Erich Honecker (1912 - 1994) Tabellarischer Lebenslauf

ERICH  HONECKER

(25.08.1912 - 29.05.1994)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

[Hammer und Zirkel - Staatswappen der DDR]

1912
25. August: Erich Honecker wird als viertes von sechs Kindern des Bergmanns Wilhelm Honecker und dessen Ehefrau Caroline, geb. Weidenhof, in Wiebelskirchen/Saar (heute Stadtteil von Neunkirchen) geboren.

1918-26
Honecker besucht die evangelische Grund- und Hauptschule in Neunkirchen.

1919
Nach dem von den "Mittelmächten" verlorenen Ersten Weltkrieg und dem von den Siegermächten diktierten Vertrag von Versailles fällt das Saarland - wie das benachbarte Elsaß-Lothringen - an Frankreich. (Auch das übrige Deutschland westlich des Rheins wird von französischen Truppen besetzt.)


1922
Honecker wird Mitglied in der kommunistischen Kindergruppe Wiebelskirchen, aus der später der "Jung-Spartakus-Bund" hervor geht.

[auch Jung-Siegfried war Spartakist!]

1926
Honecker geht nach Neudorf (Pommern), wo er zwei Jahre auf einem Bauernhof arbeitet.

1928
Honecker kehrt nach Neunkirchen zurück und beginnt eine Lehre als Dachdecker, die er jedoch nach zwei Jahren ohne Gesellschprüfung abbricht. (Eine Parallele zum abgebrochenen Sattler-Lehrling Friedrich Ebert, der es damit bis zum Reichspräsidenten gebracht hatte.)


Dezember: Honecker wird Mitglied des "Kommunistischen Jugendverbands Deutschland" (KJVD) und der Holzarbeiter-Gewerkschaft.

1929
Honecker wird politischer Leiter der KJVD-Ortsgruppe und besucht die Bezirksschule des KJVD.

1930
Honecker wird Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands [KPD] und des Rotfrontkämpferbunds [RFB], einer kommunistischen Schlägertruppe, die sich regelmäßig Straßenschlachten mit den Schlägertruppen der SPD (den "Sozialfaschisten") und der NSDAP (den "Nazis") liefert.

1930-1931
Honecker besucht die "Internationale Lenin-Schule" in Moskau, eine Kaderschmiede für angehende KPD-Funktionäre.

1931
September: Honecker wird hauptamtlicher politischer Leiter für Agitation und Propaganda ("Agitprop") des KJVD-Bezirks Saarland mit Sitz in Saarbrücken.

1933
Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler geht Honecker ins Ruhrgebiet, wo im Untergrund für den KJVD "arbeitet". Er wird Mitglied in dessen Zentralkomitee (ZK).

1934
Februar: Honecker wird kurz inhaftiert. Nach seiner Entlassung geht er in die Niederlande.
Oktober: Honecker kehrt ins Saarland zurück, um im Hinblick auf die vom Völkerbund organisierte Volksabstimmung über dessen Zukunft gegen einen Anschluß an das Deutsche Reich zu hetzen agitieren.

1935
Januar: Trotz Honeckers aufopferungsvoller Propaganda-Tätigkeit sprechen sich 91% der undankbaren Wähler für einen Anschluß an das "nazistische" Deutschland aus, 9% für die Selbständigkeit und 0% für einen Anschluß an das "demokratische" Frankreich.*


Februar: Honecker setzt sich nach Frankreich ab.
Juni: Der "Mussolini-Freund" Pierre Laval wird neuer Ministerpräsident. Honecker wird der Boden in Frankreich bald zu heiß. Daher kehrt er im
August nach Berlin zurück, wo er unter Falschnamen wieder kommunistische Wühlarbeit leistet. Die "Geheime Staatspolizei [GeStaPo]" kommt ihm jedoch auf die Schliche und nimmt ihn im
Dezember fest.

1937
Juni: Honecker wird wegen Hochverrats zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er wird ins Gefängnis Brandenburg-Görden eingewiesen.

[Das geschieht ihm recht]

1939-45
Den Zweiten Weltkrieg übersteht Honecker dortselbst warm und trocken.

1945
März: Honecker flieht aus einer Baukolonne und taucht wieder mal in Berlin unter.
April: Sowjet-Truppen besetzen Berlin. In ihrem Schlepptau bringen sie exilierte KPD-Funktionäre mit.
Mai: Honecker schließt sich der Gruppe um Walter Ulbricht an. Er wird Jugendsekretär des "Zentralkomitees der KPD" und organisiert als solcher die "Antifaschistischen Jugendausschüsse" (später in "Freie Deutsche Jugend [FDJ]" umbenannt).

1946
Honecker wird Vorsitzender der FDJ.
KPD und SPD werden zur "Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands [SED]" zusammen geschlossen.
Honecker wird Mitglied des Parteivorstands.

1947
Honecker heiratet Edith, geb. Baumann - seine FDJ-Stellvertreterin. (Aus der Ehe - die 1953 geschieden wird - geht eine Tochter hervor.)
Angeblich war Honecker zuvor mit einer 10 Jahre älteren Gefängnisaufseherin verheiratet, die ihm 1945 zur Flucht verhalf, jedoch bereits ein Jahr später verstarb. Dikigoros läßt das dahin stehen.

