HAJO  HERRMANN

(01.08.1913 - 05.11.2010)

[Hajo Herrmann]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros*

1913
01. August: Hans-Joachim ("Hajo") Herrmann wird in Kiel geboren, wo er

1919-1923
die Volksschule und

1923-1932
das Reformrealgymnasium besucht.
Nebebenbei spielt er Fußball in der Jugendmannschaft von Holstein Kiel - als Linksaußen.
Herrmann - eigentlich Rechtsfuß und -händer - legte großen Wert darauf, beidhändig und beidfüßig zu werden. (Er lernte auch mit links zu schreiben.) Er führte sein Überleben in zahlreichen Luftkämpfen vor allem darauf zurück, daß er in beide Richtungen angreifen und abdrehen konnte, während die meisten anderen Piloten unflexibel auf eine Seite "festgelegt" waren.

1932
Nach dem Abitur absolviert Herrmann zunächst einen Lehrgang bei der Küstenwehr der Reichsmarine in Kiel.
(Das 1919 zur Bekämpfung aufständischer Matrosen und anderer "Novemberverbrecher" gegründete "Küstenwehrregiment" wurde offiziell bereits 1920 wieder aufgelöst, da nach den Bestimmungen des Versailler Diktats die Reichsmarine auf 20.000 Mann reduziert werden mußte; allerdings wurden weiterhin Lehrgänge durchgeführt, damit am Tag X - der erhofften Aufhebung jener Bestimmungen - genügend geschultes Personal für eine sofortige Wiederaufstockung der Seestreitkräfte vorhanden sein würde.)
Da seine Bewerbung bei der Reichsmarine abgewiesen wird, bewirbt sich Herrmann bei der Landespolizei in Hamburg und wird angenommen.
(Herrmann hatte sich auch erfolglos bei der Infanterie und der Kavallerie beworben; die einzige Waffengattung, für die er sich nicht beworben hatte, war die Luftwaffe, alldieweil es die damals - jedenfalls offiziell - noch nicht gab :-)
Er absolviert die Höhere Polizeischule in Potsdam-Eiche.
Nachgeborene Pseudo-"Historiker" werfen sowohl die Küstenwehr in Kiel als auch die Polizeischule in Eiche undifferenziert zusammen mit Freikorps u.a. paramilitärischen Organisationen in den einen Topf "Schwarze Reichswehr", was indes nur von schlampiger "wissenschaftlicher" Arbeit zeugt. Freilich trug auch Herrmann selber zu dieser Art Legendenbildung bei, indem er wiederholt zum besten gab, daß er "keinen einzigen Tag Polizeidienst geleistet" habe. Das lag ganz einfach daran, daß er nach Abschluß seiner Ausbildung als Leutnant ins Infanterieregiment 47 übernommen wurde. Letzteres war aber weder "Schwarze Reichswehr" noch sonst eine "Tarnorganisation", sondern ganz offzieller Bestandteil des in Versailles genehmigten 100.000-Mann-Heeres.

1935
Mit der Wiederherstellung der Deutschen Wehrhoheit wird auch offiziell eine Luftwaffe aufgestellt, zu der Herrmann wechselt.


ab 1936
Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs genehmigt der neue (seit 1933) Reichskanzler Hitler die Aufstellung der "Legion Condor" zwecks Unterstützung der Aufständischen unter General Franco, sein erster großer - und vielleicht verhängnisvollster - außenpolitischer Fehler.**
Herrmann hilft zunächst beim Transport marokkanischer Söldner auf das spanische Festland und fliegt später auch Kampfeinsätze.

1938
Juni: Herrmann wird zum Oberleutnant befördert.
(In einigen spanischen Publikationen wird erwähnt, daß ihm nach seiner Rückkehr ins Reich das "Spanienkreuz mit Schwertern in Bronze" verliehen wurde - offenbar in Unkenntnis der Tatsache, daß das alle Angehörigen der Legion Condor erhielten, so sie nicht die Ausführung in Silber oder Gold bekamen :-)

1939
September: Nach Beginn des Polenfeldzugs erklären Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg (nicht aber der Sowjet-Union, als infolge des Hitler-Stalin-Paktes auch die Rote Armee in Polen einmarschiert), der sich bald zum Zweiten Weltkrieg ausweitet.
Herrmann wird in der 7. Staffel des Kampfgeschwaders 4 eingesetzt.
Oktober: Herrmann wird das EK II verliehen.

