JULIO IGLESIAS

Julio José Iglesias de la Cueva

(geb. 23. Sept. 1943)

"Que poco saben de mi vida los demás . . .
sólo murmullos, y ya me quieren juzgar"*

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1943
23. September: Julio José Iglesias wird als erster von zwei Söhnen des Arztes Dr. Julio Iglesias Puga und seiner Ehefrau Mario del Rosario de la Cueva y Perignat in Madrid geboren (entgegen einer von ihm selber gerne verbreiteten Legende nicht im Elternhaus, sondern im Entbindungsheim auf der Méson de Paredes). Sein Vater ist Galizier, seine Mutter Andalusierin.

1961
Julio beginnt ein Jurastudium an der Universität Madrid. Nebenbei spielt er bei den Amateuren von Real Madrid Fußball (Torwart).

1963
September: Julio verletzt sich bei einem Autounfall so schwer, daß er seine Fußballer-Karriere beenden muß.
Im Krankenhaus beginnt er aus Langeweile, melancholische kleine Gedichte zu schreiben und Gitarre zu spielen.

1965
Julio geht nach Großbritannien, um in London und Cambridge Englisch zu lernen. Dort lernt er Gwendolyne Bollore kennen und beginnt, in Kneipen populäre Schlager nachzusingen. Als seine musikalischen Vorbilder bezeichnet er später die US-Amerikaner Frank Sinatra und Elvis Presley.

1968
Julio gewinnt mit "La vida sigue igual" (später verfilmt mit Julio in der Hauptrolle) das Schlagerfestival von Benidorm. Er schließt einen Plattenvertrag mit Columbia.


1969
Julio nimmt an Schlagerfestivals in Rumänien, Chile und Italien teil.


1970
Julio gewinnt mit "Gwendolyne" das Schlagerfestival von Barcelona, die Vorentscheidung zum Grand Prix d'Eurovision de la Chanson in Amsterdam; dort belegt er den 5. Platz.
Julio nimmt am Schlagerfestival von Ōsaka teil.

1971
Januar: Julio heiratet in Toledo die Filipinin Isabel Preysler Arrastria (*1951). Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor: Isabel iun. (*1971), Julio José iun. (*1973) und Enrique (*1975). Während die beiden älteren erschreckend häßlich sind (Julio iun. erinnert entfernt an den Boxer Joe Louis), wird der jüngste ein ausgesprochener "Frauentyp" und wie sein Vater ein (nicht ganz so :-) erfolgreicher Schlagersänger.


Julio unternimmt Tourneen durch Lateinamerika und Japan und nimmt am Schlagerfestival von Knokke teil.

1972
Julio gelingt mit "Un canto à Galicia" ein Welthit, den er auch auf Deutsch singt ("Wenn ein Schiff vorüberfährt"). Weitere Hits folgen: "Cantándole al mar [Und das Meer singt sein Lied]", "Por una mujer [Für eine wie Du]", "Río rebelde [Du in Deiner Welt]". Julio wird zum erfolgreichsten Sänger von Columbia und zum erfolgreichsten nicht-englisch-singenden Schlagersänger überhaupt.



1973
Julio unternimmt Tourneen durch Europa und Lateinamerika. Bis dahin hat er über 10 Millionen Schallplatten (davon über eine Million in Deutschland) verkauft.

1974-76
Julio tritt wiederholt und mit immer größerem Erfolg in den USA auf. Er hat wesentlichen Anteil daran, daß die "Latinos" dort nicht länger versuchen, Englisch zu lernen, sondern ihre eigene Sprache zu bewahren. Mit "Manuela" gelingt ihm erneut ein Welthit.


1977
In Santiago de Chile füllt Julio das Nationalstadium (100.000 Besucher), die bis dahin größte Zuschauermenge bei einem Gesangsauftritt in Lateinamerika. Seine LPs "El amor [Die Liebe]" und "A mis 33 años [Mit 33 Jahren]" werden große Verkaufserfolge. Julios Schallplatten haben sich inzwischen 35 Millionen mal verkauft.


1978
Julio nimmt seine ersten LPs auf Französisch ("Aimer la vie") und Italienisch ("Sono un pirata, sono un signore") auf.
"Emociones" wird zur bis dahin meistverkauften LP in der spanisch-sprachigen Welt (eine Goldene und 24 Platin-Schallplatten).