1948
Honecker wird Mitglied des Präsidiums des "Deutschen Volksrats" in der Sowjetischen Besatzungszone [SBZ]".

1949
Honecker wird Mitglied im Exekutivkomitee des kommunistischen "Weltbunds der Demokratischen Jugend [WBDJ]" (bis 1955).
Oktober: Nach Gründung der "DDR" wird der "Deutsche Volksrat" in "Volkskammer" umbenannt.
Honecker wird deren Abgeordneter (und bleibt es 40 Jahre lang).

1950
Honecker wird Kandidat im ZK der SED (im Volksmund "Politbüro" genannt).

1953
Nach seiner Scheidung von Edith heiratet Honecker die Vorsitzende der "Thälmann-Pioniere" Margot, geb. Feist, mit der er angeblich bereits seit 1947 ein Verhältnis und jedenfalls seit 1952 eine uneheliche Tochter hat.
(Die Spekulationen über jene Ehe sind Legion. Die einen meinen, Margot hätte "die Hosen angehabt" und auch die Politik ihres Mannes bis zuletzt maßgeblich beeinflußt. Andere meinen, die Ehe sei erst 1955 geschlossen worden und habe schon bald nur noch auf dem Papier bestanden; die beiden hätten getrennt gelebt und gar nicht mehr mit einander gesprochen. Dikigoros enthält sich jeglichen Kommentars.)

1955
Honecker - mittlerweile 43 Jahre jung - wird als FDJ-Vorsitzender abgelöst.
Für seine Verdienste wird ihm zum Abschied der "Vaterländische Verdienstorden [VVO]" verliehen.
Das ist zwar nicht gerade der höchste Orden der "DDR", aber im Gegensatz zu anderen Auszeichnungen mit einem jährlichen "Ehrengeld" in drei- bis vierstelliger (später vier- bis fünfstelliger) Höhe verbunden.


Damals war das Wort "Vaterland" noch nicht als "nationalistisch" oder gar "fascistoïd" geächtet - ganz im Gegenteil: Gerade die "DDR" legte großen Wert darauf, daß ihre Untertanen sie als solches empfanden. Kinder des 21. Jahrhunderts mögen das kaum für möglich halten, sind doch inzwischen selbst die Begriffe "Vater" und "Mutter" als politisch unkorrekt gecancelt; aber so war es tatsächlich mal! Dikigoros fuhr noch bis Ende der 1970er Jahre ein Fahrrad der Marke "Vaterland" - er führe es vielleicht heute noch, wäre es ihm nicht eines unschönen Tages gestohlen worden. Später traute man sich nicht mehr, Produkte unter diesem Namen auf den Markt zu bringen, sondern gab ihnen irgendwelche exotische Namen und verkaufte sie über Aldi, Metro oder Real. 2007 wurde die Produktion ganz eingestellt; die Fabrik wurde später abgerissen, das Verwaltungsgebäude in ein Altersheim umgewandelt - durchaus passend, oder?

1955/56
Honecker besucht die Parteihochschule der KPdSU in Moskau.

1956
3. September: Auf den Tag genau 17 Jahre nach der französischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich entscheiden sich die Bewohner des seit 1945 von Frankreich besetzten und ausgebeuteten Saarlands bei einer Volksabstimmung erneut mit überwältigender Mehrheit für eine Wiedervereinigung mit Deutschland. (Dies trotz massiver Propaganda der CDU-FDP-Bundesregierung unter Konrad Adenauer - der sich einmal mehr als Hochverräter entpuppt - für einen Anschluß an die "Grande Nation".)

[Medaille auf die Saarabstimmung 1956]

1958
Honecker wird Vollmitglied des "Politbüros" und verantwortlicher Sekretär für Sicherheitsfragen, Kaderfragen und "Leitende Parteiorganisation" und damit zum wichtigsten Mann nach Ulbricht.
Inwieweit er ersteres nur pro forma ist, mag dahin stehen. Bereits seit Ende 1957 ist Honeckers Freund und Kupferstecher Namensvetter Erich Mielke Minister für Staatssicherheit [MfS]. Er baut die "Stasi" von einer Behörde leicht überdurchschnittlicher Größe (gut 10.000 hauptamtliche Mitarbeiter) zu einer Krake aus, die drei Jahrzehnte später, beim Untergang der "DDR", knapp 100.000 offizielle und mehrere Millionen inoffizielle Mitarbeiter ("IM") zählen wird. (Die genauen Zahlen werden nie ermittelt, da wichtige Mitarbeiter - u.a. "IM Larve" alias Joachim Gauck - später in Schlüssel-Positionen gelangen, in denen es ihnen gelingt, Personal-Akten u.a. belastendes Material rechtzeitig zu vernichten.)

1960
Honecker wird Sekretär des "Nationalen Verteidigungsrats [NVR]".

1961
Honecker organisiert den Bau des "anti-faschistischen Schutzwalls" (im Westen flapsig "Berliner Mauer" genannt, obwohl die Anlagen viel mehr als bloß eine Mauer umfassen), der am
13. August hoch gezogen wird.


