Gotthard  HEINRICI

(25.12.1886 - 10.12.1971)

[Gotthard Heinrici]
[Unterschrift]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1886
25. Dezember: Feodor* August Gotthard Heinrici wird als Sohn des Pfarrers Paul Heinrici und dessen Ehefrau Gisela, geb. v. Rauchhaupt, in Gumbinnen (Ostpreußen) geboren.
Der Vater - der später noch zum Superintendenten aufsteigt (für Nicht-Protestanten: die Entsprechung zum katholischen Dechanten) - entstammt einer langen Ahnenreihe protestantischer Pfarrer, die Mutter einer nicht ganz so langen Ahnenreihe preußischer (z.T. konvertierter**) Offiziere.

1905
Ostern: Nach dem Abitur am Königlichen Friedrichs-Gymnasium dortselbst tritt Heinrici als Offiziersanwärter in das 6. Thüringische Infanterie-Regiment (Nr. 95) ein.
Dieses gehört zum Königlich preußischen Heer. Die Duodezfürstentümer des Deutschen Reichs haben keine eigenen Streitkräfte, sondern nur die Königreiche Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg.)

1906
August: Heinrici wird zum Leutnant befördert.

1914
Februar: Heinrici wird zum Oberleutnant befördert.
August: Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird Heinrici zunächst an der Westfront, nach Eindringen russischer Armeen in Ostpreußen an der Ostfront eingesetzt. Er nimmt u.a. an der "Schlacht von Tannenberg" teil.


1915
Juni: Heinrici wird zum Hauptmann befördert.

1916
ab Januar: Heinrici nimmt als Kompanieführer an der Schlacht um Verdun teil.

1917
Nach einem Giftgasangriff, der seine Lunge schwer schädigt, ist Heinrici nicht mehr fronttauglich; er wird zum Generalstab der 203. Infanterie-Division versetzt.

1918
November: Nach dem Waffenstillstand ist der Krieg für das Deutsche Reich verloren.

1919
ab Februar: Heinrici ist als Generalstabs-Offizier beim Grenzschutz Ost tätig.***

1920
Nach Übernahme in das 100.000-Mann-Heer der Reichswehr arbeitet Heinrici im Stab der 1. Division.
(Die Bezeichnung "Generalstab" ist dem Deutschen Reich durch das Versailler Friedensdiktat verboten - ähnlich wie die Bezeichnung "Cognac" für Branntwein und die Bezeichnung "Champagner" für Sekt :-)

1921
Januar: Heinrici heiratet die aus Libau (Kurland) stammende Gertrude Theophile, geb. Strupp.**** (Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.)

1924
September: Heinrici wird Kompanie-Chef im 13. Infanterie-Regiment.

1926
Februar: Heinrici wird zum Major befördert.

1927
Oktober: Heinrici wird ins Truppenamt des Reichswehrministeriums versetzt.

1930
September: Heinrici wird zum Oberstleutnant befördert und Bataillonskommandeur im 3. Infanterie-Regiment.

1932
Oktober: Heinrici wird Ia im Stab des Gruppenkommandos 1 in Berlin.

1933
März: Heinrici wird zum Oberst befördert und zum Abteilungsleiter im Reichswehrministerium ernannt. Seine jüdische Abstammung spielt auch nach der im Januar erfolgten Regierungsübernahme durch den National-Sozialisten Adolf Hitler keine Rolle; § 3 ("Arier-Paragraf") des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" - das auch für die Wehrmacht gilt - erfaßt Personen, die wie er vier christlich getaufte Großeltern vorweisen können, nicht.
Auch die - später erlassenen - "Nürnberger Gesetze" galten ausdrücklich nicht für Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs und deren Angehörige. (Daher ist es ein - von Nachgeborenen verbreitetes - Märchen, daß Hitler höchstpersönlich Heinrici zum "Arier h.c." ernannt habe - dessen bedurfte es nicht.) Ebenso wenig gereichte es ihm in seiner militärischen Karriere zum Nachteil, daß er mit einer Halbjüdin verheiratet war. (Dem steht nicht entgegen, daß Heinrici - wie Nachgeborene ebenfalls gerne betonen - sich als "150%iger" Antisemit gerierte, wie so viele getaufte Juden in der Zeit des "Dritten Reichs", von Eichmann über Heydrich und Rosenberg bis Streicher.)