Julio trennt sich von Columbia und wechselt zu CBS.
Auch Julio und Isabel trennen sich. (Die Ehe wird ein Jahr später geschieden.)

1980
Julios LP "Hey" wird ein weiterer Verkaufserfolg. Die Zahl seiner Plattenverkäufe erreicht 75 Millionen.


Julio absolviert Tourneen durch Westeuropa, Nord- und Südamerika, Ostasien und Nordafrika.

1981
Binnen drei Jahren verkauft CBS über 5 Millionen LPs von Julio. Für die LP "De niña a mujer [Vom Mädchen zur Frau]" erhält er vier Goldene und 29 Platin-Schallplatten, darunter in Ländern mit relativ kleinen Märkten wie Schweden und Dänemark, wo kaum Spanisch gesprochen wird; in Japan wird es die bis dahin meistverkaufte LP aller Zeiten. Den größten Erfolg hat er im (portugiesisch-sprachigen) Brasilien, wo er nicht nur die meisten Platten verkauft, sondern auch regelmäßig in ausverkauften Fußballstadien singt. Erstmals tritt er auch in Australien auf.

1982
Nachdem sein Vater von Lösegelderpressern entführt worden ist, kehrt Julio dem destabilisiertendemokratisierten Spanien - das mit dem Beitritt zur EG auch kräftig die Steuerschraube anzieht - den Rücken und übersiedelt mit seiner Familie nach Miami/Florida. Er tritt erstmals in Las Vegas auf.
Julios LP "Momentos" trägt ihm sieben Goldene und 28 Platin-Schallplatten ein (darunter erstmals auch in Kanada und Korea).


1983
Julio erhält eine diamantene Schallplatte für mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger - was umso erstaunlicher ist, als er bis dahin keine einzige Platte auf Englisch (sondern "nur" auf Kastilianisch, Galizisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch) gesungen hat.

1984
Die - inzwischen überwiegend spanisch-sprachige - Stadt Los Angeles spendiert Julio einen Bildpflasterstein auf dem "Walk of fame" in Hollywood.
Julio veröffentlicht seine erste, von Albert Hammond produzierte, englischsprachige LP "1100 Bel Air Place" mit Titeln wie "All of you", "Begin the Beguine" und "To all the girls I loved before", mit der er auch die englisch-sprachigen Märkte erobert: sechs Goldene und 26 Platin-Schallplatten (darunter erstmals in Großbritannien, den USA, den Filipinen, Malaysia und Singapur).


1985
Julio zieht sich auf die Bahamas zurück und legt eine schöpferische Pause ein. Die Verkaufszahlen gehen zurück ("nur" noch sechs Goldene und 13 Platin-Schallplatten für die LP "Libra").


1986
Auch die Begeisterung für Julios Live-Auftritte läßt nach: Auf einer fast fünf-monatigen Tournee durch die USA kommen zu 93 Konzerten insgesamt "nur" ca. 550.000 Zuschauer (davon ca. 45.000 in Houston/Texas).

1987
Mit der LP "Un hombre solo [Ein einsamer Mann]" gelingt Julio sein größter und vorerst letzter weltweiter Erfolg (33 Platin-Schallplatten).


1988-93
Ähnlich wie andere "Schnulzensänger" muß sich Julio vorübergehend mit mehr oder weniger wertlosen Titeln und Auszeichnungen ("Vater des Jahres", Ehrenbürger von Villareal, "UNICEF-Sonderbotschafter", Honorarprofessor in Miami usw.) über eine Saure-Gurken-Zeit des Schlagers hinweg trösten.

1990
Dezember: Julio lernt in Jakarta (Indonesien) das niederländische Fotomodell Miranda Rijnsburger (*1965) kennen, mit der er seither abwechselnd in Miami (Florida) und Punta Cana (Dominikanische Republik) zusammen lebt.
Aus der Beziehung gehen fünf Kinder hervor: Michael Alexander/Miguel Alejandro (*1997), Rodrigo (*1999), die Zwillinge Cristina und Victoria (*2001) und Willem/Guillermo (2007). Julio - der von sich behauptet, "mehr als tausend Frauen gehabt" zu haben - heiratet Miranda jedoch vorerst nicht.


