Max Schmeling

(1905 - 2005)

[Max Schmeling]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1905
28. September: Maximilian Adolph Otto Siegfried Schmeling wird in Klein-Luckow (Brandenburg) als zweites von drei Kindern des Steuermanns Maximilian Schmeling sen. und dessen Frau Amanda (geb. Fuchs) geboren.

1906
Die Familie zieht nach Hamburg, wo Schmelings Vater bei der Hamburg-Amerika-Linie arbeitet.
Schmelings bevorzugte Sportart ist zunächst Fußball - er spielt Torwart in der Jugendmannschaft von St. Georg.

1920
Schmeling beginnt nach der Volksschule eine kaufmännische Lehre in einer Annoncen-Spedition.

1921
Juli: Ein Wochenschaubericht über den Weltmeisterschaftskampf zwischen Jack Dempsey und Georges Carpentier weckt Schmelings Interesse am Boxsport.

[Dempsey vs. Carpentier 1921]

1922
Schmeling bricht seine Lehre ab und geht zu einer Brunnenbaufirma nach Düsseldorf. Er wird Mitglied des Kraftsportvereins Benrath.


1923
Schmeling wird von seinem Arbeitgeber nach Köln versetzt; er tritt dem Box-Club "Colonia" in Köln-Mühlheim bei.

1924
April: Bei den deutschen Amateur-Meisterschaften in Chemnitz dringt Schmeling im Halbschwergewicht überraschend ins Finale vor, wo er erst nach zweimaliger Verlängerung Otto Nispel knapp nach Punkten unterliegt. Danach wechselt er ins Profilager. Seine Manager ist zunächst Hugo Abels.
2. August: Schmeling gewinnt in Düsseldorf seinen ersten Profikampf gegen Kurt Czapp durch t.k.o. in der 6. Runde.

[Schmeling als Jungprofi 1924]

1925
Schmeling sparrt in Köln zwei Runden mit Jack Dempsey, dem amtierenden Weltmeister aller Klassen, der ihm daraufhin voraussagt, daß er einmal Weltmeister würde.
01. September: Schmeling unterliegt in Köln Larry Gaines1 durch k.o. in der 2. Runde.


1926
15. Juni: Schmeling überwirft sich mit Hugo Abels und wechselt nach Berlin zu Arthur Bülow.
24. August: Schmeling wird in seinem dritten Kampf gegen den Berliner Max Diekmann (zuvor eine t.k.o.-Niederlage und ein Unentschieden) durch k.o. in der 1. Runde Deutscher Meister im Halbschwergewicht. Die Presse feiert ihn als neuen "Stern am Boxhimmel".
Schmeling gibt sein Filmdebüt in "Ein Filmstar wird gesucht". Danach findet er über den Galeristen Alfred Flechtheim Zugang in Künstler-, Schauspieler- und Schriftstellerkreise. In den folgenden Jahren steht er Modell für den Maler George Grosz sowie die Bildhauer Josef Thorak, Rudolf Belling und Ernesto de Fiori. Auch für die Boxer-Skulptur, die Renée Sintenis von einem gewissen "Erich Brandl" angefertigt haben will (einen Boxer dieses Namens gab es in Wirklichkeit nicht) dürfte Schmeling Modell gestanden haben.

[Max Schmeling - Skulptur von Josef Thorak] [Max Schmeling - Gemälde von George Grosz] [Skulptur von Rudolf Belling: Schmeling wendet sich zum Ringrichter um und reklamiert Tiefschlag]
[Skulptur von Ernesto di Fiori]
[Skulptur von Renée Sintenis]

1927
19. Juni: Schmeling wird durch t.k.o. (Aufgabe) in der 14. Runde über den Belgier Fernand Delarge in Dortmund Europameister im Halbschwergewicht.
8. November: Schmeling verteidigt in Leipzig seinen deutschen Titel durch k.o. in der 7. Runde gegen Hein Domgörgen, den Deutschen Meister im Mittelgewicht.


02. Dezember: Schmeling schlägt in einem Nicht-Titelkampf den walisischen Halbschwergewichtsmeister William Daniel ("Gipsy Daniels") nach Punkten.

1928
6. Januar: Schmeling verteidigt in Berlin seinen Europameistertitel gegen den Italiener Michele Bonaglia durch k.o. in der 1. Runde vor einem hysterischen, das Deutschlandlied gröhlenden Publikum. (50 Jahre später wird Schmeling behaupten, er und das Publikum hätten das seinerzeit als "Sieg des demokratischen Prinzips der Weimarer Republik über den Vertreter des verhaßten italienischen Faschismus" empfunden.) Das Ereignis wird - als erster Boxkampf - live im deutschen Rundfunk übertragen; Schmeling avanciert damit zum ersten Star dieses neuen Mediums.
25. Februar: Schmeling verliert den Rückkampf gegen Daniels durch k.o. in der 1. Runde. Wiewohl dies kein Titelkampf war, wechselt Schmeling daraufhin ins Schwergewicht.
4. April: Schmeling wird durch einen umstrittenen Punktsieg nach 15 Runden über Franz Diener in Berlin Deutscher Meister im Schwergewicht.
Mai: Schmeling geht mit seinem Manager Arthur Bülow in die USA.
November: Da Schmeling sich weigert, seine europäischen Titel zu verteidigen - er schützt eine Handverletzung vor -, werden ihm diese aberkannt. (Neuer deutscher Meister im Schwergewicht wird Ludwig Haymann; neuer Europameister im Halbschwergewicht wird Bonaglia.)
24. November: Schmeling gewinnt seinen ersten Kampf in den USA gegen Joe Monte durch k.o. in der 8. Runde. Danach trennt er sich - nach Beratung mit James Farley, dem stellvertretenden Vorsitzenden der New Yorker Box-Kommission - von Bülow. Schmelings neuer Manager wird pro forma sein Trainer Max Machon.
Bülow entfacht in Deutschland eine Presse-Kampagne gegen Schmeling, der sich auch sein früherer Förderer Rolf Nürnberg - Chefredakteur der Berliner Zeitung "12-Uhr-Mittag" - anschließt. Nürnberg veröffentlicht eine wenig schmeichelhafte Biografie ("Max Schmeling. Die Geschichte einer Karriere" [2. Auflage 1932 nach seiner Niederlage gegen Sharkey]).


1929
Januar: Schmelings neuem Manager, dem bis dahin weitgehend unbekannten Joe Jacobs (1899-1940), gelingt es, ihn nach zwei weiteren Siegen gegen zweitklassige Gegner in die Ausscheidungskämpfe um den seit Gene Tunneys Rücktritt vakanten Weltmeisterthron zu bringen, wobei er Schmelings Ähnlichkeit mit dem noch immer äußerst populären Ex-Weltmeister Jack Dempsey geschickt ausnutzt.

[Schmeling (links) und Dempsey]

Schmeling schließt einen Werbevertrag mit der Milchfirma der Frau des einflußreichen Presse-Zaren William Randolph Hearst (dem Vorbild für die Gestalt des 'Citizen Cane' in dem gleichnamigen Film.)
1. Februar: Schmeling schlägt den Italo-Amerikaner Johnny Risco durch t.k.o. in der 8. Runde.
27. Juni: Schmeling schlägt Paolino Uzcudun, den baskischen Europameister im Schwergewicht, in 15 Runden nach Punkten und weigert sich danach mit Erfolg, einen - noch von Bülow ausgehandelten - weiteren Ausscheidungskampf gegen den britischen Commonwealth-champion Phil Scott auszutragen. So wird Schmeling nach nur fünf Profikämpfen in den USA Titel-Anwärter. Er kehrt nach Deutschland zurück.
Schmelings erste Memoiren "Mein Leben - meine Kämpfe" (Verfasser unbekannt) erscheinen.


