"Du kannst Dein Leben nicht verlängern noch
verbreitern, Du kannst es nur vertiefen!"

G O R C H  F O C K
[Johann Kinau]
(1880-1916)


"Dann ging die gewaltige Dünung
des Skagerraks über ihn hinweg."
(G. Fock, Seefahrt ist not, 15. Str.)

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1880
22. August: Johann Wilhelm Kinau wird als ältester Sohn des Fischers Heinrich Kinau und dessen Ehefrau Metta (geb. Holst) auf der Insel Finkenwärder (heute "Finkenwerder") bei Hamburg geboren.


1901
Nach abgebrochener Kaufmannslehre in Geestemünde (1895-96), erfolgreichem Besuch der Handelsschule in Bremerhaven (1897-98) und Tätigkeiten als Kontorist in Bremerhaven und Meiningen (1899-1901) zieht Kinau nach Halle. Er arbeitet als Buchhalter bei Hofmeister & Co. und schreibt nebenbei seine ersten Bühnenwerke ("Trotzkopf", "Fischerkönig").

1904
Kinau geht nach Hamburg und arbeitet dort als Abteilungsleiter bei der Zentraleinkaufsgesellschaft deutscher Kolonialwarenhändler.

1907
Kinau wird Buchhalter bei der Hamburg-Amerika-Linie.


Kinau veröffentlicht volkstümliche Erzählungen und Gedichte, meist auf Plattdeutsch unter den Pseudonymen Jakob Holst oder Gorch Fock (italienisiert auch "Giorgio Focco").


1908
Januar: Kinau heiratet Rosa ("Rosalein") Elizabeth Reich. Aus der Ehe gehen zwei Söhne (Zwillinge) und eine Tochter hervor.
Er schreibt Bühnenstücke für Richard Ohnsorg (den Gründer des gleichnamigen Theaters); Ziel ist es, das Plattdeutsche "salonfähig" zu machen.

ab 1910
"Gorch Focks" zahlreiche Kurzgeschichten und Gedichte werden zusammengefaßt in Büchern wie "Schullengrieper un Tungenknieper" (1910), "Hein Godenwind" (1911), "Hamborger Janmooten" (1913) "Finkwaarder Speeldeel" und "Fahrensleute" (beide 1914) heraus gegeben.


1913
Gorch Focks bekanntestes Werk, "Seefahrt ist not" (ein Roman mit hochdeutschem Text und plattdeutschen Dialogen), erscheint. Darin heroïsiert er das Leben der Fischer von Finkenwärder und erfindet die volkstümliche Figur des Matrosen Hein Mück. Das Buch wird über Jahrzehnte zum Bestseller.


Sein Arbeitgeber spendiert ihm dafür eine Kreuzfahrt nach Norwegen, das ihn landschaftlich tief beeindruckt.

[Norwegen, das ideale Reiseland - Werbeposter eines Reiseveranstalters 1913]

1914
Gorch Fock veröffentlicht die beiden plattdeutschen Einakter "Cili Cohrs" und "Doggerbank".


August: Der Erste Weltkrieg bricht aus.

1915
April: Kinau wird zum Heer eingezogen; er macht die Feldzüge gegen Serbien und Rußland mit (unter dem Kommando von General August Mackensen).


1916
Kinau wird "Einjährig-Freiwilliger" und Offiziersanwärter.
Er nimmt an der Schlacht um Verdun teil und ersucht um Versetzung zur Kaiserlichen Marine.
April: Kinau wird auf den kleinen Kreuzer S.M.S. Wiesbaden versetzt.


31. Mai: Gorch Fock fällt in der Seeschlacht am Skågerrak durch Torpedotreffer auf S.M.S. Wiesbaden.
Gorch Focks Leiche wird nicht identifiziert. Um den Standort seines Grabes streiten zwei schwedische Orte: Sowohl auf dem Ehrenfriedhof für Marinesoldaten am Südhang des Jorefjords als auch auf der Insel Steensholm - wo jeweils Leichen aus der Skågerrakschlacht angetrieben und beerdigt wurden - gibt es einen Gedenkstein mit seinem Namen.


Der 31. Mai wird (bis 1944) als "Ehrentag der Deutschen Flotte" und Todestag Gorch Focks gefeiert.*

* * * * *

1933-1945
Im "Dritten Reich" wird das Werk Gorch Focks von den National-Sozialisten besonders gefördert.

1933
3. Mai: Die Reichsmarine tauft ihr neues Segelschulschiff (die alte "Niobe" - wie konnte man einem Schiff nur einen so unheilschwangeren Namen aus der griechischen Mythologie geben?! - war 1932 abgesoffen) auf den Namen "Gorch Fock". (Die beiden Schwesternschiffe "Horst Wessel" und "Albert Leo Schlageter" folgen 1936 bzw. 1937. Das dritte, "Herbert Norkus", wird nicht mehr fertig gestellt.)