(In der BRD halten sich damals viele italienische Gastarbeiter auf, die Angehörige der - bereits 1946, nur ein Jahr nach der Ermordung Mussolinis, wieder zugelassenen - [neo-]fascistischen Partei "Movimento Sociale Italiano [MSI]" sein und Lust verspüren könnten, statt im Westen für D-Mark im Osten für Alu-Chips zu arbeiten; vor denen muß man sich natürlich schützen :-)


Spaß beiseite. Cyniker merken im Rückblick an, daß jene Anlagen die DDR tatsächlich fast drei Jahrzehnte lang davor geschützt haben, wie die BRD von Niggern und Kanaken Schwarzafrikanern und anderen "Drittweltlern" überfremdet zu werden, und wünschen sich "die Mauer zurück".


sehnsüchtiger Blick nach Ost-Berlin: Martin Luther King

1963
Honeckers Frau Margot wird Minister (nicht Ministerin - die "DDR" legt keinen Wert auf "Gendergerechtigkeit" :-) für Volksbildung. Angeblich wird das Bildungssystem der DDR erst von ihr auf streng sozialistischen Kurs gebracht.
Dikigoros' Schwiegervater - bis zu seiner "Republikflucht" (die damals noch nicht so hieß, deshalb setzt Dikigoros das in Anführungsstriche) 1956 im "DDR"-Schuldienst - berichtete es ganz anders, nämlich daß schon zuvor "stramm sozialistisch" unterrichtet werden mußte, "entgegen den Fakten und alle Vernunft". (Der hätte im neuen Jahrtausend die "gut-demokratischen" Schulen und die "Faktenchecker" im "besten Deutschland aller Zeiten" erleben sollen - da wären ihm die alten "DDR"-Schulen wahrscheinlich wie Gold vorgekommen!)

1964
Borussia Neunkirchen steigt in die westdeutsche Fußball-Bundesliga auf.**


1965
Das läßt Honecker und seinen Freund Mielke - die den propagandistischen Wert sportlicher Erfolge (innen- und außenpolitisch) richtig erkannt haben - nicht ruhen. Sie lösen die Fußball-Abteilungen aus den Sportvereinen heraus und formen sie zu eigenen, schlagkräftigen Truppen. An die Fußballclubs der "Sportvereinigung Dynamo" - de iure dem Innenministerium, de facto aber der "Stasi" unterstehend und später als "Schwerpunktclubs" bezeichnet - werden die besten Spieler der anderen Vereine "delegiert" und die Schiedsrichter entsprechend "instruiert", so daß der ein Jahr später [um]gegründete "B[erliner]FC Dynamo", dessen Vorsitzender (später Ehrenpräsident) Mielke ist, Rekordmeister der "DDR"-Oberliga wird und nach der Anerkennung der "DDR" durch die UEFA auch in den europäischen Wettbewerben einige Erfolge verzeichnen kann. (Der ganz große Wurf bleibt dort freilich aus, da die UEFA-Schiedsrichter nicht dem MfS unterstehen :-) Das höchste der Gefühle ist das Erreichen des Halbfinals im Europacup der Pokalsieger anno 1972, wo man an Dynamo Moskau scheitert.

1968
Nach Anerkennung der "DDR" durch das IOC darf diese erstmals eine eigene "Nationalmannschaft" zu den Olympischen Spielen entsenden, die in Mexiko statt finden, wo Mielke 1941/42 - angeblich - ein Jahr im Exil verbracht hatte. (Zuvor mußten die Athleten der "DDR" zusammen mit denen der BRD in einer gemeinsamen Mannschaft antreten.)

1969
Honecker wird erstmals der Karl-Marx-Orden verliehen.


Oktober: In der BRD ergreift eine "kleine Koalition" aus SPD und F.D.P. die Macht. Unter "Willy Brandt" als Kanzler und Tünnes Walter Scheel als Außenminister leitet sie eine "neue Ostpolitik" ein, in deren Mittelpunkt vor allem eine Aussöhnung mit der Sowjet-Union steht.


1971
Mai: Als Ulbricht sich dieser Politik zu widersetzen versucht, wird er abgesägt abgesetzt freiwillig zurück getreten und Honecker zu seinem Nachfolger als 1. Sekretär (1976 umbenannt in "Generalsekretär") des ZK der SED und Vorsitzender des NVR ernannt.
(Auch die Spekulationen über Hintergründe und nähere Umstände jenes Machtwechsels sind Legion. Dikigoros verzichtet bewußt auf ein Referieren jener Räuberpistolen und beschränkt sich auf das Ergebnis.)
Honecker macht die "Entspannungspolitik" trotz persönlicher Bedenken brav mit, heuchelt Begeisterung für das "Viermächteabkommen" der Besatzer und stimmt im
Dezember auch dem "Transit-Abkommen" zu, das Auto- und Bahnfahrten zwischen der BRD und West-Berlin erleichtert.

1972
Juli: Bei den Olympischen Spielen in München stecken die "DDR"-Athleten die der BRD meistenteils in die Tasche.
Allerdings wird ihnen die Schau Show gestohlen von "palästinensischen" Terroristen, denen es gelingt, mehrere Angehörige der Olympia-Equipe Israels zu kidnappen und zu ermorden.
Honecker gratuliert dem PLO-Führer Yāsir 'Arafāt persönlich zu diesem schönen Erfolg.


('Arafāt wird dafür später unter irgendeinem anderen Vorwand der "Friedensnobelpreis" verliehen.)


Dezember: Honecker unterzeichnet auch den "Grundlagenvertrag" zwischen BRD und "DDR".
Zur Belohnung wird ihm von der UdSSR erstmals der Lenin-Orden verliehen.


1973
Juni: Nach einigem Hickhack (u.a. ein alberner, da rechtlich unerheblicher Brief der Bundesregierung an die "DDR"-Regierung, wonach die Anerkennung der "Gleichberechtigung" der "DDR" keineswegs eine Anerkennung derselben als "zweiter deutscher Staat" bedeute) tritt der Grundlagenvertrag in Kraft.
Juli: Ein verspätetes nachgeschobenes Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das sich jenem Brief anschließt, kostet Honecker nur ein müdes Ar...runzeln.


