MAKÁRIOS  III*

[Michaíl Christodoúlos Moúskos]

(1913 - 1977)

[Makários]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1913
13. August: Michaíl Christodoúlos Moúskos wird als Sohn eines Schafhirten in Panagiá (Cypern) geboren. Die Insel, die zuvor über 300 Jahre lang von den Türken besetzt war, gehört seit 1878 - wie schon Gibraltar, Malta und die Ionischen Inseln - zu den britischen Militär-Stützpunkten im Mittelmeer.

[Die britischen 'Verwalter' hissen 1878 den 'Union Jack' auf Cypern; zeitgenössisches Bild aus 'The Illustrated London News'] [Titelbild des Sammelbandes 'Raubstaat England'

1914
November: Drei Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erklärt Großbritannien die Annexion des bisher nur "verwalteten" Cyperns.

1919-1926
Moúskos besucht die Dorfschule in Panagiá.

1925
Cypern wird zur britischen "Kronkolonie" erklärt.

1926-1933
Moúskos besucht die Klosterschule in Kýkko.

[Georg V, von Gottes Gnaden König und Imperator von Indien, auf einem 45-Piaster-Stück zum 50-jährigen Jubiläum der Unterwerfung Cyperns durch die Briten]

1928
Aus Anlaß ihrer 50-jährigen Herrschaft über Cypern beginnen die Briten - ähnlich wie in Indien - mit der kulturellen Unterdrückung der Mehrheit der "Eingeborenen" (ca. 80% griechisch-orthodoxe Christen) unter Bevorzugung der (türkisch-muslimischen) Minderheit, getreu dem lateinischen Motto: "divide et impera [divide and rule/entzweie und herrsche]".**


1931
Oktober: Nach Unruhen verbieten die Briten griechische Schulen und deportieren mehrere orthodoxe Würdenträger.

1933
Erzbischof Kyrill [III] stirbt; die Briten verweigern seinem Nachfolger Leontios den Aufenthalt in Cypern; er residiert daher im Exil in Athen.

1933-1936
Moúskos besucht das pancyprische Gymnasium in Levkosía [Nikosia].

1936
April: In Griechenland wird General Metaxás Premierminister.

1936-1937
Moúskos arbeitet als Hilfslehrer an der Klosterschule in Kýkko.

1937-1938
Moúskos arbeitet als Sekretär des Klosterrats in Levkosía.

1938
Moúskos wird zum Diakon geweiht und nimmt den Namen Makários an.

1938-1942
Makários studiert Theologie an der Universität Athen.

1939-1945
Während des Zweiten Weltkriegs dienen 30.000 Griechen aus Cypern in den britischen Streitkräften; im Gegenzug haben die Briten ihnen - wie auch den Indern - die Unabhängigkeit nach Kriegsende in Aussicht gestellt, ohne auch nur im Traum daran zu denken, ihr Wort zu halten.***

1942-44
Makários arbeitet als Diakon in Piräus.

1944-46
Makários studiert Rechtswissenschaften in Athen.

1944-49
In Griechenland tobt ein von Großbritannien und der Sowjet-Union geschürter Bürgerkrieg zwischen Monarchisten und Kommunisten, der das Land nachhaltig ruiniert.

1946
Makários wird zum Priester geweiht. Anschließend beginnt er mit einem Stipendium des Weltkirchenrats ein Studium der Religions-Soziologie in Boston/Massachusetts.

1947
Erzbischof Leontios stirbt in Athen. Da Cypern für die Briten nach dem Verlust Indiens und der geplanten Aufgabe Palästinas erheblich an strategischem Wert verloren hat, gestatten sie seinem Nachfolger Makários [II] den Aufenthalt in Cypern.

1948
April: Makários - noch nicht 35 Jahre alt, erst seit zwei Jahren nominell Priester und de facto Student im Ausland - wird in absentia zum Bischof von Kitíon "gewählt" - ein unerhörter Vorgang.
Juni: Makários kehrt nach Cypern zurück und wird zum Bischof geweiht.
Juli: Makários wird Vorsitzender des neu eingerichteten Ethnarchie-Rats, der die ("Wieder"****-)Vereinigung ["Énosis"] mit Griechenland zum Ziel hat.

