Roman v. Ungern-Sternberg

(10.01.1886 - 15.09.1921)

[Roman v. Ungern-Sternberg]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammen gestellt von
Nikolas Dikigoros

1886
10. Januar*: Roman Nikolaj Maximilian Fjodorowitsch v. Ungern-Sternberg wird als 3. (1. überlebendes) Kind des Freiherrn Theodor v. Ungern-Sternberg und seiner Ehefrau Sophie (geb. v. Wimpffen) in Graz geboren und protestantisch getauft. Sein Vater ist Deutschbalte aus Estland, seine Mutter stammt aus Hessen.


1888
Familie v. Ungern-Sternberg zieht nach Reval (Tallin).

1890er Jahre
Roman wächst nach der Scheidung seiner Eltern (1891) und der Wiederheirat seiner Mutter (1894) bei seinem Stiefvater, dem Freiherrn Oskar v. Hoyningen-Hüne, in Jerwakand (Järvakandi) auf.
Er besucht zunächst keine Schule, sondern erhält Privatunterricht von einem Hauslehrer. Er lernt neben seiner Muttersprache Deutsch, der Amtssprache Russisch und der Umgangssprache Eesti auch - wie damals im Tsarenreich üblich - Französisch und - damals völlig unüblich - Englisch.
(Nur der guten Ordnung halber: Auf Russisch schrieb er sich "Roman fon Ungern-Schternberg" - woraus man schließen darf, daß er, wiewohl "Baltendeutscher", seinen Namen nicht pladdütsch "ßternberg" aussprach :-)

1900-1902
Roman besucht das Nikolaus-Gymnasium in Reval, wo er indes nicht reüssiert.

1902-1905
Roman besucht die "Marine-Akademie" (vergleichbar einer deutschen Kadettenanstalt) in Sankt Peterburg, wo er ebenfalls scheitert.


1904
Februar (nach altem Kalender: Januar): Der russisch-japanische Krieg bricht aus.

1905
Februar: Ungern-Sternberg meldet sich freiwillig als einfacher Soldat nach Fernost.
Der Krieg geht infolge der selbstmörderischen todesverachtenden Tapferkeit der japanischen Soldaten - die Ungern-Sternberg sehr imponiert - verloren. Er selber kommt ungeschoren davon und wird zum Korporal befördert.

1905-1907
Eine kommunistische Revolution erschüttert Rußland. Sie erfaßt auch Estland, wo sie sich vor allem gegen den deutsch-baltischen Adel richtet. Die Nachricht von der Zerstörung des stiefväterlichen Gutes in Jerwakant durch den aufständischen Mob trifft Ungern-Sternberg schwer.
Er erkennt richtig, daß die tumpen russischen und estonischen Bauern nicht von selber auf solche Ideen gekommen sind, sondern daß sie von jüdischen Agitatoren, die sich auf die Lehren von Karl Marx berufen, dazu aufgehetzt wurden. Er beginnt, Juden und Kommunisten zu hassen.

1906
Ungern-Sternberg erhält eine neue Chance als Schüler an der Heeres-Kadettenanstalt Pawlowsk in Sankt Peterburg - diesmal nutzt er sie.
Wiewohl nur Mittelmaß in den theoretischen Fächern, entwickelt er sich zu einem trinkfesten hervorragenden Reiter und Säbelfechter - damals noch keine bloßen Sportarten, sondern wichtige Disziplinen im Kriegsalltag.
(Zu diesen zählt, vor allem in den russischen Streitkräften, auch die Trinkfestigkeit, die Dikigoros lediglich aus Höflichkeit - nicht etwa, weil es sachlich falsch wäre - wieder gestrichen hat :-)
Er beginnt sich auch für Geschichte und Religionen fremder Völker zu interessieren, insbesonder das mittelalterliche Reich der Mongolen und den Buddhismus.
Zweifellos faszinierende Themen. Auch Dikigoros hat sich oft gefragt, wie es dem kleinen Volk der Mongolen möglich war, im 13. Jahrhundert halb Eurasien zu erobern - darunter das bevölkerungsreiche China - und dabei scheinbar spielend leicht Völker zu besiegen, die durchaus etwas vom Kriegshandwerk verstanden, wie z.B. die Kiewer Rūs. Er hat bis heute keine Antwort gefunden. Wer eine zu kennen glaubt kann ihm ja mal mailen.