September: BRD und DDR treten der UNO bei. Für die DDR ist das ein großer Prestigegewinn, der indes einen kleinen Wermutstropfen enthält, nämlich die enormen Mitgliedsbeiträge. (Die beiden deutschen Staaten zahlen zusammen mehr als die USA, die sich zunehmend aus der Finanzierung zurück ziehen; die Mehrheit der Mitglieder besteht inzwischen aus bankrotten Drittwelt-Staaten, die kaum Beiträge zahlen.) Darüber kann auch der warme Hundedreck Händedruck des Waldheimis UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim nicht hinweg trösten.


Die DDR erhält jedoch Kompensation, zum einen durch die Einnahmen aus dem Zwangsumtausch (1 DM = 1 Aluchip), dem alle Wessi-Besucher unterliegen, zum anderen durch die Möglichkeit, unnütze Fresser Rentner in die BRD abzuschieben ausreisen zu lassen, die dort voll alimentiert werden, ohne je einen Pfennig in die Rentenkassen eingezahlt zu haben.
Damals macht ein Witz die Runde: "Wie lange wird die DDR bestehen? - Höchstens 65 Jahre, denn dann werden die letzten alten Genossen in den Westen ausgereist sein." (Die Geburtenrate der "DDR" ist infolge kostenloser "Abtreibung" und Propagierung von Vollzeit-Berufstätigkeit der Frauen erbärmlich niedrig - noch niedriger als die der BRD.) Niemand ahnt, daß die "DDR" nicht mal das Rentenalter erreichen wird.

1974
Juli: Die DDR erringt einen weiteren - noch größeren - Prestige-Erfolg, als ihre Fußball-Nationalmannschaft bei der FIFA-Weltmeisterschaft in der BRD den Ausrichter und späteren Titelgewinner in der Vorrunde besiegt.
Viel wichtiger ist freilich, daß der Stasi-Agent Hans-Dietrich Genscher (IM "Tulpe") neuer BRD-Außenminister, Vizekanzler und F.D.P.-Vorsitzender wird.
September: Die Post der "DDR" gedenkt des 1. Todestages des chilenischen Diktators Salvador Allende mit einer Sondermarke zu 25+5 Pf. (Honeckers Tochter Sonja hat nach Chile geheiratet - was für ihn einmal sehr wichtig werden soll.)


1975
August: Bei einer Laberrunde im finnischen Helsinki (der tumpen Öffentlichkeit als "Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa [KSZE]" verkauft) trifft Honecker auf den neuen (seit 1974) Bundeskanzler Helmut Schmidt. Die beiden werden gute Freunde.
(Schmidt hat dazu allen Grund, denn er verdankt Honecker gewissermaßen seinen Job: Brandt mußte zurück treten, als heraus kam, daß Günter Guilleaume, sein persönlicher Referent im Kanzleramt, ein "DDR"-Spion war.)


1976
Abgesehen von der Freundschaft mit "Schmidt Schnauze" trägt die "KSZE" Honecker bloß Ärger ein: Einige "DDR"-Untertanen nehmen die schönen Worte der "Schlußakte" von wegen "Bürgerrechte" für bare Münze und fordern lautstark deren Umsetzung - vor allem in Sachen [Aus-]Reisefreiheit.
Honecker läßt mehrere aufmüpfige Schriftsteller, Künstler u.a. "Intellektuelle" ausbürgern und ausweisen.


Oktober: Honecker wird als Nachfolger von Willi Stoph auch DDR-Staatsratsvorsitzender.

1980
Honecker veröffentlicht seine Memoiren unter dem Titel "Aus meinem Leben".
Böse Zungen behaupten, er habe nur das erste Drittel selber verfaßt (und das nicht immer wahrheitsgemäß); den Rest habe ein Autorenteam des Instituts für Marxismus-Leninismus zusammengeschrieben. (Dikigoros läßt das dahin stehen, nicht ohne anzumerken, daß es nun mal in der Natur der Sache liegt, daß Autobiografien nicht immer ganz der Wahrheit entsprechen. Von den hunderten, die er gelesen hat, hält er allenfalls eine Handvoll für vollständig glaubhaft; sie zeichnen sich u.a. dadurch aus, so schlecht geschrieben zu sein, daß die Abwesenheit eines stilistisch - und vielleicht auch inhaltlich - "korrigierenden" Verlagslektors offensichtlich ist :-)****
November: Der erste Staatsbesuch Honeckers in einem NSW-Land führt ihn in den zweiten deutschen Staat die "Republik Österreich" - das einzige westliche Land, das noch immer Hammer und Sichel im Wappen führt.


In Wien trifft er seinen sozialistischen Genossen Bruno Kreisky. Auch die beiden werden gute Freunde.



1981
Juli: Honecker besucht als zweites "westliche" Land Japan, wo sich die Nihon-Universität Tōkyō nicht entblödet beehrt, ihm den Grad eines Dr.h.c. zu verleihen.
Dezember: Honecker empfängt am Güstrower Werbellinsee seinen alten Freund Helmut Schmidt, der noch nicht ahnt, was ihm in kürze bevorsteht. Friede, Freude, Eierkuchen - die beiden geben sogar gemeinsame Autogrammkarten heraus.