1937
Hinrich Wriede veröffentlicht seine "Erinnerungen an Gorch Fock"; Paul Franke "Gorch Fock und seine Heimat". Das Vorwort zu beiden Büchern schreibt Graf Luckner. Besonders das erstere macht Gorch Fock in weiten Kreisen vorübergehend zur Kultfigur.

1939-1945
Zweiter Weltkrieg. An dessen Ende reißen sich die alliierten Sieger die deutschen Segelschulschiffe als Kriegsbeute unter den Nagel. [Der eufemistische Ausdruck "als Reparationsleistung", der auf der Webseite eines Briefmarkenfreundes für diesen Vorgang verwendet wird, ist unzutreffend: Reparationen können nur durch einen Friedensvertrag bestimmt werden, und den hätte wiederum nur eine handlungsfähige deutsche Regierung abschließen können - letztere gab es jedoch damals nicht (nur böse Zungen behaupten: heute ebenso wenig :-), und ersteren gibt es bis heute nicht; es handelte sich also, völkerrechtlich gesehen, nicht um "Reparationsleistungen", sondern um schlichten Raub.] Aus "Gorch Fock" wird der sowjetische "Towarischtsch [Genosse]", aus "Horst Wessel" der amerikanische "Eagle [Adler]", aus "Albert Leo Schlageter" der portugiesische "Sagres" [nach der - angeblich - von Heinrich dem - angeblichen - Seefahrer gegründeten Marineschule].


seit 1949
Gorch Fock ist einer der wenigen im "Dritten Reich" geförderten Schriftsteller, die in der bis auf weiteres von alliierten Truppen besetzten und von alliierten Zensoren kontrollierten BRD nicht geächtet werden. Seine Bücher werden trotz ihres ausgesprochen nationalistischen Inhalts nicht verboten.**

1958/1959

Die Bundesmarine nennt ihr neues Segelschulschiff wiederum "Gorch Fock [II]" (obwohl es die Masten und Spieren der "Herbert Norkus" trägt - aber nach dem konnte man natürlich kein Schiff mehr benennen). Das kommt fast einer amtlichen Ernennung zum Nationalhelden gleich, zumal wenn man sieht, nach wem die Nachbauten bzw. Schwesternschiffe genannt werden: in Venezuela nach dem Libertador "Simon Bolivar", in Mexiko nach dem Inca "Cuauhtemoc" und in Rumänien nach dem anti-türkischen Freiheitskämpfer "Mircea".


1980
Zu Gorch Focks 100. Geburtstag bringt die Deutsche Bundespost eine Sondermarke heraus, auf deren Abbildung er überhaupt nicht vorkommt; vielmehr entsteht beim unbefangenen - und unwissenden - Betrachter der Eindruck, als solle da ein Schiffs-Jubiläum gefeiert werden.



Der Hamburger Glogau-Verlag (der vor allem in den 1930er Jahren Gorch Focks Werke millionenfach verkauft hatte) bringt ein kümmerliches Heftchen von gerade mal 178 Seiten unter dem Titel "Die besten Geschichten von Gorch Fock" heraus - mehr, das noch den Anforderungen an die inzwischen herrschende "politische Korrektheit" erfüllt, findet sich offenbar nicht.
Fazit: Gorch Fock und sein Werk sind so gut wie vergessen.

1988
Die "Demokratische Republik [Nord-]Korea" gibt zum 30. Jahrestag der Indienststellung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" eine Goldmünze zu 2.500 Won zum Auslandsverkauf heraus, um Devisen in die leeren Kassen zu spülen.


1999
"Towarischtsch" wird abgetakelt. Da die Ukraïne - an die das Schiff nach dem Auseinanderbrechen der Sowjet-Union gefallen war - kein Geld (und keine eigene Fachkompetenz) für eine Reparatur hat, wird das Schiff nach Wilhelmshaven geschickt in der Hoffnung, daß die Deutschen blöd genug sind, es ihnen entweder abzukaufen oder gratis zu reparieren und bis dahin die Besatzung kostenlos durchzufüttern.

2000
Am Rande der Weltausstellung in Hannover ("EXPO am Meer") ist "Towarischtsch" zeitweise gegen Gebühr zu besichtigen.

2003
September: Ein privater Verein bringt das notwendige Geld auf, um der Ukraïne das Schiff abzukaufen. Es liegt jetzt wieder unter dem Namen "Gorch Fock" in Stralsund.
Auf einer Webseite über dieses Ereignis wird in einem kurzen Anhang auch des fast schon vergessenen Namensgebers Gorch Fock gedacht.

2007
Im Bonner Stadtteil Neu-Vilich wird eine Sackgasse, an deren Ende das obskure Bundesamt für Justiz versteckt*** ist, nach Gorch Fock benannt.