1930
März: Der Film "Liebe im Ring" (1929 noch als Stummfilm gedreht, dann nachvertont), in dem Schmeling die männliche Hauptrolle spielt (neben Olga Tschechowa und Renate Müller) kommt in die Kinos. (Er gilt als "nicht jugendfrei", da Schmeling in einer Szene nackt unter der Dusche zu sehen ist.) Darin kämpft - und gewinnt - Schmeling gegen den portugiesischen Meister im Schwergewicht José Santa und versucht sich auch als Schlagersänger ("Das Herz eines Boxers"), allerdings hat die ausgekoppelte Schallplatte nur bescheidenen Erfolg.


12. Juni: Schmeling trifft im Endkampf um die Box-Weltmeisterschaft in New York City auf den aus Litauen stammenden US-Meister Paul Cukoshay ("Jack Sharkey"), dem der Ruf voraus eilt, seine Kämpfe allesamt nur durch Tiefschlag gewonnen zu haben. (Vor allem der Brite Phil Scott, gegen den Sharkey anstelle Schmelings zusätzlich angetreten war, vertritt diese Behauptung.)
Dies wird Sharkey zum Verhängnis, als er, nach Punkten führend, Schmeling in der 4. Runde aus weit zurückhängender Position in den Ringseilen unter der Gürtellinie trifft. Schmeling reklamiert "Tiefschlag" und weigert sich, weiter zu kämpfen; Joe Jacobs erreicht gemeinsam mit den Hearst-Reportern am Ring, daß Sharkey disqualifiziert wird.

[Zeitungsmeldung vom Sieg Schmelings über Sharkey]

Da der Gewinn eines vakanten Titels durch Disqualifikation angeblich noch nicht vorgekommen ist2, wird Schmeling von der New Yorker Box-Kommission zunächst nicht als Weltmeister anerkannt. Auch in Deutschland verweigert man ihm in Boxkreisen vielfach die Anerkennung und legt ihm nahe, auf den Titel zu verzichten. Er lehnt dies ab, erwirbt ein Wochenendhaus in Saarow-Pieskow am Scharmützelsee, wohin er sich zurück zieht und ein Jahr lang keine Boxkämpfe mehr austrägt.

[Schmeling vs. Stribling]

1931
In den USA knüpft Schmeling angeblich Kontakte mit einigen zwielichtigen Zeitgenossen an, u.a. mit dem "Seeteufel" Graf Luckner und mit Al Capone.
3. Juli: Da die New Yorker Box-Kommission Schmeling noch immer nicht als Weltmeister anerkennen will, verteidigt er seinen Titel in Cleveland (Ohio) gegen den amerikanischen "k.o.-König" William "Young" Stribling - der ebenfalls nicht als offizieller Herausforderer anerkannt ist. Schmeling siegt durch t.k.o. (Aufgabe) in der 15. Runde und wird danach allgemein als Weltmeister anerkannt, zumal er sich trotz der Wirtschafts-Depression einmal mehr als Kassenmagnet erwiesen hat, während der gleichzeitig in New York City ausgetragene Kampf zwischen Sharkey und dem Italiener Primo Carnera erschreckend wenige Zuschauer angezogen hat, ebenso der einen Tag später ausgetragene Kampf zwischen Paolino Uzcudun und dem Kalifornier Max Baer. Allerdings enttäuscht Schmeling die in ihn gesetzten finanziellen Erwartungen der New Yorker Madison Square Garden Corporation, da er wieder ein Jahr Box-Pause einlegt. Die Presse beschimpft ihn daraufhin als "Alle-Jahre-einmal-Boxer".

[Mickey Walker]

1932
Nachdem ein Herausforderungskampf zwischen Sharkey und Mickey Walker, dem Ex-Weltmeister im Mittelgewicht, unentschieden ausgegangen ist, will Schmeling seinen Titel gegen den letzteren verteidigen. Die New Yorker Box-Kommission zwingt Schmeling jedoch, Sharkey Revanche zu geben mit der Drohung, ihm sonst den Titel abzuerkennen und diesen in einem Revanche-Kampf zwischen Sharkey und Carnera neu zu vergeben.

[Schmeling und Roosevelt]

Während des Trainingslagers läßt sich Schmeling von James Farley, der inzwischen Wahlkampf-Manager von Franklin Delano Roosevelt geworden ist, für dessen Wahlkampf einspannen, um bei den Deutsch-Amerikanern Sympathien zu wecken. Der politisch naive Schmeling ahnt nicht, welch verhängnisvolle Konsequenzen der daraus resultierende Wahlsieg Roosevelts nicht nur für ihn persönlich haben wird.


21. Juni: Schmeling verliert seinen Weltmeistertitel durch eine Punktniederlage nach 15 Runden gegen Jack Sharkey.
Er behauptet später, nach überlegen geführtem Kampf "verschoben" worden zu sein; richtig ist, daß der beiderseits schwach geführte Kampf keinen Sieger verdient hatte; bei einem Unentschieden hätte Schmeling den Titel freilich behalten, doch niemand hatte Interesse an einem Weltmeister, der nur einmal im Jahr kämpfte und Geld in die Kassen brachte. Joe Jacobs wird, nachdem er öffentlich behauptet hat, der Titel sei ihnen "geraubt" worden - der Satz "we was (!) robbed" wird zum geflügelten Wort - gesperrt.
26. September: Schmeling schlägt Walker durch t.k.o. in der 8. Runde.

1933
Die Verhandlungen zwischen den Managern Schmelings und Sharkeys um einen dritten WM-Kampf ziehen sich wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Aufteilung der Kampfbörse hin.
Am Ende einigt man sich darauf, zuvor nochmals getrennt Kasse zu machen: Sharkey wird seinen Titel zunächst gegen Carnera verteidigen, und Schmeling zunächst Baer schlagen.


8./29. Juni: Überraschend verlieren sowohl Schmeling gegen Baer (t.k.o. in der 10. Runde) als auch Sharkey gegen Carnera (k.o. in der 6. Runde) ihre Kämpfe, die sich im Nachhinein als schwere Fehler ihrer Manager heraus stellen. In beiden Fällen siegt fysische gegen technische Überlegenheit.
{Schmeling glaubte nach der Niederlage gegen Sharkey, daß die Punktrichter in den USA ihn gegen amerikanische Gegner nicht mehr gewinnen lassen würden, weshalb er seinen defensiven Konter-Boxer-Stil aufgeben müsse zugunsten eines offenen Schlagabtausches. Was ihm gegen den körperlich schwächeren Walker gelang, ging gegen den körperlich stärkeren Baer völlig daneben: Schmeling wurde von Baer ebenso brutal zusammen geschlagen wie Walker zuvor von ihm selber.}
6. Juli: Schmeling heiratet in Berlin die tschechische Ex-Stummfilmdiva und nunmehrige Produzentin Anna Sophie Ondráková ("Anny Ondra", *1902 oder 1903; Schmeling bevorzugte slawische Frauen - neben Olga Tschechowa war er auch mit Jarmila Vacková befreundet).


20. Juli: Für die kirchliche Trauung muß die geschiedene Katholikin zum Protestantismus übertreten.
(Die Ehe steht unter keinem glücklichen Stern; nach einer Fehlgeburt bleibt Schmelings Frau unfruchtbar; gleichwohl hält die Ehe fast 54 Jahre, bis der Tod sie scheidet.)

