbrecher" zu dreieinhalb Jahren Zwangsarbeit und zehn Jahren Berufsverbot verurteilt; seine Werke werden verboten. (Auf das im gerade verabschiedeten Grundgesetz verbriefte "Grundrecht auf Kunstfreiheit" geben die "Richter" der "Entnazifizierungs-Spruchkammern" einen Dreck.)

1957
In Schönau wird ein neues Schlageter-Denkmal errichtet.
Die Luftwaffe der neu gegründeten "Bundeswehr" erhält wieder Jagdgeschwader; eines mit der Nr. 26 darf es jedoch nie wieder geben (geschweige denn eines mit dem Namen "Schlageter").

1958
Anstelle des Denkmals für den Kriegsverbrecher Schlageter wird von der Stadt Düsseldorf ein Werk des verdienten jüdischen Bildhauers Joseph ("Jupp") Rübsam aufgestellt, dessen Titel im Laufe der Zeit einigen Wandlungen unterworfen ist.
(Rübsam soll es dem Vernehmen nach mit "Glaube, Hoffnung und Liebe" betitelt haben; der Volksmund nannte es "die drei Nornen"; regierungsamtlich sollte es zunächst die Opfer der Front, der Heimat und des Terrors versinnbildlichen, später die Opfer des Fascismus, des National-Sozialismus und des Anti-Semitismus - wobei die Bezeichnung "Denkmal" in "Mahnmal" geändert wurde. Für Dikigoros steht der häßliche Steinklotz eher für die damals einsetzende Freßwelle, die Unfähigkeit des "Künstlers" und die Geschmacklosigkeit seiner Auftraggeber.)

[<DEL>Denkmal</DEL>Mahnmal]

1961
Brasilien verkauft die "Guanabara" an Portugal. Dort wird sie umbenannt in "Sagres II" (nach der angeblich von "Heinrich dem Seefahrer" gegründeten Marine-Akademie); unter diesem Namen fährt die ehemalige Bark "Albert Leo Schlageter" bis heute.

1974
Endlich wird auch das Denkmal "Auf der Wacht" vom Flensburger Burgplatz entfernt und zunächst in einer Kaserne abgestellt.
Die Schill-Denkmäler in Braunschweig und Wesel werden regelmäßig von so genannten "Antifaschisten" besudelt.

1976
November: Nachdem der "sozial-liberalen" Regierung des Oberleutnants a.D. Helmut Schmidt (SPD) bekannt geworden ist, daß der Kommandierende General der Luftflotte, Generalleutnant Walter Krupinski, 1944-1945 im Jagdgeschwader "Schlageter" gedient hat (197 Luftsiege, Eichenlaubträger), wird dieser vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

1978
Schlageter wird von dem - damals noch nicht umstrittenen - Schriftsteller Martin Walser gewürdigt. 20 Jahre später wird Walser dafür von linken Kreisen übel angefeindet.

1985
Das neue Schlageter-Denkmal in Schönau wird von linken Randalierern zerstört.

1987
Die erste Nachkriegs-Biografie Schlageters von Karl Höffkes und Uwe Sauermann erscheint.


1990
Die Schlageter-Biografie von Wolfram Mallebrein, welche die Parallelen zu Andreas Hofer stark betont, erscheint, bleibt jedoch weitgehend unbeachtet.


Nach der so genannten "Wiedervereinigung" der BRD mit der DDR wird die besagte Kaserne in Flensburg nicht mehr benötigt und daher abgerissen. Das Denkmal "Auf der Wacht" wird - zusammen mit dem nun ebenfalls nicht mehr benötigten Denkmal "Deutschland ungeteilt" (das bis dahin auf dem Berliner Platz stand) - in der "Schützenkuhle" versenkt"zwischengelagert". (Als Endlager soll der städtische Betriebshof dienen.)
Dafür werden überall in der BRDDR Denkmäler auf "unbekannte Deserteure" u.a. "Helden" aufgestellt - am Ende sogar auf die notorischen "Blockflöten".