1982
September/Oktober: IM "Tulpe" vollzieht mit der F.D.P. einen Koalitionswechsel von der SPD zur CDU/CSU.
Unbedarfte Beobachter mögen sich - so sie denn damals schon wußten, daß Genscher ein "DDR"-Agent war*** -, gefragt haben, warum Honecker Schmidt stürzen ließ (wofür er übrigens zum 2. Mal den Lenin-Orden verliehen bekam). Die Antwort sollten sie neun Monate später erhalten durch ein Ereignis, auf das sich viele Zeitgenossen zunächst ebenfalls keinen Reim machen konnten.

1983
Juli: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß vermittelt der "DDR" auf Kosten des westdeutschen Steuerzahlers Bundesbürgschaft einen Milliardenkredit zur Sanierung ihrer maroden Finanzen.
(In dem Bemühen, seinen Untertanen den Sozialismus schmackhaft zu machen, hatte Honecker seit Jahren den Konsumsektor gepampert, so daß die "DDR-Bürger" weit über ihre Verhältnisse lebten - aber meistenteils dennoch unzufrieden waren, da sie ständig Vergleiche mit ihren wohlhabenden "Brüdern und Schwestern" im Westen anstellten.).
So hat Honecker wieder einen guten Freund im Westen gewonnen:


1984
Nun stellen sich auch weitere westliche Regierungschefs zum Staatsbesuch bei Honecker vor ein: Der kanadische Stinkefinger Premierminister Petrus Wasserloch Pierre Trudeau, der griechische Premierminister Andreas Papandreou, der schwedischen Regierungschef Olof Palme und der italienische Ministerpräsident (und mutmaßliche Mafia-Boss) Bettino Craxi suchen ihn in Ost-Berlin, der Hauptstadt der DDR, heim auf.


Es handelt sich um den Abschaum der westlichen Politiker-Kaste die Krone der westlichen Politiker-Elite, allesamt tiefrot in der Wolle gefärbt, von denen selbst Honecker in Sachen Sozialismus noch dazu lernen könnte. (Der DDR-Volksmund nennt diese politische Aufwertung der "DDR" flapsig "Erichs Krönung" - eine Bezeichnung, die vormals für Muckefuck "Ersatzkaffee" gebraucht wurde :-)
Juli: Die "DDR" boykottiert die Olympischen Spiele in Los Angeles. (Gleichwohl verleiht das IOC Honecker ein Jahr später den Olympischen Orden in Gold.)


Oktober: Honecker läßt den 35. Gründungstag der "DDR" gebührend feiern.
Ehrengäste sind 'Arafāt und der nordkoreanische Volksdemokrator Kim Il-sŏng.


1985
April: Honecker stattet Craxi einen Gegenbesuch in Rom ab und wird bei der Gelegenheit auch vom polnischen Papst Johannes Paulus II empfangen.
Alles scheint in schönster Ordnung im sozialistischen Lager.
Nur am Rande hat man zur Kenntnis genommen, daß kurz zuvor ein gewisser Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU geworden ist. Noch gibt es keinerlei Anzeichen, daß der "Mineralsekretär" bald auf die Schnapsidee kommen würde, einen Umbau ("Perestroika") des Sozialismus vorzunehmen.


1987
Februar: Nach dem Besuch des sowjetischen Außenministers Eduard Schewardnadse in Ost-Berlin distanziert sich Honecker von Gorbatschows "Perestroika" mit dem Hinweis, daß die DDR so etwas angesichts ihrer glänzenden sozialen und ökonomischen Lage ("Wälldniewoh Weltniveau") nicht nötig habe. Gleichwohl wird ihm zum 3. Mal der Lenin-Orden verliehen.
September: Honecker besucht erstmals die BRD. Deren Präsident Drecksäcker Weizsäcker strebt schon lange die Perestroika den Umbau der "Christlich-Demokratischen Union [CDU]" in eine kommunistische Kaderpartei und der BRD in einen sozialistischen Staat an. Die SPD unter Honeckers Landsmann Oskar Lafontaine (dem "Napoleon von der Saar") bereitet eine "Wiedervereinigung" mit der SED vor.


Nach seiner Rückkehr verleiht sich Honecker die "Ehrenspange zum vaterländischen Verdienstorden in Gold", was erstmals mit einem "Ehrengeld" in Höhe von 15.000 Alu-Chips DDR-Mark verbunden ist. (Bis dahin gab es für die "Spange" null.)

1988
Bei den Olympischen Spielen erringen "DDR"-Sportler erneut große Prestige-Gewinne. (Nur böse Zungen behaupten, daß die darauf geprägten Gedenkmünzen die Richtung anzeigen, in die es die meisten "DDR-Bürger" zieht :-)


1989
Juni: Anläßlich einer Reise nach Moskau äußert Honecker, daß die Berliner Mauer "bei Fortbestehen der Gründe noch 50 oder 100 Jahre bestehen" werde.
06./07. Oktober: Die "DDR" feiert ihren 40. Gründungstag. Ehrengast ist SU-"Mineralsekretär" Gorbatschow, der Honecker wieder seine "Perestroika" schön zu reden sucht - ohne Erfolg.
Die Untertanen nehmen weniger Anteil an den Feierlichkeiten. Schon seit Wochen begehen immer mehr "DDR"-Bürger "Republikflucht" (die seit 1968 nicht mehr so heißt, deshalb setzt sie Dikigoros erneut in Anführungsstriche), indem sie über die ČSSR und Ungarn nach Österreich und weiter in die BRD ausreisen; ebenso viele demonstrieren für Bananen und Westautos eine Öffnung der "Berliner Mauer".


