Georges Clemenceau (28.09.1841 - 24.11.1929) Tabellarischer Lebenslauf

Georges Clemenceau

(28.09.1841 - 24.11.1929)

[Georges Clemenceau]
[Clemenceau Unterschrift]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

[Wappen]
1841
28. September: Georges Benjamin Clemenceau* wird als zweites von sechs Kindern des Arztes Benjamin Clemenceau und dessen Ehefrau Sophie, geb. Gautreau, in Mouilleron-en-Pareds (Vendée) geboren. Frankreich ist eine konstitutionelle Monarchie.
König Louis-Philippe I - in seiner Jugend ein Wirrkopf, im Alter (geb. 1773) gereift - ist ein guter Herrscher. Seit seinem Regierungsantritt 1830 ist es mit dem Land wieder bergauf gegangen: Die Wunden, die Napoléon Bonaparte ihm - und ganz Europa - schlug, sind vernarbt. Innenpolitisch hält sich der liberale "Bürgerkönig" weitgehend zurück und ermöglicht so vor allem der Mittelklasse einen noch nie dagewesen wirtschaftlichen Aufschwung. Außenpolitisch verzichtet er auf kostspielige Abenteuer. Allein das nahe gelegene Algerien hat er erobern lassen (von der Fremdenlegion, so daß es keine französischen - sondern nur ausländische, überwiegend deutsche - Menschenleben gekostet hat) und damit auch dem übrigen Europa einen Gefallen getan, denn die muslimischen Piraten, denen er dabei das Handwerk legte, hatten zuvor das ganze Mittelmeer terrorisiert.

1848
Februar: Wenn es dem Esel Franzosen zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen macht er Revolution.** Wirr ist Das Volk ist noch bibelfest und kennt den Spruch: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein..." Allerdings ergänzt es ihn meist falsch, nämlich mit "... sondern auch und vor allem vom Ruhm (frz. Gloire)."
(Nein, Dikigoros will nicht behaupten, daß das allein auf das französische Volk zuträfe. Wer seine Seite über den US-amerikanischen Kriegspropagandafilm "They died with their boots on" gelesen hat, erinnert sich vielleicht an den zentralen Satz, den der Drehbuchautor General Custer in den Mund legt: "You can take Glory with you, when it is time for you to go." Er will damit sagen, daß man Ruhm - im Gegensatz zu Geld - mit ins Grab nehmen kann.)
Die Franzosen jagen ihren ruhmlosen König ins Exil - wo er wenig später stirbt - und rufen wieder die ("zweite") Republik aus.
Dezember: Zum Präsidenten wählen sie keinen Geringeren als Charles Louis Napoléon, den Neffen ihres ersten Kaisers, der sich vier Jahre später auch selber zum Kaiser ("Napoléon III") ernennt.***


1852
Clemenceau - der bis dahin zuhause von seiner Mutter unterrichtet worden ist - tritt ins kaiserliche Lyceum zu Nantes - ein Internat - ein.

1858
Clemenceau legt das Abitur ("baccalauréat") ab und nimmt ein Studium der Medizin in Nantes auf.

1861
Clemenceau wechselt an die Hochschule für Medizin in Paris. Nebenbei besucht er Vorlesungen in Rechtswissenschaften.
(Seine Hauptbeschäftigung in jenen Jahren scheint indes das Schreiben politischer Artikel in zu diesem Zweck von ihm selber und seinen Freunden gegründeten Zeitungen zu sein - die jedoch keinen größeren Erfolg zeitigen, sondern ihm lediglich eine kurze Gefängnisstrafe eintragen.)
Für einen ordnungsgemäßen Abschluß seiner medizinischen Ausbildung gibt es keine belastbaren Beweise. Dikigoros ist kein Mediziner und kennt auch niemanden, der sich in der Ärzteausbildung im Frankreich des 19. Jahrhunderts genau auskennt; aber auf die juristische Ausbildung übertragen könnte man sagen: Clemenceau besteht zwar das 1. Examen, absolviert auch einige Stagen des Referendariats, fällt aber zweimal durchs 2. Examen - und das wars dann. Jedenfalls praktiziert er nie. Eine Dissertation, die er 1865 vorlegt, wird zwar gedruckt, aber offenbar nicht von der Hochschule angenommen (obwohl es dazu keines 2. Examens bedurft hätte).