1934
13. Februar: Schmeling unterliegt in Philadelphia dem nur an Nr. 10 der Weltrangliste geführten Steve Hamas (der als Footballspieler ein Universitäts-Stipendium bekommen hat, weshalb Schmeling ihn für einen "Studenten" hält und völlig unterschätzt) in 12 Runden nach Punkten; er versucht, die Schuld auf den Ringrichter und eine Augenbrauen-Verletzung zu schieben; doch seine US-Karriere scheint damit beendet.
13./14. Juni: Während Baer durch einen k.o.-Sieg gegen Carnera neuer Weltmeister wird, kommt Schmeling in Barcelona nicht über ein Unentschieden gegen den alternden Paolino Uzcudun, der im Vorjahr seinen Europameistertitel an Carnera verloren hat, hinaus. Wiewohl Schmeling erneut behauptet, "verschoben" worden zu sein, sinkt damit sein Marktwert auch in Europa erheblich.


26. August: Schmeling schlägt in Hamburg den späteren deutschen Meister Walter Neusel durch t.k.o. nach der 8. Runde (Aufgabe wegen Augenbrauen-Verletzung). Dem Kampf wohnen fast 100.000 Menschen bei, die bis heute größte Zuschauermenge bei einer Boxveranstaltung in Europa (auch außerhalb Europas nur übertroffen vom WM-Kampf zwischen Dempsey und Tunney 1927 in den USA).

1935
1. März: Der Film "Knockout" (dessen Produzentin die Ondra-Lamac-Film GmbH ist, die Anny Ondra zusammen mit ihrem Ex-Ehemann Karel Lamac betreibt, und die ein Jahr später Pleite macht), in dem Schmeling die männliche Hauptrolle spielt (neben dem Deutschen Ex-Meister und einstigen Brecht-Freund Paul Samson-Körner), kommt in die Kinos.
10. März: Schmeling - der es abgelehnt hat, einen Herausforderungskampf gegen den allgemein als "Cinderella Man [männliches Aschenpuddel]" verspotteten Ex-Weltmeister im Halbschwergewicht James ("Jimmy") Braddock auszutragen - boxt statt dessen in Hamburg erneut gegen Hamas, den er durch t.k.o in der 9. Runde schlägt.


(Braddock boxt statt dessen am 22. März gegen den US-Amerikaner Art Lasky, den er nach Punkten schlägt.)
Der "Reichsführer Sport", v. Tschammer-Osten, fordert Schmeling auf, sich von seinem US-Manager Joe Jacobs - der zum Kampf gegen Hamas eigens nach Deutschland angereist war und dort als Kettenraucher und Alkoholiker einen verheerenden Eindruck hinterlassen hat - zu trennen.3 Durch eine persönliche Intervention bei Adolf Hitler, der zu seinen großen Bewunderern zählt und ihn fast so häufig einlädt wie sein Nachbar in Saarow-Pieskow, Joseph Goebbels, kann Schmeling - der seine Hoffnung auf ein Comeback in den USA noch nicht aufgegeben hat - dies vermeiden.

[Schmeling nach seinem Sieg über Hamas 1935] [Anny Ondra und Max Schmeling bei Adolf Hitler]

Juni: Walter Rothenburg schließt Verträge für einen Titelkampf Baer-Schmeling in Amsterdam. Die New Yorker Box-Kommission zwingt Baer jedoch zu einer vorherigen Pflichtverteidigung seines Titel in den USA gegen Braddock, dem er am
13. Juni überraschend in 15 Runden nach Punkten unterliegt ("the greatest upset in boxing history"). Damit ist der Kampf Baer vs. Schmeling hinfällig.4


7. Juli: Schmeling boxt statt dessen erneut gegen Paolino Uzcudun (Punktsieg nach 12 Runden). Der Kampf in Berlin findet vor halbleeren Rängen statt; Schmeling muß seine Garantie-Börse einklagen.
Dezember: Schmeling reist nach New York und verlängert seinen auslaufenden Manager-Vertrag mit Joe Jacobs demonstrativ um zwei weitere Jahre.
Im Auftrag des Reichssportführers trifft Schmeling den Vorsitzenden des Olympischen Komitees der USA, Avery Brundage, zu einem Gespräch über die von jüdischen Lobbyisten betriebene Hetze gegen Deutschland im allgemeinen und gegen die Olympischen Spiele in Berlin im besonderen.
(Schmeling behauptet später wenig glaubhaft, einen geplanten Boykott derselben durch dieses sein persönliches Eintreten verhindert zu haben.5)

1936
Unterdessen hat der clevere Manager Mike Jacobs zum ersten Mal, seit Jack Johnson 1915 den Weltmeistertitel an Jess Willard verlor, wieder einen Farbigen zur Ringattraktion aufgebaut: den jungen Mulatten Joe Louis Barrow (1914-1981) aus Alabama, der als Analfabet nicht mal seinen Nachnamen schreiben kann, weshalb er unter seinen Vornamen - die er mühsam auf die Verträge malt - in die Boxgeschichte eingeht.

[Joe Louis]

Nachdem Louis einige zweit- und drittklassige Gegner, darunter auch einige abgehalfterte Ex-Europa- und Weltmeister, mühelos in kurzrundigen Auseinandersetzungen besiegt hat, kauft Mike Jacobs mangels anderer Alternativen6 Schmeling als vermeintliches "Fallobst" ein.

[Eintrittskarte zu 40.00 US-$ - damals ein kleines Vermögen. Das Datum stimmt nicht; der Kampf wurde wegen Regens - es handelte sich um eine Freiluftveranstaltung - um einen Tag verschoben]

19. Juni: Schmeling besiegt Joe Louis in New York City überraschend durch k.o. in der 12. Runde. (Sein Gegner hatte den "alten Mann" völlig unterschätzt, ein halbes Jahr lang nicht richtig trainiert und daher nicht die Kondition für eine längerrundige Auseinandersetzung. Der vermeintlich kurze und einseitige Kampf war auf so wenig Zuschauerinteresse gestoßen, daß die Radio-Übertragungsrechte in den USA für eine Dauerwerbesendung an den Automobilhersteller Buick und die Filmrechte billig an Schmeling verkauft wurden.7)

[Schmeling vs. Louis 1936]

Der zur Sensation aufgebauschte Sieg über den "Braunen Bomber" begründet Schmelings weltweite Popularität, besonders unter - nicht nur amerikanischen - Rassisten. (Selbst der in die USA emigrierte Rolf Nürnberg schickt ihm ein Glückwunsch-Telegramm und zieht sein Anti-Schmeling-Buch zurück.) In den Negervierteln von New York City kommt es zu schweren Rassenkrawallen, Plünderungen von Geschäften und Brandstiftungen durch den schwarzen Mob.


Nicht nur die NS-Propaganda feiert Schmelings Sieg über Louis als Beweis "arischer Überlegenheit".


In den Kinos wird der Kampf unter dem Titel "Max Schmelings Sieg - ein deutscher Sieg" gezeigt und ein Riesen-Erfolg. [In der BRD bleibt dieser - an sich harmlose - Film wegen des "rassistischen" Kommentars von Arno Hellmis (der Louis nicht als "farbigen Mitbürger" oder als "Afro-Amerikaner" bezeichnet, sondern - wie damals üblich - als "Neger") fast 50 Jahre lang verboten. Heute ist er es wieder.] In den USA wird nun dieser Kampf als "the greatest upset in the history of boxing [die größte Überraschung in der Geschichte des Boxens]" bezeichnet.

[US-Filmplakat]

Nunmehr werden Verträge für einen Titelkampf zwischen Braddock und Schmeling geschlossen. Braddock weigert sich jedoch in der Folgezeit, in den Ring zu steigen (er schützt eine Handverletzung vor), so daß in diesem Jahr kein Titelkampf statt findet; dieser wird auf Juni 1937 verschoben.
Schmeling [unter]schreibt das Vorwort zu Ludwig Haymanns Buch "Deutscher Faustkampf, nicht pricefight. Boxen als Rasseproblem", in dem er sich lobend über Hitlers Sportpolitik äußert, was man ihm vor allem im Ausland übel nimmt.