1935
März: Die Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit mit Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und starkem personellen Ausbau eröffnet altgedienten Berufsoffizieren glänzende Karriereaussichten.


1936
Januar: Heinrici wird zum Generalmajor befördert.

1937
Oktober: Heinrici wird zum Kommandeur der 16. Infanterie-Division ernannt.

1938
März: Heinrici wird zum Generalleutnant befördert.

1939
September: Zu Beginn des Polenfeldzugs - den Großbritannien und Frankreich zum Vorwand Anlaß nehmen, dem Reich den längst geplanten Krieg zu erklären - steht Heinricis Division am "Westwall", wo zunächst nur ein - von den Franzosen, die sich hinter ihrer "Maginot-Linie" verschanzt haben, "drôle de guerre [drolliger/komischer Krieg]" genannter - Sitzkrieg geführt wird, der hauptsächlich im wechselseitigen Beschuß mit Propaganda-Flugblättern besteht.


1940
Januar-März: Im Generalstab werden Pläne für den Feldzug gegen die Westmächte ausgearbeitet.
April: Heinrici wird zum General der Infanterie befördert und zum Kommandeur des XII. Armeekorps ernannt.
Mai/Juni: Der "Westfeldzug" endet bereits nach sechs Wochen mit der Kapitulation Frankreichs.
(Heinrici hat daran jedoch kaum Anteil: Sein Armeekorps durchbricht die "Maginot-Linie" erst, nachdem die Entscheidung bereits im Norden gefallen ist - übrigens anders, als Zeitgenossen es damals wahr haben wollen: Indem Hitler das britische Expeditionskorps bei Dünkirchen entkommen läßt, verspielt er die Chance auf ein schnelles - und siegreiches - Kriegsende.)


1941
Juni: Bei Beginn des Rußlandfeldzugs kommandiert Heinrici das XXXXIII. Armeekorps der Heeresgruppe Mitte.
Juli-September: Heinrici nimmt an mehreren Kesselschlachten teil, u.a. der von Kiew - dem größten Einzelerfolg der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Oktober: Nach Einsetzen der "Rasputitsa [Schlammperiode]" will Hitler die Front in sichere Winterstellungen zurück nehmen und die Offensive erst im nächsten Frühjahr wieder aufnehmen; seine höheren Generäle und Feldmarschälle drängen jedoch auf eine Fortsetzung des Vormarsches, um noch im Winter Moskau einzunehmen, und setzen sich durch.
November: Die Folgen sind im wahrsten Sinne des Wortes verheerend - der "Blitzkrieg" gegen die Sowjet-Union scheitert unter schweren Verlusten an Mensch und Material.
Dezember: Hitler sieht seinen Fehler - zu spät - ein, beruft die unfähigen Generäle und Feldmarschälle von der Ostfront ab und ernennt sich selber zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht.
Der Schaden ist jedoch getan und nicht mehr reparabel. Von nun an braucht es keinen "Marschall vorwärts" mehr, sondern Spezialisten für Abwehrkämpfe.

1942
Januar: Heinrici wird zum Befehlshaber der 4. Armee ernannt. Es gelingt ihm, die Front im Mittelabschnitt einstweilen zu stabilisieren.
Dies verleitet Hitler - vermutlich auf Einflüsterung seines "Reichsmarschalls" Göring - zu einer Doppel-Offensive im Südabschnitt, die zum einen die Wolga bei Stalingrad unterbrechen und zum anderen die Ölfelder im Kaukasus erobern soll. Da die Personaldecke der Wehrmacht nach den Verlusten im voraufgegangenen Winter dafür zu dünn ist, werden verstärkt italienische, ungarische und rumänische Hilfsverbände eingesetzt, durch deren Versagen die 6. Armee bei Stalingrad eingekesselt wird.
Versuche, die Front wiederherzustellen, mißlingen. (Ein Ausbruch kommt zunächst nicht in Frage, da sonst die im Kaukasus stehenden Verbände - ein vielfaches der Truppen in Stalingrad - abgeschnitten und vernichtet worden wären. Als die Räumung des Kaukasus endlich abgeschlossen ist, sind die abgekämpften Truppen im Kessel zu einem Ausbruch nicht mehr in der Lage.)
Die Hauptoffensive der Roten Armee - Stalingrad war eigentlich nur als Ablenkungsmanöver gedacht - im Mittelabschnitt scheitert jedoch am hartnäckigen Widerstand der 4. Armee unter Heinrici und der 9. Armee unter General Walter Model.*****

