"PABLO  NERUDA"

[Eliecer Ricardo Neftalí Reyes Basoalto]
(klingt ja enorm - aber wer will schon
"Elias Ölig-Tiefenhoch" heißen?!*)

(1904 - 1973)

[Pablo Neruda]

1904
12. Juli: Eliecer Ricardo Neftalí Reyes Basoalto wird in Parral (Chile) als Sohn des Eisenbahners José Carmen Reyes Morales und der Lehrerin Rosa Basoalto de Reyes geboren. (Die Mutter stirbt kurz nach der Geburt.)

1906
José Reyes heiratet in zweiter Ehe Trinidad Candia Marvedre und zieht mit der Familie nach Temuco.

1916
Ricardo lernt die Dichterin Gabriela Mistral kennen.

1917
Ricardo veröffentlicht seinen ersten Atikel in La Mañana.

1918
Ricardo veröffentlicht sein erstes Gedicht: "Mis ojos [meine Augen]" in Corre-Vuela.

1920
Ricardo veröffentlicht weitere Gedichte in Selva Austral, wobei er erstmals das Pseudonym "Pablo Neruda" benutzt.

1921
Ricardo beginnt ein Lehramtsstudium (Hauptfach Französisch) am Pädagogischen Institut von Santiago de Chile.

1924
Ricardo veröffentlicht "20 Liebesgedichte und ein verzweifelter Gesang".

1927
Ricardo wird als chilenischer Konsul nach Rangoon (British Indien) entsandt. Als Diplomat lernt er u.a. Federico García Lorca und Jorge Luis Borges kennen.

1930
Ricardo heiratet die Niederländerin Marie-Antoinette Hagenaar. (Aus der Ehe, die 1936 getrennt und 1942 geschieden wird, geht eine geisteskranke Tochter - Malva Marina - hervor, die 1942 stirbt.)

1935
Ricardo wird an die chilenische Botschaft in Madrid versetzt.

1936
Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs stellt sich Ricardo demonstrativ auf die Seite der "Rojos" und wird daher aus dem diplomatischen Dienst Chiles entlassen. Er geht nach Paris, wo er eine politischepoetische Zeitschrift heraus gibt, die jedoch bald eingeht.

1938
Neruda kehrt nach Chile zurück und wird Redakteur der Zeitschrift "Aurora de Chile".
Dezember: Nach dem Sieg der Volksfront in Chile wird der Kommunist Pedro Aguirre CerdoCerda neuer Präsident. Er errichtet ein Terror-Regime, in dem "Rechte" blutig verfolgt werden, und holt Neruda zurück in den diplomatischen Dienst.

1939
Neruda baut in Paris ein Zentrum für Kommunisten auf, die das sinkende Schiff Spanien verlassen und in Chile Asyl erhalten. Nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs wird Neruda Generalkonsul in Mexiko.

1942
Neruda schreibt einen "Liebesgesang für Stalingrad", in dem er den Kampf der Roten Armee verherrlicht.

1943
Neruda kehrt nach Chile zurück, tritt der kommunistischen Partei bei und heiratet in zweiter Ehe seine langjährige Maitresse Delia del Carril. (Die Ehe wird 1955 geschieden.)

1945
Neruda wird Mitglied des chilenischen Senats. Die sozialistische Regierung schickt ihn nach Frankreich, um dort noch immer internierte spanische Kommunisten - Strandgut des Bürgerkriegs - für die Auswanderung nach Chile zu gewinnen.

1948
Nachdem Neruda erfolglos zum Sturz des neuen, nicht-kommunistischen Präsidenten Videla aufgerufen hat, flieht er über Argentinien und Mexiko nach Frankreich, das ihm auf Fürsprache seines Freundes Pablo Picasso die Staatsangehörigkeit verleiht.

1949
Aus Angst vor Auslieferung durch Frankreich an Chile siedelt Neruda in die Sowjet-Union über; dort freundet er sich mit Gleichgesinnten, wie dem jüdischen Kriegspropagandisten Ilja Ehrenburg und dem türkischen Exilanten Nazim Hikmet an.
Auch auf Reisen nach China - wo gerade Mao Tse-tung den Bürgerkrieg gewonnen hat - und im zwei Jahr zuvor von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassenen Indien - wo Nehru sich am Aufbau des Sozialismus versucht - verbreitet Neruda Propaganda für das kommunistische Arbeiter- und Bauern-Paradies.
Die DDR wird gegründet. Noch im selben Jahr wird der Gedichtband "beleidigtes Land" veröffentlicht. Neruda ist damit einer der ersten ausländischen Dichter, dessen Werke dort gedruckt werden.


1950
Neruda veröffentlicht "Canto General", ein Sammelsurium von Gedichten über Lateinamerika, die er während der zurück liegenden Jahre geschrieben hat. Am bekanntesten wird "Alturas de Macchu Picchu".

1952
Nachdem in Chile erneut die Kommunisten an die Macht gelangt sind, kehrt Neruda dorthin zurück und widmet sich seiner Propaganda-Tätigkeit.

1953
Neruda wird für besondere Verdienste um den Kommunismus der sowjetische "Stalin-Preis" (später in "Lenin-Preis" umbenannt) verliehen.


