"LE  CORBUSIER"

[Charles Édouard Jeanneret]

(6.10.1887-27.8.1965)

[Le Corbusier]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1887
6. Oktober: Jean Édouard Jeanneret wird als Sohn des Uhrmachers Georges Édouard Jeanneret und seiner Ehefrau Marie Charlotte, geb. Perret, in La-Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg) geboren.


1902
Jeanneret beginnt eine Ausbildung zum Graveur an der École d'Art (Kunstgewerbeschule) von La-Chaux-de-Fonds, beschäftigt sich jedoch nebenbei immer mehr mit Architektur.

1907
Jeanneret bereist Norditalien und Österreich-Ungarn, wo er die bedeutendsten Bauwerke abzeichnet. (Die Fotografie steckt noch in ihren Kinderschuhen.) In Wien hospitiert er bei dem Architekten Joseff Hoffmann und lernt die "Wiener Secession" kennen.

1908-09
Jeanneret reist nach Frankreich. In Paris hospitiert er bei August Perret, wo er das Bauen mit Stahlbeton - damals ein Novum - kennen lernt, in Lyon bei dem Städteplaner Tony Garnier.

1910-11
Jeanneret reist nach Deutschland. In Potsdam hospitiert er bei Peter Behrens.

1911
Jeanneret bereist den Mittelmeerraum (Griechenland, Osmanisches Reich, Süditalien), um Bauwerke des klassischen Altertums zu studieren.

1912
Jeanneret wird Lehrer an der École d'Art in La-Chaux-de-Fonts. Nebenbei eröffnet er ein Architekturbüro.

1914
Jeanneret entwickelt die Idee eines Fertighauses aus vorgefertigten Stahlbetonteilen ("Domino") und läßt sie sich patentieren.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs beklagt Jeanneret die "feige Neutralität" der Schweiz - er wünscht, sie würde auf der Seite Frankreichs in den Krieg gegen Deutschland eintreten.

1917
Jeanneret übersiedelt nach Paris. Da er mitten im Krieg kaum Aufträge als Architekt erhält, verlegt er sich auf die Malerei. Unter dem Schlagwort "Purismus" propagiert er Bilder aus geometrischen Formen ohne "überflüssiges" Beiwerk, um diese Idee später auch auf seine Architektur zu übertragen.
(So die offizielle Legende. Werke aus dieser Schaffensperiode - jedenfalls solche, die jenen Kriterien entsprächen - sind allerdings nicht überliefert :-)

1920
Jeanneret gründet zusammen mit dem Maler Amadeus Ozenfant und dem Publizisten Paul Dermée die Zeitschrift "L'Esprit Nouveau [Der Neue Geist]", in der er seine neuen Ideen veröffentlicht, vor allem die des Fertighauses in Serienherstellung ("Maison Citrohan").


Dabei benutzt er erstmals das Pseudonym "Le Corbusier".

1922
Jeanneret und sein Vetter Pierre eröffnen ein Architekturbüro in Paris. Er entwirft Konzepte für Milionenstädte.

1925
Für die Internationale Kunstgewerbeausstellung (Exposition internationale des arts décoratifs) in Paris entwirft Jeanneret einen zweistöckigen Pavillon, den er als die Wohnform der Zukunft anpreist. Danach trennt er sich von seinen früheren Mitstreitern; "Der Neue Geist" geht einwird eingestellt.

1927
Der Völkerbund schreibt einen Wettbewerb für den Bau eines neuen Palasts in Genf aus. Jeanneret und sein Vetter reichen einen Entwurf ein, der zusammen mit acht (!) anderen den "1. Preis" erhält - berücksichtigt wird er dann doch nicht, was Jeanneret ungemein erbost; er vermutet politische Intrigen.

1928
Jeanneret reist nach Moskau; er gewinnt den Wettbewerb für den Bau eines neuen PalastsHauptsitzes für den Zentralverband der Konsumgenossenschaften, was ihn sehr für die Sowjet-Union im allgemeinen und für Väterchen Stalin im besonderen einnimmt.

ab 1929
Jeanneret bereist Südamerika und entwirft neue Stadtpläne.
Nach seiner Rückkehr entwirft er, um seine häßlichen geschmacklosen schnörkellos-puristischen Fertighäuser zu möblieren, auch abscheuliche primitive unpraktische passende Sessel und Tische.


1930
September: Jeanneret wird französischer Staatsbürger.


Dezember: Jeanneret heiratet das Fotomodell* Yvonne Gallis.