18. Oktober: Honecker wird vom Politbüro freiwillig zurück getreten.
08. November: Die ostberliner Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Honecker wegen Amtsmissbrauchs und Korruption ein.
09. November: Die Berliner Mauer wird geöffnet (angeblich infolge einer Verkettung von Zufällen und Mißverständnissen :-).


Dezember: Die SED schließt Honecker aus, der wenig später der neu gegründeten KPD beitritt.

1990
Januar: Honecker wird kurz in Untersuchungshaft genommen, aber "aus gesundheitlichen Gründen" fast umgehend wieder auf freien Fuß gesetzt. Er taucht kriecht kommt im evengalischen Pfarrhaus in Lobetal unter.
April: Honecker begibt sich vorsichtshalber in das sowjetische Armee-Spital in Beelitz-Heilstetten, das er für sicherer hält.
03. Oktober: Die auf dem Territorium der "DDR" entstandenen "neuen Bundesländer [NBL]" treten der BRD bei. (Dieser Vorgang wird im Volks(und Politiker)mund mit dem ebenso unjuristischen wie unzutreffenden Begriff "Wiedervereinigung" belegt, obwohl die beiden Staaten nie zuvor vereint waren.)
November: Gegen Honecker ergeht Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Totschlags. (Als Sekretär und später Vorsitzender des NVR war er für die Todesschüsse an der Mauer juristisch verantwortlich.)
In dem pseudo-dokumentarischen WDR-Fernsehfilm "Wer zu spät kommt..." wird Honecker von dem unvergessenen Hans Christian Blech gespielt - eine seiner letzten Rollen.
Blech - nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem unfähigen deutschen Botschafter in Moskau Klaus Blech - ist älteren Kinogängern vor allem aus einer seiner ersten Rollen in der Salomon-Adaptation des Kirst-Romans "08/15" in Erinnerung, leider meist nur als brüllender Rekrutenschinder im 1. Teil der Trilogie. Viel interessanter ist er jedoch im 3. Teil als Schieber, der am Ende mit Hilfe der tumpen US-Amerikaner zum privilegierten Geschäftsmann aufsteigt. Daß es ähnliche Fälle auch in der SBZ gab, wird dagegen auch jetzt noch nicht thematisiert.

1991
März: Honecker flieht in einem von Gorbatschow persönlich bereit gestellten sowjetischen Flugzeug nach Moskau.


November/Dezember: Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjet-Union verfügt die neue russische Regierung unter Boris Jeltsin Honeckers Ausweisung. Er entzieht sich dieser durch Flucht in die chilenische Botschaft, die ihm einstweilen Schutz gewährt.
(In Chile regiert seit dem Rücktritt von Augusto Pinochet im Vorjahr der "Christdemokrat" Patricio Aylwin, der ungefähr so christlich und demokratisch ist wie der Stasi-IM Lothar die Misere de Maizière; seine erste Amtshandlung war die Begnadigung aller kommunistischen Schwerverbrecher, die seinerzeit einsaßen. Die Behauptung, er habe seinem Botschafter ob dessen "Eigenmächtigkeit" arg gezürnt und ihn darob abgelöst, darf man wohl ins Reich der Märchen verweisen, zumal Margot Honecker ohne weiteres von Moskau nach Chile ausreisen darf - mit einem Direktflug der Aeroflot - und dort unbefristetes Asyl erhält.)

1992
Juni: Die Berliner Justiz erhebt Anklage gegen Honecker wegen Anstiftung zum Totschlag.
Juli: Honecker kehrt nach Berlin zurück; er wird in das Haftkrankenhaus Moabit eingewiesen, da er - angeblich - an Leberkrebs erkrankt ist (tatsächlich wohl eher an Leberzirrhore alias "Säuferleber" :-). Dem ihn untersuchenden Arzt soll er laut dessen Memoiren gesagt haben: "Ich war Kommunist, bin Kommunist und werde Kommunist bleiben."
(Honecker soll auch gesagt haben: "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs' noch Esel auf." Aber wie so oft bei 'geflügelten Worten' ist die Urheberschaft nicht gesichert.)


1993
Januar: Honecker wird aus dem Haftkrankenhaus entlassen, mit der fadenscheinigen Begründung, eine Fortsetzung des Strafverfahrens verstieße gegen seine "Menschenwürde". (Tatsächlich hat man wohl Angst, er könnte "auspacken".)
Honecker reist unbehelligt nach Chile aus, wo Aylwin ihm politisches Asyl auf Dauer gewährt.
April: Das Strafverfahren gegen Honecker wird endgültig eingestellt - wie die gegen praktisch alle höheren Bonzinnen und Bonzen Bonzende Bonzend:innen der Ex-DDR auch. (Wie war das gleich: Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen macht man zu Ministerpräsidenten, Bundeskanzlerinnen und/oder Bundespräsidenten.) Selbst Mielke wird wegen seiner Verbrechen zu "DDR"-Zeiten nie belangt, sondern nur wegen eines Doppelmordes anno 1931 - der eigentlich längst verjährt war, denn in der Systemzeit "Weimarer Republik" verjährte Mord noch, und rückwirkende Gesetzesverschärfungen verstoßen gegen das Rechtsstaatsprinzip - zu läppischen sechs Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er nur zwei absitzen muß, bevor er "auf Bewährung" entlassen wird - widerrechtlich, denn die Aussetzung einer Freiheitsstrafe zur Bewährung ist laut Gesetz frühestens nach Verbüßung der halben Haftzeit zulässig.
(Zum Vergleich: ... Nein, das führt Dikigoros jetzt nicht weiter aus; Interessierte können - und sollten - es hier nachlesen, einschließlich der Fußnoten.)
Die meisten Ex-Stasi-Mitarbeiter werden zu Mitarbeitern der neu eingerichteten Arbeitsämter (heute auf Dummdeutsch Germenglish "Jobcenter" genannt) gemacht - was sehr praktisch ist, denn erstens sind diese meist in ehemaligen Dienstgebäuden des MfS untergebracht, und zweitens können sie so ihren Ex-Kollegen, die nicht selber dort untergekommen sind (oder in der Gauck-Behörde, um echte Unterlagen verschwinden zu lassen und getürkte gegen mißliebige Nicht-Kollegen zu fälschen), andere lukrative Stellen im Öffentlichen Dienst zuschanzen, u.a. in der "Rechtspflege". Von der BRD-Justiz verurteilt werden nur böse "Republikflüchtlinge", die nach 1961 bei ihrer Flucht in Notwehr auf Mauermörder brave "DDR"-Grenzsoldaten und "Volkspolizisten" geschossen haben.


