Ħamīd Karzaī

(geb. 24.10.1957)

[Karzai]
Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1957
24. Dezember: Ħamīd Karzaī* wird in Karz - einem Vorort von Kandahār - geboren.
"Afģānistān" ist ursprünglich nur eine Pufferzone zwischen den türkischen Provinzen des Tsarenreichs und British India, auf deren Gebiet sich Dutzende Völker und Stämme tummeln, die einander z.T. spinnefeind sind.
(Dikigoros schreibt dazu an anderer Stelle mehr - ebenfalls in der Einleitung - und will sich hier nicht wiederholen.)


In der Hauptstadt Kābul regiert seit 1933 als - von diversen Stammesführern gewohnheitsrechtlich gewählter - "Šāh" Moħammad Zāhir.
Karzaī gehört den Popalzaī an - dem einflußreichsten Clan der Durrānī, die wiederum der einflußreichste Stamm der Pathānen (nach ihrer Sprache auch "Paschtunen" genannt) sind.
Über seine Kindheit und Jugend ist nichts Verläßliches in Erfahrung zu bringen.
(Angeblich besucht er erst eine Schule in Kābul und studiert dann im indischen Shimlā Politologie mit Abschluß M.A.)

1964
Januar: Zāhir Šāh führt - um sich im Ausland (von dessen Entwicklungshilfe das Land hauptsächlich lebt) als "konstitutioneller Monarch" präsentieren zu können - eine geschriebene Verfassung ein, die Afģānistān zur "Parteien-Demokratie" macht. Von da an geht's abmerz bergab (wie überall, wo dieses Experiment durchgeführt wird).

1973
Juli/August: Während Zāhir Šāh auf einer Auslandsreise weilt, wird er durch einen Putsch seines Vetters Moħammad Daūd Ķhān gestürzt, der die Monarchie abschafft, Afģānistān zur "Republik" und sich selber zu deren "Präsident" erklärt.

1978
April: Kommunistische Militärs ergreifen die Macht. Afģānistān wird "Volksrepublik".
Dagegen erheben sich die meisten muslimischen Stammesführer.

1979
Dezember: Truppen der Sowjet-Union, deren Führer befürchten, daß sich das befreundete Regime in Kābul ohne ihre Unterstützung nicht wird halten können, marschieren in Afģānistān ein.
Wider Erwarten wird dies kein Spaziergang, zumal die muslimischen Widerstandskämpfer ("Mujahiddīn") von den USA mit Geld, Waffen und Know-how massiv unterstützt werden.

1989
Februar: Die sowjetischen Truppen ziehen aus Afģānistān ab. Der Krieg geht weiter.
November: Im fernen Europa fällt wird die "Berliner Mauer" geöffnet. Die "Wieder"-Vereinigung von BRD und DDR (die noch nie vereint waren) steht zur Diskussion, und der Kanzler verspricht seinen Untertanen für diesen Fall "blühende Landschaften".

1992
April: Anti-kommunistische Truppen erobern Kābul und errichten einen "Islamischen Staat".
Karzaī wird Außenminister der neuen Regierung.

2001
September: Nach den von sa'udischen Flugzeugentführern verübten Kamikaze-Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center beschließen die USA, diese zum Vorwand für Kriege nicht etwa gegen Sa'udi-Arabien, sondern gegen den Irāq und Afģānistān zu nehmen, mit dem Ziel, dort einen "regime change" herbei zu führen.
November/Dezember: Auf der "Petersberger Konferenz" in Bonn am Rhein - vormals provisorische Hauptstadt der BRD - wird beschlossen, Karzaī als künftigen Machthaber "Präsidenten" in Kābul zu installieren.
Die einzige Rechtfertigung Begründung für diese Entscheidung, die Dikigoros je gehört oder gelesen hat, lautet allen Ernstes (?): "Er ist der bestangezogene Mann der Welt!"**

[Der bestangezogene Mann der Welt]

2004
.


"Es gibt nur ein kleines Problem mit den blühenden Landschaften!"