1937
6. Mai: Schmeling entgeht nach eigenen Angaben nur knapp dem tödlichen Anschlag auf das Luftschiff "Hindenburg" im amerikanischen Lakehurst.

[Don't let Max Schmelling take the heavyweight title back to Nazi Germany]

In einer beispiellosen Hetzkampagne gegen den "Nazi-Boxer" Schmeling - den die US-Medien nur noch "Schmelling" oder "Smelling [Stinkend]" schreiben und nennen - wird Braddock nahe gelegt, seinen Titel besser gegen Joe Louis zu verteidigen, zu dessen größten Fans US-Präsident Roosevelt zählt.
3. Juni: Braddock tritt zum Weltmeisterschaftskampf gegen Schmeling nicht an.
Da er daraufhin in New York gesperrt wird, verteidigt er seinen Titel drei Wochen später in Chicago (Illinois) gegen Joe Louis.8 Es ist notariell vereinbart, daß Braddock im Falle einer Niederlage 10% von Louis' Brutto-Kampfbörsen der nächsten zehn Jahre erhält.9 Braddock schlägt Louis (der nie der unschlagbare Boxer war, als den man ihn einem fachunkundigen Publikum im Nachhinein verkauft hat) zwar schon in der 1. Runde versehentlich zu Boden, verliert dann aber verabredungsgemäß in der 8. Runde durch k.o.
Da Louis außerhalb von Illinois zunächt nicht als Weltmeister anerkannt wird, vereinbart Joe Jacobs einen Titelkampf zwischen Schmeling und dem britischen Empire-champion Tommy Farr. Mike Jacobs gelingt es jedoch, den letzteren mit einem Titelkampf gegen Louis in New York City zu wesentlich günstigeren finanziellen Konditionen zu ködern und den Kampfvertrag mit Schmeling anullieren zu lassen.
30. August: Louis schlägt Farr in 15 Runden nach Punkten und wird danach allgemein als Weltmeister anerkannt; er verteidigt seinen Titel 12 Jahre lang erfolgreich, da man ihm entweder "Fallobst" vorsetzt oder ihn durch Schiebung gewinnen läßt. (Arthur Donovan - den Schmeling in seinen Memoiren als den "besten Ringrichter der Welt" bezeichnet, auf den aber eher das Prädikat "korruptester Ringrichter der Welt" zutrifft -, der alle diese Kämpfe leitet, steht längst auf der Gehaltsliste von Mike Jakobs und ist meist so besoffen, daß er gar nicht richtig mitbekommt, was im Ring vor sich geht.) Louis selber wird dabei nicht reich - wohl aber Braddock, der nie wieder in den Ring steigt.
Die Schmeling-Biografie von Arno Hellmis ("Die Geschichte eines Kämpfers") erscheint.


5. Oktober: In Chicago hält Roosevelt seine berüchtigte "Quarantäne-Rede", in der er erstmals offen zum Krieg gegen Deutschland, Italien und Japan hetzt.
15. Dezember: Schmeling schlägt in New York City den US-Amerikaner Harry Thomas durch t.k.o. in der 8. Runde.

1938
30. Januar: Schmeling schlägt in Hamburg den ehemaligen Empire-champion Ben Foord nach Punkten.
(Foord war freilich weit über seinen Zenith hinaus; er hatte im Vorjahr sogar gegen Max Baer durch t.k.o. verloren.)
01. April: Louis verteidigt in Chicago seinen Titel gegen den von Schmeling "weich geklopften" Thomas durch k.o. in der 5. Runde. (Da die meisten potentiellen Zuschauer das für einen Aprilscherz gehalten hatten, findet der Kampf vor fast leeren Rängen statt.)
16. April: Schmeling schlägt in Berlin den US-Amerikaner Steve Dudas durch k.o. in der 6. Runde.
12. Mai: Schmeling und Louis unterzeichnen in New York City einen Kampfvertrag, den Joe Jacobs und Mike Jacobs bereits lange zuvor ausgehandelt hatten und der für Schmeling finanziell äußerst ungünstig ist.


22. Juni: Schmeling verliert den Titelkampf gegen Joe Louis durch t.k.o. (Aufgabe) in der 1. Runde nach einem selbst verschuldetem Foul (Schlag in die Nieren nach Wegdrehen). Roosevelt - der Louis am Vorabend persönlich empfangen hatte, um seinen "Rassestolz" aufzustacheln und ihm vor den Pressefotografen und Rundfunkreportern die nackten Oberarme betatscht hatte mit den Worten: "Joe, wir brauchen Muskeln wie deine, um Deutschland zu schlagen!" - sorgt dafür, daß Schmelings Kampfbörse wegen grundloser Aufgabe gesperrt wird.

[Schmeling vs. Louis]

Nicht nur die US-Propaganda feiert Louis' Sieg über den "Nazi Nudger" und "Heil Hitler Hero" als Beweis "demokratischer Überlegenheit". (50 Jahre später wird Schmeling das mit den Worten kommentieren: "Ein Glück, daß ich den Kampf verloren habe. Wäre ich damals nochmal Weltmeister geworden, hätte man mich 1945 sicher als Kriegsverbrecher hingerichtet.")

[polnische Hetzkarikatur, die den - in der Realität kaum auffallenden - Unterschied in der Hautfarbe besonders hervor hebt]

Schmeling verkauft sein Haus in Saarow-Pieskow (angeblich, weil es abgebrannt war - tatsächlich war zwar im Juli 1936 der Blitz eingeschlagen; abbrennen sollte es aber erst 1952) und kauft statt dessen für die fast unvorstellbar hohe Summe von 3,5 Mio RM (ca. 35 Mio Euro) das Gut Ponickel in Pommern (das früher dem Marschall Blücher gehörte). Dort widmet er sich vor allem der Jagd.
11. November: In der "Reichskristallnacht" rettet Schmeling angeblich zwei jüdischen Bekannten das Leben - was ihm freilich erst Jahrzehnte später einfällt.


1939
2. Juli: Schmeling, der sich kurzfristig zu einem Comeback entschlossen hat, schlägt in Stuttgart den Europameister im Schwergewicht Adolf Heuser (1907-1988) durch k.o. in der 1. Runde. Es ist sein vorerst letzter Boxkampf; er verteidigt den Titel nicht mehr.

1940
Schmeling wird als Fallschirmjäger zur Wehrmacht einberufen, wie er später behauptet, als einziger deutscher Leistungssportler, zur "Strafe" dafür, daß er sich mit dem NS-Regime überworfen habe.
(Richtig ist, daß mehrere deutsche Leistungssportler, auch von Weltklasseformat, eingezogen wurden und gefallen oder in alliierter Kriegsgefangenschaft umgekommen sind, u.a. die Leichtathleten Luz Long und Rudolf Harbig, der Schachspieler Klaus Junge und der Fußballer Rudi Noack. Im übrigen galt Schmeling nach seinem Karriere-Ende nicht mehr als Spitzensportler. Einige Biografen meinen auch, daß Schmeling sich freiwillig gemeldet habe.)

[Schmeling als Titelbild für 'Signal' 1941] [Schmeling als Fallschirmjäger]

Auch Joe Louis wird eingezogen und für die US-Kriegspropaganda eingespannt.