Dezember 1240: Kiew, Hauptstadt der Rūs und zweitgrößte Stadt Europas (nach Konstantinopel)
wird von den Mongolen unter Batu Khan erobert und zerstört. Nur 2.000 Einwohner überleben.

1909-1913
Ungern-Sternberg dient als Subaltern-Offizier in verschiedenen Kosaken-Einheiten in Ost-Sibirien.

1914
Ungern-Sternberg läßt sich vom aktiven Dienst beurlauben und wird Reserve-Offizier z.b.V. bei den Wachtruppen des russischen Konsulats in Chowd (Mongolei). Er kommt in Kontakt mit Mongolen, die den Aufstand gegen die - ebenfalls durch eine Revolution geschwächte - chinesische Kolonialmacht proben. Da Rußland jedoch im Vorjahr Chinas Herrschaft über die Mongolei als lediglich "autonome Region" vertraglich anerkannt hat, darf er sie nicht offen unterstützen.
Ungern-Sternberg soll auch die mongolische Sprache erlernt haben - das ist glaubhaft. Dagegen zeugt die bisweilen anzutreffende Behauptung, er sei "zum Buddhismus konvertiert", von profunder Unkenntnis. Nur mono-theïstische Religionen kennen das Gebot: "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!" Wer dagegen dem Sanātan Dharm folgt, wie die Hindūs, oder ihm zu entkommen sucht, wie die Buddhisten, tut das nicht mit dem Anspruch, den allein selig machenden Glauben zu besitzen - und diesen womöglich auch Anderen aufzwingen zu müssen -, sondern in dem Wissen um den unwandelbaren Lauf der Dinge, wie er nun einmal ist. Es gibt keinen belastbaren Beweis, daß Ungern-Sternberg jemals formell dem Christentum abgeschworen hätte. (Allerdings dürfte er irgendwann von der protestantischen zur russisch-orthodoxen Kirche übergetreten sein, denn er ließ sich später nach orthodoxem Ritus trauen - mit einer Buddhistin :-)
ab Juli/August: Im Ersten Weltkrieg wird Ungern-Sternberg wieder aktiviert und als Kavallerie-Offizier in Galizien gegen Österreich-Ungarn, in Ostpreußen gegen das Deutsche Reich und im Kaukasus gegen das Osmanische Reich eingesetzt.
Er zeichnet sich durch große persönliche Tapferkeit aus, wird fünfmal verwundet und sammelt Auszeichnungen: den Orden des heiligen Georg, den Orden des heiligen Wladimir, den Orden der heiligen Anna und den Orden des heiligen Stanislaws. (Wirklich stolz ist er jedoch nur auf den ersten - obwohl es lediglich der 4. Klasse ist -; den trägt er immer, die anderen dagegen nur zu Fototerminen u.a. wichtigen Anlässen :-)


Da andere Russen indes weniger tüchtig sind als Ungern-Sternberg, wendet sich das Kriegsglück mehr und mehr gegen das Tsarenreich.

1917
März/April: Nach der "Februar"-Revolution dankt Tsar Nikolaj II zugunsten der "bürgerlichen" Regierung Kerenskij ab.
Ungern-Sternberg erkennt wiederum richtig, daß die Köpfe Ärsche Macher dieser Revolution - und auch der im
November ausbrechenden "Oktober"-Revolution - durch die Bank Juden sind, und sieht sich in seiner Meinung über sie bestätigt.**


Koltschak bleibt trotz seiner Sympathien für den Tsaren auf seinem Posten, da er nach seinen Worten das Vaterland über die Regierungsform stellt. Er lehnt jedoch das ihm angebotene Kommando über die Ostseeflotte ab.
Juni: Angesichts der Meutereien in der Schwarzmeerflotte legt Koltschak sein Kommando nieder, quittiert den Marinedienst und beschließt, Politiker zu werden.
September: Koltschak besucht die U.S.-Flotte in San Francisco.
November/Dezember: Nach der "Oktober"-Revolution bietet Koltschak seine Dienste den Briten an, die ihn nach Omsk schicken, um als Kriegsminister einer tsarentreuen Gegenregierung eine anti-bolschewistische "weiße" Armee aufzubauen, die ihn jedoch gleich zum neuen Regierungschef wählt. Briten und Amerikaner erkennen ihn als solchen an, nicht jedoch die von Frankreich unterstützte "tschechische Legion" (frei gelassene Kriegsgefangene und Deserteure der k.u.k. Armee, die sich u.a. der für den Nachschub wichtigen Eisenbahnlinie bemächtigt haben und verhindern, daß der von den USA nach Wladiwostok gelieferte Nachschub Koltschaks Fronttruppen erreicht). Auch von Japan - das Truppen nach Sibirien geschickt hat - erhält er keine Unterstützung. Seine eigenen Truppen sind undiszipliniert, schlecht ausgerüstet und neigen - da oft zwangsrekrutiert - zum Desertieren.