1950
Januar: Bei einer Volksabstimmung stimmen 96% der Griechen auf Cypern für die "Énosis".
Oktober: Makários wird zum Erzbischof von Cypern gewählt, bleibt jedoch Ethnarch; damit ist er sowohl kirchlicher als auch weltlicher Führer der dortigen Griechen - was nach orthodoxem Kirchenrecht eigentlich unzulässig ist.

1953
Makários läßt in Athen die "E.O.K.A. [Völkische Organisation cypriotischer Freiheitskämpfer]" gründen.

1954
Die Verbrecher-Organisation UNO - der ebenso viel am "Selbstbestimmungsrecht der Völker" gelegen ist wie ihrem Vorgänger, dem Völkerbund - verbietet die "Énosis".

1955
April: Die E.O.K.A. beginnt unter Oberst Geórgios Gríwas den Befreiungskampf auf Cypern, den die Briten im Stil eines Kolonialkriegs führen.*****


1956
März: Makários wird von den Briten verhaftet und auf die Seychellen deportiert; der Befreiungskampf geht auch ohne ihn weiter.

1957
April: Nachdem der im Vorjahr unternommene Versuch Großbritanniens, im Bündnis mit Frankreich und Israel den von Ägypten enteigneten Suez-Kanal zurück zu gewinnen, am Widerstand der USA und der Sowjet-Union gescheitert ist, hat Cypern seinen strategischen Wert vollends verloren. Die Briten nehmen daher ein Waffenstillstandsangebot der E.O.K.A. an und lassen Makários nach Cypern zurück kehren - der den Kampf sofort wieder aufnimmt.
Die Türken auf Cypern gründen eine Untergrundbewegung [TMT], die "Taksim" [Trennung (des türkischen vom griechischen Teil Cyperns)] zum Ziel hat.

1959
19. Februar: In Zürich und London einigen sich Großbritannien, Griechenland und die Türkei auf einen faulen Kompromiß: Die "souveränen" Militärbasen Akrotiri und Dekalia bleiben in britischer Hand; der Rest Cyperns wird von Truppen der "Garantiemächte" Griechenland und Türkei besetzt. Unter diesem "Schutz" wird ein "unabhängiger", ungeteilter Staat "Cypern" gegründet, dessen Regierung zu 70% aus Griechen und zu 30% aus Türken besteht; der Präsident - ein Grieche - und der Vizepräsident - ein Türke - haben Veto-Recht; die Unregierbarkeit Cyperns ist damit vorprogrammiert. Makários wird nach London "eingeladen" und dort festgehalten, bis auch er unterschrieben hat.******
März: Makários darf nach Cypern zurück kehren; dagegen muß Gríwas - der das Abkommen ablehnt - Cypern verlassen.
14. Dezember: Makários wird von gut zwei Dritteln der Griechen auf Cypern zum künftigen Präsidenten gewählt, Fazıl Küçük von den Türken zum Vizepräsidenten.

1960
15. August: Großbritannien entläßt Cypern - auf den Tag 13 Jahre nach Indien - in die "Unabhängigkeit".
(Die britischen Besatzungstruppen bleiben aber im Lande. Einige Soldaten dürfen auch Griechenland - 950 - und die Türkei - 650 - auf der Insel stationieren.)

1961
März: Cypern wird Mitglied des Commonwealth und der UNO.
September: Makários nimmt an der Belgrader Konferenz des Block der - dem Ostblock nahe stehenden - "Blockfreien" teil und verärgert dadurch nicht nur die britischen Ex-Kolonialherren, sondern auch deren großen Bruder, die USA, die prompt ihre Wirtschaftshilfe für Cypern einstellen. (In den dortigen Medien wird er sogar mit Fidel Castro verglichen.)

1962
Mai: Um das Budget auszugleichen, reist Makários auf Staatsbesuch nach Deutschland, wo er in Berlin und Bonn am Rhein - der provisorischen Hauptstadt der BRD - empfangen und mit reichlich Entwicklungshilfe bedacht wird.

1963
November: Makários legt einen Verfassungsänderungsentwurf vor, der vordergründig darauf abzielt, wenigstens die griechischen und türkischen Besatzungs-Schutz-Truppen los zu werden; viel wichtiger ist aber sein Ansinnen, den 30%igen Minderheitsschutz für die Türken aufzuheben. Die türkischen Minister verlassen daraufhin die Regierung; auf den Straßen kommt es zu ethnisch motivierten Unruhen.
(Dikigoros hat diesen Absatz auf Leserkritik umformuliert und hofft, sich nunmehr politisch korrekt ausgedrückt zu haben :-)
Dezember: Um einen Bürgerkrieg zwischen Griechen und Türken zu verhindern, bringt Makários den Fall vor die UNO.