1941
20. Mai: Schmeling wird beim Angriff auf Kreta eingesetzt. Dabei wird er leicht verletzt (Knöchelverstauchung), was er zum Anlaß nimmt, sich Monate lang im Lazarett herum zu drücken und schließlich "nicht k.v." schreiben zu lassen.
Schmeling - der sich seine letzten Sympathien in den USA nicht verscherzen will - gibt amerikanischen Zeitungsreportern Interviews, in denen er die Kriegsrechtsverletzungen der Briten auf Kreta (Mißbrauch der Rotkreuzflagge, Auslegen von Reichskriegsflaggen am Boden, um Fallschirmjäger anzulocken und dann noch in der Luft "abzuschießen" usw.) bestreitet. Dadurch macht er sich in Deutschland - nicht nur unter Nazis, wie er später behauptet - äußerst unbeliebt.

1941-1944
Schmeling behauptet (nach dem Krieg), viele seiner Freunde und Bekannten seien im "Widerstand" tätig und sogar an der Vorbereitung des Attentats vom 20. Juli 1944 beteiligt gewesen. Angeblich bewahrt er persönlich zahlreiche Juden und Regimegegner vor der Deportation und dem Tod im Konzentrationslager - dies, obwohl er sich angeblich selber längst mit dem NS-Regime überworfen hat.

1943
Ostern: Schmeling gelingt es, wegen seiner - längst ausgeheilten - Knöchelverstauchung aus der Wehrmacht entlassen zu werden. Damit gilt er zugleich als Sportinvalide, und der Europameistertitel als vakant. Sein Nachfolger, der Schwede Ole Tandberg, verliert ihn noch im selben Jahr an den Belgier Karel Sys.

1945
Schmeling und seine Frau fliehen vor der Roten Armee nach Hamburg. Dort verbringt er einige Monate in britischen Gefängnissen. Nach eigenen Angaben will er zusammen mit Axel Springer die BILD-Zeitung gründen, aber als "altem Nazi" wird ihm die Verlegerlizenz verweigert, so daß der arme Axel ohne ihn auskommen muß. Unterdessen wird Sys' "Nazititel" von den Alliierten "enteignet". (Erst 1952, als er vermeintlich schon zu alt ist, darf er noch einmal um ihn kämpfen und gewinnt ihn prompt zurück.)

1947
Januar: Schmeling erhält von der US-Militärregierung eine Boxlizenz für die amerikanische Besatzungszone.
Er wird freilich nur noch Gegner boxen, die ihn nicht ernsthaft verletzen können, ohne gleich als Fallobst zu gelten.
(Dagegen muß Joe Louis bei seinem Comeback wegen Steuerschulden nochmal gegen "echte" Gegner in den Ring steigen - u.a. gegen seine Nachfolger als Weltmeister: Joe Walcott, Ezzard Charles und Rocky Marciano - und sich den letzten Rest seines ohnehin geringen Verstandes aus dem Hirn prügeln lassen.)

[Louis vs. Charles] [Louis vs. Marciano]

28. September: Nach acht Jahren feiert Schmeling in Frankfurt/M. sein Comeback mit einem k.o. in der 7. Runde über Werner Vollmer.

1948
29. Mai: Schmeling gewährt Walter Neusel nach 14 Jahren Revanche und unterliegt ihm in 10 Runden nach Punkten.
2. Oktober: Schmeling schlägt in Kiel Hans-Joachim Drägestein durch k.o. in der 8. Runde.
31. Oktober: Vier Wochen nach seinem 43. Geburtstag unterliegt Schmeling in Berlin dem ehemaligen Deutschen Meister im Halbschwergewicht Richard ("Riedel") Vogt in 10 Runden nach Punkten und beendet seine aktive Karriere nach 70 Profikämpfen, von denen er 56 gewonnen hat. Da er für die beiden letzten Kämpfe bereits in DM bezahlt wurde, ist er finanziell vorerst saniert.
Die Schmeling-Biografie von Helmut Sohre ("Zwei Fäuste erobern die Welt") erscheint.


ab 1949
Schmeling kauft ein Grundstück in Hollenstedt-Wenzendorf bei Hamburg und versucht sich dort erst als Tabak-, dann als Nerzzüchter (wobei er Wert auf die Feststellung legt, daß die "reizenden" Tierchen "auf humanste Art getötet" werden, nämlich durch Giftgas), scheitert jedoch, da er gegen die Konkurrenz der amerikanischen Zigaretten nicht ankommt und es den meisten Deutschen so kurz nach der Währungsreform noch am notwendigen Kleingeld für Nerzmäntel fehlt. Danach schlägt sich Schmeling als Ringrichter, Fisch- und Hühnerzüchter und Vertreter für Rasierapparate, Sekt ("Schmeling extra dry") und Eierlikör durch.


Die Schmeling-Biografie von Carl-Otto Hamann - unter Mitarbeit von Joe Biewer und seinem langjährigen Trainer Max Machon - ("Ein Leben auf eigene Faust") erscheint.


1950er Jahre
Obwohl weder Schmelings Vergangenheit noch seine Gegenwart (Vergasung von Pelztieren, Anbau bzw. Vertrieb von Suchtmitteln) dazu angetan sind, ihn als "sportliches Vorbild" zu vermitteln, geschieht genau das: Er wird - neben den Fußballweltmeistern von 1954, die das "Wunder von Bern" vollbracht haben - zur populärsten deutschen Sportlegende.

1954
James Farley, der inzwischen Managing Director der Coca Cola Export Corporation geworden ist, kommt nach Deutschland. Schmeling sucht ihn auf und bewirbt sich um die Coca-Cola-Vertretung für Hamburg. Farley verlangt 1 Million DM Sicherheit, die Schmeling indes vorerst nicht aufbringen kann.
Farley hilft Schmeling jedoch dabei, endlich wieder ein Visum für die USA zu erhalten, um das er sich seit 1945 vergeblich bemüht hatte. Er erhält sogar eine Lizenz als Ringrichter, wird jedoch von der jüdischen Presse derart verrissen, daß eine geplante Tournee schon nach dem ersten Kampf (in Milwaukee) abgesagt wird. In New York verweigert ihm Dempsey den Zutritt zu seinem Restaurant. Lediglich Joe Louis und der Wärter des Friedhofs, wo Joe Jacobs begraben liegt, geruhen ihn kurz zu empfangen.

1956
Schmeling zweite - politisch ziemlich unkorrekte - Memoiren erscheinen unter dem Titel "8-9-aus!" Seine Gegner Sharkey, Stribling, Baer, Hamas und Louis kommen darin nicht allzu gut weg.


1957
Die Max Schmeling GmbH & Co. KG hat die notwendigen Kredite zusammen bekommen und erhält die Coca-Cola-Vertretung für Hamburg-Ost. Mit Beginn des "Wirtschaftswunders" und der einsetzenden Amerikanisierung der BRD wird Schmeling bald wieder ein reicher Mann.


1960
Juli: Schmeling ist Ehrengast bei der Beerdigung des Schauspielers Hans Albers in Hamburg-Ohlsdorf.
Oktober: Schmeling darf - gegen erheblichen Druck jüdischer Lobbyisten - erstmals kurz {knapp 3 Minuten} im US-Fernsehen auftreten, als Gast in einer Joe Louis gewidmeten Sendung aus der Serie "This is Your Life".

1960er Jahre
Während in den USA die Gleichstellung der Rassen gesetzlich verankert wird, strickt Schmeling fleißig weiter an der Legende seiner persönlichen Freundschaft mit Joe Louis, was ihm unter politisch korrekten Gutmenschen neue Sympathien einträgt.10 (Richtig ist, daß Louis - der systematisch gegen den "Rassisten" Schmeling aufgehetzt wurde und weiter wird - diesen bis an sein Lebensende gehaßt hat wie die Pest.)


1961
März: Schmeling reist nach Miami, um dem (3.) Weltmeisterschaftskampf zwischen Floyd Patterson und Ingemar Johansson beizuwohnen. Immer noch hetzen die jüdischen Medien massiv gegen ihn.