1865
September: Clemenceau emigriert in die USA, wo gerade der Sezessionskrieg zu Ende gegangen ist.
Er wird Französisch-Lehrer an einem Mädchen-Pensionat in Stamford (Connecticut).
Nebenbei erlernt er - der auf dem Lyceum nur Unterricht in Alt-Griechisch und Lateinisch hatte - die englische Sprache. (Damals noch ein beinahe exotisch anmutendes Unterfangen.)

1869
Juni: Clemenceau heiratet seine Schülerin Mary Plummer. (Aus der Ehe - die nur bis ins verflixte 7. Jahr 1876 hält**** - gehen drei Kinder hervor.)

1870
Januar: Clemenceau kehrt mit seiner Frau nach Frankreich zurück.

1876
Pétain tritt in die Nationale Militärschule von Saint-Cyr ein.

1878
Pétain geht nach mittelmäßigem Abschluß als Sous-Lieutenant ([Unter-]Leutnant) zur Infanterie. Er wird zum 24. Jäger-Bataillon nach Villefranche-sur-Mer versetzt.

1883
Pétain wird zum Lieutenant (Oberleutnant) befördert und zum 3. Jäger-Bataillon nach Besançon versetzt.

1888
Pétain absolviert die École supérieure de guerre (Kriegsakademie) in Paris.

1890
Pétain wird zum Capitaine (Hauptmann) befördert und zum Stab des XV. Armée-corps nach Marseille versetzt. Dort macht er sich mit seiner Ablehnung der herrschenden Offensiv-Strategie (die er seit Erfindung des Maschinengewehrs - Fortentwicklung der Mitrailleuse - für unverantwortlich hält) bald unbeliebt und gerät in einen Karriereknick. In den nächsten zehn Jahren wird er in schnellem Wechsel von Planstelle zu Planstelle "weggelobt".

1891
Pétain wird zum 29. Jäger-Bataillon nach Vincennes versetzt.

1895
Pétain wird zum Generalstab nach Paris versetzt, aber von dort zur Fliegerausbildung abcommandiert.

1897
Pétain legt die Fliegerprüfung ab.

1899
Pétain wird zum 8. Jäger-Bataillon nach Amiens versetzt.

1900
Pétain wird zum Commandant (Major) befördert und Instructeur an der Schützenschule in Chalons-sur-Marne. Auch dort treffen seine Ideen auf wenig Gegenliebe.

1901
Pétain wird zum 5. Infanterie-Regiment nach Paris versetzt. Nebenbei wird er Dozent für Infanterie-Taktik an der Kriegsakademie.

1907
Pétain wird zum Lieutenant-colonel (Oberstleutnant) befördert und zum 118. Infanterie-Regiment nach Quimper (Bretagne - von den Franzosen als "Ende der Welt [Finistère]" bezeichnet) versetzt.

1910
Pétain wird zum Colonel (Oberst) befördert und durchläuft die Generalstabsausbildung am Centre des hautes études militaires.

1912
Pétain wird zum Commandeur des 33. Infanterie-Regiments in Arras ernannt. (Dort, in der Heimatstadt Robespierres, dient auch der Sous-lieutenant Charles de Gaulle.)


1914
März: Pétain wird zum Commandeur der 4. Brigade in Saint-Omer ernannt.
August: Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird Pétain an der belgischen Front eingesetzt, wo seine Defensiv-Strategie Erfolg hat. Pétain wird zum Brigade-General befördert.
September: Pétain wird zum Commandeur der 6. Division ernannt und nimmt an der Marne-Schlacht teil.
Oktober: Pétain wird zum Officier der Ehrenlegion und zum Commandeur des 33. Armée-corps ernannt.

1915
Pétain nimmt als Commandeur der 2. Armée an der Offensive in der Champagne teil, die scheitert. Pétain lehnt weitere Offensiven ab, empfiehlt die Defensive und gerät dadurch in Gegensatz zum französischen Oberbefehlshaber Joffre.