1964
Die UNO findet einen faulen Kompromiß, wonach die griechischen und türkischen Truppen künftig als "UN-Friedenstruppen" auf Cypern bleiben.
Makários ernennt Gríwas zum Kommandeur der cyprischen Nationalgarde.

1967
21. April: In Griechenland übernimmt das Militär die Macht.


Makários geht auf Distanz, nimmt einstweilen Abstand von der "Énosis" und weist Gríwas erneut aus; dennoch wird in der Türkei eine Exil-Regierung der Cypern-Türken gegründet.

1968
Februar: Makários gewinnt die Wiederwahl zum Präsidenten, diesmal mit 96% der griechischen Stimmen. (Sein Gegenkandidat Evdókas, der weiterhin für die "Énosis" eintritt, landet mit weniger als 10.000 Stimmen auf dem 3. Platz - hinter den Enthaltungen :-)

1971
Gríwas kehrt heimlich nach Cypern zurück und gründet die E.O.K.A. neu.* Der Bürgerkrieg flackert wieder auf, diesmal zwischen Befürwortern und Gegnern der "Énosis".

1972
März: Die drei Bischöfe von Cypern fordern Makários auf, die gegen das Kirchenrecht verstoßende weltliche Herrschaft nieder zu legen; er entläßt sie und ersetzt sie durch fünf neue, willfährige Anhänger.

1973
Juni/Juli: Griechenland schafft die Monarchie ab und wird - nach einer Volksabstimmung - Republik.
Volkes Stimme ruft immer lauter nach der "Énosis" mit Cypern.

[Volkes Stimme ruft in Athen nach der Énosis mit Cypern]

1974
27. Januar: Gríwas stirbt an "Herzversagen". Die Stimmung bei den Cyprioten - die überzeugt sind, daß Makários den ihm lästigen Volkshelden hat ermorden lassen - schlägt augenblicklich um; eine sechsstellige Zahl von Trauernden folgt dem Leichenzug. Die 2. E.O.K.A. beginnt, Gríwas vermeintliche Mörder zu jagen und zu liquidieren.
2. Juli: Makários verlangt von Griechenland ultimativ den Abzug aller griechischen Offiziere aus Cypern.
15. Juli: Die cyprische Nationalgarde erklärt Makários - der im Volk keinen Rückhalt mehr hat - für abgesetzt; er flieht in die USA.
19. Juli: Vor der UN-Vollversammlung bezichtigt Makários Griechenland einer "Invasion" Cyperns, was die Türkei zum willkommenen Anlaß nimmt, am
20. Juli eine von langer Hand vorbereitete "Gegen"-Invasion Cyperns zu starten. Bis
August gelingt es türkischen Truppen, das nördliche Drittel der Insel zu besetzen. [Der Südteil bleibt griechisch, dazwischen besetzen UN-Truppen eine Pufferzone. Levkosía wird in zwei Hälften geteilt - eine griechische und eine türkische -, als dritte Hauptstadt nach Berlin (1945-1990) und Jerusalem (1948-1967), der dies widerfährt.]
200.000 Griechen fliehen aus dem Norden in den Süden; 60.000 Türken werden aus dem Süden in den Norden umgesiedelt.
Der türkische (Teil-)Erfolg führt zum Sturz der Militär-Regierung in Griechenland und zu einem Wiederumschwung der öffentlichen Meinung im griechischen Teil Cyperns, diesmal zugunsten von Makários, der alsbald auf die Insel zurück kehrt.
All dies hat aber weder eine Wieder-Vereinigung des türkischen und des griechischen Teils Cyperns noch eine "Wieder"-Vereinigung des griechischen Teils Cyperns - geschweige denn der ganzen Insel - mit dem griechischen Mutterland zur Folge.
Cypern ist seitdem geteilt in eine griechische, eine türkische, eine UN- und zwei britische Zonen, wobei die beiden ersteren "ethnisch gesäubert" sind, so daß auch langfristig kein Grund ersichtlich ist, sie wieder zusammen zu legen.