1918
Streitigkeiten unter den alliierten Interventionsmächten (USA, England, Frankreich, Japan) und mangelnde Koordination unter den anti-bolschewistischen "Weißen" (neben Koltschak vor allem Kornilow, Denikin, Wrangel, Judenitsch, Semjonow und Awalow) ermöglichen es der von Trotski organisierten "Roten Armee" der Bolschewiki, immer weitere Teile des einstigen Tsarenreichs zu erobern.
Längst verhandeln auch die Briten hinter dem Rücken Koltschaks mit den Bolschewiki, um sie zur Wiederaufnahme des Krieges gegen die Mittelmächte zu bewegen, und sabotieren die Versuche der anderen Alliierten, sie zu bekämpfen.
November: Nach dem Waffenstillstand in Europa stellen auch die USA ihre Unterstützung für die "Weißen" ein und erklären sich für "neutral bezüglich inner-russischer Angelegenheiten".

1919
März: Die "weißen" Truppen nehmen Ufa und Kazan und belagern Samara; Koltschaks Machtbereich erreicht seine größte Ausdehnung.


April: Die bolschewistische Gegenoffensive beginnt.
Juni: Die Rote Armee erobert Ufa und Tscheljabinsk zurück.
Oktober: Die "weißen" Truppen ziehen sich nach Omsk zurück.
November: Koltschaks Truppen räumen Omsk fast kampflos; der Roten Armee fallen riesige Bestände an Waffen, Munition und Verpflegung in die Hände.
Dezember: Bolschewistische Sympathisanten ergreifen die Macht in Irkutsk.

1920
Januar: Koltschak tritt als Regierungschef und Oberbefehlshaber zurück. Bei dem Versuch, sich in die britische Militärvertretung zu retten, wird er von bolschewistischen Sympathisanten aufgegriffen.
6. Februar: Koltschak wird nach einem summarischen "Prozeß" erschossen, seine Leiche im Angara versenkt. Er wird - auch nach dem Untergang der Sowjet-Union - nie rehabilitiert.
Nach Koltschaks Tod zieht Japan seine Truppen aus Rußland ab; auch Semjonow beschließt den Rückzug in die Mandschurei.
August: Ungern trennt sich von Semjonow und marschiert mit seiner Division in die Mongolei ein.
Oktober/November: Erste Angriffe auf die von zahlen- und waffenmäßig weit überlegenen chinesischen Truppen gehaltene Hauptstadt Urga scheitern.
Ungern-Sternberg nimmt Kontakt zum Bogd Khan, dem von den Chinesen abgesetzten und unter Hausarrest gestellten Führer der Mongolen, auf.

1921
Januar/Februar: Im zweiten Anlauf gelingt es Ungern-Sternbergs Russen - verstärkt durch freiwillige Tibeter, Mongolen und Burjaten - Urga zu erobern.
(Vor ihrer Flucht massakrieren die chinesischen Truppen alle Russen und Japaner in der Stadt; nach der Eroberung massakrieren die Russen alle zurück gebliebenen Juden und Kommunisten. Eine parteiische Nachwelt schiebt die Schuld daran allein Ungern-Sternberg zu.)
Der Bogd Khan wird wieder als Herrscher eingesetzt, sein Kloster zum Regierungssitz.


Zur Belohnung ernennt er Ungern-Sternberg zum Khan, während ihm Semjonow als Anerkennung per Post die Beförderung zum Generalleutnant schickt. (Was immer die praktisch noch wert sein mag - Ungern-Sternberg nimmt sie an und trägt fortan die entsprechenden Rangabzeichen :-).