2007
März: Karzaī reist in die BRDDR, wo ihm - zusammen mit Ex-Außenminister Genscher - für seine Verdienste um den weltweiten Opiumhandel der "Steiger Award" verliehen wird.


2009
Karzaī wird von seinem Amtskollegen und Drogenfreund, dem gebürtigen Kenyaner Barack Hussein Obama zum Staatsbesuch in Washington District ofCriminals empfangen.


2014
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2016
Karzaī dient Robert Thalheim als Vorlage für "Ħaim Karzan" - den in Bonn gekürten Präsidenten von Katschekistān - in der DDR-nostalgischen Spionage-Groteste "Kundschafter des Friedens".
(Thalheim bestreitet das zwar; aber sein Karzan trägt nicht nur beinahe den gleichen Namen, sondern auch beinahe die gleichen Klamotten wie Karzaī :-)


Der - profetische - Schluß-Kommentar des Ex-DDR-Kundschafters Jäcki zur katschekischen "Wiedervereinigung" lautet: "Wenn die wüßten, was da noch alles auf sie zukommt..."

2021
August: Nach Abzug der US-Truppen erobern die Tāliben binnen weniger Tage Kābul und danach auch den Rest des Landes.
Karzaī bleibt - wohl in der Hoffnung, irgendwann wieder an die Macht zu gelangen.


*Das kann man auch ganz anders, ja geradezu konträr transkribieren - selbst auf Hindī (auf das sich Dikigoros hier hauptsächlich stützt, da K. seinen Bildungsabschluß in Indien gemacht hat).
So liest man z.B. häufig:
- "Ħāmid" statt "Ħamīd" (was in der Dewnagrī ein himmelweiter Unterschied ist)
- "Karsāī" statt "Karzaī" (sowie Kombinationen dieser beiden Varianten)
- "Hamid Karsai" oder "Hamid Karzai" (unter Verzicht auf das "Ħ" und jegliche Längen - was aber mit einiger Sicherheit falsch ist).

**Quelle: Zeitschrift Orient, Jg. 43, Heft 1, p. 9 ff. Eine Lobhudelei Lobeshymne sonder gleichen auf den guten K., verfaßt von einem gewissen C. Schetter, "wissenschaftlicher Mitarbeiter" des hochwohllöblichen (mit Steuergeldern finanzierten) "Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF)" in Bonn am Rhein, die mit der Hoffnung der "internationalen Gemeinschaft" - wer immer das ist - schließt, daß K. "noch möglichst lang im Amt bleiben wird".
Als Dikigoros das las, fiel ihm die Story aus einem Mickey-Mouse-Heft der 1950er Jahre wieder ein, die er als Kind gelesen hatte: Eine Bande Rauschgift-dealer, pardon, so etwas gab es damals ja noch gar nicht, Diamanten-dealer, will ihre Ware zollfrei über die Grenze schmuggeln und sucht nach einem arglosen, möglichst harmlos wirkenden Werkzeug. Also schreiben sie eine Stelle als "reisender Vertreter" aus, zu lukrativen Konditionen. Es melden sich viele Bewerber, unter anderem auch Mickeys Freund "Goofy" (englisch für "Trottel"). Das Bewerbungsgespräch verläuft wie folgt: "Was reizt Sie an der Stelle?" - "Ich reise gern, und da dachte ich, Reisender wäre genau das richtige für mich." - "Verstehen Sie etwas von Schmuck?" - "Also, äh, ich selber trage keinen." - "Gut, Sie haben den Job." Seht Ihr, es gibt Jobs, die werden bevorzugt an die dümmsten Vollidioten vergeben, die alles, was man ihnen aufträgt, brav ausführen, ohne zu fragen und ohne zu wissen, was sie tun, und die das auch besten Gewissens zu Protokoll geben können, wenn sie doch mal erwischt werden. Leider gibt es ein halbes Jahrhundert später keine Mickey Mouse mehr, die den "Deal" auffliegen läßt, und ein Dreivierteljahrhundert später erst recht nicht... Ja, was glaubt Ihr denn, nach welchen Kriterien sich z.B. BlackRock seinen Kanzler ausgesucht hat?


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