1940
Mai: Die 7. Staffel nimmt am Westfeldzug teil; Herrmann wird das EK I verliehen.
Juni: Nachdem Hitler das britische Expeditionskorps bei Dünkirchen hat entkommen lassen und damit den damals noch möglichen Sieg im Zweiten Weltkrieg leichtfertig aus der Hand gegeben hat, beginnt die "Luftschlacht um England", an der auch die 7. Staffel beteiligt ist, deren Führung Herrmann übernimmt. Weder die Verleihung des "Ehrenpokals der Luftwaffe" im
September noch die des Ritterkreuzes im
Oktober noch Herrmanns Beförderung zum Hauptmann im
Dezember können darüber hinweg täuschen, daß das Reich die Luftschlacht um England verloren hat.
(Über die Gründe - die sicher nicht in der Person Herrmanns und/oder seiner Kameraden liegen - schreibt Dikigoros an anderer Stelle mehr.)

1941
ab Februar: Die 7. Staffel - die inzwischen dem Kampfgeschwader 30 unterstellt worden ist - operiert im Mittelmeer.

1942
Juni:
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.

1943
Januar/Februar: Angesichts der Niederlage bei Stalingrad werden die deutschen Streitkräfte aus dem Kaukasus zurück gezogen. Das Jagdgeschwader 52 wird in den Raum Charkow verlegt.
(Entgegen dem Drängen des Generals der Jagdflieger Adolf Galland, die Rüstung massiv auf die Produktion von Jagdflugzeugen umzustellen - die Luftwaffe ist mehr oder weniger auf dem letzten Stand des Spanischen Bürgerkriegs stehen geblieben und den Alliierten inzwischen qualitativ und quantitativ hoffnungslos unterlegen - setzen der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, und der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Adolf Hitler, statt dessen auf die Produktion von Bombern, Flugbomben und Raketen.)



August:
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1944
Januar:
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(.)
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1945
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Die Sowjets verurteilen ihn als "Kriegsverbrecher" zu 25 Jahren Zwangsarbeit.

1955
Oktober: Nach Adenauers Besuch in Moskau darf Herrmann in die BRD zurück kehren. Infolge schwerer Mißhandlungen in der Gefangenschaft ist er nicht mehr wehrdiensttauglich.
(Sonst wäre er nicht entlassen worden. Daß die Sowjet-Union damals alle noch lebenden Kriegsgefangenen - knapp 5.000 von ca. 5 Millionen - entlassen haben, war eine Propaganda-Lüge des Adenauer-Regimes. Die Sowjets ließen nur arbeitsunfähige Wracks laufen gehen humpeln.)
Er nimmt daher ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Kiel auf.
Wiewohl damals auch die "Bundeswehr" neu gegründet wird, ist fraglich, ob Herrmann überhaupt Interesse gehabt hätte, in derselben zu dienen - und damit unter Adenauer [...] (Er drückte sich später diplomatisch aus, indem er behauptete, "schon immer" den Wunsch gehabt zu haben, Jurist zu werden.)

1959
Herrmann heiratet die Konzertsängerin Ingeborg, geb. Reichelt (1928-2022).
(Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor. Der jüngere wird wie sein Vater Pilot und später Flugtrainer - allerdings nicht beim Militär, sondern bei der Lufthansa.)

1960
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1961
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1962
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1963
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1968
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1970
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1971
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1974
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1980
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1984
Hermann veröffentlicht seine Erinnerungen an die Luftwaffe unter dem Titel "Bewegtes Leben. Kampf- und Jagdflieger 1934-1945".

[Buch] [Buch]

1988
Herrmann veröffentlicht seine Erinnerungen an die Kriegsgefangenschaft in der SU unter dem Titel "Als die Jagd zu Ende war. Mein Flug in die sowjetische Gefangenschaft.

[Buch]

Die beiden Bücher werden zu Bestsellern und erleben zahlreiche Neuauflagen bis ins neue Jahrtausend [...]

1993
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[]

1997
Januar: Unter der Regierung Jeltsin wird Herrmann von der russischen Justiz posthum rehabilitiert.*****

2010
05. November: Hajo Herrmann stirbt in Düsseldorf. Er wird auf eigenen Wunsch vor Kiel seebestattet.