1916
Gegen die deutsche Großoffensive bei Verdun baut Pétain eine massierte Verteidigung auf. Die Monate lange Schlacht von Verdun und die erfolgreiche Defensiv-Strategie machen Pétain trotz der großen Verluste in Frankreich zum Helden.


1917
Unter dem Oberbefehl des "Blutsäufers" Georges Robert Nivelles (1858-1924), eines rücksichtslosen Befürworters der Offensive, der seine Soldaten regimenterweise in das Feuer der deutschen Maschinengewehre jagen läßt, kommt es in Teilen der französischen Nordarmee zu Meutereien, die auf das ganze französische Heer überzugreifen drohen.
30. April: Nivelles wird abgelöst und durch Pétain ersetzt, der die Meutereien mit eiserner Hand unterdrückt und so den drohenden Zusammenbruch der Front verhindert. Erleichtert wird ihm diese Aufgabe durch die "Sixtus-Briefe", in denen Kaiser Karl von Österreich-Ungarn den Franzosen für einen Friedensschluß Elsaß-Lothringen anbietet und damit zu erkennen gibt, daß er kriegsmüde ist und bereit, Deutschland in den Rücken zu fallen. (Als die Separatfriedens-Verhandlungen scheitern - Karl will zwar deutsche Gebiete an Frankreich abtreten, aber keineswegs eigene, etwa Südtirol, an Italien - hat Pétain seine Truppen schon wieder fest im Griff.)


1918
November: Deutschland sucht um Waffenstillstand nach, was einer Kapitulation gleich kommt. Pétain wird zum Maréchal (Feldmarschall) befördert und neben Ferdinand Foch zur führenden Figur der französischen Armee.


Dezember: Pétain wird zum Maréchal de France (Reichsmarschall) befördert und zum Mitglied im Friedensrat der Armée ernannt.

1919
Juni: Nachdem eine deutsche Regierung den von den Entente-Mächten diktierten Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet hat, wähnt sich Frankreich auf dem Höhepunkt seiner Macht.


Auf den ersten Blick spricht einiges für diese Auffassung: Frankreich ist wieder zur stärksten Militärmacht auf dem Kontinent geworden. Es hat nicht nur Elsaß-Lothringen zurück gewonnen - und damit "eine schmerzhafte Erinnerung ausgelöscht" -, sondern seine Ostgrenze de facto bis zum Rhein vorgeschoben. Es hat Teile des deutschen Kolonialreichs - Kamerun und die Hälfte Togos - und des Osmanischen Reichs - Syrien und Libanon - erhalten (de iure als "Mandate" des "Völkerbunds", de facto aber als Kolonien), und aus der Konkursmasse des Tsarenreichs und Österreich-Ungarns sind ihm neue Verbündete - "Kleine Entente", "Cordon sanitaire" - erwachsen, mit denen es Deutschland "in die Zange nehmen" kann. Die materiellen Verluste werden sich durch Reparationszahlungen - "L'Allemagne payera tout [Deutschland zahlt alles]" wird zum geflügelten Wort, das auch Clemenceau oft und gerne im Großmaul Mund führt - ausgleichen lassen.
Auf den zweiten Blick nimmt sich die Bilanz allerdings weniger rosig aus: Die in Übersee gewonnenen Gebiete sind nicht viel wert. (Die besten Teile - Deutsch-Südwest- und -Ostafrika, Irak, Kuwait, Transjordanien und Palästina - haben sich die Briten genommen.) Seine neuen Verbündeten - allen voran Polen - muß Frankreich militärisch und finanziell unterstützen - praktisch ohne Gegenleistung; vielmehr treibt dies die Sowjet-Union dem Deutschen Reich in die Arme (Vertrag von Rapallo 1921). Die französische Wirtschaft ist ruiniert: Das ausgepowerte Deutschland kann die festgesetzten Reparationen nicht aufbringen; die alliierten Gläubiger - allen voran die USA - sind nicht bereit, auf ihre Forderungen gegen Frankreich zu verzichten. Das deutsche Auslandsvermögen - das hauptsächlich in Nord- und Südamerika angelegt war - haben sich die USA unter den Nagel gerissen; und die Sowjet-Union weigert sich, Frankreichs Forderungen gegen das Tsarenreich - den größten Empfänger ihrer Kredite und "Investitionen" - anzuerkennen. Die enteigneten deutschen Patente werden infolge des rasanten technologischen Fortschritts, d.h. neuer Patente - bald wertlos. Am schwersten wiegt jedoch der Verlust an völkischer Bevölkerungssubstanz: Während die erst spät in den Krieg eingetreteten USA kaum mehr als 100.000 Tote zu beklagen haben und Großbritannien hauptsächlich Inder, Neger u.a. "Kolonialvölker" verheizt hat, hat Frankreich mehr als ein Viertel seiner 18-27-jährigen männlichen Bevölkerung verloren. Hinzu kommen über 4 Millionen Schwerkriegsversehrte, die z.T. nicht mehr arbeitsfähig sind. Alle Gewinne wiegen diese Verluste schwerlich auf. Tatsächlich ist die "grande nation" trotz ihres "Sieges" - Pyrrhos läßt grüßen - von einer Vorkriegs-Großmacht zu einer Macht zweiten Ranges herab gesunken.