1943
Januar: Heinrici wird zum Generaloberst befördert.
März-Mai: Im Südabschnitt gelingen der Wehrmacht noch einmal militärische Erfolge (u.a. Rückeroberung Charkows).
Juli: Dagegen muß die Offensive gegen den Frontbogen bei Kursk****** ("Operation Zitadelle") nach der erfolgreichen Landung westalliierter Verbände auf Sizilien******* abgebrochen werden.
Von da an geht es für die Achsenmächte nur noch rückwärts.
September/Oktober: Heinrici zieht seine Armee in schweren Abwehrkämpfen von Orscha nach Smolensk zurück.
November: Heinrici wird das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.

1944
06. Juni:
22. Juni:
20. Juli:
17. August:
23. August:
.

1945
Januar: Nach dem Scheitern der "Ardennen-Offensive" im Westen konzentrieren sich die Hoffnungen der Reichsregierung auf eine Kriegswende im Osten.
Februar: In einer seiner letzten Rundfunkansprachen sagt Propaganda-Minister Josef Goebbels: "Berlin ist deutsch, Wien bleibt deutsch, und Königsberg wird wieder deutsch."
Februar 2026: In einer seiner vielen - und hoffentlich bald letzten - Fernsehansprachen sagt Wolodymir Zelenskij: "Charkow ist ukraïnisch, der Donbass ist ukraïnisch, und die Krym wird wieder ukraïnisch."
(Ob die Bevölkerungsmehrheit von Berlin und Wien - die inzwischen türkisch ist - das versteht, weiß Dikigoros nicht; aber daß das inzwischen russische Kaliningrad jemals wieder deutsch wird, wagt er zu bezweifeln :-)
03. März: Heinrici werden die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes verliehen.
21. März: Heinrici wird als Nachfolger des unfähigen glücklosen Heinrich Himmler zum Kommandeur der "Heeresgruppe Weichsel" ernannt. Er plant, den Vorstoß der Sowjets auf Berlin an den "Seelower Höhen" aufzuhalten.
16.-28. April: Die Rote Armee - die sich ob ihrer zahlenmäßigen Übermacht auch größere Verluste an Mensch und Material leisten kann - erobert in Frontalangriffen die Seelöwer Höhen. Damit ist Berlin nicht mehr zu halten. (Über Einzelheiten schreibt Dikigoros an anderer Stelle mehr.)
29. April: Heinrici legt sein Kommando nieder und setzt sich nach Nordwesten ab.
08./09. Mai: Die Wehrmacht kapituliert bedingungslos.
(Die Alliierten führen jedoch den Krieg gegen [Volks]Deutsche im In- und Ausland noch zehn Jahre lang fort. Die Zahl der dabei getöteten Deutschen ist achtstellig.)
28. Mai: Heinrici begibt sich in britische Kriegsgefangenschaft und wird in das Konzentrationslager Concentration camp Erholungs-camp Island Farm eingeliefert.
Um dem üblichen Schicksal deutscher Generäle und Feldmarschälle in alliiertem "Gewahrsam"******** zu entgehen, dient sich Heinrici den USA als Experte für deutsche und sowjetische operative Kriegsführung an und wird

1948
entlassen. (Er arbeitet aber weiter für die "Historical Division" der U.S. Army.)
Danach tritt Heinrici nicht mehr öffentlich in Erscheinung, weder als "militärischer Berater" des "Amts Blank", das ab