1967
Schmelings dritte Memoiren - verfaßt von Helmut Sohre - erscheinen unter dem Titel "Ich boxte mich durchs Leben".


1971
Schmeling reist zum 57. Geburtstag von Joe Louis nach Las Vegas (Nevada). Die Geburtstagsfeier wird im Caesar's Palace ausgerichtet, wo Joe Louis nach seinem persönlichen Bankrott einen Job als Grüßgott-AugustTürsteher gefunden hat.11 Schmeling muß pflichtschuldig eine "Skulptur" bewundern, auf der seine Niederlage gegen Joe Louis dargestellt ist. Zur Belohnung wird er zum Ehrenbürger von Las Vegas ernannt.

[Schmeling und Louis 1971]

September: Schmeling wird das Große Bundesverdienstkreuz verliehen - als erstem und bisher einzigen Sportler, der seine Karriere bereits vor Gründung der BRD beendet hatte.

1977
Schmelings vierte - ganz auf "politisch korrekt" getrimmte - Memoiren erscheinen unter dem Titel "Erinnerungen". Der größte Teil dieses Machwerks dürfte auf freien Erfindungen seiner Ghostwriter beruhen; fast alle Fakten widersprechen sowohl seinen ersten drei Memoiren als auch den Memoiren anderer Sportler. Auffallend ist, daß Schmeling fast alle seine Gegner in den Himmel lobt und jeden namentlich einigermaßen bekannten Juden, Kommunisten oder Anti-Nazi der 1920er und 1930er Jahre zu seinem persönlichen "Freund" erklärt. Das Buch wird kein Erfolg - der größte Teil der Auflage wird bereits ein Jahr später als "Remittenden" verramscht.


1979
Der Erdnußfarmer und US-Präsident James ('Jimmy') Carter ("Peanuts"), der ein großer Boxfan ist, empfängt die Ex-Weltmeister Cassius Clay ('Muhamad Ali') und Max Schmeling im Weißen Haus.

1981
April: Schmeling wird zur Beerdigung von Joe Louis eingeladen, schickt aber nur Geld für einen Kranz. Daraus stricken seine Biografen später die Legende, daß er die Beerdigung des armen Joe Louis bezahlt habe. Richtig ist, daß Louis auf Betreiben von US-Präsident Ronald Reagan ein vom amerikanischen Steuerzahler finanziertes Staatsbegräbnis auf dem Heldenfriedhof von Arlington erhielt, für seine Verdienste im Kampf gegen den "Nazi-Boxer" Schmeling - eine Feier, für die sich der letztere nach seinen Erfahrungen vom 57. Geburtstag nicht hergeben wollte. (Das Grab wird zehn Jahre später beim Tode von Louis' Witwe Martha erneuert.)


1982
Schmeling wird die "Goldene Kamera" verliehen.


1986
Die Schmeling-Biografie von Mathias Forster ("Sieger im Ring - Sieger im Leben") erscheint.


1987
28. Februar: Schmelings Frau Anny Ondra stirbt.

[Max Schmeling und Anny Ondra]

1989
Henri Lewin, der Inhaber des Sand Hotels in Las Vegas lädt Schmeling zu einer Gala ein, um öffentlich zu verkünden, daß er einer der beiden Juden war, die Schmeling 1938 in der "Reichskristallnacht" gerettet haben will. Obwohl dieses - als Publicity-gag gedachte - Märchen schon aus Altersgründen nicht stimmen kann (Lewin war 1938 noch ein Kind, während Schmeling zwei Erwachsene gerettet haben wollte), kommt es bei den Medien gut an und wird - vor allem in der BRD - fleißig weiter verbreitet. Nunmehr stellen auch die jüdischen Medien in den USA ihre 56 Jahre lang betriebene Hetze gegen Schmeling ein.

1990
September: Schmelings 85. Geburtstag wird auf Anregung des LügenbaronsBundespräsidenten Richard v. Weizsäcker groß gefeiert. Zu den Gratulanten zählt u.a. der Schauspieler Heinz Rühmann, der wie Schmeling zu den wenigen Publikums-Lieblingen des "Dritten Reichs" zählt, die in der BRD nicht aus politischen Gründen in Ungnade gefallen sind. (Auch ihm ist es gelungen, sich nachträglich zum "inneren Widerstandskämpfer" zu mausern :-)

[Max Schmeling mit Richard v. Weizsäcker und Heinz Rühmann 1990]

1991
Die "Max-Schmeling-Stiftung" wird gegründet.

1992
Schmeling wird als erster Deutscher in die New Yorker "Hall of Fame [Ruhmeshalle]" des Boxsports aufgenommen.

1995
September: Schmelings 90. Geburtstag wird bundesweit groß gefeiert.
Seine "Erinnerungen" werden neu aufgelegt und diesmal ein Verkaufserfolg.
Die deutsche Sporthilfe läßt Schmeling-Medaillen in Gold und Silber prägen.

[Schmeling 1995]

1996
Dezember: Nach zwei Jahren Bauzeit wird die kleine, aber teure (200 Mio DM) "Max-Schmeling-Halle" in Berlin (Prenzlauer Berg) eingeweiht.

1999
Schmeling wird zum populärsten deutschen Sportler des 20. Jahrhunderts gewählt. Er läßt dabei zahlreiche Berühmtheiten aus inzwischen viel beliebteren Sportarten wie Fußball, Tennis und Rennfahren hinter sich.

[Schmeling 1999]

2000
Das Schmeling-Buch von Walter Püschel ("Boxen ist doch auch 'ne Kunst") erscheint.


2001
Die Schmeling-Ondra-Biografie von Dorothea Friedrich erscheint.


2002
Der Film "Joe and Max" (mit Til Schweiger als Max Schmeling und Leonard Roberts als Joe Louis) kommt in die Kinos, hat jedoch nur mäßigen Erfolg.

[Filmszene]

2003
Schmeling läßt sich von dem Hannoveraner Pleite-Verleger Hans Firzlaff für einen üblen Scherz mißbrauchen. Er unterzeichnet einen Brief an die Bundesregierung mit der Forderung, seinem "alten Freund", dem Zigeuner Gypsy Trollmann (von dem er bis dahin selber nichts wußte) ein Denkmal als "Opfer des Faschismus" zu errichten.
(Als der Schwindel auffliegt - nachdem man Trollmann bereits posthum einen Meistergürtel verliehen hat - wird das Projekt stillschweigend begraben.)

[Schmeling]

Juli: Schmeling wird bei einer vom Staatssender ZDF veranstalteten Umfrage nach dem "besten Deutschen" nur noch auf Platz 92 gewählt; vor ihm plazieren sich u.a. die Rennfahrer Michael Schumacher und Hans-Harald Frentzen, der - bald darauf des Dopings überführte - Radler Jan Ullrich, die Tennisspieler Boris Becker und Stefanie Graf, die Eiskunstläuferin und Ex-SED-Abgeordnete Katharina Witt, der Basketballer Dirk Nowitzky, der magersüchtige Skispringer Sven Hannawald sowie die Fußballer Franz Beckenbauer, Rudi Völler, Fritz Walter und Helmut Rahn. (Immerhin plaziert er sich vor einstigen Sport-Idolen wie Uwe Seeler, Gerd Müller, Sepp Herberger und der Schwimmerin Franziska von Almsick :-)

2004
September: Schmelings 99. Geburtstag wird wiederum groß gefeiert. Die Republik Österreich gibt eine Sondermarke mit seinem Portrait heraus. Die "wissenschaftliche" Schmeling-Biografie von Volker Kluge - Ex-Pressechef des NOK der DDR - erscheint im Aufbau-Verlag. Sie ist "Ralph Nunberg" gewidmet (so nannte sich Rolf Nürnberg nach seiner Emigration in die USA) und in weiten Teilen bei diesem abgeschrieben.