1994
12. August: Schlageters 100. Geburtstag vergeht unbeachtet. (Selbst im als "rechts" geltenden "Deutschen Soldatenjahrbuch" erscheint lediglich ein Achtzeiler im Stil einer Todesanzeige sowie ein schwerfälliges Sonnett von Gunther Bardéy, das auch auf jeden anderen Soldaten passen würde.)
Statt seiner hat die BRDDR drei Wochen zuvor den tapferen Widerstandskämpfer und versuchten Attentäter Claus Schenk v. Stauffenberg anläßlich des 50. Jahrestages seiner Hinrichtung als Hochverräter geehrt.

[Wenn ein Mann nicht bereit ist, für seine Überzeugung ein Risiko einzugehen, dann taugt entweder die Überzeugung nichts, oder der Mann taugt nichts (Ezra Pound) - oder beide taugen nichts (Dikigoros)][Medaille]

1995
Im Rahmen des verdienstvollen Projekts "Achsenzeiten der jüdischen Geschichte" wird die mittelalterliche Geschichte dahingehend umgeschrieben, daß Rudolf von Habsburg gar kein Antisemit war, weshalb der "Rudolfplatz" in Köln weiterhin nach ihm benannt bleiben darf.

1997
September: In Berlin-Kreuzberg (der zweitgrößten türkischen Stadt in Europa) findet eine öffentliche Veranstaltung statt, auf der ein Lied der Punkrock-Gruppe "Slime [Schleim]" abgespielt wird, dessen Kehrreim den Satz von Heinrich Lersch ins Gegenteil verkehrt: "Deutschland muß sterben, damit wir leben können". Das Amtsgericht Berlin verurteilt den Verantwortlichen daraufhin zu einer geringen Geldstrafe; das Landgericht Berlin als Berufungs- und das Kammergericht Berlin als Revisions-Instanz bestätigen das Urteil.

2000
November: Der 1. Senat des Bundesverfassungsgerichts entscheidet durch den Richter Kühling, die Richterin Jäger und den Richter Hömig einstimmig, daß die Verurteilung gegen das "vorbehaltlos gewährte Grundrecht auf Kunstfreiheit" verstieß und hebt die Urteile auf. (Dies, obwohl der Verurteilte wohlgemerkt nicht der "Künstler" war, der jenes "Kunstwerk" verfaßte, sondern nur derjenige, der es abspielte.) Anders als noch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Straffreiheit des Satzes "Soldaten sind Mörder" (nach dem Stück "Der bewachte Kriegsschauplatz" von Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1931) macht der Fall keine Schlagzeilen, sondern wird von den Medien weitgehend tot geschwiegen.***
Dezember: In Berlin-Kreuzberg (s.o.) lädt ein junger Arbeitsloser im stillen Kämmerchen ein paar "rechtsradikale" Lieder aus dem Internet herunter, u.a. eines, das den Satz mit dem Gift aus dem Gedicht "Das letzte Kapitel" von Erich Kästner aus dem Jahre 1931 ins Gegenteil verkehrt. Er wird dabei von der Internet-Polizei auf frischer Tat ertappt.

2002
Das Landgericht Berlin verurteilt den Arbeitslosen zu einem Jahr Gefängnis wegen "öffentlicher Volksverhetzung". Von dem "vorbehaltlos gewährten Grundrecht auf Kunstfreiheit" ist nicht die Rede. (Schließlich ist der Verurteilte nicht der "Künstler", der jenes "Kunstwerk" verfaßte, sondern nur derjenige, der es aus dem Internet auf seinen Computer herunter geladen und damit - so die Urteilsbegründung - "zahllosen Computernutzern zugänglich gemacht" hat.) Das Urteil wird rechtskräftig - eine Verfassungsbeschwerde wäre wohl auch aussichtslos gewesen.


2006
Oktober: Der jüdische Schmierfinkbegnadete Künstler Wolfram Kastner zerstört mit einigen KomplizenMitkünstlern bei Landshut einen der letzten Schlageter-Steine. Die Staatsanwaltschaft begeht den Faux-pas, ihn darob wegen "Sachbeschädigung" anzuklagen. (Das Verfahren wird 2007 auf Druck jüdischer Lobbyisten-Verbände nieder geschlagen.)