1953
verdeckt (für die Untertanen - die Alliierten wissen selbstverständlich bescheid; von ihnen geht die Initiative zur "Wiederbewaffnung" der Besiegten ja aus, da sie neues Kanonenfutter für ihre Kriege brauchen) und ab

1955
offen die deutschen Streitkräfte unter dem Namen "Bundeswehr" wieder aufbaut, noch politisch.
(Er erspart sich damit eine Menge Ärger, von dem z.B. Hans-Ulrich Rudel und Hasso v. Manteuffel ein Lied singen können).

1971
10. (nach anderen Quellen: 13.) Dezember: Gotthard Heinrici stirbt in Endersbach bei Weinstadt (nach anderen Quellen: in Waiblingen; nach wieder anderen Quellen: in Karlsruhe).*********
Er wird in Freiburg/Breisgau mit militärischen Ehren beigesetzt - als einer von nur drei Generalobersten des Zweiten Weltkriegs unter der Regierung Brandt.**********

[Grabstein]

* * * * *

ab 2000
Der "Militärhistoriker" Johannes Hürter, der in den Besitz der nachgelassenen Briefe und Tagebücher Heinricis aus dem Zweiten Weltkrieg gelangt ist, beginnt mit deren selektiver "Auswertung".
Neben Aufsätzen in einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht er in Buchform "Ein deutscher General an der Ostfront" und "Notizen aus dem Vernichtungskrieg".


Wes Geistes Kind jener Hürter ist, erhellt sich auch aus seinen sonstigen Machwerken: Er stellt - angebliche - "Verbrechen der Wehrmacht" in den Vordergrund und verschweigt tunlichst die - qualitativ und quantitativ viel schwereren - Verbrechen der Alliierten (die in praktisch allen Memoiren anderer Weltkriegsteilnehmer, auch und gerade an der Ostfront, geschildert werden - früher durfte das in Deutschland noch geschrieben und veröffentlicht werden).
So etwas kommt auch im Ausland immer gut an - Übersetzungen in andere Sprachen dürfen daher nicht fehlen. (Man beachte, daß für die englische Übersetzung von "Ein General an der Ostfront" das Titelbild von "Verbrechen der Wehrmacht" verwendet wird, das suggerieren soll, daß böse deutsche Nazi-Soldaten arme Sowjets, die sich ergeben wollten, ermordeten - eine geradezu absurde Behauptung angesichts der Tatsache, daß die Wehrmacht Millionen Russen als "Hilfswillige [HiWis]" in ihren Reihen hatte; "vernichtet" werden sollte lediglich das verbrecherische Sowjet-Regime Stalins.)
Weshalb Dikigoros den "Militärhistoriker" in Anführungszeichen setzt? Weil der Typ - der übrigens keinen Tag Wehrdienst geleistet hat - Heinrici auf einem Buch, das die Jahre 1941/42 zum Thema hat, mit einem Orden - dem Ritterkreuz mit Eichenlaub - abbildet, das er erst Ende 1943 verliehen bekam. (Hauptsache es paßt in die Agenda, daß alle Eichenlaubträger "Kriegsverbrecher" gewesen seien!) Und so etwas läuft frei herum lehrte u.a. an der Hochschule der Bundeswehr in München, jener nicht ganz kriegstüchtigen Gurkentruppe Heldenschar, mit der gewisse Politiker - die den auf Paul Rohrbach zurück gehenden, schon von Hitler beherzigten, aber seit den 1990er Jahren auch in der BRD wieder salonfähigen Satz "Wer Kijew hat, kann Rußland zwingen!" verinnerlicht haben, jedoch im Gegensatz zu Heinrici keinesfalls als "Kriegstreiber" bezeichnet werden dürfen (nein, auch nicht als "Kriegstreibende"!) -, demnächst wieder freudi[n]g Krieg gegen Rußland führen wollen - koste es, was es wolle -, an der Seite eines Regimes, dessen Verbrechen alles übertreffen, was sich im Zweiten Weltkrieg Sowjets und Deutsche zusammen genommen an Kriegsverbrechen geleistet haben.