1956
Auch nach dem 20. Parteitag der KPdSU, auf dem Chruschtschow die Verbrechen Stalins anprangert, bleibt Neruda strammer Stalinist. Er beginnt jedoch an der Sowjetunion, die ihren großen Führer derart verleugnet, zu zweifeln.

1957
Neruda wird Präsident des chilenischen Schriftstellerverbandes.

1960
Neruda besucht Kubas Diktator"Máximo Lider [größten Führer]" Fidel Castro, der gerade begonnen hat, die bis dahin reichste Insel der Karibik gründlich zu ruinieren in ein sozialistisches Paradies zu verwandeln, und veröffentlicht "Hundert Liebes-Sonette".

1965
Neruda nimmt als Mitglied des Präsidiums am kommunisischen "Weltfriedenskongreß" in Helsinki teil, auf dem sich der Bruch zwischen der Sowjetunion und Rotchina abzeichnet.

1966
Neruda heiratet in dritter Ehe die Sängerin Matilde Urrutia.

1967
Neruda wird von der Universität Leipzig zum Dr. h.c. promoviert.

1969
Die Kommunistische Partei Chiles will Neruda zum Präsidentschafts-Kandidaten nominieren; er verzichtet jedoch zugunsten seines Freundes Salvador Allende.


1970
Nach Allendes Machtergreifung wird Neruda Botschafter Chiles in Paris.

[Neruda in Paris - mit Baskenmütze und Pfeife] [Neruda-Karikatur von Shankar]

1971
Oktober: Neruda wird der Nobelpreis für Literatur verliehen - eine offenbar politische Entscheidung, denn sein Werk ragt nur quantitativ, nicht aber qualitativ, heraus.


1972
Dezember: Neruda, der an Lungenkrebs (nach anderen Quellen: an Leukemie) erkrankt ist, kehrt nach Chile zurück, wo inzwischen - nach Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und Enteignung des privaten Grundbesitzes - Hyperinflation, Armut und Hungersnot herrscht.

1973
September: General Augusto Pinochet befreit Chile mit Hilfe der USA vorübergehend vom Kommunismus. Entgegen späteren Behauptungen verhält er sich streng rechtsstaatlich und läßt Individuen wie Neruda nicht verfolgen. In einem seiner letzten Gedichte ("Incitación al Nixoncido") ruft Neruda zur Ermordung des US-Präsidenten Richard Nixon auf.
23. September: Neruda stirbt in Santiago de Chile.


Seine Bebräbnisfeier wird von den Kommunisten zu einer Hetzveranstaltung gegen Pinochet und dessen Vor-Vorgänger, den Christdemokraten Eduardo Frei, umfunktioniert; die Regierung läßt die Veranstaltung jedoch unbehelligt ablaufen. Auch Nerudas Memoiren ("Confieso que he vivido", deutsche Übersetzung unter dem Titel "Ich bekenne, daß ich gelebt habe") dürfen unzensiert erscheinen.


Nicht nur in der SU, der DDR u.a. kommunistischen Staaten, sondern auch in Ländern des Westens, wo gewisse Politiker ebenfalls den ("demokratischen") Sozialismus aufbauen wollen, wie der BRD (BK Brandt) und Schweden (MP Palme), wird Neruda posthum zum großen Poeten und Menschenfreund hochstilisiert. Straßen und Plätze werden nach ihm benannt, Briefmarken, Münzen und Medaillen mit seinem Konterfei versehen.

[Die Neruda-Straße im Ostberliner Stadtteil Köpenick]

1995
Michael Radfords The Postman - eine Verfilmung des Romans Il postino von Antonio Skarmetas über den (fiktiven) Aufenthalt Nerudas als Exilant auf einer italienischen Mittelmeer-Insel im Jahre 1952 - wird für mehrere "Oscars" nominiert, gewinnt jedoch keinen einzigen. Der von linken Kritikern hoch gelobte Streifen flopt an den Kinokassen.

2004
Juni: Zu Nerudas 100. Geburtstag veranstaltet die Universität Leipzig ein "Pablo-Neruda-Symposium" und überhäuft ihn mit Lobhudeleien wie "Universallyriker", "Heimatlyriker", "Universaldichter" und "Dichter der Massen" (was sich nur auf seine literarische Massenware beziehen kann, denn die Masse der Normalverbraucher kennt ihn nach wie vor nicht :-). Zutreffend erscheint allerdings seine Einordnung als "Picasso der Lyrik", denn sein literarisches Opus dürfte objektiv betrachtet ebenso wertvoll sein wie das künstlerische Œuvre jenes AnstreichersMalers.

[Picasso - Selbstportrait]

2006
In Chile ergreifen die Kommunisten erneut die Macht. Sie wandeln Nerudas Grabstätte in einen Wallfahrtsort für den PKPT (politisch korrekten Pilger-Tourismus) um.


*"Pablo Neruda" offenbar nicht. Schon bevor er jenes Pseudonym annahm, ließ er seine jüdischen Namensbestandteile - Naftali ist einer der 12 Stämme Israels (der nordöstlichste) - zumeist weg und nannte sich bloß "Ricardo Reyes".

[Ricardo Reyes] [Die 12 Stämme Israels]

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