2008
Bei ihren vielfältigen Bemühungen, Schlageter als "alten Nazi" zu diffamieren, bezeichnen als "Antifa" organisierte linke Gruppen ihn gleichwohl noch immer als "Helden".


*Diese Zahl beruht auf zeitgenössischen Quellen. 1967 wurde diese Zahl in der BRD auf "rund 300.000" herunter gerechnet, da dies die Zahl der Personen war, die an der Trauerfeier für Konrad Adenauer teilgenommen hatten, und man den letzteren nicht ausgerechnet von Schlageter übertroffen wissen wollte.

**All diese Maßnahmen sollten nicht darüber hinweg täuschen, daß die Heldenverehrung Schlageters in der Zeit des "Dritten Reichs" staatlicherseits eher geduldet als gefördert wurde, wie die Aktivitäten der "Freikorps" überhaupt. So nahm Hitler nicht nur nicht an der kleinen Trauerfeier von 1923 statt, sondern blieb auch der größeren von 1933 demonstrativ fern und ließ sich von Göring vertreten, der eine eher lauwarme Rede hielt, die selbst das - sicher nicht der übertriebenen Deutschfreundlichkeit verdächtige - US-Magazin TIME "überraschend gemäßigt und friedfertig" nannte. Bezeichnend ist ferner, daß im "Dritten Reich" das Tragen folgender in der Zeit der "Weimarer Republik" gestifteten Orden und Ehrenzeichen verboten wurde: das Baltische Erinnerungszeichen, das Bewährungsabzeichen der Grenzschutz-Ost-Kämpfer, der Deutsche Ordensschild zur Erinnerung an den Grenzschutz Ost, das Deutschritterkreuz, der Schlageter-Schild, die Medaille für die Teilnehmer an den Kämpfen in Kurland sowie das Ehrenzeichen des erst 1933 in Erwartung besonderer staatlicher Förderung gegründeten - aber schon 1936 verbotenen - Schlageter-Gedächtnisbundes. Auf Denkmälern für Einheiten, die nach offizieller Beendigung des Ersten Weltkriegs wie Schlageter in "Freikorps" weiter gekämpft hatten, wurden diese Einsätze bewußt verschwiegen und die nach 1918 Gefallenen geradezu demonstrativ vom Gedenken ausgenommen. Dikigoros' Großvater, der - bis 1918 - in einer der betroffenen Einheiten gedient hatte, hat die diesbezüglichen Unterlagen fleißig gesammelt.

[Schlageterschild]

***Tot geschwiegen werden auch die z.T. skurrilen Auswirkungen, welche das BVerfG-Urteil in Sachen Tucholski-Zitat zeitigt. So demonstrierte ein junger Mann anno 1999 vor dem Bundesverteidigungs-Ministerium gegen den Angriffskrieg der NATO gegen Serbien unter Hinweis darauf, daß der Einsatz der Bundeswehr in demselben grundgesetzwidrig und strafbar sei. Da hatte er zwar Recht; aber dennoch - oder gerade deshalb, denn die BRDDR-Regierung wollte natürlich nicht öffentlich als [Kriegs-]Verbrecher-Regime da stehen - erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn. Nun war der junge Mann aber clever genug gewesen, auf seine Flugblätter neben dem Hinweis auf die Grundgesetz- und Völkerrechtswidrigkeit jenes Bw-Einsatzes noch den Satz zu schreiben: "Aktive Soldaten sind potentielle Mörder!" Nach einigem Zögern - schließlich hatte er Tucholski nicht wortwörtlich, sondern nur einschränkend zitiert - sprach ihn das Gericht frei. Also, liebe Leser, wenn Ihr daran denken solltet, demnächst gegen die Einsätze der Bundeswehr im Irāq, in Afģānistān oder sonstwo zu protestieren: Vergeßt nicht, diesen oder einen ähnlichen Satz an geeigneter Stelle einzufügen - das bewahrt Euch womöglich vor dem Gefängnis!


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