*Dikigoros schreibt an anderer Stelle (ebenfalls in der ersten Fußnote) über den Ursprung dieses Namens - der damals noch allgemein bekannt gewesen sein dürfte - und seine verschiedenen Varianten. (Manche schreiben die Vornamen auch "Fedor" und "Gotthardt" oder ersetzen den zweiten Vornamen "August" durch "Carl". Dikigoros folgt hier einer Quelle, die behauptet, die Geburtsurkunde eingesehen zu haben; er selber kennt nur die Unterschrift "Heinrici", kann also nicht mit Bestimmtheit sagen, was richtig ist.) Daraus ergibt sich auch, warum er von manchen Trägern nicht gerne als Rufname geführt wurde. (Die Mutter hatte ihn wohl nach dem Vornamen ihres eigenen Vaters ausgesucht.)

**Giselas Mutter Friederike Antonie Dietze war eine geborene Rothmann. Jüdische Herkunft stand einer langen Tradition im preußischen Staats- und vor allem im Militär-Dienst nicht entgegen. Kein Staat Europas - und wahrscheinlich der Welt - war in religiösen Dingen so tolerant wie das alte Preußen; und rassische Gesichtspunkte spielten in einem Staatswesen, das als einziges in Deutschland nicht auf einen ethnisch definierten Stamm zurück ging, schon gar keine Rolle. Das preußische Militär wies ohnehin nur einen ganz geringen Prozentsatz eigener "Landeskinder" auf. Die häufig anzutreffende Behauptung, um im preußischen Militär Karriere zu machen, müsse man von "preußischem" Adel sein; ist irreführend - umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer militärische Meriten erworben hatte und darob zur Beförderung in höhere/höchste Ränge anstand, wurde geadelt - so auch Heinricis Vorfahren mütterlicherseits.

***In modernen Geschichts- und Märchenbüchern wird oft suggeriert, daß jener Grenzschutz auf mehr oder weniger "privater" Initiative irgendwelcher Freikorpsführer beruht habe. Tatsächlich [...]

****Auch durch ihre Ahnenreihe spuken Jüdinnen und Juden [...]

*****Moderne Erbsenzähler "Militärhistoriker" pflegen anzumerken, daß die Sowjets dabei ca. 2 Millionen Mann Verluste erlitten - "also zehnmal soviel wie die Deutschen bei Stalingrad". Aber das ergibt gleich aus zwei Gründen ein verzerrtes Bild: [...]
(Auch bei Stalingrad hatten die Sowjets ca. 2 Millionen Verluste - Dikigoros schreibt hier bewußt nicht "... Mann", denn sie verheizten auch Frauen und halbe Kinder, die für einen bewaffneten Kampf kaum oder gar nicht ausgebildet waren.)

******Die Schlacht um Kursk zählt zu den unter Militärhistorikern meist umstrittenen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs. Entgegen früheren Darstellungen, die vor allem den subjektiv getrübten Memoiren sowjetischer Generäle folgten, zeigte sich nach Öffnung der Moskauer Archive, daß die Wehrmacht bei Kursk viel geringere Verluste hatte als bisher angenommen und möglicherweise kurz vor einem Sieg stand. Allerdings ließ Hitler die Schlacht nicht nur wegen der Landung der Westalliierten auf Sizilien abbrechen, sondern auch, weil führende Militärs befürchteten, daß bei einer weiteren Konzentrierung der stärksten deutschen Verbände auf Kursk die südlich und nördlich anschließenden Frontabschnitte nicht gehalten werden könnten und "ein neues Stalingrad" drohte. Eine andere Frage ist, was mit der Offensive bei Kursk überhaupt bezweckt wurde. Es gibt vereinzelte Spekulationen, daß Hitler sich eine verbesserte Ausgangsposition für einen Separatfrieden mit der Sowjet-Union schaffen wollte. Stalin (der an der alliierten Konferenz von Casablanca, die einen solchen ausschloß, nicht beteiligt worden war und sich daher offenbar nicht mehr an die entsprechende Vereinbarung mit Großbritannien vom Mai 1942 gebunden fühlte) hatte dies im Frühjahr 1943 angeboten, jedoch auf den Vorkriegsgrenzen bestanden, wozu Hitler nicht bereit war.