[Max Schmeling]

2005
02. Februar: Max Schmeling stirbt an Herzversagen und wird - wie sein Manager Walter Rothenburg - in Hamburg-Ohlsdorf begraben.

[Schmelings Grabmal]

01. März: Bei der offiziellen Totenfeier in der Hamburger Kirche St. Michaelis hält Bundesinnenminister Schily die Laudatio. Er rühmt Schmeling als "Meister des Fair-play", "zivilen Helden", guten Demokraten und inneren Widerstandskämpfer.
Die bereits vorbereiteten Feiern zu Schmelings 100. Geburtstag müssen abgesagt werden.
Statt dessen wird er anläßlich der "Du bist Deutschland"-Kampagne kräftig durch den Kakao gezogen.

[Imitat des Grosz-Portraits]

Schmelings "Erinnerungen" werden neu aufgelegt, mit einem Vorwort des NVA-Oberleutnants a.D. und Ex-Weltmeisters im Halbschwergewicht Henry Maske.
Im Stern erscheint eine Kurz-Biografie Schmelings mit dem Untertitel "Ein deutsches Leben" - wohl in Anlehnung an den Untertitel des Boxfilms von 1936 ("ein deutscher Sieg") -, zusammen mit einer Lobhudelei auf den "guten Menschen" Michail Gorbatschow und einem Schmähartikel über Magda Goebbels, "die Gefährtin des Teufels".
In der Berliner Morgenpost erscheint eine Artikelserie über Schmeling von Jessica Almond.
Die Schmeling-Biografien von Martin Krauß ("Die Karriere eines Jahrhundertdeutschen" - weitgehend aus Schmelings eigenen Memoiren abgeschrieben) und von David Pfeifer ("Die Geschichte eines deutschen Idols") erscheinen.


David Margolick veröffentlicht "Beyond Glory. Joe Louis vs. Max Schmeling" [deutsche Übersetzung unter dem Titel "Max Schmeling und Joe Louis. Kampf der Giganten - Kampf der Systeme"]. Darin schildert er die Kämpfe zwischen den beiden Boxern weniger als sportliche denn als politische und finanzielle Auseinandersetzungen.



2009
Der vom Land Hessen aus Steuermitteln finanzierte Fantasiefilm "Max Schmeling. Eine deutsche Legende" der Boll AG - mit Henry Maske in der Titelrolle - floppt.

2010
Mai: In Hollenstedt wird eine Schmeling-Skulptur von Carsten Eggers aufgestellt.


2013
Nachdem die Gemeinde Wenzendorf (die Schmeling mangels Angehöriger beerbt hat) acht Jahre lang vergeblich versucht hat, einen Geldgeber für eine "Schmeling-Gedenkstätte" zu finden, verkauft sie sein Haus anderweitig.


1Lawrence Gains ("Larry Gaines") war - neben Cecil Harris ("The Seal"), Harry Wills ("The Black Panther") und George Godfrey ("The Leiperville Shadow") - einer der stärksten Boxer der 1920er Jahre. Als Neger durfte jedoch keiner von ihnen um die - von den USA monopolisierte - Weltmeisterschaft kämpfen; von September 1923 bis September 1926 wurden drei Jahre lang keine WM-Titelkämpfe im Schwergewicht ausgetragen, da der Weltmeister Jack Dempsey sich weigerte, gegen "Nigger" zu boxen; statt dessen wurde eine (US-amerikanische) "Weltmeisterschaft der Schwarzen" ausgetragen; seinen ersten Kampf um diesen Titel verlor Gaines 1926 gegen Godfrey. 1927 wurde Gaines kanadischer Meister, 1928 schwarzer Weltmeister (Godfrey wurde wegen Tiefschlags disqualifiziert) und 1931 Empire-Meister im Schwergewicht. 1932 schlug er Primo Carnera klar nach Punkten; dennoch bekam im folgenden Jahr nicht er, sondern der Italiener den WM-Kampf gegen Sharkey.

2Es gab allerdings Präzedenzfälle in anderen Gewichtsklassen: 1906 wurde Joseph Gaines ("Joe Gans") durch Disqualifikations des dänischen Titelverteidigers Oscar Nielsen ("Battling Nelson") wegen Tiefschlags Weltmeister im Leichtgewicht; 1928 wurde Gaines durch Disqualifikation des Titelverteidigers Godfrey schwarzer Weltmeister im Schwergewicht - s.o. -, und 1929 wurde Jakob Finkelstein ("Jackie Fields") durch Disqualifikation des Titelverteidigers Joe Dundee wegen Tiefschlags Weltmeister im Weltergewicht. Keine dieser Entscheidungen - einschließlich der Titelvergabe - wurde je angefochten oder auch nur angezweifelt. Freilich fielen sie zugunsten von US-Amerikanern; 1930 war es umgekehrt - Schmeling hatte das Angebot, sich einbürgern zu lassen, kurz vor dem WM-Kampf ausgeschlagen.

3Schmeling behauptete später wenig glaubhaft, dies sei geschehen, weil Joe Jacobs Jude war. Richtig ist, daß Schmeling in den USA offenbar keinen Manager mehr benötigte und deshalb nicht einzusehen war, einen solchen noch an seinen außerhalb der USA erzielten Einnahmen zu beteiligen, zu allem Überfluß auch noch in US-$. In Deutschland, wo Devisen knapp waren, wurden Schmelings Interessen längst von Walter Rothenburg vertreten - der auch den Rückkampf gegen Hamas zustande gebracht hatte -, der ebenfalls jüdischer Abstammung war, ohne daß irgend jemand daran Anstoß genommen hätte. Auch Neusels Manager Paul Damski war Jude.

