*Der guten Ordnung halber erwähnt Dikigoros, daß einer seiner Jura-Professoren behauptete, das Ergebnis der Saar-Abstimmung sei von den bösen Nazis verfälscht worden. Er selber habe nämlich aus gut-demokratischer Gesinnung gegen den Anschluß an Hitler-Deutschland und für den Anschluß an Frankreich gestimmt, dto. drei seiner Freunde. Damals stellte das niemand in Frage - Verfassungsgeschichte war ja nicht examensrelevant, man machte nur einen "Sitzschein" -; aber nun, da fast drei Jahrzehnte seit dem Ableben jenes Professors vergangen sind, seien auch ihm ein paar Zeilen gewidmet, den die Studenten hinter seinem verlängerten Rücken "Pubarsch" nannten, obwohl ihm das viel zuviel Ehre tat, genauer gesagt zwei Buchstaben zuviel. (Und einen zu wenig. Einer seiner Vorfahren hatte sich nämlich, da er den humorvollen bösartigen Spruch "Einem geschenkten Barsch schaut man nicht in den Ar..." als Verunglimpfung empfand, ein zusätzliches "t" in der Wortmitte besorgt :-)
Fachlich war Josef eine absolute Null, die nicht mal das 1. Staatsexamen geschafft hatte; aber nach dem Krieg behauptete er kackfrech, daran seien die Nazis schuld gewesen, weil er Jude war. Daraufhin warfen ihm die Besatzer
Befreier
beide Staatsexamina, einen Doktorgrad und eine Habilitation hinterher und ernannten ihn zum Professor für Öffentliches Recht, was er zunächst in Kiel, dann in Mainz und schließlich in Bonn war. Jedesmal wurde er schleunigst wieder weg gelobt, in Bonn z.B. auf den Sessel des Universitäts-Rektors, von dem er ebenfalls nach nur einem Jahr wieder gegangen wurde. Daraufhin ging er zur UNO - dort nahm man schon damals jeden Volltrottel - und wurde Mitglied des Ausschusses für, pardon gegen Rassen-Diskriminierung, der ihn an die UNESCO weiter reichte, wo er im Ausschuß für Menschenrechte landete. Aber zur Sache: Jener brave Anti-Hitlerist, Anti-Rassist und Anti-, pardon Pro-Menschenrechtler war nie im Saarland wohnhaft, wäre also selbst dann nicht abstimmungsberechtigt gewesen, wenn er im Januar 1935 schon das 21. Lebensjahr vollendet hätte - was aber erst ein halbes Jahr später der Fall war. Seht Ihr, liebe Kinder des 21. Jahrhunderts, so wurden Studenten und Wähler schon vor einem halben Jahrhundert belogen und betrogen - Ihr braucht also nicht besonders traurig zu sein, wenn man Euch
"bildungsfremd"
schimpft - bisweilen ist es besser, ungebildet unverblödetbildet an einen Sachverhalt zu gehen. Lernt aus alledem nur eines: Glaubt nichts unbesehen, was man Euch im Schulunterricht, in der Universitätsvorlesung, im Rundfunk- und Fernsehen oder im Parteien-Wahlkampf erzählt, sondern prüft es nach! Schon Lenin zitierte oft und gerne das alte russische Wortspiel/Sprichwort: "Dowerjaj, no prowerjaj!" [Wörtlich: "Vertraue, aber prüfe/überprüfe/kontrolliere!" In Deutschland meist flapsig frei übersetzt mit "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!"]
**Da Dikigoros zuvor das Wort "Vaterland" thematisiert hat, will er - ebenfalls nur der guten Ordnung halber - wenigstens in einer Fußnote noch erwähnen, daß... nein, nicht daß einige Vereine das fascistoïde Wort "Borussia" (lateinische Übersetzung von "Preußen", und die alten Römer waren bekanntlich die Erfinder der "Fasces" als politisches Symbol) im Namen führten - deren gab es viele und gibt es heute noch einige -, sondern daß es sich um einen Arbeiterverein handelte, in dem ausschließlich deutsche Bergleute ("Feierabend-Fußballer") spielten - das saarländische Gegenstück zum damaligen Rekordmeister FC Schalke 04 im "Ruhrpott". Als 62 Jahre später der SV Elversberg (wie Wiebelskirchen ein Stadtteil von Neunkirchen) in die 1. Bundesliga aufstieg (übrigens zusammen mit dem vorübergehend in die 2. Liga abgestiegenen FC Schalke), spielte dort kein einziger
"Bio-Deutscher" mehr.
***Dikigoros absolvierte seine Anwaltsstage als Rechtsreferendar in der Societät von Guilleaumes Strafverteidiger, die ihre Kanzlei im "Bonn-Center" hatte. (Inzwischen abgerissen, war es damals das größte Hochhaus der Bundeshauptstadt, mitten im Regierungsviertel gelegen, mit der schönsten Bowlingbahn :-) Dieser erzählte ihm haarklein, wie G.G. ihm seinen Fall geschildert und selbstverständlich auch die Namen seiner Stasi-Kollegen in der Bundesregierung und im Bundestag offen gelegt hatte - um zu verdeutlichen, welchen Skandal er auslösen konnte, falls man ihn vor Gericht zu hart anpacken und er auspacken würde. Aber selbstverständlich hielten sich alle Beteiligten an ihre Verschwiegenheitspflicht, so daß IM "Tulpe" als unbescholtener Mann weitermachen konnte bis zum bitteren Ende der "DDR" - und noch ein paar Jahre darüber hinaus, bis... aber das ist
eine andere Geschichte,
und Dikigoros legt allergrößten Wert auf die Feststellung, daß er damals in Bonn nicht "geplaudert" hat. (Auf bloßes Hörensagen der Behauptungen eines "DDR"-Spions hin hätte er auch ohne Verschwiegenheitspflicht niemanden denunziert - wo kämen wir denn da hin?!?) Erst Jahre später, in Leipzig, als er belastbare Beweise hatte und jemanden, bei dem er sie anbringen konnte... doch das gehört nicht mehr hierher.
****Auch und gerade über seine Familiengeschichte kann ein Memoirenschreiber schon mal irren - ohne daß man ihm gleich böse Absicht unterstellen muß. Kritiker haben z.B. minutiös nachgewiesen, daß Honeckers Vater nicht beim Kieler Matrosenaufstand 1918 dabei war. Aber wie soll ein sechsjähriges Kind, dem sein Vater so etwas erzählt, das nachprüfen? Dikigoros' ältester Großonkel väterlicherseits war "dabei"; aber er kann es nicht nachprüfen, denn damals war ja noch nicht mal sein Vater geboren, geschweige denn er selber. Dennoch glaubt er in diesem Punkt der Familiensaga, denn für seine Verwandten war Onkel Fritz kein "Revolutionsheld", sondern ein "Novemberverbrecher", der "des Kaisers Rock beschmutzt" hatte und mit dem niemand mehr etwas zu tun haben wollte (außer seinem Vater, der ihn einmal zu einem - der übrigen Verwandtschaft verheimlichten - Besuch mit nahm :-). Auch Honecker dürfte seinem Vater geglaubt haben - es paßte doch so schön in seinen Lebenslauf!