2008
Die BRDDR gibt 10-Euro-Münzen unter dem Motto "50 Jahre Gorch Fock" heraus. Nun geht es auch offiziell nur noch um das Schulschiff; sein Namensgeber wird mit keinem Wort mehr erwähnt. Auf der Rückseite der Münzen befindet sich ein entsprechend erbärmlicher "Bundesadler", der allenfalls noch als Möwe durchgehen könnte.


2010
November: Die Gorch Fock macht unliebsame Schlagzeilen, als eine besoffene Kadettin aus der Takelage fällt und dabei stirbt. Die Einzelheiten des Vorfalls werden - ebenso wie die anschließende Meuterei der Stammbesatzung ob der willkürlichen Absetzung des Kapitäns durch den korrupten Betrüger Verteidigungs-Minister Dr.**** Karl-Theodor von und zu Guttenberg - von den Monopol-Medien vertuscht, um das politisch gewollte Ziel, möglichst viele Frauen in Männerberufen auszubilden - auch in solchen, für die sie nicht nur während in der Regel ungeeignet sind, wie das Militär - in den Augen der Öffentlichkeit nicht zu diskreditieren.


*Der 31. Mai war zuvor bereits als Todestag des preußischen Freikorps-Führers und Putsch-Majors Ferdinand v. Schill (1776-1809) gefeiert worden, der im Kampf um die Hafenstadt Stralsund gefallen war.

**Damit steht er in auffallendem Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Walter Flex, der sowohl als Schriftsteller und Theater-Dichter (er verfaßte u.a. ein Drama "Demetrius" - ein Thema, an dem Schiller gescheitert war, worüber er promoviert hatte) wie auch als Soldat (er war, als er 1917 beim Angriff auf die Ostsee-Insel Ösel fiel, Leutnant d.R. und Kompagnieführer) mindestens ebenso viel geleistet hatte. Seine Werke sind zwar nicht offiziell verboten, aber klammheimlich aus dem Verkehr gezogen worden und der totalen Vergessenheit à la Orwell ("1984") anheim gefallen, u.a. die meistverkauften deutschsprachigen Kriegserinnerungen der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, "Der Wanderer zwischen beiden Welten". Das darin enthaltene Lied, "Windgänse rauschen durch die Nacht" - einst das beliebteste und meistgesungene bei allen europäischen Streitkräften ("Lili Marleen" wurde nicht gesungen, sondern nur gehört; "Wenn alle untreu werden"/"Wenn alle Brüder schweigen" wurde nur bei der Waffen-SS gesungen, "Rot scheint die Sonne" nur bei den Fallschirmjägern") läuft heute - wie zur Zeit des "Dritten Reichs" Heines "Lied von der Lorelei" - unter "Verfasser unbekannt". Seine Gräber - er hatte wie Johann Kinau derer zwei - wurden zerstört, alle Straßen und Plätze, die einst nach ihm hießen, umbenannt.

[Walter Flex]

[2014 wurde "Der Wanderer zwischen beiden Welten" in einer verstümmelten zensierten umgeschriebenen verbesserten Fassung neu heraus gebracht, wie schon zuvor das Lied der Wildgänse vom Schlagersänger Heinz Kramm ("Heino") mit weich gespültem verbessertem Text neu aufgenommen worden war.]

***Das Versteck jener Behörde, von der die meisten unbescholtenen BRDDR-UntertanenBundesbürger noch nie gehört haben (zu ihren vornehmsten Aufgaben zählt es, Delegationen aus gut-demokratischen Rechtsstaaten, wie z.B. der Volksrepublik China oder der Republik Kazakhstan zu empfangen, um von deren wertvollen fachlichen Erfahrungen zu profitieren, und diesen - sowie anderen, ähnlich vertrauenswürdigen Staaten - Vollstreckungshilfe gegen Deutsche zu leisten), ist selbst vielen Juristen unbekannt, die lediglich die offizielle Tarnadresse in der Adenauerallee kennen. Dabei hat sich jenes Amt mittlerweile wie eine Krake über ein Areal ausgebreitet, das größer ist als früher das der Bundesministerien für Justiz, für Finanzen und für Wirtschaft zusammen.

****Der Doktorgrad wurde dem Edelmann aberkannt, nachdem heraus gekommen war, daß seine Dissertation weitgehend aus Plagiaten nicht als solchen kenntlich gemachten Zitaten bestand. Danach mußte er auch sein Ministeramt niederlegen und emigrierte in die USA. Dort arbeitet er für die Schwindelfirma "Start-up Ripple Labs", die versucht, einfältigen Zeitgenossen ein fiktives neues Zahlungsmitteleine virtuelle neue Cyber-Währung namens "Ripple" (Konkurrenz zu "Bitcoin" :-) zu verkaufen. Da der Schwindel noch nicht offiziell aufgeflogen ist und die Verantwortlichen noch nicht rechtskräftig verurteilt sind, mußte Dikigoros das Wort Betrüger vorläufig streichen.


Anhang: Rätsel um die Aleviten im CDU-Ortsverband Finkenwerder (Hamburger Abendblatt)


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