*******Da Dikigoros im Haupttext schon erwähnt hat, daß die Niederlage bei Stalingrad vor allem auf das Versagen rumänischer, ungarischer und italienischer Truppen zurück zu führen war, will er wenigstens in einer Fußnote ergänzen, daß die Landung der Westalliierten auf Sizilien nur gelang, weil die Italiener (die den Invasionsverbänden zahlenmäßig weit überlegen und - anders als z.B. die Rumänen bei Stalingrad - auch waffenmäßig bestens ausgerüstet waren), keinen Widerstand leisteten, sondern Hals über Kopf die Flucht ergriffen und einem Häuflein kaum bewaffneter Deutscher, die eigentlich zum Übersetzen nach Nordafrika vorgesehen waren (Dikigoros' Vater war einer von ihnen) den - aussichtslosen - Abwehrkampf überließen.
[...]

********Die meisten wurden entweder - z.T. nach hanebüchenden Mickey-mouse-Schau-Prozessen (wer sich von deren Art und Güte eine Vorstellung machen will, [des]informiere sich nicht auf amtlichen Webseiten, sondern schaue sich statt dessen die nur leicht überspitzte Persiflage aus der 2. Folge der 3. Serie der britischen SitCom "Blackadder" an) - gleich ermordet oder nach Jahr[zehnt]e langen Foltern als körperliche und geistige Wracks "vorzeitig entlassen" - zur Vermeidung von "Martyrern". Selbst der unglückselige Werner Blomberg - der längst pensioniert war, als die Alliierten ihren Krieg gegen Deutschland begannen - wurde als "Kriegsverbrecher" eingekerkert, gezwungen, beim Tribunal der Kriegsverbrecher in Nürnberg falsch Zeugnis gegen mehrere Angeklagte abzulegen und anschließend zu Tode gequält. (Offizielle Todesursache: "Darmkrebs" - tatsächlich hatte man ihm wiederholt durch Einführen heißer Eisenstangen in denselben gefoltert.)

*********Dikigoros ist kein anderer Fall aus der BRD der 1970er Jahre bekannt, bei dem Sterbeort und Sterbetag einer doch einigermaßen bekannten Persönlichkeit derart strittig sind. Er folgt hier den Daten auf dem Grabstein - wenngleich er weiß, daß auch denen nicht immer zu trauen ist und es ihn merkwürdig dünkt, daß Geburts- und Sterbeort dort nicht angegeben sind - wohl aber auf dem Grabstein seiner Frau gleich daneben.

**********Die anderen beiden waren der Generaloberst Hans Friessner (1971) und der Generaloberst der Waffen-SS Paul Hausser (1972). Dagegen wurde Angehörigen der Bundeswehr z.B. die Teilnahme am - privaten - Begräbnis von Feldmarschall a.D. Ferdinand Schörner (1973) per Erlaß des Bundesverteidigungs-Ministers in Uniform ausdrücklich verboten und selbst in Zivil für "nicht erwünscht" erklärt; die Beachtung dieses Erlasses wurde durch zwei eigens abgestellte Spitzel überwacht. Der berüchtigte "[2.] Traditions-Erlaß" der Bundeswehr - mit dem Ziel, alle deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs, die nicht nachweislich "Widerstandskämpfer", Deserteure oder Verräter waren, pauschal zu "Kriegsverbrechern" zu stempeln und jegliche Erinnerung an sie auszulöschen - wurde jedoch erst im letzten Jahr der Regierung Schmidt ausgeheckt ausgearbeitet und kam erst unter der Regierung Kohl voll zum Tragen, vor allem durch den widerwärtigen sehr beflissenen Wehrdienst-Verpisser Verteidigungs-Minister und Oberlehrer a.D. Volker Rühe.


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