1920
Januar: Clemenceau will Staatspräsidenten werden, fällt jedoch schon bei der Nominierung durch. Daraufhin zieht er sich beleidigt ins Privatleben zurück.

1921
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1922
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1923
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1925
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1929
24. November: Georges Clemenceau stirbt in Paris an Nierenversagen.


*Nach anderen Quellen: Clémenceau. Der Streit ist müßig; jedenfalls schrieb er sich später ohne accent aigu.

**Dikigoros hat es schon an anderer Stelle geschrieben, aber er wiederholt sich gerne: Revolutionen brechen nicht aus, weil es dem Volk schlecht geht - wer hungert, hat andere Sorgen -, sondern weil es ihm so gut geht, daß es Muße hat, sich von irgendwelchen Demagogen - meist Juden und/oder Juristen, die selber an die Macht gelangen wollen - zur Revolution aufhetzen zu lassen. Dikigoros hat sich eingehend mit den "großen" Revolution der Neuzeit beschäftigt - es ist immer und überall das gleiche: Der jüdische Advocat Rubinstein ["Robespierre"] löste die französische Revolution von 1789 aus, der jüdische Adwokat Kerenskij die russische "Februar"-Revolution, der jüdische Adwokat Uljanow ["Lenin"] die russische "Oktober"-Revolution, der jüdische Abogado Castro die kubanische von 1958; selbst der britische Solicitor Gandhi war anfangs bloß eine Marionette jüdischer US-Journalisten, und der fette, vollgefressene Sohn eines wohlhabenden Großbauern Mao eine seiner jüdischen Ärzte. Auch Khomeini hatte islamisches Kirchenrecht studiert - sonst hätte er ja kein Ayatullah werden können. Kuba war zuvor - unter Batista - das reichste Land Lateinamerikas gewesen, und den Iranern war es nie zuvor in ihrer neuzeitlichen Geschichte so gut gegangen wie unter dem 1979 gestürzten Shah-in-Shah. (Und auch allen anderen Ländern ging es vor besagten Revolutionen erheblich weniger schlecht als in den Jahrzehnten danach. (Dikigoros verzichtet auf die Erwähnung der kleineren und/oder erfolglosen Revolutionen und auf Regimewechsel, die sich bloß so nannten. Über die - von Rittern angeführten - "Bauernkriege" des 16. Jahrhunderts schreibt er hier, und über die - von Junkern und protestantischen Farisäern angeführte - englische Revolution des 17. Jahrhunderts hier.)