1994
29. Mai: Dr.h.c. Erich Honecker stirbt in Santiago de Chile.

[Dort liegt der Hund begraben]

(Sein Genosse Mielke überlebt ihn um sechs, sein Freund 'Arafāt um zehn und seine Ehefrau Margot - der die Bundesregierung bis zuletzt die volle West-Rente einer Bundesministerin, einschließlich rückwirkender Erhöhungen, nach Chile überweist - sogar um 22 Jahre.)

ab 1994
Posthum erscheinen mehrere Bücher mit nachgelassenen "Notizen", "Aufzeichnungen" und "Briefen" Honeckers, über deren Authentizität sich Dikigoros kein Urteil erlaubt.

* * * * *

Böse Zungen behaupten, daß Honecker noch im 21. Jahrhundert aus dem Grabe seiner geistigen und politischen Erbin, der Ex-FDJ-Funktionärin und Stasi-Mitarbeiterin (IM "Erika") Sarah Dorothea Sauer, wertvolle Tips gibt.


Allerdings würde wohl niemand so weit gehen, Honecker die Schuld an der Errichtung der schlimmsten Diktatur der deutschen Geschichte zu geben, deren Terror-Maßnahmen - insbesondere dem de-facto-"Impf"-Zwang mit tödlichen Substanzen, aber auch Aufhebung der Freizügigkeit und anderer ehemaliger "Grundrechte" - binnen zweieinhalb Jahren tausendmal mehr Menschen zum Opfer fallen als in viereinhalb Jahrzehnten SBZ und "DDR", nach der sich nicht nur "Ostalgiker" in den "neuen Bundesländern" inzwischen zurück sehnen: "Unter Honi wäre so etwas nicht möglich gewesen!" (Und da Dikigoros schon so ausführlich auf die de-facto-Straflosigkeit der meisten "DDR"-Bonzen eingegangen ist, will er auch noch - gewissermaßen "colorandi causa" - erwähnen, daß von den Massenmörder:innen der "Corona"-Zeit kein:e einzige:r zivil- oder strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen wurde.)


2023
In Mecklenburg-Vorpommern wird - in Erinnerung an und als Gegenstück zu den "Puppen" im Berliner Tiergarten, die 1945 von den alliierten Kultur-Bolschewiken zerstört wurden - ein "Lehrpfad der Unholde", pardon, man spricht ja jetzt in der BRDDR Dummdeutsch "Genderdeutsch" - ein "Lehrpfad der unholdigen Personen" eingerichtet. Honecker erhält ein würdiges Denkmal zwischen denen auf Lenin und Chruschtschow.
(Die vorgenannte Genossin Sauer erhält dagegen zunächst nur die "Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland"; aber was nicht ist, kann ja noch werden :-)