*Dikigoros bevorzugt bekanntlich Zeichnungen als Titelbilder, da sie "zeitloser" sind als Fotografien. Er will seinen Lesern jedoch die Vorlage für die o.g. Zeichnung nicht vorenthalten:

**In der Geschichte verbieten sich in der Regel Spekulationen wie "Was gewesen wäre, wenn...?" Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, und eine solche Ausnahme will Dikigoros hier einmal (was wörtlich zu nehmen ist) machen. Die rüstungstechnische Frage ist am leichtesten zu beantworten und kaum als "Spekulation" abzutun: Da gute Piloten, wie Galland, Mölders, Herrmann u.a., mit ihren Propeller-Flugzeugen im Spanischen Bürgerkrieg gute Erfolge erzielten, glaubten Hitler, Göring und Udet, damit auch für künftige Luftkriege bestens gerüstet zu sein, weshalb sie auf die Einführung der - bereits seit 1935 produktionsreifen - Düsenjäger verzichteten, bei deren Einsatz die "Luftschlacht um England" mit Sicherheit anders ausgegangen wäre. (Um Einwänden vorzubeugen: Nein, das wäre nicht an mangelnden Treibstoffvorräten gescheitert: Sofort nach Kapitulation der Niederlande nahm Rumänien die - vertraglich längst vereinbarten, aber durch die niederländische Königin, die Hauptaktionärin der Ölgesellschaften war, blockierten - Öllieferungen an das Reich auf; und da die Wehrmacht noch keinen Treibstoff auf dem Balkan und in Rußland verplempert hatte, hätte das Flugbenzin ohne weiteres für die wenigen Wochen ausgereicht, die es gebraucht hätte, um die Royal Air Force vollständig zu vernichten.)
Der Zweite Weltkrieg hätte aber aus einem weiteren Grund - auf den noch kein Berufshistoriker gekommen zu sein scheint - einen völlig anderen Verlauf genommen, wenn die "Rojos" den Spanischen Bürgerkrieg gewonnen hätten: Das Reich war ja 1940 noch mit der Sowjet-Union verbündet, und die Kommunisten hatten der Wehrmacht bereits im Frankreich-Feldzug als "5. Kolonne" gute Dienste erwiesen. Eine kommunistische Regierung in Madrid hätte dem Reich - anders als der undankbare Franco - einen Angriff auf die britische Festung Gibraltar mit Sicherheit nicht verwehrt (sondern ihn womöglich sogar aktiv unterstützt). Nach deren Fall wäre die britische Herrschaft im Mittelmeer - und in Konsequenz vielleicht sogar darüber hinaus im Nahen Osten und sogar bis Indien einschließlich - eingestürzt wie ein Kartenhaus. Es hätte keinen Krieg in Nordafrika, keinen Balkanfeldzug und wohl auch keinen Rußlandfeldzug gegeben, sondern der Zweite Weltkrieg wäre - jedenfalls in Europa - zu Ende gewesen, noch bevor er richtig begonnen hatte. Utopie? Kaum - es hätte bloß jemand Hitler mit der Nase darauf stoßen müssen, daß Franco reinblütige Jude war! (Canaris wußte es - aber der schwieg wohlweislich [...])
Aber, um auch das noch nachzutragen: Herrmann kämpfte - wie sicher auch andere Angehörige der "Legion Condor" - mit dem Mut und der Wut der moralischen Empörung gegen die Rojos, deren Greueltaten an der Zivilbevölkerung er mehr als einmal eingehend schilderte. Mag ja alles sein; aber das waren doch - qualitativ und quantitativ - "Peanuts" verglichen mit den Greueltaten, welche die siegreichen Alliierten an den besiegten Deutschen im und nach dem Zweiten Weltkrieg millionenfach verübten. War es das wirklich wert? Was gingen uns die Spanier an? Die Deutschen (bzw. ihre Regierungen) haben in ihrer Geschichte immer wieder dazu geneigt, sich zur falschen Zeit am falschen Ort in der falschen Sache zu engagieren - und meist auch noch auf der falschen Seite. (Nein, nicht erst seit dem Ukraïne-Krieg!) Und immer zu ihrem eigenen Schaden.

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