***Auch das ist ein typisches Fänomen: Jede Revolution kostet Opfer an Mensch und Material. Früher oder später ruft "das Volk" wieder nach einer starken Hand, die dem Spuk ein Ende bereiten und es "herrlichen Zeiten entgegen führen" möge.
Erinnert sich noch jemand an das Chanson "Danton" von Michel Sardou aus dem Jahre 1974? Es mag zwar nicht ganz den historischen Tatsachen entsprechen - wie er selber in dem Interview am Ende des verlinkten Videoclips einräumt -, aber ein Satz stimmt haargenau: "Les révolutions engendrent l'Empire." (Das versteht wohl jeder auch ohne Französisch-Kenntnisse. Die folgenden Zeilen übersetzt Dikigoros gleich - leicht, aber nicht sinnentstellend, gekürzt - ins Deutsche: "Um die Nation zu säubern [purifier] legt ihr die Revolution in die Hände eines Militärs, der mit gezogenem Säbel eure Illusionen zerplatzen lassen wird.") Napoléon III verkündete zwar: "L'Empire, c'est la paix [Das Kaiserreich ist der Friede]!"; aber Victor Hugo hielt dem das Wortspiel entgegen: "L'Empire, c'est l'épée [Das Kaiserreich ist der Säbel]!"
Napoléon III kann zunächst zwei große außenpolitische Erfolge erzielen: Im "Krimkrieg" (1854-56) gelingt ihm, was seinem Onkel versagt blieb, nämlich ein Sieg gegen Rußland; im "italienischen Einigungskrieg" (1859/60) gewinnt er für seine Hilfe gegen das Habsburgerreich Savoyen und die Côte d'Azur - Frankreich wird wieder zur ruhmreichen europäischen Großmacht. Dagegen setzt er im preußisch-österreichischen Krieg (1866) aufs falsche Pferd und erhält so weder Venezien noch Luxemburg als "Kompensation" für seine Neutralität. In Mexiko scheitert sein Versuch, einen Marionetten-Kaiser zu installieren, am Widerstand der USA (1867), und der Versuch, einen französischen statt eines preußischen Prinzen auf den spanischen Thron zu hieven endet im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) mit seiner Niederlage und Abdankung. (Böse Zungen behaupten, daß er die drei letzten Fehlentscheidungen auf Anraten seiner Ehefrau - einer spanischen Gräfin, unter deren Pantoffel er gestanden habe - traf; aber dafür gibt es keine belastbaren Beweise.)

****Dikigoros will seinen Juristenrappel nicht im Hauptext austoben; daher verbannt er das folgende in eine Fußnote: In vielen Ländern gibt es bis heute den Unterschied zwischen einer Trennung von Tisch und Bett (frz. "séparation") und einer Scheidung (frz. "divorce"). In katholischen Ländern gab es 1876 noch keine Scheidung; das galt auch für Nicht-Katholiken. (Clemenceaus - protestantische - Eltern hatten ihre Kinder nicht taufen lassen.) Die Clemenceaus konnten sich also bloß gerichtlich trennen lassen. Die Trennungsfolgen waren aber nicht viel anders als die Scheidungsfolgen: Der Ehemann mußte seiner getrennt lebenden Frau Unterhalt zahlen, und Ehebruch blieb strafbar - wie fast überall auf der Welt. Ja, es war bloß ein "Antragsdelikt", d.h. die Staatsanwaltschaft ermittelte nicht von Amtss wegen; aber Clemenceau stellte diesen Antrag, als bekannt wurde, daß es seine Frau mit einem anderen Mann - dem Hauslehrer ihrer Kinder - trieb. (Daß auch er selber allenthalben herum hurte Ehebruch beging, pfiffen zwar die Spatzen von den Dächern - oder, wie man auf Französisch sagt, die Spatzen auf den Dächern -; aber vor Gericht mußte das erstmal bewiesen werden, und die Staatsanwaltschaft ermittelte wie gesagt nicht. Mary konnte diesen Beweis nicht führen, Georges aber sehr wohl - durch ihm genehme Zeugen. Mary wird 1891 zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt, während deren Verbüßung Georges die Scheidung einreicht (inzwischen ist ein "divorce" möglich) und - unter Entzug der französischen Staatsbürgerschaft, die sie durch Heirat erlangt hatte - auf einem Seelenverkäufer 3. Klasse in die USA abgeschoben. Das Sorgerecht für Die Vormundschaft über die noch minderjährigen Kinder - die ohnehin bei Marys Schwiegereltern aufgewachsen sind - erhält der Vater.


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