*Der guten Ordnung halber erwähnt Dikigoros, daß einer seiner Jura-Professoren behauptete, das Ergebnis der Saar-Abstimmung sei von den bösen Nazis verfälscht worden. Er selber habe nämlich aus gut-demokratischer Gesinnung gegen den Anschluß an Hitler-Deutschland und für den Anschluß an Frankreich gestimmt, dto. drei seiner Freunde. Damals stellte das niemand in Frage - Verfassungsgeschichte war ja nicht examensrelevant, man machte nur einen "Sitzschein" -; aber nun, da fast drei Jahrzehnte seit dem Ableben jenes Professors vergangen sind, seien auch ihm ein paar Zeilen gewidmet, den die Studenten hinter seinem verlängerten Rücken "Pubarsch" nannten, obwohl ihm das viel zuviel Ehre tat, genauer gesagt zwei Buchstaben zuviel. (Und einen zu wenig. Einer seiner Vorfahren hatte sich nämlich, da er den humorvollen bösartigen Spruch "Einem geschenkten Barsch schaut man nicht in den Ar..." als Verunglimpfung empfand, ein zusätzliches "t" in der Wortmitte besorgt :-)
Fachlich war Josef eine absolute Null, die nicht mal das 1. Staatsexamen geschafft hatte; aber nach dem Krieg behauptete er kackfrech, daran seien die Nazis schuld gewesen, weil er Jude war. Daraufhin warfen ihm die Besatzer Befreier beide Staatsexamina, einen Doktorgrad und eine Habilitation hinterher und ernannten ihn zum Professor für Öffentliches Recht, was er zunächst in Kiel, dann in Mainz und schließlich in Bonn war. Jedesmal wurde er schleunigst wieder weg gelobt, in Bonn z.B. auf den Sessel des Universitäts-Rektors, von dem er ebenfalls nach nur einem Jahr wieder gegangen wurde. Daraufhin ging er zur UNO - dort nahm man schon damals jeden Volltrottel - und wurde Mitglied des Ausschusses für, pardon gegen Rassen-Diskriminierung, der ihn an die UNESCO weiter reichte, wo er im Ausschuß für Menschenrechte landete. Aber zur Sache: Jener brave Anti-Hitlerist, Anti-Rassist und Anti-, pardon Pro-Menschenrechtler war nie im Saarland wohnhaft, wäre also selbst dann nicht abstimmungsberechtigt gewesen, wenn er im Januar 1935 schon das 21. Lebensjahr vollendet hätte - was aber erst ein halbes Jahr später der Fall war. Seht Ihr, liebe Kinder des 21. Jahrhunderts, so wurden Studenten und Wähler schon vor einem halben Jahrhundert belogen und betrogen - Ihr braucht also nicht besonders traurig zu sein, wenn man Euch "bildungsfremd" schimpft - bisweilen ist es besser, ungebildet unverblödetbildet an einen Sachverhalt zu gehen. Lernt aus alledem nur eines: Glaubt nichts unbesehen, was man Euch im Schulunterricht, in der Universitätsvorlesung, im Rundfunk- und Fernsehen oder im Parteien-Wahlkampf erzählt, sondern prüft es nach! Schon Lenin zitierte oft und gerne das alte russische Wortspiel/Sprichwort: "Dowerjaj, no prowerjaj!" [Wörtlich: "Vertraue, aber prüfe/überprüfe/kontrolliere!" In Deutschland meist flapsig frei übersetzt mit "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!"]

**Da Dikigoros zuvor das Wort "Vaterland" thematisiert hat, will er - ebenfalls nur der guten Ordnung halber - wenigstens in einer Fußnote noch erwähnen, daß... nein, nicht daß einige Vereine das fascistoïde Wort "Borussia" (lateinische Übersetzung von "Preußen", und die alten Römer waren bekanntlich die Erfinder der "Fasces" als politisches Symbol) im Namen führten - deren gab es viele und gibt es heute noch einige -, sondern daß es sich um einen Arbeiterverein handelte, in dem ausschließlich deutsche Bergleute ("Feierabend-Fußballer") spielten - das saarländische Gegenstück zum damaligen Rekordmeister FC Schalke 04 im "Ruhrpott". Als 62 Jahre später der SV Elversberg (wie Wiebelskirchen ein Stadtteil von Neunkirchen) in die 1. Bundesliga aufstieg (übrigens zusammen mit dem vorübergehend in die 2. Liga abgestiegenen FC Schalke), spielte dort kein einziger "Bio-Deutscher" mehr.

***Dikigoros absolvierte seine Anwaltsstage als Rechtsreferendar in der Societät von Guilleaumes Strafverteidiger, die ihre Kanzlei im "Bonn-Center" hatte. (Inzwischen abgerissen, war es damals das größte Hochhaus der Bundeshauptstadt, mitten im Regierungsviertel gelegen, mit der schönsten Bowlingbahn :-) Dieser erzählte ihm haarklein, wie G.G. ihm seinen Fall geschildert und selbstverständlich auch die Namen seiner Stasi-Kollegen in der Bundesregierung und im Bundestag offen gelegt hatte - um zu verdeutlichen, welchen Skandal er auslösen konnte, falls man ihn vor Gericht zu hart anpacken und er auspacken würde. Aber selbstverständlich hielten sich alle Beteiligten an ihre Verschwiegenheitspflicht, so daß IM "Tulpe" als unbescholtener Mann weitermachen konnte bis zum bitteren Ende der "DDR" - und noch ein paar Jahre darüber hinaus, bis... aber das ist eine andere Geschichte, und Dikigoros legt allergrößten Wert auf die Feststellung, daß er damals in Bonn nicht "geplaudert" hat. (Auf bloßes Hörensagen der Behauptungen eines "DDR"-Spions hin hätte er auch ohne Verschwiegenheitspflicht niemanden denunziert - wo kämen wir denn da hin?!?) Erst Jahre später, in Leipzig, als er belastbare Beweise hatte und jemanden, bei dem er sie anbringen konnte... doch das gehört nicht mehr hierher.

****Auch und gerade über seine Familiengeschichte kann ein Memoirenschreiber schon mal irren - ohne daß man ihm gleich böse Absicht unterstellen muß. Kritiker haben z.B. minutiös nachgewiesen, daß Honeckers Vater nicht beim Kieler Matrosenaufstand 1918 dabei war. Aber wie soll ein sechsjähriges Kind, dem sein Vater so etwas erzählt, das nachprüfen? Dikigoros' ältester Großonkel väterlicherseits war "dabei"; aber er kann es nicht nachprüfen, denn damals war ja noch nicht mal sein Vater geboren, geschweige denn er selber. Dennoch glaubt er in diesem Punkt der Familiensaga, denn für seine Verwandten war Onkel Fritz kein "Revolutionsheld", sondern ein "Novemberverbrecher", der "des Kaisers Rock beschmutzt" hatte und mit dem niemand mehr etwas zu tun haben wollte (außer seinem Vater, der ihn einmal zu einem - der übrigen Verwandtschaft verheimlichten - Besuch mit nahm :-). Auch Honecker dürfte seinem Vater geglaubt haben - es paßte doch so schön in seinen Lebenslauf!


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