1994
Julio gelingt mit der CD "Crazy" - wiederum produziert von Albert Hammond, der während der vorübergehenden Absatzkrise sein Produzent für die englisch-sprachige Welt geblieben ist und es auch weiterhin bleibt - ein beeindruckendes Comeback: 10 Goldene und 12 Platin-Schallplatten, darunter erstmals in Norwegen, Australien, Neuseeland, Hongkong, Taiwan und Indonesien. Auffallend ist, daß sie sich am besten in Südostasien verkauft (allein dreimal Platin in Indonesien), wo bis dahin hauptsächlich Raubkopien aus Hongkong und Singapur in Umlauf waren (möglicherweise infolge eines verbesserten Kopierschutzes).


1995
Julios Plattenfirma nutzt die neue Popularität des Sängers, um gleich fünf neue CDs auf den Markt zu werfen, darunter vier alleine in Frankreich ("Fidele", "Sentimental", "Aimer la vie" und "Et l'amour créa la femme"). Seine spanische CD "La carretera" gewinnt 13 Goldene und 19 Platin-Schallplatten (darunter erstmals auch in Thailand).


1996
Julios CD "Tango" gewinnt acht Goldene und 27 Platin-Schallplatten.


1997
Die kubanische Gemeinde von Miami führt einen "Julio-Iglesias-Tag" ein (den sie aus unerfindlichen Gründen auf den 8. September legt). Wiewohl Julio sich - anders als andere Musikanten - offiziell nicht für eine bestimmte politische Richtung engagiert, fällt doch auf, daß er nie im kommunistischen Kuba Castros oder in Rotchina aufgetreten ist, wohl aber im Chile Pinochets und in Taiwan, und daß er sich zwar vom spanischen König Juán Carlos, von US-Präsident Reagan und - nach dem Friedensschluß mit Israel - vom ägyptischen Präsidenten Sadat empfangen läßt, nicht aber von den Machthabern linksgerichteter Regimes.**

1998
Julios CD "My life" gewinnt 11 Goldene und 11 Platin-Schallplatten (darunter erstmals in Südafrika und Perú).


2004
Julios CD "Divorcio [Scheidung]" gerät - außer in Argentinien - zum Flop.


2005
Julios Frankreich-Tournee und die CDs "En français" und "L'homme que je suis" haben einen für seine Verhältnisse recht bescheidenen Erfolg (je eine Goldene Schallplatte).


2006/07
Julio versucht sich im Singen auf Mandarin, Tagalog und Bahasa, um die Milliarden Konsumenten in Fernost noch besser zu erreichen.

2008
Julio unternimmt zu seinem 40-jährigen Bühnen-Jubiläum eine Welttournee ("Julio Iglesias in Concert").


2010
August: Julio und Miranda heiraten in Marbella.

2013
Nachdem zwei Tourneen durch Israel in den Jahren 2001 und 2009 enttäuschend verlaufen waren, verfällt Julio auf einen besonderen Publicity-gag: Er erklärt, seine Mutter sei ausweislich ihres Geburtsnamens Jüdin gewesen (was ihn nach mosaïschem Recht - das allein auf die matrilineare Abstammung abstellt - zum Juden machen würde), und er fühle sich auch als Jude, habe bloß bisher vergessen, das zu erwähnen. "De la Cueva" sei ein "typisch sefardischer Name", da spanische Juden sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Höhlen versteckt hätten, um der Inquisition zu entgehen.***
Die Erklärung wird von jüdischen Medien in aller Welt begierig aufgegriffen und ausgeschmückt; die Tournee wird ein voller Erfolg.


*"Wie wenig wissen die anderen von meinem Leben...
Bloße Gerüchte, und schon wollen sie über mich urteilen."
(aus "Hombre solitario")

**Böse Zungen behaupten allerdings, daß US-Präsident a.D. Bill Clinton ein "enger Freund" Julios sei.

***Tatsächlich ist das gequirlte Scheißevölliger Blödsinn. "Cueva" bedeutet nicht nur "Höhle", sondern auch "Keller"; vermutlich waren seine Vorfahren mütterlicherseits Weinhändler. (Überdies war das der Name seines Großvaters - selbst wenn der Jude gewesen wäre, wäre das nach mosaïischem Recht unbeachtlich :-)


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