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1922
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* * * * *

1923
Auch Süch-bātår stirbt jung - mit 30 Jahren -, vermutlich als Opfer eines Giftmords. Die

1924
gegründete "Mongolische Volksrepublik" jubelt ihn zum Nationalhelden hoch. In Urga - das in "Rote Heldenstadt [Ulān Bātår]" umbenannt wird - errichtet man ihm ein imposantes Mausoleum und davor eine monumentale Reiterstatue. Sein Bild verunziert Münzen und Geldscheine.



Vor den Toren der Stadt wird auch Ungern-Sternbergs angeblichem Vorbild Dschingis Khan eine elefantöse Gedenkstätte errichtet.


Ungern-Sternberg wird dagegen gecancelt zur Unperson.***

[Undank ist der Welt Lohn]

Die Mongolen bringen es nie wieder zu staatlicher Einheit und Unabhängkeit. Die innere Mongolei bleibt eine "autonome Region" Chinas; die "Volksrepublik" genannte äußere Mongolei bleibt bis zum Auseinanderbrechen der Sowjet-Union de facto deren Vasallenstaat; danach dümpelt sie als armseeliges, von "Entwicklungshilfe" abhängiges Drittwelt-Land vor sich hin.
(Man kann das freilich auch anders sehen, denn inzwischen sind die meisten Mongolen [Tugrik-]Millionäre - die größeren Geldscheine verunziert übrigens nicht die Axt im Heldenwalde, sondern Dschingis Khan:-)

[10.000 Tugrik]

* * * * *

1938
Berndt Krauthoff veröffentlicht "Ich befehle! Roman über den Mongolei-Feldzug von 'Kriegsgott Ungern-Khan' 1918-1921".
Eine Neuauflage erscheint 2011 mit dem geänderten Untertitel "Kampf und Tragödie des Barons Ungern-Sternberg", eine Übersetzung ins Spanische unter dem Titel "Yo ordeno" 2021 in Argentinien. (Man beachte den Pseudo-Heiligenschein :-)


1942
Ungern-Sternberg wird in dem sowjetischen Propagandafilm "Jewo sowut Suchä-Bator [Man nennt ihn Suchä-Bator]" von Nikolaj Tscherkassow dargestellt.

1966
Wladimir Pozner veröffentlicht "Der weiße Baron".
Die englische Übersetzung - "Bloody Baron" - ist schlicht falsch, Folge des schlampigen Gebrauchs des Wortes "Baron", d.h. seine Gleichsetzung mit "Freiherr" in Deutschland. Der englische "Baron" gehört dem Hochadel an; die englische Entsprechung des deutschen Freiherrn ist der "Baronet".


Vielleicht war das Adjektiv "weiß" - d.h. Gegner der "roten" Armee der Sowjets - in der "DDR" schon Schimpfwort genug; aber in Italien wurde noch deutlicher getitelt ("Der blutrünstige Baron"). P. war ein zwielichtiger Jude mit Wurzeln in Frankreich, der wahrscheinlich als Doppelagent für die Geheimdienste der USA und der SU arbeitete, damals in Ost-Berlin und zuletzt in Moskau wohnhaft war. Seit Ausbruch des russisch-ukraïnischen Krieges anno 2022 ist er spurlos verschwunden. Die Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen würde Dikigoros knapp über null ansetzen.

1993
Leonid Jusefowitsch veröffentlicht "Samoderzhets pustyni. Baron R. f. Ungern-Schternberg i mir, w kotorom on zhil [Autokrat der Puszta. Baron R. v. Ungern-Sternberg und die Welt, in der er lebte]".
(Es widerstrebt Dikigoros, "pustynja" hier mit "Wüste" zu übersetzen, wie das die englische Ausgabe tut. Das steht zwar im Wörterbuch, ist aber nicht gemeint, sondern eher allgemein flaches, weites Land, das gut für die Kavallerie geeignet ist. In der französischen und der italienischen Ausgabe steht "Steppe", in der estnischen "kõrbe" - ein Wort, dessen Bedeutungsnuancen ihm entgehen, da er kein Eesti kann :-)
Das in mehrere Sprachen übersetzte Buch wird zum Standardwerk und erlebt zahlreiche Neuauflagen - außer in der BRDDR, wo es unbekannt bleibt (vielleicht weil J. nicht genügend darauf herum reitet thematisiert, daß U. ein böser Antisemit war).


2009
James Palmer - eigentlich ein Reiseschriftsteller mit Wohnsitz in Peking und entsprechend voreingenommen - veröffentlicht: "The Bloody White Baron".
(Die deutsche Übersetzung - "Der blutige weiße Baron" - erscheint mit dem Untertitel: "Die erstaunliche Geschichte eines russischen Adligen, der zum letzten Khan der Mongolei wurde".)