1977
3. August: Makários stirbt in Levkosía.*******


*"Makários" bedeutet soviel wie "Der Glückselige", ein gängiger Name für orthodoxe Geistliche. Da Herrschernamen im Griechischen nicht mit römischen Ziffern, sondern mit Buchstaben des griechischen Alfabets gezählt werden, lautet sein Titel im Original "Makários G" [Gamma]. Entsprechend wurde die 1971 neu gegründete 2. E.O.K.A. auch als "E.O.K.A. W" [Wita/Beta] bezeichnet.

**Der Spruch wird oft auf die alten Römer zurück geführt; dies dürfte jedoch ein Irrtum sein. Erstmals belegt ist er 1513 bei Niccolo Machiavelli in Il Principe.

***Die Briten benötigen Cypern, um dort Konzentrationslager einzurichten für in Europa verfolgteaus Europa desertierte böse Zionisten, die nach Palästina einwandern wollen - was die Briten seit 1939 unterbinden, da die Juden für sie als "Angehörige eines Feindstaates" geltenPalästina der segensreichen britischen KolonialMandats-Herrschaft von Völkerbundes Gnaden entreißen wollen. Die in jenen Konzentrationslagern massenhaft umgekommenen Juden - hauptsächlich Frauen und Kinder - werden später von politisch-korrekten Geschichts-Klitterern den "Nazi-Deutschen" mit in die Schuhe geschoben.

****Ebenso wenig wie die DDR jemals zur BRD gehörte, gehörte Cypern in seiner vieltausendjährigen Geschichte politisch jemals zu Griechenland: Bis zur Eroberung durch die ägyptischen Ptolemäer war es selbständig; danach stand es unter [ost-]römischer, arabischer, venezianischer, türkischer und britischer Herrschaft; seit 1960 ist es - theoretisch - wieder selbständig.

*****Die einst für die Juden eingerichteten Konzentrationslager leisten den Briten dabei beste Dienste. Berühmt-berüchtigt wird in aller Welt - außer in der BRD, wo die Medien bis heute nicht über dieses Thema berichten dürfen - insbesondere das KZ Kokkino-Trimithia, welches Insider mit dem KZ Bergen-Belsen vergleichen, das die Alliierten 1945 anstelle des zuvor dort bestehenden deutschen Krankenlagers eingerichtet hatten, um politische und Kriegsgefangene zu Tode zu foltern.

******Eigentlich war Makários, der - wie jeder Kenner der Materie - die Unbrauchbarkeit der Kompromiß-"Lösung" erkannte, weiterhin für die "Énosis". Wie man ihn dennoch dazu brachte, mit zu unterschreiben, ist umstritten. Die glaubhafteste These ist wohl, daß er von den Briten erpreßt wurde, die drohten, seine Homosexualität publik zu machen, was ihn moralisch und politisch erledigt hätte. [In der orthodoxen Kirche galt und gilt Homosexualität als Grund, einen (Erz-)Bischof abzuberufen; auch nach weltlichem Recht waren Schwulitäten strafbar.]

*******Dikigoros ist von einem Leser gefragt worden, weshalb er einen derart unbedeutenden Politiker in seine Sammlung aufgenommen hat, der nur wenige Jahre einen wirtschaftlich, politisch und inzwischen auch strategisch völlig uninteressanten Inselstaat regierte. Nichts könnte verfehlter sein als diese Einschätzung. Der Cypern-Konflikt - zu dessen Zementierung Makários maßgeblich beitrug - war letztlich ausschlaggebend dafür, daß die Türkei zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht in die EU aufgenommen wurde.

Dies macht Makários ungewollt zu einem der einflußreichsten europäischen Politiker der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, egal wie man dazu steht: Manche meinen, daß eine Aufnahme der Türkei die EU ruiniert hätte, weshalb man Makários dankbar sein und auch in Europa Denkmäler errichten müsse; andere meinen, daß die EU ein Faß ohne Boden sei, das seine Mitgliedsstaaten ruiniere und daß die Aufnahme der Türkei der letzte Tropfen gewesen wäre, der dieses Faß zum Überlaufen gebracht hätte. Ohne Makários' unglückselige Schaukel-Politik wäre der Brüsseler Spuk längst beendet und die EU aufgelöst worden.


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