1931
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1932
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1933
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1934


1937
Le Corbusier konzipiert für die Weltausstellung in Paris den Pavillon "Temps nouveaux". Er wird dafür zum Ritter der Ehrenlegion ernennt.

[Pavillon]

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1938
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1938/39


1939
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1940
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1941
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1942
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1943
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1944
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1945
Le Corbusier reist in die USA. Bei dieser Gelegenheit lernt er den Jahrhundert-Charlatán Albern Einstein kennen, bei dem er ein Lektion in Selbstdarstellung für Fortgeschrittene nimmt.


ab 1948**
Le Corbusier beginnt, infantil-pornografische Kritzeleien und Klecksereiengeniale Zeichnungen und Bilder im Stil von Pablo Picasso zu verfertigen.


Wie Picasso verwendet auch Le Corbusier wiederholt den Stier als Motiv - allerdings nicht den Stierkampf.

[Minotaurus] [Taurus]

Ebenfalls wie Picasso macht Le Corbusier einen stilisierten Vogel zu seinem Markenzeichen "Totem", allerdings nicht die Taube, sondern die Gans, die sich allmählich aus der "Main ouverte [offene Hand]" bzw. der "Main levée [erhobene Hand]" entwickelt - vermutlich während seines folgenden Projekts. (Die Gans ist in Indien heilig.***)

[offene Hand] [die Hand als 'Totem' Le Corbusiers] [erhobene Hand]

1951
Nachdem seine größenwahnsinnigen Pläne zur "völligen Neugestaltung" Moskaus, Genfs, Stockholms, Rio de Janeiros und Buenos Aires' keine Abnehmer gefunden haben, erreicht Le Corbusier durch persönliche Vorsprache bei Indiens Diktator Nehrū, daß ihm wenigstens die Planung der neuen "Reißbrettstadt" Chandīgarh (Panjāb) übertragen wird. Er verbrichtentwirft auch einige Gebäude dortselbst.

[Chandigarh - die Reißbrettstadt im indischen Reisbett :-)] [Le Corbusiers Gans in Chandigarh] [Gerichtsgebäude in Chandigarh]

1952
Nachdem Le Corbusier erstmals einen Urlaub am Cap Martin - nahe dem früher zu Monaco und Piemont gehörenden, 1859 zusammen mit Nizza/Nice u.a. Teilen der "Côte d'Azur" von Frankreich annektierten Roccabruna/Roquebrune - verbracht hat, läßt er sich dortselbst eine bescheidene Hütte bauen - die in krassem Gegensatz zu den von ihm selber entworfenen Klötzen steht, in denen zu leben er anderen Menschen zumutet - und beschließt, seinen Lebensabend am Mittelmeer zu verbringen.


1958
Le Corbusier entwirft den Philips-Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel.


1962
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1965
27. August: Le Corbusier ertrinkt beim Baden am Cap Martin; er wird in Roquebrune begraben.

[Grab] [Le Corbusier]

* * * * *

1987
Die Schweiz widmet ihrem abtrünnigen Sohn zum 100. Geburtstag eine Gedenkmünze zu 5 Franken.


2015
Die Medien Frankreichs widmen ihrem Wahlbürger zum 50. Todestag eine ausgiebige Diskussion der Frage, ob er etwa ein böser Fascist war.


*Nach anderen Quellen war Y.G. eine Prostituierte, die er im Bordell kennen gelernt hatte. (Beides schloß sich damals freilich ebenso wenig aus wie heute :-)

**Den von gerissenengewissen Kunsthändlern Le Corbusier zugeschriebenen und auf "1938" datierten "Othello" hält Dikigoros für nicht authentisch, trotz - oder gerade wegen - der ausgeschriebenen Signatur. Le Corbusier pflegte seine authentischen Werke kurz mit "L-C" zu signieren. Aber Dikigoros ist kein Kunstexperte - bei einigen Fälschungen sieht allerdings selbst der Laie mit bloßem Auge, daß die Signatur lediglich faksimiliert und nachträglich eingefügt ist.

[Othello von 1938, Le Corbusier zugeschrieben] [Le canapé von 1950, Le Corbusier zugeschrieben] [Ausschnitt mit faksimilierter Signatur]

***Und zwar (zusammen mit dem Schwan - für beide Vögel gibt es auf Hindī nur ein Wort: "Hans") "heilig" im echten Sinn von "Halbgöttern" - nicht bloß schutzwürdig wie Kühe, Elefanten, Affen, Ratten, Schlangen u.a. Tiere. Hans ist der Begleiter der Göttin Saraswatī.


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