2011
Sergej Kuzmin - dem als erstem ausländischen Historiker auch die mongolischen Archive offen stehen - veröffentlicht "Geschichte Baron Ungerns. Erlebnis der Rekonstruktion".


Zwei Jahre später erscheint in der Zeitschrift Inner Asia auch sein Verriß seine Rezension des Buches von Palmer unter dem Titel "How Bloody was the White Baron?".


*Da Ungern-Sternberg in Österreich-Ungarn geboren wurde, wo schon lange der "gregorianische" Kalender in Gebrauch war, erübrigt sich die Angabe eines Geburtsdatums nach dem im Tsarenreich noch geltenden "julianischen" Kalender. Die Geburt in Graz war zufällig; für eine bisweilen behauptete Abstammung aus Österreich-Ungarn gibt es keine belastbaren Beweise, geschweige denn für eine später behauptete Abstammung von Batu Khan, Dschinggis Khan o.a. Mongolen. Sein Äußeres - groß, blond und blauäugig, ein Bilderbuch-Germane - straft alle diesbezüglichen Fantasien Lügen. Seine Darstellung als "verrückter" alter Baron mit slawischen Gesichtszügen - nicht nur, aber vor allem in Frankreich - ist nicht nur eine Frechheit, sondern schlicht falsch: Er starb als 35-jähriger!

**Ungern-Sternberg in diesem Zusammenhang "Rassismus" vorzuwerfen, wie das heute gerne getan wird, ist geradezu lächerlich: Er "konnte", wie die folgenden Jahre zeigen sollten, mit allen Rassen und Völkern und vermochte allen Religionen irgendeine gute Seite abzugewinnen, mit Ausnahme der Brut, die sich für "das auserwählte Volk" hält und deren Religion sie dazu aufruft, sich die Erde untertan zu machen und alle anderen Völker ("Gojim [Untermenschen]") auszurotten. Dagegen (also ein "Anti-Semit") zu sein ist nicht verwerflich, sondern vielmehr ein Gebot der Vernunft. Dikigoros mußte freilich ein alter Mann werden, bevor auch er das erkannte. Aber er hatte halt das Glück, nicht schon in jungen Jahren so schlimme Erfahrungen zu machen wie Ungern-Sternberg - erst gewisse Ereignisse des 21. Jahrhunderts haben ihm die Augen geöffnet. Und wäre letzterer so alt geworden wie Dikigoros, dann hätte er vielleicht auch erkannt, daß es ein paar Ausnahmen gibt - Verräter an der jüdischen Weltverschwörung Renegaten, die sich vom Judentum los gesagt haben oder es sogar ganz verleugnen, vor allem einige bedeutende Angehörige des Hauses Salomon:

[Ernst von Salomon] [Wladimir Putin, Sohn der Marija Salomon]

***Jedenfalls in der Mongolei und dem Rest der politisch-korrekten Welt. Dikigoros will seinen Lesern Leser*innen Lesenden Lesend*innen indes nicht vorenthalten, daß es eine kleine Minderheit gibt, die Ungern-Sternberg nach wie vor für einen unsterblichen Gott hält und z.T. hanebüchende Märchen über ihn verbreitet. So wird z.B. auf einer Webseite, die sich "The Kaiserreich" nennt, kolportiert, er sei 1921 nicht erschossen worden, sondern habe seit Mitte der 1920er Jahre in die Kämpfe der chinesischen "War Lords" eingegriffen, dabei sowohl die Kuomingtang als auch die japanischen Truppen zurück geworfen und schließlich sogar die innere Mongolei erobert. 1933 sei der tibetische Dalai Lama von ihm als König der Gesamtmongolei installiert worden. Noch größere Spinner Fantasten behaupten gar, er habe ein riesiges himmlisches Reich "Schambala" mit sich selber als Gottkönig errichtet oder zumindest geplant, das zu tun:

Ins Reich der Fantasie verweisen darf man wohl auch seine anno 2014 in Frankreich plötzlich aufgetauchte erschienene Autobiografie - dem Herausgeber angeblich persönlich in die Feder diktiert. Schon der Untertitel ("Das Testament eines Anti-Semiten, den Hitler bewunderte") spricht Bände.


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