4So die offizielle Darstellung, die wahrscheinlich ebenso falsch ist wie die heute oft anzutreffende Behauptung, ein Kampf zwischen Schmeling und Baer hätte nicht in Deutschland statt finden können, weil der letztere Jude gewesen sei. Richtig ist, daß Baer zwar in "Jew York" zu Propagandazwecken demonstrativ mit einem Davidsstern an der Hose auftrat, aber Katholik war. Baers Mutter war unstreitig Deutsch-Irin; von Baers Vater wird zwar bisweilen behauptet, daß er von einem Elsässer Juden und/oder einer böhmischen Jüdin abstammte; er war jedoch unstreitig Schweinezüchter - ein Beruf, der für Juden absolut tabu gewesen wäre. (Solches "Segeln unter falscher Flagge" war damals im Boxsport durchaus nicht einmalig. So trat der Neuseeländer Tom Heeney vor dem WM-Kampf gegen Gene Tunney 1928 in einem Maori-Kostüm auf, obwohl er reinrassiger Weißer war. "Gipsy" Daniels verkleidete sich zwar gern als Zigeuner - mit einem malerischen Kopftuch und überdimensionalen Ohrringen -, war jedoch ein waschechter Waliser.) Baer war - anders als Schmeling - groß, blond und blauäugig, also geradezu ein "Muster-Arier". Ausschlaggebend für den geplanten Austragungsort Amsterdam war vielmehr, daß die Niederlande im Gegensatz zum Deutschen Reich keine Devisenprobleme hatten - Baer verlangte eine Garantiebörse von 300.000 US-$, Schmeling eine von 150.000 US-$, zusammen fast 2 Mio RM. Auch zur Titelverteidigung gegen Braddock wurde Baer wohl nicht von der NYBC gezwungen; letztere hatte vielmehr, nachdem der Kampf Schmeling vs. Braddock nicht zustande gekommen war - einen offiziellen Ausscheidungskampf zwischen Carnera und dem ebenso großen und schweren Ray Impelletiere angesetzt, den Carnera am 15.03.1935 durch t.k.o. gewann, also eine Woche vor dem Kampf Braddock vs. Lasky. Es war vielmehr Baer, der sich für eine Titelverteidigung gegen Braddock statt gegen Carnera entschied und dafür sogar eine Titelaberkennung durch die International Boxing Union riskierte. [Die 1911 in Paris gegründete IBU, die heute nur noch als ehemalige Europäische Box-Union gilt, war theoretisch der Welt-Dachverband des Boxsports, dem z.B. auch die New York State Athletic Commission ("NYSAC") angehörte; die National Boxing Association ("NBA") wurde erst 1921 als Konkurrenzverband gegründet, um den Kampf zwischen Dempsey und Carpentier als "Weltmeisterschaft" vermarkten zu können; sie wurde 1962 in World Boxing Association ("WBA") umbenannt.] Diese pochte auf eine Titelverteidigung Baers gegen den belgischen Europameister Pierre Charles, der etwa gleich stark wie Schmeling war, auch überwiegend gegen die selben Gegner geboxt hatte (gegen Gaines und Uzcudun verloren, gegen Daniels gewonnen und verloren, gegen Santa, Diener, Neusel und Stribling gewonnen), jedoch im Gegensatz zu diesem kein Kassenmagnet war, weshalb ein Kampf gegen ihn finanziell uninteressant war. Baer hoffte vielmehr auf einen großen Zahltag bei einem Kampf gegen Joe Louis. Da er jedoch als NBA-Weltmeister zum einen seinen Titel nicht gegen einen Neger verteidigen durfte und zum anderen bei der Madison Square Garden Corporation unter Vertrag stand, mußte er, um aus diesem Vertrag ohne Schadensersatzansprüche heraus zu kommen, zunächst seinen Titel verlieren, und zwar gegen jemanden, der ihm später beim Rückkampf keine ernsthaften Probleme bereiten würde. Baer suchte sich dafür den "abgehalfterten" Braddock aus und verlor absichtlich gegen ihn, um anschließend einen Nicht-Titelkampf gegen Louis - der inzwischen Carnera geschlagen hatte - auszutragen. Finanziell spekulierte Baer richtig: Der Kampf am 24.09.1935 zog fast 90.000 zahlende Zuschauer an - so viele wie der Boxsport in den USA seit den Titelkämpfen zwischen Dempsey und Tunney nicht mehr gesehen hatte - und brachte entsprechend hohe Einnahmen. Sportlich brach er Baer jedoch das Genick: Er unterlag Louis durch k.o. und bekam danach in den USA keinen "großen" Kampf mehr, geschweige denn in Europa - die IBU hatte ihm schon vor dem Braddock-Kampf den WM-Titel aberkannt. Da Schmeling an einem Kampf gegen Charles ebenso wenig interessiert war wie Baer, ließ die IBU den Belgier gegen Godfrey um die Weltmeisterschaft kämpfen. Letzterer gewann, wurde jedoch als Neger in den USA nicht anerkannt und trat ungeschlagen zurück, woraufhin auch die IBU Braddock als neuen Weltmeister anerkannte.

5Anders als in gewissen politischen Kreisen der USA stand ein Boykott bei den Sportfunktionären nie ernsthaft zur Debatte. Brundage - der selber Rassist und Anti-Semit war -, entgegnete Reportern auf die - unzutreffende - Behauptung, daß die Nazis jüdische Sportler von den Olympischen Spielen in Berlin ausschließen würden: "Na und? In meinem Sportclub sind Juden auch ausgeschlossen!"

6Für "echte" US-Amerikaner, d.h. für weiße, angelsächsische Protestanten, galt es auch in den 1930er Jahren noch als ehrenrührig, "to cross the color line [die Hautfarbengrenze zu überschreiten]"; so lehnten dies u.a. die Ex-Weltmeister Jack Dempsey und Gene Tunney trotz äußerst lukrativer Comeback-Angebote kategorisch ab. Gegen Louis kämpften - neben anderen Negern - ausschließlich Juden und Katholiken, "Fascio-Italiener" - wie Carnera - und "Nazi-Deutsche" - wie Schmeling, der nach dem Krieg behauptete, Hitler und "die Nazis" seien dagegen gewesen, daß er gegen einen Schwarzen boxte, weil sie eine Niederlage fürchteten. Richtig ist, daß Hitler persönlich verfügte, die Transatlantik-Passagepreise für die Bremen und die Europa zum Kampftermin zu senken, damit einige tausend deutsche Schlachtenbummler Schmeling billiger begleiten konnten. Im übrigen war es ausgesprochen albern, den Kampf zu einer Auseinandersetzung zwischen dem "Weißen" Schmeling und dem "Schwarzen" Louis zu machen, wie es auf einigen Plakaten geschah: Louis' Hautfarbe war nicht viel dunkler als Schmelings, weshalb er ursprünglich auch das "Lehmgesicht aus Alabama" genannt wurde; erst später machte die Journaille daraus den "Braunen Bomber aus Detroit", so wie sie aus Schmeling den "Schwarzen Ulan vom Rhein" machte, obwohl er - wie Arno Hellmis einmal treffend bemerkte - weder schwarz noch Ulan noch vom Rhein war.

7In den USA war es verboten, Filme über Boxkämpfe zu zeigen, in denen Weiße gegen Schwarze unterlagen; daher war der Film dort vermeintlich wertlos. Durch Schmelings Sieg wurde er für diesen zur Goldgrube - während von seiner Kampfbörse kaum ein Nettoüberschuß blieb, da statt der erwarteten 80.000 nur 45.000 Zuschauer kamen. (Im Hinblick darauf erließ ihm der deutsche Fiskus sogar "großzügig" die diesbezügliche Einkommenssteuer - obwohl es damals kein Doppelbesteuerungs-Abkommen mit den USA gab.) Auch aus den Mitschnitten der späteren Schmeling-Kämpfe gegen Foord und Dudas wurden Kinofilme gemacht, die allerdings nicht so erfolgreich waren.

8Auch dafür gab es einen Präzedenzfall: 1926 hatte der damalige Weltmeister Jack Dempsey einen Vertrag zur Titelverteidigung gegen Harry Wills geschlossen; als ihm jedoch 1 Million US-$ geboten wurden, wenn er statt dessen gegen Gene Tunney antrat, ließ er die 50.000 US-$ Reuegeld verfallen und brach den Vertrag. Auch er wurde dafür in New York gesperrt und kämpfte statt dessen in Philadelphia, wo er seinen Titel an Tunney verlor.

9Diese Vereinbarung mußte zunächst geheim bleiben, da sie damal noch als Bestechung empfunden worden wäre. Heutzutage gelten derartige Abmachungen im Profi-Boxsport als völlig legal - wobei die abgetretenen Anteile allerdings nicht mehr bei "nur" 10%, sondern bei bis zu 50% liegen. Dem verdankten z.B. der "Neanderthaler" Nikolaj Walujew und der "Fallobstler" David Haye ihre "Weltmeister"-Titel.

10Schmeling war auch in diesem Punkt kein Einzelfall. Selbst die ausgewiesenen Rassisten Dempsey und Tunney entblödeten sich nicht, nach dem Krieg zu behaupten, sie seien enge persönliche Freunde von Joe Louis gewesen und hätten ihm vor seinem zweiten Kampf gegen Schmeling wertvolle Tips gegeben, ohne die er noch einmal verloren hätte.

11Für diese wenig anspruchsvolle Tätigkeit wurde Louis allerdings fürstlich entlohnt, mit 50.000 US-$ p.a. - nach heutiger Kaufkraft ca. 2,5 Mio US-$.


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