N E   W I N

(1911 - 2002)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1911*
Mai*: Shu Maung wird in einem Vordorfort von Paungdale geboren. Das heutige Barmā** gehört zur Kolonie Britisch-Indien.

1922
.

1929-31
Shu Maung studiert Medizin*** an der Universität Rangūn (ohne Abschluß).

1932
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1941
Shu Maung geht ins Exil nach Japan. Dort nimmt er den Namen "Ne Win [Strahlende Sonne]" an. Er durchläuft eine militärische Ausbildung auf Hainan - zusammen mit Aung San, U Nu u.a. mehr oder weniger zwielichtigen Gestalten, die später als "Die 30 Genossen" bezeichnet werden.

[Die 30 - eigentlich nur 18 - Genossen]

1942
Ne Win kehrt mit der "barmesischen Unabhängigkeitsarmee" - als Teil der japanischen Invasionsverbände - nach Barmā zurück.

1945
März: Die Briten beginnen, Barmā zurück zu erobern; Ne Win hängt sein Mäntelchen nach dem Wind und läuft mit seinen Verbänden zu ihnen über.

1948
Januar: Großbritannien entläßt ohne Sinn und Verstand alles, was östlich von Assam liegt, als "Unions-Republik Burma" in die Unabhängigkeit. Aung San wird ermordet, U Nu Regierungschef und Ne Win Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

1948-54
Die christlichen Karen und andere Minderheitsvölker kämpfen verzweifelt gegen die buddhistische**** Zentralmacht an, sind aber letztlich ohne Chance.

1955
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1958
Oktober: U Nu übergibt die Regierungsgeschäfte an Ne Win.

1960
April: N Win übergibt die Regierung wieder an U Nu.

1962
März: Ein "Revolutionsrat" unter Führung Ne Wins putscht sich an die Macht. Er löst das Parlament auf, schließt die Universitäten, verweist alle Ausländer des Landes, verstaatlicht alle Unternehmen und schottet Barmā weitestgehend gegen äußere Einflüsse ab. Er bewahrt ihm dadurch - während Japan und später auch Indien allmählich der westlichen Zivilisation erliegen - als einzigem Land Asiens seine alte Kultur in Einfachheit und Armut. (Was weder die auf Autarkie ausgerichtete Binnenwirtschaft noch der Schwarzmarkt mit ausländischer Schmuggel-Ware hergeben, bleibt dem Volk erspartvorenthalten.*****)
Ideologisch untermauert Ne Win dies mit einer Synthese aus Marxismus, Nationalismus und Buddhismus, die er als "Barmesischen Weg zum Sozialismus" bezeichnet.


1964
Ne Win macht die "Partei des barmesischen Sozialismus" - deren Gründer und Vorsitzender er ist - zur allein zugelassenen Staatspartei.


1966
Maos "Kultur-Revolution" zerstört die letzten Reste der alten chinesischen Kultur auf dem Festland.

1970
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1971
Die UNO erkennt die "Volksrepublik China" offiziell an und schließt Taiwan aus.

1972
Februar: US-Präsident Richard Nixon besucht Mao in Peking; auch die USA schwenken nun auf einen pro-maoistischen Kurs ein.

1973
Januar: Die USA ziehen ihre Truppen aus Vietnam ab und geben Indochina verloren.

1974
März: Ne Win löst den "Revolutionsrat" auf und verkündet die Umbenennung Barmās in "Sozialistische Bundesrepublik Barmā". Er selber wird Präsident dieses Gebildes.

1975
April: Truppen der "Roten Khmer" unter dem Ex-Mönch Pol Pot erobern Phnom Penh. Sie machen Sianouk erneut zum Staatsoberhaupt. Die alte, buddhistisch geprägte Kultur Kambodiyāas wird ebenso ausgerottet wie die Chinas während der "Kultur-Revolution" und durch eine Art Steinzeit-Kommunismus ersetzt.


1976
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1978
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1979
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1981
November: Ne Win tritt als Staatspräsident zurück. Sein Nachfolger wird U San Yu (den viele als seine Marionette betrachten).

1988
Ne Win tritt auch vom Vorsitz der Partei des barmesischen Sozialismus zurück.

1991
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1993
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2002
5. Dezember: Ne Win stirbt in Rangūn.


*Das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt; es werden der 14. und 24. Mai 1911 genannt, aber auch der 10. Juli 1910. Über die Schwierigkeiten der Datumsberechnung nach dem chinesischen Kalender - Shu Maungs Eltern waren Chinesen - schreibt Dikigoros an anderer Stelle.

**Die englische Übersetzung "Burma" wird ebenso ausgesprochen wie das indische Original, nämlich "Barmā". "Birma" ist eine nur in Deutschland gebräuchliche Fehlschreibung; "Myanmar" hat den - angeblichen - Vorzug, daß es auch andere Völker einschließt, die in jenem Staate leben, nicht nur die Barmesen.

***Nach anderen Quellen: Biologie. Dikigoros hält es jedoch für plausibler, Medizin anzunehmen; er fiel wohl durchs Fysikum und mußte die Universität danach verlassen.

****Wenn der ob seiner vermeintlichen "Friedfertigkeit" so oft gerühmte Buddhismus an die politische Macht kam, dann hatte dies fast immer verheerende Konsequenzen. Der größte Völkermörder und Kulturvernichter der Antike, Ashok ("Aschoka"), war Buddhist, ebenso die Führer der mongolischen Horden im Mittelalter. Aus der jüngsten Vergangenheit ragt besonders unrühmlich der Kambodiyāner Saloth Sar alias "Pol Pot" hervor.

*****Dikigoros erinnert sich noch gut, daß man in den 1970er Jahren mit einer 1-l-Flasche "Johnny-Walker"-Whiskey aus dem Duty-free-shop einen ganzen Barmā-Urlaub finanzieren konnte. (Ausländische Valuta-Touristen erhielten ein Visum für maximal 3 - seit 1972 maximal 7 - Tage Aufenthaltsdauer; besucht werden durften zunächst nur die Hauptstadt Rangūn und die ehemalige Hauptstadt Pegu, später auch das sagenumwobene Mandalay und die Ruinenstadt Pagan. Dafür reiste niemand eigens nach Barmā - man legte allenfalls einen Zwischenstop auf dem Weg von Indien nach Thailand oder Singapur ein.) Das war auch notwendig, da der dem Zwangsumtausch zugrunde gelegte Kurs der Landeswährung Kyat nur einen Bruchteil des tatsächlichen [Schwarzmark-]Wertes ausmachte, so daß dieses Geld allein nicht ausreichte.

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